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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-06 · Heft 10 (6.3.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 —- wir mit der Veröffentlichung obiger Entwürfe sie der Beachtung der Gemeindeverwaltungen und ihrer Beamten aufs dringendste empfehlen. Berlin, 3. März. Der Verein zur Unterstützung armer leidtragender „Lchomcr laboker mnischan Awelim" hielt am 26. vorigen Monats, im Logenhaus Kleiststraße 10, unter Beteiligung einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern und Gästen die diesjährige Generalversammlung ab. Ter Vorsitzende Justizrat Holz wies nach Eröffnung der Versammlung zunächst auf das hohe Alter des Vereins hin, der, wie vorhandene Urkunden bestätigen, zweifellos zu den ältesten Institutionen der Berliner jüdischen Gemeinde gehört. „Wohltätigkeit und Bruderliebe" lautete von jeher die Devise des Vereins, und dieser sei er bis auf den heutigen Tag treu geblieben. Sodann besprach der Vorsitzende den Geschäftsgang des letzten Jahres, in dem die Büchsen 1039 mal den jüdischen Leidtragenden innerhalb der Gemeinde Groß-Berlin zugesandt worden sind und der eiserne Fonds sich um 10OO Mark, von 18 05O Mark auf 19 050 Mark, erhöht hat. Von einer Propaganda ist in Rücksicht auf die mißlichere Geschäftsverhältnisie und die ohnehin große Belastung der einzelnen Gemeindemitglied-er Abstand genommen worden. Besonders interessant war für uns der Bericht über die Entwicklung des Vereins während der letzten zwanzig Jahre. Dabei gedachte der Vorsitzende mit ehrenden Worten des verstorbenen Jakob Weinberg, der im Jahre 1894, nachdem dieser alte Verein fast in Vergessenheit geraten war und nur noch Zirka 80 Mitglieder hatte, sich in Gemeinschaft mit Herrn Martin F e r n b a ch durch eine kräftige Agitation seiner angenommen und ihn zu neuem Leben erweckt habe, so daß der Verein gegenwärtig die stattliche Zahl von 700 Mitgliedern ausweist. — Hieraus erstattete Herr Horwitz den Kassenbericht, der in Einnahmen und Ausgaben mit 18 857,69 Mark balanciert, und beantragte namens Der Revisoren für den Gejamtvorstand die Entlastung, die auch einstimmig erfolgte. Bei dm sodann vollzogenen Wahlen wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder, die Herren M. Hirsch, Alois A. F. M a r c u s , Bernhard Casparius und Samuel Cohn sowie die Revisoren Stadtverordneter Max S a l i n g e r und M. H o r- U) i tz durch Zuruf wiedergewählt. Außer diesen gehören dem Vorstande noch folgende Herren an: Justizrat IgnatzHolz, Martin F e r n b a ch, Aron Hirsch, Emil P i n c u s, Berthold T i e tz. Im Anschluß an die Generalversammlung fand ein Abendessen für Herren statt, das, durch geistreiche Reden gewürzt, -einen glänzenden Verlauf nahm und allen Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Den Abschluß bildete eine Lichtbildervorführung des Herrn Dr. Karl Abel: „Eine Frühlingsreise nach Nordafrika." Wir kommen gelegentlich auf diesen Verein und seine 200 jährige Geschichte in einem ausführlichen Artikel zurück. z. Berlin, 3. Mürz. Das diesjährige Konzert des V e r e i n s z i! x Ps lege hebr äis che r M usi k unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Kapellmeister Albert Kellermann, gestaltete sich, veranlaßt durch das zehnjährige Bestehen des Vereins, zu einem richtigen Festkonzert und wurde mit einem poetischen, von Frau Jenny Friedmann verfaßten und Frau Frieda Kaufmann gesprochenen Prolog sinngemäß eingeleitet. Tie Besonderheit des Abends trat namentlich in dem gewählten, farbenreichen Programm zutage. Da fanden sich unter den Komponisten der teils für öffentlichen, teils für Hausgottesdienst bestimmten Stücke außer dem bereits wohlbewährten Dirigenten die Großen aus dem Bereich der geistlichen hebräischen Musik, der Wiener S u l z e r , der Berliner L e w a n d o w s k i, der Königsberger Weintraub. Daneben aber gab -es auch interessante Proben von Meistern weltlicher Musik, wie Meyerbe-er und Gernsheim. Freilich ließen einen diese Proben über die Weltlichkeit ihrer Autoren nicht im ungewissen. Wer auch Sulzers „Jigdal" ist ein Frohgesang, der mit der Melancholie jüdischer Sangesart kaum etwas zu schassen hat. Viel näher diesem Charakter steht K e l l e r m a n n s „M i n H a m e z a r" aus den bei Bote u. Bock erschienenen „Sechs liturgischen Psalmen", das in reichem Wechsel orientalische Schwermut mit okzidentaler Sangesfreudigkeit verbindet. Am meisten aber auf den wehmutsvollen orientalischen llrtoit zurück ging eine in halb sephardischem Stil gehaltene Komposition von C o m o l o „H a m a t e C e w r o s o", ebenso wie eine andere „El nora alila", die sogar da capo verlangt wurde. In dem ersten dieser beiden