Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 96 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Was hat Herodes so Schreckliches verübt, daß, meine Teuerste, deine Augen so funkeln wie damals, als ich die Lisanias und Masbolas dem arabischen König preisgab? Beide verdanken dir ein uni viele Jahre kürzeres Leben, als ihnen sonst beschieden wäre. Aber Herodes laß in Ruh. Ergab mir unwiderlegbare Beweise großer Anhänglichkeit. Ich habe dir seine riesigen Balsamwaldungen in der Nähe Jerichos geschenkt, was möchtest du noch mehr von ihm?" Kleopatra machte sich mit Anstrengung von seiner Umarmung los, daß ihr marmorner Busen von der Spannung der Muskeln erbebte, und mit zusammengepreßten Lippen neigte sie ihr stolzes Gesicht zurück. „Weshalb bist tut erzürnt. Teuerste?" frag Cäsar sie mit sanfter, schläfriger Stimmung. „Dein Gedächtnis ist kurz", flüsterte sie zornig. „Du vergißt, was du gestern gesagt. Willst du auch mich mit solch einem Gedächtnis beschenken?" „Kleopatra, Kleopatra!" unterbrach Antonius sie mit einem Lächeln. „Brauchst du größere Beweise meiner Liebe? Liegt nicht das römische Imperium brach, und verbringe ich nicht lange Monate und Jahre in deinem gottvollen Zusammensein? O, woran habe ich denn vergessen, was die Ursache deines bezaubernden Zornes ist? Rede! Ich schwöre bei Minerva, daß ich dir gar keinen Kummer zufügen wollte." „Und Marjamnes Bildnis, Herodes' Frau?" meinte sie kurz angebunden. „Hast du das vergessen?" Antonius lachte laut aus. „Was hat dir an diesem Bilde nicht gefallen?" fragte er heiter. „Ist die Arbeit nicht auserlesen genug, oder ist das 'Antlitz jener Frau nicht schön genug?" In den Angen der Königin entzündeten sich zwei Blitze. „Schweig! Denn dieser Dolch genügt für uns beide", zischte sie mit einem ungestümen Lispeln in sein Ohr. Antonius ließ auf ihre gemeißelte weiße Hand einen Blick schweifen. In Kleopatras langen Fingern funkelte ein winziges 'Mordinstrument. Mit einem raschen Griff zog er ihre mit dem todbringenden Stahl bewaffnete Hand an seinen Mund und bedeckte sie mit leidenschaftlichen Küssen. „Ich liebe dich!" wiederholte er. „Mit jedem Tag liebe ich dich mehr! Ich liebe deinen göttlichen Leib, deinen Zorn und deine Hände." „Wirst du mir ihr Bildnis ausliefern," ließ die Königin sich vernehmen, seine Augen küssend. Ihre Küsse eifersüchtig erwidernd, fragte Antonius: „So sehr eifersüchtig bist du auf sie?" „Alls jedes Weib!" stieß sie wie unterdrückte Kehllaute hervor. „So lange ich lebe, sollte keine einzige auf der Welt eristieren." „Weshalb?" „Denn jede hat in sich eine Nachahmung meiner Reize, nach lvelchen du so schwärmst." „Hahaha!" lachte Antonius, „diese deine göttliche Wahrnehmung werde ich nach Rom berichten, hahaha!" Kleopatra beugte sich über den römischen Imperator und drängte immer ungestümer: „Marjamne wußte, warum sie dir ihr Bildnis schickte. Tu bist auf Frauenreize erpicht! Wer weih, ob du dich nicht auf den ersten Blick in sie verlieben könntest! Die jüdischen Frauen verstehen zu bannen, und nebstdem ist sie so schön, so überaus schön, daß ich so lange nicht werde ruhig atmen, und meine Lagerstätte wird voll Schlangen sein, bis du mir nicht erlaubst, mit ihr das zu tun, was ich mag." Der Imperator schmiegte sein Haupt an ihren Busen. „Zu diesem Behufe", fragte er, „hast du heute ein Bankett veranstaltet, zu welchem du Herodes zitiert hast?" 96-- „ ist selbst gekommen, denn er zittert um seine