Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Cleopatra* Herz schlug stärker. Herodes sagte gewagte und ihren Ohren angenehme Dinge. Aber gleichzeitig leuchtete in ihren Pupillen ein gelbes, gutes Funkeln ans. „König," sagte sie mit gedämpfter Stimme, „gestehe mir die ganze Wahrheit, liebst du Marjamne?" Herodes zauderte: „Rede aufrichtig", drängte sie, „gar keine Falschheit wird dich beschützen, das weißt du sehr gut." Zwei Reihen weißer, scharfer Zähne blitzten hinter ihren wundervoll gemeißelten Lippen. „Liebst du Marjamne?" erneuerte sie die Frage. Ter König ward verstimmt. Sein männliches, von Runzeln und Narben durchfurchtes Gesicht verwandelte sich wie in eine steinerne Skulptur. Nur eine Muskel an der linken Kinnlade pickte von Zeit zu Zeit schematisch. Schließlich richtete er die schweren Augen in die Höhe, und weit hinter den Thron der Königin schauend, als lasse er seinen Blick bis nach Judäa, feiner Burg, schweifen, sprach er langsam, aber hart: „Ich liebe sie. Ich liebe sie besinnungslos. Gar kein Weib uhu' das für mich, was sie." Undnach einer Weile fügte er mit bebender Stimme, in welcher melancholische Zähren vibrierten, hinzu: „Marjamne wurde die Sonne meines Lebens. Bei dieser Frau verliere ich die Sinne, verliere ich meine Selbstbeherr-! schling . . . Das gestehe ich lallt vor dir, Königin, ich, Herodes, von Roms Gnaden jüdischer König . . . Tll begreifst, wieviel solch ein Geständnis mich kosten mllß. Aber du wolltest, daß ich aufrichtig sei. Ich war es also so, als sollte ich dieses Zimmer nicht mehr lebend verlassen." Kleopatra senkte die Augen. Ihre Augenlider zuckten von innerer Erregung. Es entstand ein langes, furchtbares Schwelgen. Herodes begriff, daß im Kopfe der Königin sein Schicksal sich entscheidet. „Somit also", Hub Kleopatra nach einer Weile mit beschleunigtem Rhythmus an, „geschah eine um so schlimmere und strafwürdigere Sache. Antonius ist einzig in der Welt, me das römische Imperium einzig ist. Der Schimpf, der mich getroffell, ging aus Judäa, aus deinem Lande hervor . . ." Herodes erblaßte. (Schluß folgt.) Sprrchsaal.;\mn Lp rachen st reit in Palästina stellte uns das Bllreau des Hilfsvereins der deutschen Inden folgende Notizen zur Verfügung, die wegen Raummangels in der vorigen Rümmer nicht zum Abdruck gelangen tonnten. Die Redaktion. I. Nachdem der Versuch, die Schüler der Schulen des Hilssvereins abspenstig zu lnacheu, mißlungen ist, werden nun Drohungen und Gewalttätigkeiten angewendet, um die Lehrer des Hilssvereins in Schrecken zu setzen. In der vorigen Woche unternahmen Seminaristen des unter Herrn Pellin stehenden Konkurrenzseminars einen Ueberfall auf einen Lehrer des Hilfsvereins und mißhandelten ihn tätlich. Der Generalgouverneur von Jerusalem hat infolgedessen Herrn T a v i d P e l l i n eine strenge Verwarnung zugehen lassen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der Lehrerersatz für die Schuten des Hilfsvereins für das neue Semester bereits so vollständig ist, daß diese verächtlichen Bedrohungen und Einschüchterungen der Lehrer ebenfalls wirkungslos sind. II. In welch normaler Weise die Schuten des Hilssvereins fungieren, entgegen allen böswilligen Berichten, zeigen folgende Nachrichten: Ein Herr Heppner aus Kiew besuchte aus Neugierde die Anstalten des Hilfsvereins und war ganz überrascht, dieselben in voller, geordneter Funktion zu finden. Nach den ihm von den Gegnern gemachten Mitteilungen und den Pressemeldungen glaubte er, ein „Wrack" anzutressen. Nicht weniger erstaunt war er über das Vorherrschen des Hebräischen in den Anstalten des Hilfsvereins. Als Zeichen des Protestes gegen den ungerechten Ueberfall schenkte er dem Mädchenheim den Betrag von 280 Frank für eine Badeeinrichtung. Noch interessanter ist folgender Fall. Herr