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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-20 · Heft 12 (20.3.1914) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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öom Bunde der Landwirte, zu sehr von wirtschaftspolitischen Forderungen beherrscht seien, den großen kulturellen und sozialen Wünschen des Volkes nicht genügend Verständnis entgegenbringen und in der Wahlrechtsfrage in Preußen sowie in der Frage der Verwaltungsreform dem liberalen Bürgertum das Maß von Gleichberechtigung versagen, auf das es Anspruch erhebt; die zum anderen darin besteht, daß die Linksliberalen mit der Sozialdemokratie paktieren. Nach dieser Seite habe ich kein Hehl daraus gemacht, daß ein Zusammenarbeiten unter Führung des „Berliner Tageblattes" llnd der Demokratie ausgeschlossen sei. Im übrigen habe ich für das Vaterland eine nationale Politik verlangt und das Ueberwuch'ern internationaler Bestrebungen bekämpft und erklärt, daß wir einen Einfluß Fremder, Galizier und anderer, in unserer Politik nicht wünschen. Ich habe mit keinem Worte von Juden gesprochen. Ich darf aber wohl feststellen, daß ich auf dem Boden der Gleichberechtigung der Konfessionen und Volksteile in Deutschland stehe und antisemitischen Bestrebungen kein Interesse entgegenbringe." Wie die Aeußerung auch gelautet haben mag, die Fortschrittliche Volkspartei tat recht daran, den Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses demonstrativ zu verlassen, als Herr Böttger sich anschickte, dort eine Rede zu halten. * Die „Frankfurter Zeitung" verösfentlicht folgenden Artikel. P r o t e st d e u t s ch e r Studenten gegen den „Hammerb u n d". Wer unfreiwilligen Humor genießen will, der muß die Schriften des Hammerbundes lesen, wo oben am Kopf ein Mann mit teutschem Vollbart nervig den Hammer schwingt, oder jenes schöne Pamphlet, den „Semi-Gotha", wo höchst schauderbar bewiesen wird, daß außer dem lieben Gott und dem Obersten z. D. Hellwig alles in Deutschland verjudet ist. Diese Auszüge eines minderen Geistes sind ja weiter nicht ernst zu nehmen und man lacht; jedoch wird die Kampfesweise dieser Helden mit dem Hammer ein wenig aktuell, wofern sie ihre Geschwülste an die deutsche Studentenschaft verschicken. Da werden große Formate dem Studierenden ins Haus geschleudert — „Hie Teut — hie Juda" — und da heißt es unteranderem: Wie tief müssen wir in den Augen der Juden dastehen, daß sie von uns noch Dank für unsere geistige Unterjochung erwarten! Sich ins Gesicht schlagen lassen und dann die Hand küssen, die das getan hat, oder so tun, als wäre nichts geschehen, das verlangt das Judentum von uns! So fragen wir Euch, studentische Jugend: Seht Ihr nicht, daß Ihr bestimmt seid, die nächsten Opfer der jüdischen Herrsch astsgelüste zu werden? . . . Deutsche Brüder! Unser Volk wird seit Jahrzehnten fürchterlich belogen und betrogen! Der schlaue Fremdling hat sich der öffentlichen Presse bemächtigt, um, wie ein Hebräer selber sagte: — „die Völker zu täuschen und zu betäuben". Die verbreitetsten Zeitungen sind in seinen Händen. Helft diesen Bann zerbrechen! Helft unser Volk von einer fürchterlichen Schmach befreien, von der Schmach einer geistigen und wirtschaftlichen Fremdherrschaft! Man braucht den Unsinn nicht weiter zu kommentieren. Erfreulich aber ist es, daß deutsche Studenten anders denken, und so eröffnete der junge Frhr. Hans-Adalbert v. Maltzahn, der Neffe des Kronprinzenerziehers, einen Protest an der Leipziger Universität, den viele dort Studierende unterschrieben haben: „Wir protestieren gegen die Zumutung, uns einer so tiefstehenden Auffassung eines Kampfes für unsere Ueberzeugungen anzuschließen, wie sie der Reichshammerbund durch seine Flugblätter propagiert." Bemerkenswert an diesem Protest ist noch eines: daß sich hier aus den Kreisen der intellektuellen Aristokratie eine entschiedene Abwehr gegen die Widerlichkeit einer Sippe erhebt, die die Jugend als eine Reklamesäule für ihren Geifer benutzt. Nachstehende sehr interessante Reminiszenz