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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-02-27 · Heft 9 (27.2.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 9 Berlin, 27. Februar 1914 Der Geineindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". korrrlpondknsrn und Mchrichtm. Deutschland. Berlin, 24. Februar. Der soeben erschienene nennte Verwaltungsbericht der von den Berliner Logen des 11.0. B. B. errichteten „I ü d i s ch e n T v y n b e e h n l l e" bietet ein erfreuliches Bild der segensreichen Wirksamkeit dieses Instituts, das, ohne sonderlich in die Oefsentlichkeit zu treten, für Volksbildung und Unterhaltung in hervorragender Weise wirkt, als eine Quelle der Belehrung, Anregung und Erbaung weiter Kreise der armen jüdischen Bevölkerung. Die Veranstaltungen, die allabendlich mit Ausnahme des Freitags stattsinden, wurden auch im letzten Jahre von Männern und Frauen jeden Alters und Berufes außerordentlich zahlreich besucht. Auch andersgläubigen Besuchern, die sich in letzter Zeit gerade au Sonntagen einfanden, wurde gastfreundliche Aufnahme gewährt. Von allergrößter Bedeutung ist die kulturelle, erzieherische Einwirkung der Tohnbeehalle aus ihre Besucher, die nach des Tages schwerer Last, Blühe und Sorge wie befreit aufatmen, um sich in gehobener Stimlnung an den kostenlosen Genüssen der Tohnbeehalle zu erquicken. Trotz der immer wachsenden finanziellen Anforderungen will die Tohnbeehalle eine Freistätte geistiger, künstlerischer und gastfreundlicher Darbietungen bleiben. Vertrauensvoll wendet sich darum der Bericht mit einem warmen Appell an die Oefsentlichkeit, das Institut, das sich in so reichem Maße als eminentes soziales Werk bewährt hat, in verstärktem Maße durch vermehrte regelmäßige Beiträge, durch größere Spenden und Zuwendungen finanziell zu stärken und weitere Kreise für die Förderung des Instituts zu gewinnen und zu interessieren. Wie aus dem Finanzbericht hervorgeht, hat im letzten Jahre Herr Rudolf Mosse anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages bei der reichen Fülle seiner vielseitigen Wohltätigkeitsspenden auch die Tohnbeehalle mit einer hochherzigen Zuwendung von 5000 Mart bedacht, für die dein edlen Spender der Tank der Verwaltung ausgesprochen wird mit dem Wunsche, daß sein Beispiel bald weitere Nachfolge finden möge. Der Dank der Verwaltung, die ans Damen nnd Herren aller religiösen Richtungen zusammengesetzt ist, gilt auch allen selbstlosen, opferwilligen Mitwirkeudeu, ebenso den Mitgliedern des Vorstandes, der Komitees, Damen und Herren, den freundlichen beitragszahlenden Spendern, Freunden und Gönnern des Unternehmens. Bemerkenswert sind folgende, aus den Kreisen der Besucher der Tohnbeehalle der Verwaltung zugegangenen Dankschreiben: Ein 56 Jahre alter Handelsmann schreibt: „Bei meinem traurigen sturmumwölkten Dasein habe ich bei Ihnen in der Tohnbeehalle eine Zufluchtsstätte der Erholung und Stärkung gefunden, für die ich unendlich dankbar bin." Eine 50 Jahre alte Näherin schreibt: „Tie Tohnbeehalle ist über alles erhaben, eine große Wohltat, besonders für alleinstehende Personen, welche auch noch Sinn für Knust und Wissenschaft haben. Wieviel Wissenswertes nimmt mau doch mit nach Hause von diesen belehrenden Vorträgen." Ein 52 Jahre alter Schneider schreibt: „Ich bin ein regelmäßiger Besucher der Tohnbeehalle und denke in dankbarer Erinnerung an all die schönen Stunden, die ich dort verlebt habe. Es ist, als gehöre hier jeder zu einer großen Familie." Ein 17 Jahre alter Zeichner schließt seinen Dankbrief mit den Worten: „Die Tohnbeehalle verfolgt den Satz: „Für das arme Volk ist das Beste gerade gut genug." Die Zahl der Vorträge, die sich auf die verschiedensten Gebiete von Knust und Wissenschaft verteilten, betrug im Berichtsjahre 142. Im ganzen haben 160 Personen Vorträge gehalten, und zwar 115 Herren und 15 Damen. Besonderer Erwähnung verdient ein Vortragsnachmittag, der für Kinder eingerichtet!var und von ungefähr 500 Kindern besucht wurde. Es wurden von Frau Johanna Meyer deutsche Volksmärchen vorgetrageu und durch Lichtbilder veranschaulicht. Die so segensreich wirkende „Jüdische Tohnbeehalle" verdient die weitgehendste Förderung. Berlin, 24. Februar. Seitens der hiesigen jüdischen Gemeinde werden Kurse unterhalten, durch lvelche Lehrerinnen und Semiuaristiuneu Gelegenheit geboten ist, sich in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Kurse dauern drei Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit findet eine Abschlußprüfung statt, über deren Ergebnis ein Zeugnis ausgestellt wird. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen stehen ans dem Inlins Bleichröderschen Legat einige Stipendien zur Verfügung Das Sommersemester beginnt am Montag, den 20. April . d. I. Meldungen nimmt der Leiter der Kurse, Herr Rektor Dr. S p n n ier , in der Mädchenschule, Kaiserstraße 26/60. entgegen, der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. Berlin, 24. Februar. Im Ialluar uud Februar fanden in acht größeren deutschen Städten Versammlungen statt, die der Allgemeinen jüdischen Kolonisationsorganisation gewidmet waren. Die Einladungen ergingen von den namhaftesten Persönlichkeiten der Gemeinden. Den Vorsitz führten: in W i e s b a d e n R.-A. M a r r - h e i m e r , in D a r m st a d t der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Otto Wolfs, in S t u t t g a r t Kirchenrat Dr. K r o n e r , in Karlsruhe Rabbiner Dr. Appel, in Straß bürg Dir. Dr. Gromb a ch e r , in P o f e u Instizrat M. P l a c z e k, in K ö l u Iustizrak Tr. M. E a l l m a n n. Die Versammlungen trugen, je nach den Wünschen der einladenden Komitees, in manchen Städten einen geschlossenen, in anderen einen öffentlichen Eharakter. Wo sie größeren Kreisen zugänglich gemacht wurden, waren die Säte zumeist überfüllt, so in Stuttgart, P o s e n, Köln, in den übrigen Städten lvohnten die angesehensten Gemeindemitglieder den Veranstaltungen bei. Die Referate wurden zumeist von Herrn Ernst L ö w e u b e r g , Berlin, uud Dr. Alfred Nvssig, Berlin, erstattet: in Posen trat auch Herr Alois A. F. M a r c u s , Berlin, als Referent auf. Neberall erweckte das gemeinnützige Werk der A.I.K. O. Sympathien, was sich darin äußerte, daß im Laufe von wenigen Wochen gegen 1000 neue Mitglieder mit namhaften Jahresbeiträgen der Organisation sich anschlossen nnd zahlreiche Aktien ihres Agrarkreditinstitutes „Th e Orient Colo n i s i n g C o m p a n y , Ltd.“ gezeichnet wurden. In allen genannten Städten haben sich O r t s k o m i t e e s der A.I.K. O. gebildet, denen die Spitzen der Gemeinden angehören. Die in den vorangehenden Monaten gegründeten Ortskomitees entfalten eine außerordentlich rührige Werbetätigkeit, ganz besonders in K a s s e l, a n n h e i m , G i e ß e u , M ü n ch e u , W ü r z - b u r g , B a m b e r g. Im Lause der letzten Wochen hat die A. I. K. L. auch eine F r a u e n a b t e i l u u g ins Leben gerufen, die zur Entwicklung der Organisation wesentlich beiträgt. Gelegentlich der k o n st i t n i e r e u d e n B e r s a m in l n n g der B e r l i n e r O r t s - g r u p P e der Frauenabteilung, lvelche am 25. Januar unter denl Borsitz voll Frau Kommerzienrat Margarethe L i in o u stattfand, traten der Abteilung Frau Geheimrat Becker, Frau Rudolf Bk o s s e , Frau Geheimrat R a t h e n a u , Frau Dr. Isidor G i u s - b e r g , Frau Georg L a ch m a u il, Frau Geheimrat Friedl ä u d e r , Frau L s k a r Ti e tz , Frau Direktor M i n d e n , Frau Kommerzienrat Wagner und zahlreiche andere Damen bei, lvelche beträchtlichere Mitgliedsbeiträge und Spenden für die Fonds der A. I. K. O. zeichlleten. Größere Damenkomitees, die eine intensive Tätigkeit entwickeln, haben sich überdies in Posen und Kolli gebildet, in anderen Städten sind sie int Entstehen begriffen. Berlin, 24. Februar. Am 14. d. M. falld die o r d e n t - l i ch e G e n e r a l v e r s a m m l u n g des B e r e i n s f ü r j ü d i s ch e G e s ch i ch t e n n d L i t e r a t li r statt. Dieselbe wurde, da die beiden Vorsitzenden zu erscheinen verhindert waren, alls Vorschlag des Herrn A l b ert K a tz vom Schatzlneister des Vereins. Herrn Benas L e v h, geleitet, der auch ausführlich über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre berichtete und mit Genugtuung konstatierte, daß das Interesse der Berliner Ilidenheit au den Bestrebungen unb Veranstaltungen des Vereins von Jahr ztl Jahr immer mehr ztmehme. Zugleich richtete er herzliche Dankesworte an alle Mitarbeiter au der Verbandspubtikation, dem Jahrbuch für jüdische Geschichte ntid Literatur, das jetzt ill vielen tausenden jüdischer Familien Delltschlands ein willtomlueuer Gast sei, der sich des Vorzuges erfreue, immer voll neuem auf eitle freundliche Aufnahme rechnen zu dürfen. Hierauf verlas Herr H e i n r i ch .F r ä n k e i

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