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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-20 · Heft 12 (20.3.1914) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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135 Abrahams ist die Religion Israels nicht als eine des dogmatischen Glaubens, sondern als eine Religion der Tat und der praktischen Uebung verkörpert. Sir Mache. Berlin, den 17. März. Du der Nacht vom 13. zum 14. März ist Geh. Regierung s r a t P r o f. D r. P a u l M a g n u s gestorben, nachdem er vor 14 Tagen seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte. Das „Berliner Tageblatt" schreibt über ihn: Er entstammte einer angesehenen alten Berliner Familie — sein Vater war der in weitesten Kreisen bekannte Berliner Stadtrat Meyer Magnus, der sich der besonderen Freundschaft des Kaisers Friedrich und der Kaiserin Viktoria rühmen durfte -'und war in seinem ganzen Wesen der Typus eines echten Alt-Berliners. Hier hat er seine Bildung begonnen und abgeschlossen, hier hat er auch sein langes, reiches, wissenschaftliches Leben verbracht. Er war ursprünglich für die Medizin bestimmt gewesen, allein sehr bald überwog bei ihm die Liebe zu den reinen Naturwissenschaften, speziell zur Botanik, in die er durch Afcherson und den unvergeßlichen Alexander Braun eingeführt wurde. Merkwürdig weltabgewandt war Paul Magnus schon als Student. Sein ungewöhnlich üppiger Haar- und Bartwuchs trug ihm damals den Scherznamen „der Waldmensch" unter seinen Kommilitonen ein, und gutmütig, wie er von Hause aus veranlagt war, .ließ er sich diesen Scherznamen auch stets gefallen. Paul Magnus gehörte Zu jenen selbstlosen Menschen, die lediglich ihre^. idealen Bestrebungen sich hingeben, ohne davon viel Wesens zu machen. Er war unermüdlich' tätig aus seinem Spezialgebiet, der genaueren Untersuchung und Erforschung der Algen. Auf diesem schwierigen Sondergebiete der Botanik hat sich Paul Magnus eine ehrenvolle Stellung und allgemeine Anerkennung zu verschaffen gewußt. Es sei hier nur noch daran erinnert, daß er kurz vor seinem 70. Geburtstag ein Kapital von 40 000 . Mark stiftete, dessen Zinsen für solche Personen verwandt werden sollen, die von der Armendirektion zur Erstattung der durch Verpflegung verstorbener Verwandter in den Berliner städtischen Krankenhäusern entstandenen Kosten herangezogen werden. Magnus war keine religiöse Natur, aber ein braver Jude. Er hatte seines Bekenntnisses halber manche Kränkung und Zurücksetzung erfahren, war dadurch aber nicht verbittert geworden. Aber den Uebertritt haßte er und drückte seinen Zorn gegen die Ueberläuser in seiner derben Weise aus. Denn „er war", wie der Nekrolog des „Berliner Tageblatts" schließt, „eine reine Seele, dabei ein starker, wahrhafter Charakter". 3fr Das antizionistische Komitee schreibt uns: Nochmals zur Notabeln-Erklärung ergreift die „Jüdische Rundschau" das Wort. Zuerst hatte sie geschrieben: „Wir wissen, daß mancher von ihnen — den Unterzeichnern der Erklärung — gar nicht wußte, worum es sich handelte, als man ihn um seine Unterschrift drängte, daß mancher, der ein entschiedener und erklärter Antizionift ist, doch die Form dieses Angriffs entschieden mißbilligt und diese seine Mißbilligung den Urhebern in unzweideutiger Weise mitgeteilt hat." Als wir diese Behauptungen bestritten, berief sie sich aus A, B, C, D, E. Als wir sie ausforderten, die Anonymität fallen zu lassen, nannte sie fünf Namen. Und siehe da: Herr A, Professor Lasfar-Cohn, Königsberg, erklärt, daß die über ihn aufgestellte Behauptung unwahr sei. Herr B, Professor Falkenheim, ebendort, erklärt nicht minder, daß die über ihn aufgestellte Behauptung unwahr sei. Herr. C, Rechtsanwalt Dr. Katzenstein, Duisburg, erklärt ebenfalls, daß die über ihn aufgestellte Behauptung unwahr sei. Bleiben die Herren Gidion und Blumenau in Köln. Diesen beiden Herren hat der Text der Erklärung in der Tat nicht Vorgelegen, was selbstverständlich den Verfassern der Erklärung nicht bekannt war und mtf einem Versehen eines ihrer Freunde beruht. Also zuerst „manche", dann fünf der Unterzeichner sollten die Erklärung nicht gelesen haben. Jetzt bleiben zwei übrig, zwei von 890. Das sind die „kompromittierenden" Tatsachen, von denen die „Jüdische Rundschau" spricht. Darauf gründet die „Jüdische Rundschau" ihre oben wiedergegebenen schweren Angriffe. Sind das die „besseren Waffen", mit denen sie den Kampf zu führen behauptet? 