Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 95 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229123-3229132--70188-3282520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
95 Haltung, die besagt: alles oder nichts, während sich auf dem Boden dieser Resolution in der Praris eine volle Aerständignng hätte erzielen lassen." Die bona t'ides auf beiden Seiten vorausgesetzt, muh doch hier offenbar ein Mißverständnis vorliegen. Allein, ich meine, wo es sich um ein Mißverständnis handelt, läßt sich auch ein Weg zur Verständigung finden. - Und dann weiter. Eine Anzahl amerikanischer Mitglieder des Kuratoriums des Technikums hat zur Sprachenfrage Stellung genommen und u. a. folgendes beschlossen: „Die offizielle Sprache am Technikum, soweit der Verkehr mit Schulen und Behörden in Palästina und der Türkei in Betracht kommt, soll Hebräisch, Arabisch und Türkisch sein. Für den Verkehr mit fremden Ländern soll die offizielle Sprache Deutsch, Englisch und Französisch oder eine von diesen Sprachen nach Wahl des Kuratoriums sein. Die Unterrichtssprache soll der Entscheidung des Kuratoriums überlassen werden, mil der Maßgabe, daß das Hebräisch vorherrschend sein soll, soweit cs d u r ch f ü h r b a r ist, und daß nach nicht mehr als sieben Jahren die Unterrichtssprache Hebräisch in allen Disziplinen sein soll, ausgenommen in denjenigen, in denen nachgewiesen werden kann, daß geeignete hebräische Lehrer oder Lehrbücher noch nicht genügend vorhanden sind." Man streitet noch hüben und drüben vielfach über den Sinn der einzelnen Worte und über die Richtigkeit ihrer Wiedergabe aus dem Englischen in deutscher Sprache. Ich habe mit Absicht eine von zionistischer Seite hcrrührende Uebertragung gewählt, damit sie so auf alle Fälle als einwandfrei erscheint. Sachlich stellen sich beide streitenden Teile im wesentlichen auf den Standpunkt der amerikanischen Resolution! wenigstens weichen sie, abgesehen von einzelnen Modifikationen, die sich teilweise schon aus der anderslautenden Uebersetzung ergeben, von ihr nicht allzusehr ab. In der Tat finde ich, daß die Resolution sich im großen und ganzen mit dem deckt, was ich früher ausgeführt habe, namentlich im Hinblick auf eine mögliche Gestaltung der Kulturverhältnisse Palästinas. Allein damit hätten wir wieder den Boden betreten, aus dem sich, wie ich fest überzeugt bin, eine Einicumg zustande bringen ließe. i," ‘ Und nun möchte ich zur Lösung des Konfliktes folgendes in Anregung bringen: Man setze ein besonderes Komitee ein, dem d i e A u f g a b e übertragen wird, die Angelegenheit der Sprachenfrage abermals z n Prüfen ilnd i n d er Sache n eue V or schläge zu machen. Das ad hoc gewählte Komitee, das aus unparteiischen, mit den Verhältnissen im Orient gut vertrauten Personen bestehen müßte, in das aber auch sowohl von den Zionisten wie vom -Hilfsverein Delegierte zu entsenden wären, hat nur beratende Kraft und löst sich nach Erfüllung seiner Aufgabe wieder auf. Alls Grund der vom Komitee gemachten Vorschläge tritt dann das Kuratorium des Haisaer Technikums zusammen und saßt irr der Frage der Unterrichtssprache neue Beschlüsse. Von der Einsicht, dem Pflichtbewußtsein und dem sittlichen Ernst des Kuratorialkollegiums wollen wir mit Zuversicht erwarten, daß seine Entscheidungen ausfallen werden zum Heile und zur gedeihlichen Entwicklung Palästinas und zum Nutzen und Frommen der dortigen jüdischen