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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-13 · Heft 11 (13.3.1914) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 Sgrechssal. Cs n eigene r 8 a ch e. „Erst jetzt wird mir ein Artikel „Nebenluftdrucke" in der „Täglichen Rundschau" und ein anderer „Eine gediegene Auswahl" den Ernst 'Kämpfer in der „Deutschen Tageszeitung" bekannt. Gegen die Behauptung dieser Artikel habe ich folgendes zu bemerken: Als im J"li UN3 ein Vertreter der Firma Jacvbsthal & Go. in Berlin zn mir kam, mit dem Ersuchen, eine Einleitung zu einer von ihr geplanten Edition einiger älteren Schriften Raabes und einiger Erzählungen in ihrer ersten Fassung zu schreiben, fragte ich ihn, ob er zu einer solchen Ausgabe das Recht habe. Nachdem er mich fest versichert, das; er die Berechtigung dazu besäße, nahm ich das Anerbieten an und schrieb die Einleitung. Tie Auswahl ist nicht von nur veranstaltet, sondern von der Berlagshandlung. Ich habe nur die Korrektur der Einleitung gemacht, und als die Allsgabe erscheinen sollte, voll dem Prozeß gehört, der gegen sie geführt wirrde. Nt ein Bersahreil in dieser Angelegenheit glaube ich für völlig korrekt ansprechen zu dürfen. Ich habe bisher rveder die neue Ausgabe noch den Truck meiner Einleitung gesehen, habe seitdem nur gehört, daß das Landgericht 1l in Berlin durch ein Urteil vom 2. Februar 19t4 die Nechtmäßigkeit der Ausgabe anerkannt hat. Die Beurteilung meiner Einleitung durch die Herren Elster und Kämpfer kann mir, da ich wohl lveiß, daß ich mir bei dieser Arbeit viele Mühe gegeben habe, vollständig gleichgültig sein. B e r l i n , den 4. März 1914. Dr. Ludwig Geiger, Professor an der Universität Berlin." Die vorstehende Erklärung schickte ich am 4. März an die Bedaktion der „Deutschen Tageszeitung" und der „Täglichen Rundschau". Hu den genannten Leitungen hatte ein Artikel in der einen von Herrn Elster, in der anderen von Herrn Kämpfer gestanden, die das Verfahren der Herren Jacvbsthal als unrechtmäßig darznstellen suchten, mich gleichfalls einer unlauteren Tat bezichtigten und an meiner Einleitung sehr vieles auszusetzen hatten. Der Grund des Zornes der Herren Elster und Kämpfer scheint jedoch nicht das Rechtsgefühl zn sein. 8ie hatten bisher, soweit mir bekannt ist, ihre Bewunderung für Wilhelm Baabe noch nicht entdeckt: sic kamen zu dieser Entdeckung, da ein jüdischer Vertag es wagte, eine Ausgabe einiger Schriften Baabes zu machen, und sich zn dieser eines jüdischen Druckers bediente und einen jüdischen Schriftsteller mit der Abfassung einer Einleitung betraute. Ein solches Verfahren erscheint den genannten Herren als eine Verletzung dessen, was sie „deutsches Bewußtsein" nennen. Ich werde nicht müde werden, solchen Anzapfungen gegenüber zu wiederholen, daß ich mindestens ein ebenso guter Deutscher bin wie die Herren, die sich ihres ausschließlichen Deutschtums rühmen. Da nun aber zn den Eigenschaften eines Deutschen Akut, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit gehören, so habe ich ben Mut gehabt, meiner wissenschaftlichen lieberzengung nngeschmintt 'Ausdruck zn geben. Ich bervxmdere vieles von dem, was Baabe geschrieben hat, kann aber in die Posannenstöße, die mm nach seinem Tode erklingen, um alles, was er geschrieben, getan und gedacht hat, zu belveihräncherll, nicht einstimmen. Diese meine ehrliche Ueberzengnng habe ich mit Wahrhaftigkeit zum Ausdruck gebracht einzelne meiner Ausst'chrnngen lauteten in meinem Manuskript weit schärfer: ans Wunsch der Berlagshandlung habe ich einige tadelnde Bemerkungen gemildert. Ich habe, da ich nicht genwhnt bin, auf Kritiken zn antnwrten, mit dieser Erklärung lange gezögert: erst jetzt, da mein 8chweigen mißdeutet worden ist, greise ich zur Zeder. B erlin. den 4. März 1914. Ludwig Geiger. * A ntizioni st i s ch e n & o m i t e c geht uns mit der Bitte mit Veröffentlichung folgendes schreiben zu: Auf die Mitteilung, die die „Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 27. Februar über die Unterzeichner der bekannten Erklärung gegen die Zionisten brachte, schreibt die letzte Nummer der „Jüdischen Nundschau" vom 9. März wörtlich folgendes: Wir wissen aus absolut sicherer Quelle unter anderem: Herr A., Unterzeichneter der „Erklärung", hat den Text