Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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78. Jahrgang. Nr. 12 Berlin, 20. März 1914 Der Gemetndevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. korrrlpouLrn?m und Mgchrichtkn. Skutschlsnd. L. Berlin, 17. März. Der Vorstand der Wissenschaftl i ch e n Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen in B e r l i n gibt in einem gedruckten Jahresbericht eine Darstellung der Vereinstätigkeit im verflosseneiH (18.) Vereinsjahre. Dem Jahresbericht ist ein Abdruck des Vortrages: „Die Philosophie Henri Bergsoys" von Herrn Rabbiner Dr. Lewkowitz beigesügt. Es fanden im letzten Vereinsjahre neun Sitzungen statt. Folgende Vorträge wurden gehalten: Herr Abraham: „Unstimmigkeiten zwischen dem Lehrplan für den Religionsunterricht und den für das Hebräische zugelassenen Lehrbüchern". Herr Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal: „Wie kann der Unterricht im Hebräischleseu interessant gemacht werden?" Herr Rabbiner Dr. Bergmann: „lieber den Unterricht in der Religionslehre". Herr Abraham: „Die Gründung eines jüdischen Schulmuseums in Berlin". Herr- Rabbiner Dr. Sänger: „Buddhismus und Judentum". Herr Falkenberg: Kabischs Buch: „Wie lehren wir Religion?" Herr Hanfs: „Welche Schritte müssen wir tun, um die Schulverwaltungen Groß-Berlins zur Anstellung jüdischer Lehrer zu veranlassen?" Herr Professor Dr. Friedländer: „Jüdische Lehrerschaft und Gemeindebund". Herr Dozent Dr. Elbogen: „Die Liturgie des Versöhnungstages". Herr Rabbiner Dr. Bäck: „Englische und amerikanische Frömmigkeit". Herr Professor Dr. Fiegel: „Die Unterstützungskasse des Lehrerverbandes". Der wissenschaftlichen Fortbildung dienten neben einer Zahl der erwähnten Vorträge ferner die Fortbildungskurse, denen auch im vergangenen Jahre der D. I. G. B. und die Gemeindebehörden ihre Unterstützung gewährten. Im Winterhalbjahre 1912/13 erklärte Herr Rabbiner Gans die Psalmen und las Herr Seminardirektor a. D. Dr. Holzman über „Die Methodik des Unterrichts; in der biblischen Geschichte"; im Sommersemester setzte Herr Rabbiner Gans die Exegese der Psalmen fort und behandelte Herr Dozent Dr. Elbogen „Unsere Liturgie". In diesem Winterhalbjahre bespricht Herr Rabbiner Gans den Propheten Jeremia und liest Herr Dozent Dr. Täubler „Jüdische Geschichte in hellenisch-römischer Zeit". Den beiden Körperschaften, die durch Gewährung der Geldmittel die Fortbildungskurse ermöglichen, sei hier nochmals herzlich gedankt. Auch nach außen hin hat die Wissenschaftliche Vereinigung in wichtigen Fragen Stellung genommen und Anregungen gegeben. Sie richtete an den Vorstand der jüdischen Gemeinde ein eingehend begründetes Gesuch zwecks Herausgabe einer neuen Schulbibel unter Benutzung der verdienstvollen Schul- und Hausbibel von Jakob Auerbach, deren, Schutzfrist im Jahre 1917 abläuft. Dagegen wurde davon Abstand genommen, Schritte zu tun, um das von Herrn Abraham propagierte jüdische Schulmuseum in Berlin ins Leben zu rufen, und zwar mit Rücksicht daraus, daß um dieselbe Zeit ein gleicher Plan der jüdischen Lehrerschaft in Frankfurt am Main für diesen Ort bekannt wurde und bei dem daselbst! schon vorhandenen Grundstock eher auf eine Verwirklichung gerechnet werden dürfte. Die Anstellung jüdischer Lehrpersonen an den Gemeindeschulen Groß-Berlins konnte leider trotz eingehender Besprechung in meherern Vereinsversammlungen und Kommissionssitzungen bisher nicht gefördert werden. Doch werden in kurzem Schritte getan werden, um die maßgebenden Instanzen erneut auf die andauernde Zurücksetzung der jüdischen Lehrpersonen hinzuweisen und Maßnahmen zu veranlassen, damit sowohl die Zahl der jüdischen Lehrkräfte überhaupt in das rechte Verhältnis zur Zahl der jüdischen Schulkinder, als auch im besonderen die Zahl der männlichen zur Zahl der weiblichen Lehrkräfte in das bei den anderen Konfessionen maßgebende Verhältnis gesetzt werde. Angesichts der Streitfragen über die jüdische Volksschule betonte die Wisienschaftliche Vereinigung ihren Standpunkt durch Veröffentlichung einer Resolution, in der unbeschadet der zu erstrebenden paritätischen Volksschule unter den gegenwärtigen Verhältnissen mit aller Entschiedenheit die Erhaltung der bestehenden jüdischen Volksschulen und die