Bevölkerung. Zusammenarbeiten heißt sich entgegenkommen und sich zusammenfinden, heißt einander Konzessionen machen und aufeinander Rücksicht nehmen. Das ist möglich, das muß möglich sein, wo der Weg in dieselbe Richtung führt und ein hohes Ziel verwirklicht werden soll: In den entscheidenden Fragen des Lebens die große und herbe Linie des Prinzips, in den Dingen des Alltags das zierliche Rokoko der Zweckmäßigkeit. - Ohne Voreingenommenheit habe ich den Sachverhalt geprüft und auf Mittel zur Wiederherbeisührung normaler Zustände, welche die unerläßliche Voraussetzung für jede ersprießliche Tätigkeit bilden, zu sinnen gesucht. Die Renaissancebestrebungen der Juden in Palästina haben etwas Erhebendes und Imponierendes und gemahnen einigermaßen, gerade in ihrem Ungestüm, an den Goetheschen Ausspruch: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Aber während ich diese Zeilen niederschreibe, muß ich unwillkürlich zugleich an jenes Drama von Schiller denken, das dem Freiheitskampse eines unterdrückten Volkes geweiht ist. Gerade der Verfechter des nationalen Gedankens weiß da in seiner Sterbestunde feinen Mitstreitern als Vermächtnis nichts Besseres zu hinterlassen, als ihnen die Einigkeit ans Herz zu legen: . . . haltet — haltet fest zusammen — fest und ewig Kein Ort der Freiheit sei dem andern fremd Hochivachten stellet aus ans euren Bergen, Daß sich der Bund zum Bunde rasch versammle. Seid einig — einig — einig — Ifilropatras Munlch. Bon I n b e u s 3 K 0 it c z i u s f i1). Uebersetzt von 8. H 0 r 0 0 t h. I. (Belage ginfl zu Ende. Auf allen Gesichtern prägte sich eine Übersättigung aus. Leise Töne einer über Dem Plafond verborgenen Musik vermengten sich mit scharfen Witzen, lauten Zurufen und dem Gesänge der Tafelrunde. Ein starker Wein- und Blumendnft schwebte über den Marmoriischen, die mit güldenen Gesäßen, farbigen Humpen und seltenen Blumen bedeckt waren. Verborgene, lüsterne Leidenschaften tauchten auf den Lippen und in den Augen auf, die Lust mit Pfeilen scharfer, . heißer Blicke erfüllend ... Auf einer erhöhten Plattform kamen musselinranschende Tänzerinnen zum Vorschein, und dnrch die duftigen leichten Gewänder wurden im Takte der Musik die verführischen Formen der Mädchen sichtbar, die Augen durch die Vortrefftich- , feit der Bewegungen und der wundervollen Reize fesselnd. Kleopatra, deren Aufmerksamkeit nichts entging, neigte sich nach Äntonius' Seite und sagte leise: „Herodes' Kräfte sind im Verfall. Sein Gesicht war lange eine Maske. Jetzt aber blicke aufmerksam, wie bleich er ist. Man muß mit ihm ein Ende machen." Antonius lächelte zu seiner königlichen Geliebten mxb lohnte sein von übermäßigem Weingenusse schwerfälliges Haupt an ihre Schulter. „Ach, Teuerste," ließ er sich mit schlaftrunkener Stinune vernehmen, „gibt es.denn einen lebendigen Menschen, der mich in diesem Moment, während ich deine Reize bewundere, irgendwie interessieren könntet" Sie blickte ihm mit ihren großen, leuchtenden Pupillen in die Augen. Mit zarter Hand schob sie von seiner Stirn Haarbüschel, die unter dem blühenden Kranz, der auf seinem Haupt ruhte, hervorgesträhnt waren, zurück und sprach zu ihm mit weicher Altstimme: „Cäsar, um so mehr, Herodes gehört mir ..." Antonius streckte die Arme nach hinten, schlang sie um ihren weißen, schlanken Nacken und zog ihr Haupt an seine Lippen. h Aus einen: Zyklus: „Das untergehende Jerusalem".