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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-13 · Heft 11 (13.3.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. II Berlin, 13, März 1914 Der Oemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung desi Judentums" Korrespondenzen und Kochrichten. SkUtschlsnd. Berlin, 10. Btürz. Heute begeht der erste Borsteher unserer Gemeinde, Herr Julius I a c o b y , seinen neunzigsten Geburtstag. (58 erscheint erklärlich, daß das hohe Alter des Jubilars jede Rücksicht gebot und man ihn vor den Anstrengungen und Erregungen, die mit einer Gratnlationscvur verknüpft sind, zu bewahren bemüht blieb, zumal die Gesundheit des alten Herrn gerade zurzeit ein wenig zu wünschen läßt. . Ge/meindeborstand und Repräsentanten haben daher von der Entsendung einer Glückwunschdeputation abgesehen und dem Jubilar in einer gemeinsamen Adresse, die zugleich Ltiftungsurkunde einer auf den Namen des Jubilars ihm gewidmeten Stiftung ist, unter hoher Anerkennung der unvergänglichen Dienste, die er der größten Gemeinde des Reiches geleistet hat, die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Gratulationsadressen übersandten die Herren Gemeiuderabbiner, die Lehrer und Schulen der Gemeinde, die vereinigten Synagvgenvorstände, die Beamten der jüdischen Gemeinde, das jüdische Krankenhaus, die Waiseuhäuser, die Koscherfleischkonnnisfion, deren langjähriger Vorsitzender der Jubilar ist, und eine lange Reihe anderer Einzelpersonen. Von einer öffentlichen Feier innerhalb der Gemeinde ist gleichfalls wegen des schwankenden Gesundheitszustandes des Jubilars Abstand genommen. Aber die Wünsche aller vereinigen sich in der Richtung, daß es dem um die großartige Entwicklung der Berliner jüdischen Gemeinde so hochverdienten Manne vergönnt sein möge, noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische seines segensreichen Amtes zu walten. Welcher Art und von welcher Bedeutung die Dienste des besonders auch um die Erhaltung der Einheit besorgten Führers der reichshauptstüdtischen Gemeinde gewesen sind, das ist in der gemeinsamen Adresse des Gemeindevorstaudes und der Repräsentantenversammlung gebührend hervorgehoben. CA) Berlin, 10. März. Der Verein „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" (Oranienburger Straße 58) hielt am 25. v. M. unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder die diesjährige (20.) Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Tr. M a x Ginsbe r g eröffnete die Sitzung mit einer längeren Ansprache, in der er besonders auf den naturgemäß neutralen Charakter der Institution hinwies: „Eine Lesehalle und Bibliothek dient keiner Parteirichtung; hier müssen die verschiedenen Richtungen im Judentum in ihren Geistesprodnkten vertreten sein: die Leser müssen aus dem Widerstreit der Meinungen, wiedergegeben in den Zeitschriften und Zeitungen, sich selbst ihre Anschauung bilden. Die Erfolge, die wir in stiller Arbeit im Laufe der Jahre erzielen könnten, verdanken wir der ruhigen harmonischen Entwickelung unseres Vereins, dem hoffentlich auch fernerhin eine friedliche, gedeihliche Wirksamkeit bestimmt sein möge! Die Bücherbestände unserer Bibliothek haben im Berichtsjahre, besonders dank den hochherzigen Zuwendungen des Herrn Geheimrat Professor Ludwig Getger und der Frau Anna Karpeles, eine Bereicherung um 600 Bände erhalten und umfassen jetzt im ganzen etwa 6000 Bände, von denen im Berichtsjahre nahezu 50 Prozent ausgeliehen wurden. Für den Lesesaal wurden zudem noch über 1000 Bücher verlangt. In den Leseräumen liegen ständig 115 jüdische Zeitungen und Zeitschriften in den verschiedensten Sprachen aus, die andauernd in reichem Maße benutzt werden. Es konnte im verflossenen Jahre eine Besnch'.wziffer von 2/2 144 Personen sestgestellt werden. Die Genugtuung, die wir über die Erfolge unserer Arbeit empfinden, wird unseren Eifer stärken und das Bestreben, für unser ideales Ziel in volllr Hingebung und Einhelligkeit weiter zu wirken." Nach diesen von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenonnnenen Ausführungen erstattete der Schatzmeister Herr Benas Levh den Kassenbericht, der in Einnahnren und Ausgaben mit etwa 8000 Mark abschließt, und dankte im Namen des Vereins den Spendern, insbesondere Frau F r a n z i s t a Ein sb erg für ihre hochherzigen Zuwendungen. Bei der hieraus