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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-20 · Heft 12 (20.3.1914) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 140 (sequence 8)
Language
German
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- 140 ails Braunschweig zu kurzen Gastspielen wieder und starb am 10. November 1819 zu Berlin. In unserer Stelle ist jedenfalls der jüngere Labes gemeint. * 3. Ein antisemitisches Drama. Vor kurzem ist ein Drama „Landesverräter" von Hermann Hoppes erschienen, das mir durch einen Korrespondenten aus Westpreußen zugänglich gemacht worden ist. Das Drama hat gleich nach seinem Druck merkwürdige Schicksale gehabt. Von polnischer Seite wurde dagegen Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. dagegen wurde auf Antrag polnischer Gutsbesitzer von dem Amtsgericht Neumark das Verkaufs- und Aufführungsrecht verboten. Neuerdings ist das Werk für den Buchhandel wie für die Uraufführung am Tilsiter Stadttheater freigegcben worden. Das Drama behandelt den Verkauf eines großen Gutes durch einen Deutschen an polnische Gutsbesitzer. Der Held des Stückes, der Gutsbesitzer und Leutnant Eduard Liebenhoeft, ist ein Lump, der durch sein leichtsinniges Leben, sein waghalsiges und unglückliches Spiel dermaßen in Schulden geraten ist, daß er sich genötigt sieht, durch Vermittlung eines jüdischen Wucherers sein Gut für eine große Summe an polnische Gutsbesitzer zu verkaufen, um damit sich von seinen Schulden zu befreien und eine verhältnismäßig stattliche Summe sich zu retten, von deren Zinsen er mit Gattin und Kindern in mäßiger Weise leben kann. Diese Hauptperson ist ein höchst bedenklicher Ehrenmann, der seine Gattin völlig im unklaren über seine Verhältnisse läßt, seinen Onkel, der bereit ist, ihm zu helfen, mit Abgabe seines Ehrenwortes betrügt, der fast zum Mörder wird, denn er geht mit der Pistole auf einen Nachbarn los. der ihm sein ehrenrühriges Verfahren, allerdings in sehr starken Worten, vorhält, und der schließlich, da er gar keinen Ausweg mehr weiß, sich erschießt. Was mich bestimmt, von diesem Stücke zu sprechen, ist gewiß nicht seine im Grrinde ganz löbliche Tendenz. Denn löblich ist es. in dem gewaltigen Ringen zwischen Deutschen und Polen auf deutscher Seite zu stehen, den Deutschen, der durch unwürdige Wirtschaft, durch leichtsinniges Treiben, durch wahnsinniges Spiel, durch Verheimlichung seines Treibens sich in die größte Notlage bringt, als einen Verbrecher darzustellen; löblich auch, die fcEschen Ehrbegriffe zu geißeln, von denen dieser Gutsbesitzer erfüllt ist. so daß er den Nachbar, der ihm zur Vernunft raten will, herrisch ansährt, weil dieser in Militärverhältnissen sein Untergebener ist. Als Drama bedeutet das Stück freilich gar nichts, es ist im Grunde nichts anderes als eine Reihe politischer Betrachtungen, die in sehr kunstloser Weise zu einem Schauspiel verarbeitet werden, j Wenn ich an dieser Stelle von dem Drama spreche, so gei schieht es hauptsächlich oder ausschließlich wegen der Zeichi nung des darin vorkommenden jüdischen Unterhändlers i Isidor Feilchenfeld. Dieser wird so vorgeführt, wie man vor s etwa 50 oder 00 Jahren in manchen deutschen Dramen und i Romanen den Juden zu schildern liebte: als. skrupelloser j Wucherer, als gemeiner Halsabschneider, zugleich als ein i gänzlich ungebildeter Mensch, der den gemeinsten Jargon spricht, endlich als ein niedriger Kriecher, der devot redet, 1 solange er aus seinem Opfer Geld herauszupressen vermeint, j als drohender Gläubiger, sobald er erkennt, daß es mit dem ■ Verdienen zu Ende ist. Der verehrte Herr Korrespondent, Herr Landshut in Neumark, der mich auf dieses Stück aufmerksam gemacht hat, schreibt dazu folgendes: „Diese gehässige Art, die Juden zu kränken und die in dem Schauspiel vorkommende ganz widernatürliche Mauschelei ') „Landesverräter", Schauspiel in drei Aufzügen von Hermann Hoppe. Neumark i. Westpr. Selbstverlag des Verfassers. des Judeutums trägt nicht dazu bei, ein gutes Einvernehinen der Deutschen untereinander in der Ostmark zu fördern, noch weniger aber dazu die leider