bringt die „Badische Landeszeitung": I u d e n v e r f o l g u n g e n i n B a d e n. Karlsruhe, März 1848. Eine allgemeine Judenverfolgung hat auf dem flachen Lande begonnen, scharenweise ziehen die Flüchtlinge den Städten zu, namentlich nach Mannheim, wo die entschiedensten Freunde derselben ansässig sind. Diese Volksbewegung nimmt keine Notiz von den Theorien k mtfem- Kammerredner, in Bruchsal zog der Haufe der Stürmer sogar vor das Haus des ultraliberalen Abgeordneten Brentano, um dasselbe unter dem Ruf: „Nieder mit dem Judenkönig!" wie Brentano in der Kammer heute selbst erzählte, zu verwüsten. Das Einschreiten des Militärs machte dem Aufruhr ein Ende. Allgemeine Zeitung, 1848, Nr. 72, 9. März. Aufruf zum Schutze der Juden. Mannheim, 8. März 1848. Mit tiefem Schmerze, welchen alle wahren Freunde der Volksfreiheit und des Vaterlandes teilen, vernehmen wir die Nachricht, daß die Tage, welche die Herzen aller wackeren Bürger mit hehrer Begeisterung erfüllen, die Tage, welche unser ganzes Volk erlösen sollen von dem Drucke der Knechtschaft von Jahrzehnten, ja von Jahrhunderten, entweiht werden sollten durch blinde Zerstörungswut und Gefährdung der Personen und des Eigentums unserer Mitbürger mosaischen Glaubens, daß das leuchtende Panier der Freiheit besudelt werden will durch schmähliche Exzesse . . . Mitbürger, wir wissen, daß wir in eurer aller Sinne sprechen, wenn wir euch zurufen: Es ist eine heilige Pflicht eines jeden Ehrenmannes, der nicht mit dem Namen der Freiheit schnödes Spiel treibt, der nicht ihren Namen zur Befriedigung anderer Leidenschaften mißbrauchen will, es ist eine heilige Pflicht aller Volks- und Freiheitsfreunde, mit aller Energie solch frevelhaftem Beginnen entgegenzutreten. Nur Diener der Reaktion, oder von ihnen Irregeleitete vermögen zu Judenverfolgungen die Hand zu bieten, wie sie nie ein freies Land, wohl aber der Despotismus kannte. Dr. Hecker. Helmreich, v. Jtzstein. v. Soiron. L. Weller. §.M. Sachs. Karl Mathy. Fr. Basfermann. (Mathh, „Briefwechsel aus den Jahren 1846—48".) * Die „B. Z. am Mittag" schreibt: Der bulgarische Großrabbiner beim Staatssekretär v. I ä g o w. Der Großrabbiner für Bulgarien, Dr. Ehrenpreis, hatte im September v. I. eine Rundreise unternommen, urn bei den Kabinetten der Signatarmächte des Berliner Vertrages für die Erneuerung der im Berliner Vertrag für die nationalen Minoritäten in den Balkanstaaten vorgesehenen internationalen Garantien der Kultus- und Schulfreiheit zu wirken. Der Großrabbiner wurde vorige Woche in dieser Angelegenheit auch von dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herrn v. Jagow, und dem Unkerstaatssekretär Dr. v. Zimmermann empfangen. Wie verlautet, haben sich die europäischen Kabinette für die Erneuerung dieser Garantien ausgesprochen. # Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Petersburg, den 15. März, gemeldet: Der Adelskongreß, der sich hauptsächlich mit der Frage der Rechtsbeschränkung der Juden beschäftigt, ist heute eröffnet worden. Aus dem Kongreß wurde bekanntgegeben, daß dem Kabinett demnächst eine Vorlage des Ministers des Innern über völlige A u s -- f ch l i e ß u n g der Juden v o m M ilitärdienst zugehen wird. Der Kongreß wünscht, diese Vorlage durch einen Vorschlag zu ergänzen, nach dem statt der Wehrpflicht eine dreijährige Staatsfron oder eine.Personalsteuer für die Juden einzuführen wäre. Sir Inden im Innern Ehinss. vorläufiger Bericht aus meiner Reise nach R'ai-feng-fu (Provinz Honan). Von Bruno Schindler. (Schluß.) mein nächstes Ziel war jetzt, den Platz zu finden, wo einstens die Synagoge gestanden. Unbeobachtet wollte ich zunächst Moscheen und Tempel der Buddhisten und Konfuzionisten absuchen, da ich gehört, daß manches aus der alten Synagoge jetzt dort seinen Platz gesunden hat, zum Teil auf nicht ganz einwandfreie Weise. Die Mohammedaner besonders haben sich darin ausgezeichnet, wie sie überhaupt fast alles von den chinesischen Juden abgenommen haben als echte rechte iiilüi

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