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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-13 · Heft 11 (13.3.1914) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 Honan-fu — K'ai-föng-fn und Peking — Hankow, Zusammentreffen sollte. Erst jetzt, nachdem ich den Zusammenhang von Japan mit der südchinesischen Revolution vollständig gewahr bin, verstehe ich die ganze Situation. (Schwtz folgt.) Las pharilsilche Judentum". Von Prof. Dr. G. Klein. V^on dem zu besprechenden Buche sagt F. Perles mit Recht, daß es „nicht nur eine wissenschaftliche Leistung, sondern geradezu eine sittliche Tat bedeutet". Es ist die ersteSchrist eines christlichen Theologen — der Verfasser ist unitarischer Geistlicher — über das Judentum, die keine andere Tendenz hat als „Gerechtigkeit im höchsten Sinne des Wortes". Herford will nämlich die Lehre der Pharisäer von ihrem eigenen Standpunkt aus darstellen und nicht, wie das so oft geschieht, als bloße Folie für die christliche Religion. Daß eine objektive Darstellung der pharisäischen Lehre von christlicher Seite eine Notwendigkeit ist, braucht kaum gesagt zri werden. Denn trotz Geigers „Urschrift" und Bachers Agada der Tannaiten und der palästinensischen und babylonischen Amoräer gelten die Pharisäer noch immer als Heuchler xar prokerenee, als „Virtuosen der Frömmigkeit", als Bnchstabemnenschen, denen jedes Verständnis für eine höhere Moral abgeht. An einem Beispiel aus der a l l e r n e u e st e n Zeit soll das denwnstriert werden. W. Heitmüller sagt in seiner Schrift „Jesus" (Tübingen 1913), Seite 131, folgendes: „Die pharisäische Moral ist eine negative, das Verbot steht im Vordergründe: du sollst nicht, du darfst nicht; sie fragt vor allem, wie man die Sünde meiden, weniger, wie man das Gute tun könne. Ihrer Weisheit Grenze ist der Satz Hillels: Was du nicht willst, daß man dir tue, das tue auch niemand anderen. Dem gegenüber steht Jesu Satz: Alles, rvas ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut auch ihr ihnen: denn das ist das Gesetz und die Propheten, — eine kleine Aenderung nur, und doch bedeutet sie einen grundlegenden Unterschied." Da ich jetzt nicht die Absicht habe mich mit Heitmüller auseinanderzusetzen, so will ich es bei diesem Zitat bewenden lassen. Ich kann aber nicht umhin darauf hinzuweisen, daß die D i d a ch e, der erste christliche Katechismus, dessen sich bereits der Apostel Paulus auf seinen Missionsreisen bedient hat, den angeführten Satz gleich Hillel negativ formuliert, während Maimonides denselben gleich Jesus positiv ausdrückt (H. Abel. 14, 1). Es liegt demnach absolut kein Grund vor, aus der verschiedenen Fassung dieses altjüdischen Spruches eine Verschiedenheit in der Grundlegung der Ethik zu konstatieren. Wenn dergleichen aber doch geschieht, so beweist das, daß das alte Gespenst, für das man den Pharisäer hielt, noch immer spukt — auch in den Köpfen derer, die es besser wissen könnten und sollten. Dieses Gespenst ein für allemal aus der Welt zu schassen, ist die sittliche und wissenschaftliche Aufgabe, die sich Herford gestellt hat. Mit einer stupenden Gelehrsamkeit, wie sie heutzutage auf diesem Gebiete bei christlichen Gelehrten eine Seltenheit ist, versenkt er sich liebevoll in den Geist der Pharisäischen Lehre und kommt zu Resultaten, die man in der neutestamentlichen Zeitgeschichte, wie sie in der Gegenwart dargestellt wird, vergebens sucht. Und sein Urteil, weil auf h Das Pharisäische Judentum in seinen Wegen und Zielen dargestellt von R. Travers Herford, 8. A. Autorisierte llebersetzung aus dem Englischen von Rosalie Perles. Mit einer Einleitung von Felix Perles. Leipzig, Verlag von Gustav Engel. 