Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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des Jubilars und betonte, daß unter den verschiedenen religiösen Vereinen und Wohltätigkeitsinstituten innerhalb der Gemeinde nicht eins existiere, zu dessen Vorstandsmitgliedern Herr Jacob nicht Zähle, und daß besonders das vor etwa 10 Jahren hier gegründete jüdische Altersheim seine Schöpfung sei und er sein Interesse diesem seinem Lieblingskinde unentwegt znwende. Erst in später Stunde fand das gemütliche Beisammensein seinen Abschluß. — Freienwalde (Oder), 18. Februar. Dieser Tage feierte der langjährige Vorsitzende des Vorstandes unserer Synagogengemeinde, Herr Hermann Raut-enberg, die Silberhochzeit. Aus diesem Anlaß fand in der festlich geschmückten Synagoge Festgottesdienst statt. Nach dem Gottesdienst begab sich eine Abordnung des Vorstandes und der Repräsentanten in die Wohnung des Jubelpaares und überreichte ein Ehrengeschenk von der Gemeinde mit Widmung. Ter Repräsentantenvorsitzende Herr Bein hob in seiner Ansprache die Verdienste des Jubilars um unsere Synagogengemeinde hervor, den Ausbau unserer Synagoge, die Einrichtung eines Ehors, ferner sei es sein Werk gewesen, daß die Gemeindemitglieder zu den Synagogenbeiträgen nach den Staatsstenern veranlagt worden sind, wodurch der Friede in der Gemeinde hergestellt wurde. W. Posen, 16. Februar. In der Nacht von Freitag zum Sonnabend ist nach kurzer Krankheitsdauer Herr Samuel Sitberb e r g , 79 Jahre alt, aus diesem Leben abbernfen wurden. Groß, unendlich groß ist der Verlust, den die hiesige Synagogengemeinde durch den Heimgang dieses Mannes, der ein Menschenalter hindurch mit ihren Interessen ans das engste verknüpft war, zu beklagen hat. Vor nunmehr 85 Jahren durch das Vertrauen der Wähler in die Repräsentantenversammlnug berufen, wurde er im Jahre 1892 zum Mitglied des Gemeindevorstandes gewählt, dem er bis an sein Lebensende ununterbrochen, in den letzten Jahren als stellvertretender Vorsitzender angehört hat. Ausgezeichnete Charaktereigenschaften, reiche Gaben des Verstandes und Gemütes, unbeugsame Willenskraft und nie ermüdender Schaffensdrang sowie ein scharf ausgeprägter Gerechtigkeitssinn haben ihn in hervorragendem Maße befähigt, eine führende Wirksamkeit in der Gemeinde zu entfalten. Neben seiner vielseitigen, bis in die allerletzten Tage seines hochbetagten Lebens rastlos ausgeübteu Verwaltungstatigkeit bekleidete er während nahezu eines Vierteljahrhunderts ehrenamtlich die Stelle eines Beisitzers im Kollegium des Gemeinderabbinats als ebenbürtiger Nachfolger bedeutender Talmudgelehrter. So hat der edle Verblichene durch sein selbstloses verdienstvolles Wirken in der Gemeinde ein unvergängliches, ehrenvolles Denkmal sich geschaffen. Seit der Erbauung der neuen Synagoge hat er auch an der Spitze ihrer Verwaltung gestandene und mit nie rastendem Eifer bis in die letzte Woche seines Lebens gearbeitet. — Unter großer Beteiligung fand heute nachmittag die Beerdigung statt. Auch von auswärts waren viele erschienen, um dem allseitig hochgeachteten und gewürdigten Mann die letzte Ehre zu erweisen. Jur Aufträge der Synagogengemeinde und der Kommission für die Verwaltung der Synagoge A hielt Herr Rabbiner B l u m die Leichenrede, in welcher er mit warm empfundenen Worten den herben Verlust durch den Heimgang des gottbegnadeten Mannes beklagte. Nach dem Willen des Verstorbenere durften weitere Reden nicht gehalten roerden. Ehre seinem Andenken! M. Hamburg, 18. Februar. Herr Sigis m undo W eil, der langjährige zweite Vorsitzende des Tempelverbaudes, ist nach kurzer Krankheit im 77. Lebensjahre gestorben. Das Hinscheiden dieses Mannes bedeutet iricht nur für den Trmpelverband, sondern für die gesamte Gemeinde und für weitere Kreise unserer Vaterstadt einen schweren Verlust. Der Verblichene, ein geborener Moislinger, kam in jungen Jahren nach Hamburg, gründete hier die Exportfirma S. Weil, welche sich im Lause der Jahre zu einem der bedeutendsten Kaufmannshäustr der Stadt entwickelte. In unserer Gemeinde bekleidete der Dahingeschiedene viele Ehrenämter, er gehörte dem Repräsentantenkollegiurn an, war in der Verwaltung des Altenhauses tätig und hatte das Amt eines Präsidenten der vereinigten. Kuabennnd Mädchenhorte time. In der Tempelgemeiude wirkteer besonders segensreich. Auch unsere Nachbargemeinde Lübeck beklagt in ihm den Verlust eines edlen Wohltäters, denn der Verblichene bezeugte für seine Heimatsgemeinde ein ganz besonderes Interesse und war stets bereit, mit großen Summen die dortigen Institutionen zu unterstützen. Zu der Trauerfeier hatten sich viele hervorragende Vertreter der Handels- und Finanzwelt eingesunden; von der Geineinde waren Mitglieder des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums und Delegierte anderer Institutionen erschienen. Ter Vorstand des Tempelverbandes, die Repräsentanten, die Rabbiner und die Beamten hatten sich in corpore eingefunden. Die jüdische Gemeinde in Lübeck hatte Rabbiner Dr. C a r l e b a ch und einige Vorstandsmitglieder zur Trauerfeier entsandt. Der Sarg war mit kostbaren Kränzen, unter anderem auch von der Direktion der Amerika-Linie, geschmückt. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. L e i m d ö r f e r. Er schilderte des Verstorbenen segensvolle Tätigkeit in der Gemeinde, wo er viele Jahrzehnte vorbildlich wirkte. Ein unvergängliches Denkmal habe der edleVerblicheue sich durch seine große Wohltätigkeit errichtet. Oberkantor Kornitzer trug hierauf den Psalm: „Was ist der Mensch, daß du feiner gedenkst" vor, dann sprach Herr Rabbiner Dr. Earlebach in tiefempfundenen Worten den Dank der Lübecker Gemeinde ans für alle Wohltaten, die der Verblichene seiner Heimatsgemeinde erwiesen. Unter den Klängen von Trauerweisen wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, der imposante Trauerkondnkt bewegte sich nach dem Ohlsdorfer Friedhof. Hier widmete Herr Rabbiner Dr. Sonderl i u g dem Verstorbenen noch herzliche Abschieds-Worte und sprach insbesondere den Dank des Tempelverbandes ans. Nach einem Gebet und Segensnwrten des Geistlichen wurden die irdischen Ueberreste dem Schoße der Erde übergeben. g/t> Mannheim, 18. Februar. Es war eine Versammlung zahlreicher Tranergäste, die am 11. d. M. nachmittags in der Kapelle des israelitischen Friedhofs zusammenkameu, um dem verstorbenen Vorstand des Synagogenrats, Herrn Sally Reiß, die letzte Ehre zu erweisen. Die Trauerfeier lvnrde durch den Gesang „lieber allen Wipfeln ist Ruh" eingeleitet, worauf Herr Stadtrabbiner Dr. Stecket macher die zu Herzen gehende Traueransprache hielt. Er zeigte mit seinen Worten, wie der Verstorbene vor allem ein schönes, vorbildliches Familienleben geführt habe, und alle er auch durch seine Klugheit, seinen weitansschauenden Blick, durch Tüchtigkeit, Fleiß und Betätigung einer lauteren Gesinnung ein hervorragender Förderer seines Geschäftes war. Dann aber habe er seine ganze Kraft, seine selten große Erfahrung itnd sein tiefes Wissen in den Dienst der Gemeinde gestellt, für die er erst als Mitglied und spater, bis zuletzt, als Vorstand des Lhnagogenrats gewirkt habe. Der Redner rühmte den Verstorbenen als einen Mann voll tapferen Gerechtigkeitssinn, voll Geradheit, Biederkeit und Wahrhaftigkeit und voll inniger Religiosität. Er sei auch ein freigebiger Wohltäter gewesen, der ein warmes Herz hatte für die Armen und Bedrängten. Außer beim Synagogenrat habe er sich mit Wort und Tat bei den verschiedensten humanitären Körperschaften beteiligt, und überall habe seine überlegene Ruhe in allen Lagen segensvoll gewirkt. Sally R e i ß habe gelebt und sei gestorben wie die, von denen die Prophetin Deborah gesagt habe: „Die Freunde Gottes, die werden wie die Sanne sein, die da anfstrahlt in ihrer ganzen Kraft." Im Namen des Synagogenrats sprach nun Herr Bankier Gold s ch m i d t Worte ehrenden Gedenkens und aufrichtigen Dankes an der Bahre des Entschlafenen. Sein Name werde dauernd mit goldenen Buchstaben in der Geschichte der israelitischen Gemeinde Mannheims stehen. Herr Geh. Oberregierungsrat Tr. Mayer ans Karlsruhe sprach im Auftrag des Oberrats der Israeliten die Anerkennung für die hohen Verdienste aus, die sich der Verstorbene um die israelitische Sache nicht nur in Mannheim, sondern in ganz Baden erworben habe. Für die Angnst-Lemey-Loge, die in dem Toten einen ihrer treuesten und angesehensten Brüder verliere, sprach der Präsident der Loge, Herr Kart I ü d e t. Aach ihm ergriff Herr Julius B e n s h e i m e r das Wort, um namens des Hilfsvereins deutscher Juden in Berlin den Verstorbenen und seine Verdienste zu ehren. Nachdem das Lied „Wie sie so sauft rnhn" gesungen war, trug man den Sarg zum Grab, in das er nach einem kurzem Gebet des Stadtrabbiners versenkt lvnrde. Nutzland. z. Kiew, 18. Februar. Ter P r o z e ß S ch u l g i u hat äußerlich die Sensationen nicht gebracht, welche von ihm erwartet lvaren. Er war eigentlich nur eine Bestätigung aller traurigen Vermutungen, die anläßlich des Beilisporzesses ausgesprochen wurden. Eine Reihe von Einzelmomenten haben indes manche Nuance in diese Voraussetzungen hineingebracht. Sv gab der Angeklagte selbst, ein' Konservativer vom Scheitel bis zur Sohle, der jedoch die Gerichtsbarkeit der Politik nicht ausgeliefert wissen loill, einen erbaulichen Ausspruch des Justizministers Schtscherlowitow wieder. „Wir müssen", sagte dieser, „den