Begründung solcher gerade in den Großgemeinden gefordert wird. — Ein Antrag, die Verbandsleitung 31t Schritten zu veranlassen, um die Zahl der jüdischen Seminare in ein angemessenes Verhältnis zu dem Bedarf an Lehramtskandidaten zu bringen und um die Mängel abzustellen, die gegenwärtig den jüdischen Seminaren durch die Zersplitterung an Lehrkräften und Geldmitteln anhaften, wurde vertagt, da der Breslauer Verbandstag bereits mit Beratungsgegenständen überlastet war. Der geselligen Unterhaltung dienten die Zusammenkünfte nach den Vereinsversamlungen und mehrere Vereinsausflüge. Auch ein Wintervergnügen vereinigte zahlreiche Vereinsmitglieder und Gaste zu ungezwungener Gemütlichkeit. — Nachdem der verdiente frühere Vereinsvorsitzende Herr Professor Friedläuder eine Wiederübernahme dieses Amtes abgelehnt hatte, wurde Herr Abraham zum 1. Vorsitzenden und Harr Falkenberg neu in den Vorstand gewählt. 22 Berlin, 17. März. Der Hilfsverein für jüdische Studierende hielt am 10. d. M.. seine Generalversammlung ab. Laut Bericht des Schriftführers Professor Dr. F. Lieb er ma 1111 hat der Verein 1913 nahezu 200 Stipendiaten der Universität und anderer staatlicher Hochschulen in Berlin unterstützt, irn ganzen mit 36 760 Mark. Das Vermögen des seit 1841 bestehenden Vereins beträgt über eine halbe Million; doch müssen zur Bestreitung der Ausgaben die Rückzahlungen früherer Stipendiaten bedeutend beitragen; sie beliefen sich 1913 aus fast Zehntausend Mark. Vorsitzender ist Justizrat Dr. A. Seligsohn. 6. T. Berlin, 17. März. Die Trauerfeier für den Geheimen Regierungsrat Dr. Paul W. Magnus, Professor an der Berliner Universität, fand vorgestern mittag in der Halle des jüdischen Friedhofes in der Schönhauser Allee statt. Das Kultusministerium hatte hierzu den Geheimen Rat v. Hülsen entsandt. Anwesend waren ferner unter anderen: der Rektor der Universität, Geheimer Regiernngsrat Professor Dr. Planck und der Direktor des Berliner Pfandbriesamtes Dr. Min de n. Der Akademische Verein für Naturwissenschaft und Medizin war mit Banner erschienen. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Weiße. Im Anschluß daran gedachte der Rektor der landloirtschafttichen Hochschule, Geheimer Rat Prosessor Dr. Wittmack namens der Deutschen biologischen Gesellschaft der Verdienste des Verstorbenen auf dem Gebiet der Botanik. Die Beisetzung erfolgte tnt Erbbegräbnis. $$$- Berlin, 17. März. Der von den Berliner Logen des U. O. B. B. begründete Verein für Arbeitsnachweis hielt am 28. v. M. in den Bureauräumen, Monbijonplatz 10, seine XIX. ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Gins b erg, gedachte nach Eröffnung der Sitzung mit ehrenden Worten der verstorbenen Herren Otto Haber und Julius Cohn, die seit Begründung des Vereins dem Kollegium des Vorstandes angehört und in rastloser Betätigung ihre ganze Persönlichkeit für die Erfüllung und den Ausbau der Vereinsaufgaben eingesetzt haben. Zugleich teilte er mit, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde an Stelle des verstorbenen Herrn Julius Cohn Herrn Justizrat S. Meyer in den Vorstand delegiert habe, eine Wahl, die mit großer Freude zu begrüßen sei. Darauf folgte der Jahresbericht: Die Erfüllung der Vereinszwecke hat unter den außerordentlich ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen schwer zu leiden gehabt. Größer als je war die Zahl der Stellungslosen, die tagtäglich vorsprachen, aber nicht alle Wünsche konnten Berücksichtigung finden. Immerhin sind durch die Tätigkeit des Vereins 4773 Personen in Stellung gebracht worden, und zwar 142 in feste Stellungen mit Sabattheiligung. Ihrer Nationalität nach sind 313 Bewerber aus Oesterreich-Ungarn, 73 aus Rußland, 15 aus Rumänien und 58 aus sonstigen außerdeutschen Ländern placiert worden, während die übrigen Bewerber in den verschiedensten Teilen des Deutschen Reiches beheimatet waren. Den Zustrom arbeitsloser Elemente nach der Hauptstadt reguliert in bemerkenswerter Weise der Verband der Arbeitsnachweise der Großloge, der in 60 Plätzen des Deutschen Reiches Arbeitsnachweise unterhält, die ihrerseits nach Kräften bestrebt sind, für den arbeitslosen Petenten die seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung in der Heimat oder in den Nachbargebieten ausfindig zu machen.