nicht gekannt. Gr wurde telegraphisch um Zusage ersucht und war in dem Glauben, es handle sich um eine Erklärung in der Sprachenkampfsache. Als er den Text sah, war er sehr betroffen. Herr B. wurde telephonisch um ferne Zusage ersucht; et beanstandete den Text, den er natürlich nur flüchtig zur Kenntnis nehmen konnte, erhielt aber die Antwort, jetzt lasse sich nichts mehr machen. Den Herren C. und T. hat der Text vor der Veröffentlichung in keiner Zoom Vorgelegen. Die Herren haben auch nie prinzipiell eine derartige Bcröffentlichnng gebilligt und wurden, unbeschadet ihrer Zugehörigkeit znm Antizionistischen Komitee, nie i h re E i n w i l l i g u n g dazu gegeben haben. Herr C. hat dies bereits in unzweideutiger Weise an Herrn B.-A. Galliner geschrieben. Herrn E. hat Herr F., einer der antizionistischen Führer, gesagt: „ S ch r e i b e n Sic schnell I h r e n N a m en ans! Es i st g egen di e Z ion i st en!" Herr E. wußte gar nicht, was mit der Unterschrift geschehen sollte und war nachher sehr erstaunt. Diese Erklärung ist recht charakteristisch nach zwei Seiten hin: Erstens beweist sie, daß alte schönen Friedensversichernngen für die Zionisten nicht bestehen. Zweitens bringt sie völlig unkontrollierte Dinge in völlig nnkontrvllierbarer Form. Denjenigen, die die -Sammlung der Unterschriften für die Erklärung betrieben haben, ist von den wiedergegebenen Tatsachen nicht das geringste bekannt. Uebrigens haben im ganzen S90 deutsche Inden die Erklärung unterzeichnet. * A u f r n f a n d i e j ü d i s ch e Q e f f en t l i ch k e i t. Die Inden, welche in den Lagern aller kriegführenden Staaten mitgekämpft haben, haben unter den Folgen der Balkankriege gegenwärtig schwer zu leiden. Im kleinen Bulgarien, dessen jüdische Einwohnerschaft ungefähr 40009 Seelen beträgt, zählen die im >9 r i e g e g e fallen e n j ü d i s ch e n 8 v l d a t e n nach viele w H u u d e r i e n. 9J1 e h r n l s 250 hi lflose W aisenkinder , Knaben und Alädchcn, bilden die traurige Hinterlassenschaft der jüdischen Blutzeugen auf bulgarischer 8eite. Für diese den ärmsten Ständen angehörenden jüdischen Kriegswaisen soll mm gesorgt werden. Unter dem Vorsitz des Grvßrabbinexs Dr. E h r e n p r e i s wurde in Sofia ein Komitee für Waisenfürsorge gebildet, welches in der Hauptstadt des Landes ein jüdisches Waisenheim errichten will. Eine entsprechende Anzahl von Kindern soll außerdem nach Tunlichkeit in jüdischen Waisenhäusern und Asylen des Auslands, hauptsächlich in Palästina, uutergebrachr werden. Einen Anfang hat man damit in London bereits gemacht: die portugiesischspanische Gemeinde dieser Stadt hat zwei jüdische Waisenknaben aus .Bulgarien in ihrem Waisenasyl untergebrachk und die Aufnahme von weiteren zwei in Aussicht gestellt. Zur Ehre der bulgarischen Judensch'ast muß gesagt werden, daß sie sich einmütig bereit findet, für das Hilfswerk zugunsten ihrer Kriegswaisen außerordentlich große Opfer auf sich zu nehmen/Aber die Aufgabe ist zu groß, sie steht in keinem Verhältnis zu den vorhandenen Mitteln. Ohne werktätige Unterstützung seitens der Glaubensgenossen im Auslande wird das Hilfswerk kaum erfolgreich durchzuführen sein. Das gefertigte Komitee richtete an die jüdischen Gemeinden und Korporationen sowie an di'e gesamte jüdische Oeffentlich'keit die ergebene Bitte, dieser armen Kriegswaisen, deren Väter als Blutzeugen für jüdische Ehre und Pflichttreue auf den Kriegsschauplätzen in Thrazien und Mazedonien gefallen sind, zu gedenken und durch gütige Unterstützung des Hilfswerks die Fürsorge für diese bedauernswerten Kinder und ihre Erziehung möglich zu machen. Gefällige Zuweisungen wolle man wie folgt adressieren: Maison de Banque Juda B. Israel <fc Co. (Compte Orphelinat). Sofia. Für schriftliche Mitteilungen aller Art wende man sich an das Secietariat, General des Oeuvres juives de Charite. 48, B d. Pondoukoff. Sofia. Sofia, im Februar 1914. Dr. M. Ehrenpreis, Groszrabbiner von Bulgarien, Abr. Davidtschon Lewy, Industrieller, Präsident der Israelitischen Knltusgemeinde, Abraham Josef Rüben, Rentier, Dr. Navon, prakt. Arzt, Aloise Davidtschon Lewy, Rentier, Taumel Ch. Lewy, Kaufmann, Nissim M. Asseo, Kaufmann, Albert B. Samuel, Kommissionär, David Ardilli, Kaufmann.

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