Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 steher des Vereins sowie den alten und neuen Friedhof mit interessanten Grabsteinen zeigte, beschloß das Fest. Zur -Geschichte des Vereins sei folgendes mitgeteilt: Seine Gründung, fällt so ziemlich mit dem Jnslebentreten der jüdischen Gemeinde in Elbing zusammen. In Elbing war zur Zeit der preußischen Okkupation 17 72 kein Jude wohnhaft. So blieb es bis 1783, wo dem Moses Simon der Aufenthalt als Garkoch und Dolmetscher von Berlin aus gestattet, ihm jedoch der Handel und Gewerbebetrieb sowie das Geld- und Warenmäkeln streng untersagt wurde. Im Jahre 1800 erhielt Moses Simon die Erlaubnis zum Ankauf einer Fabrik und einiger Holzhöse sowie zum Handeln. Nur durste er nicht mit Getreide und Pottasche Geschäfte machen. Erst der Erlaß vom 11. März 1812, der den Juden gleiche bürgerliche Rechte und Freiheiten mit den Christen gewährte, führte eine gänzliche Umgestaltung ihrer bürgerlichen Verhältuisse herbei. Es entstand nun in Elbing eine jüdische Gemeinde, mit deren Dasein sich auch das Bedürfnis nach einem israelitischen Krankenpflege- und Begräbnisverein geltend machte. Waren bis dahin die Toten der Elbinger jüdischen Gemeinde in Christburg bestattet worden, so sorgte «un der Verein für einen eigenen Begräbnisplatz in Elbing, wozu ihm die Regierung die Genehmigung erteilte. Der Verein zählt jetzt 16 tätige und 43 unterstützende Mitglieder. Die Tätigkeit der Vereinsmitglieder gilt als brüderlicher Liebesdienst. 2/D Könitz, Westpr., 13. März. Alu Sonntag, den 8. d. M., fand in unserer Synagoge eine hier noch nie gesehene Feier statt. Es wurden vier Mädchen von Herrn Rabbiner Dr. Tirschtigel in feierlicher Weise eingesegnet. In dem festlich geschmückten Gotteshause waren fast alle Gemeindenntglieder und viele Fremde versammelt. Nach einleitendem Gesang des Kantors mit Harmoniumbegleitung und einem Gebet des Rabbiners sprach eine Schülerin ein tief empfundenes Gebet. Es folgte die zn Herzen gehende Predigt des Rabbiners, der das Judentum mit dem ewigen Licht verglich und den Mädchen die Obhut dieses Lichtes zur Pflicht machte. Daran schloß sich eine Prüfung der Mädchen und das Aussagen des Glaubensbekenntnisses sowie Gebet und Segen. Gesang schloß die erhebende Feier, die aus alle Beteiligten einen tiefen, nachhaltigen Eindruck machte. W. Aus der Provinz Posen, 13. März. Posen. An Stelle des vom 1. April >d. I. ab nach Pleschen berufenen Rabbiners Herrn Blum von hier ist kürzlich in gemeinsamer Sitzung des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung Herr Rabbiner Dr. Silberberg in Schrimm, Sohn des vor drei Wochen hier verstorbenen Rabbinatsassessors Samuel Silberberg, zum zweiten Rabbinatsassessor gewählt worden. — Exiu. Im Alter von 05 Jahren starb die älteste Einwohnerin unserer Stadt, die Witwe Al i ii n it Salomon, die sich bisher einer hohen körperlichen und geistigen Regsamkeit zu erfreuen hatte. Gern wurden ihre Erzählungen aus alter Zeit, namentlich die Episoden aus dem Kriege Napoleons I. angehört. — Zerkow. Hotelbesitzer M. Scheps wurde hier zum Brandmeister des freiwilligen Fonerwehrvereins gewählt. — Ro gasen. Der Verein Jüdisches Siechennnd Altersheim für die Provinz Posen zu Rogasen hat zur Erlangung eines geeigneten Bauprojekts, der Entwürfe und Kostenanschläge ein Preisausschreiben veranstaltet. Es wurden drei Preise zu 300, 200 und 100 M. ausgesetzt. — L a b i s ch i n. In der letzten Stadtverordneteusitzung wurde der Kaufmann H. L e w i n ehrenamtlich zum Schiedsmann des Stadtbezirks Labischin gewählt. — Witkowo. Unsere Stadt war bis jetzt die einzige Kreisstadt der Provinz Posen, deren Stadtverordnetenkollegium nur aus polnischen Mitgliedern zusammengesetzt war. Bei der in diesen Tagen vollzogenen Stadtverordnetenwahl wurde der Borsteher der Synagogengemeinde Herr Berne gewählt. . B. zieht als der erste deutsche Stadtverordnete in das Kollegium, das seit zwölf Jahren rein polnisch war , ein. — H o h e n s a l z a. In bewußtlosem Zustand aufgefunden wurden in einer hiesigen Herberge sieben aus Rußland hierher gekommene jüdische Handelsleute. Während sich einer von ihnen bald erholte, stellte der hinzugernfene Arzt bei einem anderen den bereits eingetretenen Tod fest. Die anderen wurden auf Anordnung des Arztes in das Krankenhaus gebracht, wo es einigen bereits besser geht. Die Ursache des seltsamen Falles ist noch nicht festgestellt; es ist nicht ausgeschlossen, daß es sich um Vergiftung infolge Genusses verdorbener Bücklinge handelt, möglich auch durch Gasvergiftung. — Rogasen, 12. März. Zu einer ganz außerordentlich imposanten