durch solche deutsche Chauvinisten immer größer werdende Kluft zu überbrücken. Mir ist ein Charakter wie der des im Schauspiel geschilderten Händlers Feilchenfeld hier in Westpreußen (und ich kenne die Verhältnisie ziemlich genau) noch nicht vorgekommen; ich möchte sogar behaupten, daß seit dem Bestehen des Ansiedlungsgesetzes es weder in Westpreußen noch in Posen einen jüdischen Händler gibt, der in dieser gewissenlosen und verabscheuungswürdigen Weise einen deutschen Besitz in polnische Hände hinübergespielt hat." Gerade aus diesem Grunde mußte das Drama hier genannt und vor einer solchen Verhetzung der Juden dringend gelvarnt werden. Die Sitzung des ssrokslsrchskomitees in ssrsnlrkurt a. M ui 8. März vereinigten sich zu Frankfurt a.M. auf Einladung des internationalen Profalaschakomitees die angesehenstell Führer der internationalen Profalaschabewegung, um die Reorganisation des Profalaschakomitees und die Zurzeit zu ergreifenden Schritte zu beraten. Der Versammlung präsidierten die Herren Oberrabbiner Dr. Margulies, Florenz, und Julius G o l d - schm i dt zu Frankfurt a. M., beides Herren, die sich seit Jahren mit größter Opferwilligkeit in den Dienst der Profalaschasache gestellt haben. Die Versammlung, zu der eine Reihe von Vertretern aus Deutschland, Italien, Oesterreich und der Schweiz erschienen waren, nahm die ausführlichen Berichte des Herrn Oberrabbiners Dr. Margulies und des Herrn Dr. Jacques Faitlowitsch entgegen; auch lagen die von Herrn Dr. Faitlowitsch edierten Briefe der Falaschas an die Glaubensgenossen der ganzen Welt sowie eine Reihe von Missionszeitschriften vor, aus denen sich ergibt, wie ängstlich die in Abessinien arbeitenden Missionare die Fortschritte der Profalaschaarbeit des Komitees beobachten. Aus allen Teilen der zivilisierten Welt lagen Zustimmende Kundgebungen vor, in denen die wärmste Sympathie für die Arbeit des internationalen Profalaschakomitees ausgedrückt und die Hoffnung ausgesprochen war, daß nun nicht länger mit einer intensiven Arbeit unter den Falaschas selbst gezögert werde. Herr Oberrabbiner Dr. Margulies nahm Gelegenheit, die Geschichte der Profalaschabewegung bekanntzugeben und, anknüpfend an die Tätigkeit des verblichenen Dr. Israel Hildesheimer sowie des Professors Halevi, Paris, über die Ergebnisse der dritten Expeditionsreise des Herrn Dr. Faitlowitsch zu berichten, hierbei auch alle die Bedenken Zu widerlegen, die gegen die Notwendigkeit einer Aktion zugunsten der Falaschas ausgesprochen worden find. Es handele sich nicht in erster Linie darum, den Falaschas wirtschaftlich beizustehen, es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, daß dieser versprengte Rest von Glaubensbrüdern nicht wehrlos und endgültig von den christlichen Missionaren ausgesogen und Zum Christentum übergeführt werde; die früher auf 200 000 Seelen geschätzte Zahl der Falaschas sei in den letzten Jahrzehnten auf 70 000 bis 100 000 Seelen zurückgegangen, nachdem zahllose der Falaschas, deren Hilferufe ungehört verhallt waren, den Angaben christlicher Missionare Gehör gaben, es gebe überhaupt keine Juden mehr in der weiten Welt und sie seien die letzten, die noch zu dem Gotte Israels beteten. Heute sei dieser Tätigkeit der Missionare ein Damm entgegengesetzt; immerhin müsse vor allen Dingen durch Schulgründungen sowie durch Gründung eines Seminars und durch Verbreitung jüdischer Literatur in der Landessprache Sorge dafür getragen werden, daß die Arbeit eine nachhaltige und erfolgreiche bleibe. Auch müsse ein Konnex zwischen den versprengten Glaubensbrüdern und den Glaubensgenossen der übrigen Welt herbeigeführt werden. Zu diesem Zweck habe Herr Dr. Faitlowitsch eine kleine Schule im Inneren Abessiniens, in der Provinz Dembea, gegründet, der einer der in Florenz und Jerusalem erzogenen Falaschas, Jeremias Ghettie, vorsteht; weit wesentlicher als diese kleine Schule seien aber die Erziehung von geeigneten Lehrern innerhalb des Landes und die Errichtung von Schulen in allen größeren Niederlassungen der Falaschas. Die bisherige Organisation

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