3fr Hebet den verstorbenen Fürstbischof Dr. Kopp in Breslau schreiben die „Mitteilungen des Abwehrvereins": Dem kürzlich verstorbenen Fürstbischof von Breslau, Kardinal Kopp, dessen Streben stets auf die Erhaltung des konfessionellen Friedens gerichtet war, werden auch unsere jüdischen Mitbürger ein dankbares Andenken bewahren. Ihnen gegenüber hat der heinrgegangene Kirchensürst es niemals an Wohlwollen, Toleranz und Gerechtigkeit fehlen lassen. Nach seinem Amtsantritt in Breslau hörte die antisemitische Hetze, die in der „Schles. Volksztg." ihren Mittelpunkt hatte, auf. Dr. Kopp mahnte immer und immer wieder seinen Klerus zum Frieden. „Als ihm einst — so lesen wir in einem ihm gewidmeten Nachruf der in Breslau erscheinenden „Jüd. Volksztg." — von jüdischer Stelle geklagt wurde, daß in Liegnitz ein katholischer Geistlicher sich an der antisemitischen Hetze anläßlich einer Versammlung für Ahlwardt beteilige und dadurch den Frieden unter den Konfessionen störe, sprach er seinen Dank für diese Mitteilung ans und ließ dem betreffenden Geistlichen mit einer Verwarnung die Aufforderung zngehen, das Treiben zu unterlassen. Er bat bei dieser Gelegenheit ausdrücklich darum, ihm, falls sich ein solcher Fall wiederholen sollte, unverzüglich davon Mitteilung zu machen. Er hat tatsächlich, als ein ähnlicher Fall in Zabrze eintrat, auch diesem Geistlichen einen Verweis zukpmmen lassen." Wiederholt ist Kardinal Kopp der Blntbeschuldigung entgegengetreten. Anläßlich des Prozesses von Tisza-Eßlar richtete er als Bischof von Fulda an den dortigen Rabbiner Dr. Kahn unter dem 4. November 1882 eine Zuschrift, in der er die Ritualmordbeschuldigung als eine „freventliche Unwahrheit" bezeichnte. Und als man kürzlich in Breslau eine Protestversannnlung gegen die im Beilisprozeß erhobene Blutbeschuldigung vorbereitete und die katholischen Theologen der Universität sich zur Teilnahme an dein öffentlichen Protest bereit erklärten mit dem Vorbehalt, daß der Kardinal seine Zustimmung gebe, erklärte dieser, daß er es nur billigen könne. In seiner wohlwollenden Gesinnung gegenüber den in seiner Diözese lebenden Juden dürfte der Fürstbischof bestärkt worden sein durch deren Verhalten in der Kulturkampfzeit. Bei seiner Rückkehr nach Breslau im März 1893 waren auf dem Bahnhof auch die beiden Rabbiner der jüdischen Gemeinde zum Empfang erschienen. Graf Ballestrem, der spätere Reichtagspräsident, welcher die Rabbiner vorstellte, sagte zum Kardinal: „Bei der Beerdigung des Fürstbischofs Heinrich in der Zeit des Kulturkampfes hat sich nur ein einziger, welcher in seinem Titel das Wort „Königlich" führt, beteiligt, und dieser einzige war der Königliche Landrabbiner Tiktin. Das vergessen wir nie!" Endlich sei noch daran erinnert, daß unter dem im Februar 1891 erlassenen Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe, der „den heidnischen Rassenhaß, welcher wider das Gesetz der Nächsten- und Bruderliebe ist", verurteilte, sich auch der Name des Fürstbischofs von Breslau, Dr. Kopp, dessen Diözese zum Teil in Oesterreich liegt, befunden hat. 3fr Der Abgeordnete Bott ger hat in Rostock eine Rede gehalten, in der er nach Zeitungsberichten im Zusammenhang mit dem „Berliner Tageblatt" von galizischen Juden gesprochen haben soll. Gegen die ihm zugeschriebene Aeuherung: Hierbei muß man bedenken, daß das führende Blatt der Demvkratie und des deutschen Liberalismus das „Berliner Tageblatt" ist. Das heißt aus gut Deutsch nichts anderes, als der deutsche Liberalismus läßt sich leiten von einer Handvoll galizischer Juden protestierte der Redner in einem Briefe an die genannte Zeitung, in dem es heißt: „Ich habe angesichts der fortdauernden Steigerung der sozialdemokratischen Wählerstimmen eine Politik der Sammlung der bürgerlichen Parteien für wünschenswert erklärt. Dabei habe ich nachdrücklich auf die Schwierigkeit solcher Sammlung hingewiesen, die einmal darin besteht, daß die Konservativen, in starker Abhängigkeit

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