Alexander Halperin und ^-rau aus Odessa trafen eine der Schulklassen des Hilssvereins am -• Februar auf einem topographischen Ausfluge an der Stadtmauer Jerusalems. Sie schloffen sich den Schülern, welche von Herrn Nabinowitz begleitet waren, an und wunderten sich nicht wenig über die Hebräisch sprechenden Schüler des Hilfsvereins. Am nächsten ^.age besuchten sie dann, da ihre Beobachtungen so ganz den übelwollenden Presseberichten widersprachen, mit neugierigem Interesse die Anstalten des Hilssvereins und erklärten nach der Besichtigung, daß sie nicht begreifen könnten, wie man solche verlogenen Berichte über die Schulen des Hilssvereins in die Welt setzen könne. Herr Halperin zeichnete so dann einen größeren Jahresbeitrag für den Hilfsverein der deutschen Juden. III. Die zionistische Zeitung „Hacherut" meldet aus Jaffa: Der Merkas Hamorim (der Lehrerverband, der den Kampf gegen die Schulen des Hilssvereins führt) hat vom zionistischen Aktionskomitee in Berlin die Anfrage erhalten, rvie sich die Bevölkerung Palästinas zu den Beschlüssen der amerikanischen Kuratoriumsmitglieder stelle. Das zionistische Aktionskomitee wäre mit diesen Beschlüssen nicht einverstanden und möchte nun die Ansicht der Bevölkerung (!) Palästinas hören. In der Bersammlung des Lehrerverbandes kamen nun folgende Beschlüsse zustande: 1. In allen Schulen Palästinas muß die hebräische Sprache die alleinige Unterrichtssprache sein, nicht nur im Prinzip, sondern auch in der Praris. Das Technikum darf nur unter der Bedingung eröffnet werden, daß cs ganz hebräisch ist. -1. Jedes Fach, für welches hebräische Lehrer nicht zur Verfügung stehen, wird so lange aus dem Lehrplan ausgeschaltet, bis die richtigen Lehrer gefunden sind. (!) 4. Die Leitung des Technikums muß ausschließlich hebräisch sein. (!) 5. Wenn das Kuratorium diesen unseren Beschlüssen nicht zustimmt, müssen wir sofort mit den Vorbereitungen zur Eröffnung der technischen Abteilung der Universität beginnen. 6. Wir beharren auf unserem früheren Beschluß, nach Kräften gegen die Eröffnung des Technikums in Haifa zu kämpfen, bis es hebräisch wird. Diese Beschlüsse illustrieren am besten die zionistische Behauptung, daß die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder auf ihrer Seite ständen od-er, wie sogar behauptet wird, noch über die Forderungen der Zionisten hinausgingen. Man weiß nicht, ob man bei den Beschlüssen des Merkas Hamorim, der für die Zionistische Partei so maßgebend geworden ist, mehr den Unverstand oder die Anmaßung bewundern soll, mit der er im Namen der palästinensischen Bevölkerung allstritt lllid dekretiert, daß die Palästinenser die Fächer, für die hebräische Lehrer noch nicht existieren, einfach nicht lernen dürfen. Berlin, den 15. Februar 1014. Hilssvereill der deutschen Inden. * Sehr geehrte Redaktion! Die „Nene Jüdische Korrespondenz" schreibt: „Der Beschluß, daß von der Errichtung einer Realschule Abstand genommen wird, bringt es mit sich, daß an Stelle der ursprünglich geplanten Realschule nmunehr die neue, vom Hebräischen Lehrerverband mit Unterstützung der zionistischen Organisation geschaffene Mittelschule treten wird." Diese Nachricht, insbesondere in dem Zusammenhang, in dem sie gebracht wird, ist natürlich keineswegs zutreffend. Eine neue Realschule in Haifa hat so viel oder so wenig mit dem Technikum zu tun wie irgendeine Schule in Palästina. Allen Schulen in Palästina steht es frei, ihren Schülern dadurch, daß sie sich in ihrem Programm nach den Aufnahmebedingungen des Technikums richten, den Uebergang znm Technikum zu erleichterm. Eine Vorzugsstellung nimmt selbstverständlich keine der Schulen ein. Berlin, den 24. Februar 1914. In vorzüglicher Hochachtung Jüdisches Institut für technische Erziehung in Palästina Dr. James Simon.