folgenden Dechargeerteilung wurde Herrn Levh für die große Liebe und Hingebung, mit der er nun bald zwei Jahrzehnte seines Amtes waltet, der Dank der Versammlung ausgesprochen. Nach der durch Zuruf erfolgten Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Bitte, für das so segensreich wirkende Institut in erhöhtem Maß? neue Anhänger und Förderer zu werben. E. S. Berlin, 10. Mürz. Am 16. v. Bl. sprach Herr Rabbiner Dr. Emil L e v h im Verein f ü r jüdische Ges ch i ch t e und Literatur über den Humor in der Bibel. Unter den Begriff Humor bezog Redner auch Satire und Sarkasmus ein. Von den satirischen Typen der Bibel ist vor allem Esan zu nennen, das Urbild eines Genusnnenschen, der in seiner Torheit für einen flüchtigen sinnlichen Genuß das Recht der Erstgeburt hingibt. Aber der schlaue Jakob hat in dem schlauen Laban seinen Meister gefunden. Wie werden der gleißnerische heidnische Prophet Bileam und die redende Eselin köstlich dargestellt. Ter Raub der Sabinerinnen fand sein Vorspiel im Raub der Töchter von Silo durch die Benjamiten. Wer denkt nicht an die witzige Art, wie Michal ihrem Gatten David das Leben rettet und an dessen erheuchelten Wahnsinn im feindlichen Philisterland? Der tragische Humor findet sich in der Geschichte des derben, pfiffigen Helden Simson. Auch durch die tiefernsten Worte der Propheten dringt der Humor durch über die heidnischen Götter, hinfällig wie das Holz, aus dem sie geschnitzt sind. Wie köstlich redet der Prophet Elias die auf ein Zeichen von oben wartenden Baalspriester an. Ruft euren Gott laut an, denn er ist vielleicht in Gedanken oder ausgegangen. Der Prophet Hvsea ironisiert bitter die Götzendiener, „welche die Menschen opfern und die Kälber küssen." Tie Schilderung vom Erscheinen Nebukadnesars in der Unterwelt bei Jsaias (14) erinnert an Dantes ,,Göttliche Komödie". Wenn nun dieser Prophet vom übertriebenen Lnrns, vom Putztisch, den Toilette- und Köketteriekünsten der altjüdischen Damen zürnend redet, wird mau in die Schilderungen von Abraham a Santa Clara versetzt. Welche Komik liegt in der Geschichte von der Strohwitwe und ihrem Hausfreund (Sprüche Salomons 7)! Tort werden auch der Faulenzer und der Trunkenbold in ihrer Nichtigkeit gezeigt. Zwischen Haß und Liebe ist der Humor der beste Dolmetsch. In einer temperamentvollen, anmutigen Weise verstand es der Redner, den Hörern eine genußreiche Abendstunde zur verschaffen. Aus den auswärtigen Literaturvereinen-. In M e tz sprach Rabbiner H. S ch w a r tz - B r ü s f e l über den Ursprung der Juden in Frankreich: in Stuttgart (Berthold- Auerbach-Berein) Rabbiner Dr. P i n t u ß - Heidelberg über die Anfänge der Geschichte der Juden in Deutschland: in Frankfurt a. All. Rabbiner Dr. S a l z b e r g e r über die Psychologie der Juden, Rabbiner Dr. Kober-Wiesbaden: „Der Rhein in der Geschichte der Juden"; in Oppeln Frau Regina Neisser über: „Bedeutende jüdische Frauen des 16. Jahrhunderts auf dem Gebiete der Literatur, Kunst mib Humanität": in Gr.-Strehlitz Rabbiner Dr. B r a u n s ch w e i g e r - Rybnick: „Der Ritualmordprozeß und andere Anklagen gegen die Juden": in Straßburg i. E. Rabbiner Dr. M n n n h e i m e r - Oldenburg: „Der Anteil der Juden an der Kultur der Menschheit"; in Hamburg Dr. Rieger über: „Tie Bibel als Grundnrkuude des jüdischen Liberalismus": in Kolberg Prediger Kahn-Köslin: „Die Musik im alten Israel": in Detmvld Rabbiner Dr. B e h r e n s - Göttingen: „Geschichte der deutschen Inden im 16. Jahrhundert": in Bayreuth Herr Joses Ambrunn- München: Rezitationen jüdischer Dichtungen: in Köln Rabbiner Dr. R i e g e r - Hamburg: „Monismus und Religion": in Alleni stein Professor Dr. Lassar Cohn: „Reiseerlebnisse mit j orientalischen Juden": in Lissa i. P. Rabbiner Dr. G o l d ui a n n-! Oppeln: „Das jüdische Recht im Vergleich mit den modernen! Rechtsanschauungen"; Rabbiner Dr. Gelles: „Die Geschichte des Modernismus in der jüdischen Religion": Mittelschullehrer S ch r e i b e r - Deutsch-Krone: „Assimilation einst und jetzt". Im; Berliner Syuagogenverein Beth Zion sprach Rabbiner H ö x 1 e r über: j „Alte und neue Angriffe geaen das Judentum in ihrer wahren Gestalt". j 22 Berlin, 10. März. Der soeben erschienene 12. Jahres- ' bericht der jüdi s ch e it A r beit e r t o l o u i e in Weißensee weift

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