Macht", entgegnete die Königin. „Als er erfuhr, daß seine Gattin dir ihr Bild geschickt, verlor er keine einzige Stunde, sondern wachte sich auf den Weg zu uns, um einem Unglück zuvorzukommen." Antonius meinte höhnisch: „Lisanias' und Masbolas' Mauen scheinen ihm solch einen Gedanken eingegeben zu haben." Nach einer Weile fügte er die Frage hinzu: „Was willst du mit ihm machen?" Kleopatra lächelte rätselhaft. „Ich weiß nicht," flüsterte sie, „ich weiß noch nicht!" „Glücklicher Herodes", sprach der Imperator zu sich selbst. „Kleopatra weiß noch nicht, auf welche Weise die Parzen sein Schicksal durchschnerden sollen ..." Er schloß die Augen halb, das Minenspiel der Königin beobachtend. Und sie, wie eine Schlange hinter seine Augenlider das Leuchten ihrer glühenden Pupille hineinströmend, beugte sich langsam über seinen auf einem Purpurteppich ausgestreckten Leib. Antonius schlang um sie seine Arme. „Rede! Rede! Möge es ein Ende nehmen!" Sie aber brachte kein Wort heraus, sondern ließ ihre Reize spielen. „Fordere, was du willst," flüsterte der Imperator, „und es sei gewährt!" Da sagte sie mit gedehnter Stimme: „Marjamne ist mein!". „Dein!" „Herodes ist mein . . ." „Dein," rief Antonius laut und preßte seine weißen Zähne in ihren brünetten Nacken, dann lispelte er: „Komm!" „In einer Stunde," flüsterte die Königin und leichten, raschen Schrittes durchschritt sie den Festsaal, dann verschwand sie im Innern des Palastes. Bald darauf bengte sich ein schwarzer Nubier über Herodes, der nervös mit den Fingern knackte, und flüsterte ihm einige dringende Worte ins Ohr. ((Fortsetzung folgt.) SprechsWl. Der Geschästsführende Ausschuß der G r o ß l o g e f ü r D e u t s ch - l an d VIII, U. O. B. B. sendet uns mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Erklärung, der wir gern Raum gewähren, mit dem Wunsche, daß sie nicht wirkungslos verhallen möge. D. Red. E r k l ä r n n g des Geschüftsfü h r enden Ans s ch u s s es zum jüdischen P a r t e i k a m p f. Die Verbitterung im jüdischen Parteikampf hat eine Höhe erreicht, die als gefahrdrohend bezeichnet werden muß; der Kampf wird in einer Form geführt, die ein gemeinsames Arbeiten auch auf denjenigen Gebieten erschwert, wo Einhelligkeit möglich ist. Die allgemeine Oeffentlichkeit — nicht die jüdische bloß — sieht mit Befremdung diese gegenseitige Zerfleischung. Eine Minorität, die von allen Seiten von Feinden umgeben ist, ist nicht in der Lage, sich eine derartige Bekämpfung zn leisten. Ein Wort der Mahnung ist darum geboten. Diese wird im gegenwärtigen Augenblick nicht die Wirkilng haben tmmen, daß Friede und Versöhnung auf den heiß umstrittensten Punkten des jüdischen Parteikampfes urplötzlich sich einftellten, aber eines wird und darf sie vielleicht erzielen, daß der Kampf in ruhigerer, mehr unpersönlicher Form geführt wird, daß für gewisse Streitpunkte der Pressekampf eine Zeitlang eingestellt wird, ohne daß die Gegner ihre sachlichen Positionen aufzugeben brauchen. Dieses Wort des Friedens möge bei allen denen Gehör finden, die es angeht. Es ertönt aus den: Nahmen des Ordens, der als einzige jüdische Organisation die verschiedensten Parteiungen und Richtungen im Judentum auf eine gemeinsame Basis zu einigen verstanden hat, es kommt aus derjenigen Organisation, die durch drei Jahrzehnte hindurch eine wahre Friedensorganisation gewesen ist. Der Geschästsführende Ausschuß der Großloge für Deutschland VIII, 11. O. B. B. (gez.) Timendorfer.