Trauerkundgebung gestaltete sich die gestern nachmittag erfolgte Bestattung des am Montag verstorbenen Herrn Spediteurs M o r i tz Zerenze. Eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge hatte sich aus Stadt und Land eingefunden, um dem allseitig bekannten Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Verein ehemaliger Leibhusaren zu Posen hatte es sich nicht nehmen lassen, dein Heimgegangenen Kriegskameraden die letzte Ehre zn erweisen und war in Stärke von zirka dreißig Herren hierher geeilt. Dem Zuge voran schritt eine aus zwölf Mann bestehende Musikkapelle vom Königsjägerregiment zu Posen in Uniform, dann folgten die Ehrenzeichen des Verstorbenen, auf einem Kissen mit großem Totenkopf angebracht, nnd nach diesem die umflorte Vereinsfahne der Leibhnsaren sonne eine prächtige Kranzspende der Kameraden. Rach dem Leibhusarenverein folgte eine Abordnung von Postbeamten. In der Friedhofshalle nahm Herr Rabbiner Dr. Dünner das Wort zu einem Nachruf, in welchem er den Lebensweg des Verstorbenen schilderte und seine Verdienste als Mensch, Soldat und Baterlandsverteidiger hervorhob. Nach den üblichen Trauergesängeu wurde der Sarg dann neben der Grabstelle der Eltern des Herrn Zerenze zur Letzten Ruhe beigesetzt. Der Dahingeschiedene hat, wie die „Rogasener Wochenschrift" berichtet, viele Jahre zum Wohte der Stadt und der hiesigen jüdischen Gemeinde gewirkt. Er gehörte eine Reihe von Jahren der Stadtvertretung als Stadtverordneter an und war früher Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Ebenso war er früher königlicher Bahnspediteur und hatte jetzt seit einigen Jahren die kaiserliche Posthalterei. , Herr Zerenze war Kriegsveteran von 1870/71. M. Hamburg, 12. März. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg e. B. veranstaltete zur Feier der Verlegung ihrer Räumlichkeiten nach dem Museum für Volkskunde, Rothenbaumchaussee, eine Festsitzung, in der Herr Rabbiner D r. Loewenthal zunächst einen Vorkrag über „Familie und Familienbeziehungen im jüdischen Volksmunde" hielt. Im Anschluß hieran fand die ordentliche Hauptversammlung statt. Der erste Vorsitzende, Herr Dr. R i e g e r begrüßte die Erschienenen und erstattete hierauf den Jahresbericht. Das Hauptereignis des verflossenen Vereinsjahres war die Uebersiedelnng der Gesellschaft, die bisher mit ihrem Museum heimatlos war, nach den neuen Räumen des Museums für Völkerkunde, wo ihr dank dem Entgegenkommen des Staates und der Mnsenmsleitnng diese schönen, für ihre Zwecke besonders geeigneten Räume zur Verfügung gestellt wurden. Er wolle nicht unterlassen, den Behörden auch von dieser Stelle ans den Dank der „Gesellschaft" öffentlich auszusprechen. Eine weitere Veränderung ist mit dem Beginne dieses Jahres eingetreten, indem die bisher von dem Begründer der Gesellschaft, Herrn Rabbiner D r. Grün w a l d - Wien hernusgegebenen Mitteilungen der Gesellschaft jetzt bedeutend erweitert worden sind und von ihm in Gemeinschaft mit einem Redaktionskomitee, bestehend ans den Herren Rabbiner Dr. Loewenthal, M. Deutschländer und Dr. Rieger, redigiert werden. Ein Hauptaugenmerk richtete der Vorstand auf die Vermehrung der Sammlungen der Gesellschaft. Insbesondere ist es ihm gelungen, zwei wertvolle Hamburgensien in allerletzter Zeit anzukausen, und zwar sind dies zwei in Hamburg resp. Altona gedruckte hebräische Broschüren, von denen die eine eine poetische Darstellung der Leiden der Juden während der Belagerung von 1814 enthält, während die andere aus dem Jahre 1809 stammende uns mit einem Danklied der Altonaer Gemeinde anläßlich des Ge> burtstages des Königs Friedrich von Dänemark bekannt macht Sehr wichtig sind auch die Ankäufe eines von Otto Schekter gezeich neten Bildes von Salomon Heine, das den bekannten Philanthropen darstellt, wie er von seiner Villa in Oevelgvnne aus die Elbe hinansschaut, sowie eine im Suhrschen Buntdruck ausgeführte älteste Darstellung des Heineschen Krankenhauses. Außerdem wurde noch eine weitere Reihe bildlicher Darstellungen althamburgischer Typen sowie eine Anzahl von Photographien aus dem heiligen Lande erworben. Leider mußte der Vorstand auch diesmal wieder, wie so oft, sich bei Ankauf von Gegenständen infolge seiner ungenügenden Kassenverhältnisse die größtmögliche Beschränkung auserlegen und viele für seine Zwecke, passende Altertürmer deshalb 'zurückweisen. An Stelle des wegen Domizilveränderung ans dem Vorstand ausgeschiedenen Herrn L. Fliedenheim wurde Herr Syndikus Dr. N a t h a n zum Vorstandsmitglied gewählt. Aus dem alsdann erstatteten Kassenbericht ergab sich, daß die Finanzen der Gesellschaft