Stücke zeigte es sich, wie sehr die Eindruckssähigkeit' derartiger Musik verstärkt werden kann durch Hinzusügen interessanter Soloinstrumente, wie in diesem Falle des englischen Horns. Voraussetzung ist freilich, daß die Singstimme sich in^ ebenso guten Händen befindet wie hier bei Leo G o l l a n i n , dessen warmblütiger Tenor die charakteristischen Koloraturen mit Leichtigkeit bewältigte. Nicht zuletzt wollen wir des wackeren Chors mit seinen hübschen Stimmen gedenken, der ebenso wie die mitwirkende Sopranistin Rose Walter, der treffliche Geiger Louis von Laar und Her Organist Herr Arnold Dreher unter der straffen Direktion des Konzertgebers das ihrige zum Gelingen des Ganzen beitrugen. Berlin, 3. März. Die M i e t s u n 1 e r st n tz u n g s a n st a l t der jüdischen Gemeinde Ohel Jeschnrim in Berlin, welche im Jahre 1798 begründet worden ist, gewährt armen und in Not geratenen Glaubensgenossen Beihilfen zur Miete. Oft muß die Anstalt einspringen, wenn es gilt, die Aermsten vor dem Schlimmsten, der Exmission zu bewahren. Während in früheren Jahren bei kleineren Mieten eine kleine Unterstützung genügte, um die Hilfesuchenden über das Schlimmste hinwegzubringen, sind jetzt bei den so gestiegenen Mietspreisen größere Beträge in jedem einzelnen Falle erforderlich. Die so segensreich wirkende Anstalt konnte ihre hohen sozialen Aufgaben seit 116 Jahren stets erfüllen, da es nur eines Appells an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde bedurfte, um ihr die zur Erhaltung erforderlichen Mitglieder zuzuführen. Auch in der letzten Zeit ist eine ganze Anzahl neuer Mitglieder der gemeinnützigen Anstalt beigetreten, teils durch Zeichnung von Jahresbeiträgen, teils durch Zahlung von 150 Mark zur Erwerbung der lebenslänglichen oder von 300 Mark für die immerwährende Mitgliedschaft. Da die an den Verein herantretenden Ansprüche in dauernder Steigerung begriffen sind, so ergeht an alle wohlgesinnten Glaubensgenossen die Bitte, der altehrwürdigen Anstalt beizutreten, -um mitzuwirken, die Bedrängten vor dem Schlimmsten, der Exmission, zu bewahren. Beiträge sind an den Schatzmeister Herrn E r n st W a l l a ch, Berlin, Taubenstraße 16/18, zu richten; derzeitiger Vorsitzender der Anstalt ist Herr Emil Pincus, Joachimsthaler Straße 17. Gesuche sind nur an das Vereinsbureau Berlin C, Rosenstr. 2/4 zu richten. E. S. Berlin, 3. März. Am 23. v. M. sprach Chefredakteur Fritz Engel in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums (zum Besten des Stipendienfonds) über Max Reinhardt und sein Wirken. Der große Schauspieler, eigentlich Goldmann, ist 1872 in Baden bei Wien geboren und zeigte in seiner Entwickelung deutlich die Vorzüge der jüdischen Art. Frühzeitig besuchte er das Theater und wurde auch in der Wiener Schauspielerschule ausgebildet. Frühzeitig von Otto Brahm beeinflußt. Frühzeitig kam Reinhardt an das „Deutsche Theater" in Berlin. Während dort unter Brahm vornehmlich Dramen von Ibsen und G. Hauptmann über die Bretter gingen, nahm Reinhardt Schauspiele von A. Strindberg, L. Tolstoi, Wedekind, Maeterlinck, L. Thoma, Gorki, Oskar White. Aber auch klassische Stücke, wie Lessings „Minna v. Barnhelm", Schillers „Wallenstein" und selbst die altgriechischen Tragödien wußte er durch neue Art der Ausführung zu neuem Leben zu erwecken. Bei Reinhardt vereinigt sich der tüchtige Theaterdirektor mit dem ausgezeichneten Regisseur. Nach Reinhardt soll der Schauspieler der Handlanger des Dichters sein, und das Volk soll durch die Bühne zur lebendigen Teilnahme an der Dichtung erzogen werden. In Reinhardt ist der Maler mit dem Musiker vereinigt, so versteht er es auch vortrefflich, nach Hebbels Worten das Uebersinnliche anschaulich zu machen. Reinhardt ist ein Talent'der unbegrenzten Möglichkeiten, von dem wir wohl noch ausgezeichnete Leistungen zu erwarten haben. In ruhiger, sachlicher Weise, gänzlich fern von jeder Effekthascherei, verstand der Redner, das lautlos lauschende Publikum zu fesseln. — Berlin, 3. März. Am letzten Sonntag fand auf dem Friedhof in Weißensee unter großer Beteiligung von Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung die Beisetzung des Stadtverordneten und Handelsrichters Oskar Nelke statt. An dem in der neuen Halle aufgebahrten Sarge hatten Kränze niedergelegt: der Magistrat und die Stadtvereordneten der königlichen Residenzstadt Berlin, die Fraktion der Linken, der Berliner Asylverein für Obdachlose, die Ressource 1794 und die Direktion der Lichtenberger Terraingesellschaft. In der Trauerversammlung war der Berliner Magistrat durch Bürgermeister Dr. R e i ck e, Kämmerer B o e ß und die Stadträte M a a ß und Panowsky,

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