1913. Quellenstudium beruhend, wird beachtet werden müssen. Selbst wenn man in Einzelheiten mit ihm nicht übereinstimmt, so wird ihm keiner das Verdienst streitig machen können, den christlichen Gelehrten christlicherseits zum erstenmal die Richtlinien gezeigt zu haben, nach denen der Pharisäismus religionsgeschichtlich behandelt werden muß. Man wird fortan nicht mehr das Neue Testament als einzige Quelle für die Erkenntnis desselben anseheu dürfen. Man wird sich vielmehr vor Augen halten müssen, daß wir es dort mit Parteischristeu zu tun haben. Und Gegner sind nie objektiv. Jede Partei muß von ihrem eigenen Standpunkte aus betrachtet werden. Nur in dieser Weise kann ein objektives Urteil gefällt werden. Darum können weder Jesus noch Paulus als Instanzen für die Minderwertigkeit des Judentums angeführt werden. Jede Partei kann, wenn sie konsequent in Lehre und Leben ihren Standpunkt vertritt, recht haben; denn Gott kann „auf mehr als einem Wege gesucht und gesunden werden." Bei Beurteilung der Pharisäer wird diese Binsenwahrheit in der Regel gar nicht beachtet. Bald ist ihr Gott ein juristisches Prinzip, ihre Ethik eine Frucht der spitzfindigen Kasuistik, ihre Frömmigkeit eine dürrer Formalismus. Darauf erwidert Herford: „Da ist vor allem auf die Tatsache der Existenz des jüdischen Volkes hinzuweisen, das unbeirrt in der Treue gegen die Religion der Thora verharrte, und das Jahrhunderte bitterster Verfolgung durch die Christen überstand, ohne in seiner Existenz oder seiner Treue erschüttert zu iverden. Das wäre einfach unmöglich, lvenn die Religion, unter der ihre Anhänger lebten, und für welche sie starben, wirklich eine seelenlose Heuchelei, ein frommer Betrug, ein nichtiger Wahn gewesen wäre. Wenn das möglich wäre, welche bessere Garantie hätten wir dann für die Wahrheit und den Wert des Glaubens, für welchen christliche Heilige und Märtyrer starben und christliche Helden kämpften^ Ein verdorbener Banru kann nicht gute Früchte hervorbringen. Wenn aber die Frucht gut ist, so muß in beiden Füllen der Baum gut sei». Eine gegenteilige Meinung von dem trotz aller Leiden bis heute fortlebenden Judentrun, bas ivvhlgeinerkt das Judentum der Pharisäer ist, kann nicht nufrechterhalten werden angesichts des Zeugnisses, das in dem Glauben Israels au seine Heiligen liegt." In sechs inhaltsreichen Kapiteln versucht Herford Lehre und Leben der Pharisäer zur Darstellung zu bringen. Diese tragen folgende Ueberschriften: 1. Historische Skizze. 2. Die Theorie der Thora. 3. Der Pharisäismus und Jesus. 4. Der Pharisäismus und Paulus. 3. Einige Punkte der pharisäischen Theologie. 6. Der Pharisäismus als Religion der Seele. Um das Interesse des Lesers für Herfords Buch lvachznrrisen, soll in folgendem aus einige wichtige Gedanken desselben hingewiesen iverden. Meine Abweichungen vom Verfaffer werden in einem ziveiten Artikel zunr Ausdruck kommen. Im ersten Kapitel gibt der Verfasser einen Ueberblick über die Entwicklung des Pharisäismus von Esra bis zu seiner „endgültigen literarischen Verkörperung im Talmud". Den Ausgangspunkt bildet der Ausspruch des Resch Lakisch: „Als die Thora vergessen war, kam Esra aus Babylonien und setzte sie wieder ein, und als sie wieder vergessen war, kam Hillel aus Babylonien und setzte sie wieder ein, und als sie wieder vergessen war, kamen R. Ehija und seine Söhne ans Babylonien und setzten sie wieder ein." Der Sinn dieser Stelle ist, daß die Pharisäer in Esra ihren geistigen Ahn erblickten. Und das mit Recht. Denn keiner vor ihm hat solche Maßregeln zur Erhaltung des Judentums und der Juden getroffen >vie er. Ihm war es klar, „daß Israel, lvenn es überhaupt weiter leben wollte, sich streng von jeder Berührung mit allem abschließen mußte, was nicht Israel war. Es mußte eine geschlossene Korporation werden, eine Gemeinde, die nicht nur politisch, sondern noch mehr religiös 1 i 1 i r, i \

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