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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-02-13 · Heft 7 (13.2.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 SXD Nürnberg, 6. Februar. Eine stattliche Trauerversanrmlung hatte sich gestern nachmittag in der Gedächtnishalle des Westfriedhofes eingefunden, um dem Trauerakt vor der Bestattung des Herrn Hofrats Dr. Maas beizuwohnen. Aus der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal erwähnen wir, daß der Verstorbene mit 1514 Jahren das Gymnasium absolviert, mit 21 Jahren seine medizinischen Studien (an mehreren deutschen Universitäten sowie in Prag und Paris) beendigt hatte und vor 63 Jahren sich hier niederließ, nachdem er bereits sechs Jahre die ärztliche Praxis ausgeübt hatte. Hier gelang es ihm, durch sein reiches Wissen und seine vortrefflichen Charaktereigenschaften sich einen ausgedehnten Wirkungskreis zu erwerben. Die Feier seines 50jährigen Doktorjubiläums gab den Kollegen im Jahre 1905 Gelegenheit, den Verstorbenen besonders zu ehren. Nachdem er erst vor einigen Wochen in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, ist er nach nur kurzer Krankheit verschieden. Im Namen der hiesigen ärztlichen Vereine legte Herr Dr. Mainzer unter einer Ansprache Kränze nieder. 22 SefytQUt 6. Februar. Die zum Frühjahr 1914 fertig ansgebildeten Landwirtschaststehrlinge haben wieder anstandslos gut bezahlte Stellungen in mittleren Wirtschaften der Provinz Hannover gefunden. Erfreulich ist, daß durch die fachmännisch gründliche landwirtschaftliche Ausbildung in Steinhorst sich anscheinend auch die Kreise der jüdischen Großlandwirte, deren es im Osten Deutschlands eine ganze Anzahl gibt, zur Anstellung von Glaubensgenossen in ihren Betrieben bereit finden. So haben zwei jüdische Rittergutsbesitzer, Inhaber bekannter Musterwirtschaften, je einen ehemaligen Steinhorster als Verwalter angestellt. Zu den übrigen Betriebszloeigen unserer Gutswirtschast ist jetzt noch der Anbau von Grassamen getreten, der für die Landwirtschaftskammer der Provinz Hannover in einem von dieser eingerichteten Mustergarten geschieht. -- Nach dem Abgang des zweiten Lehrlingsjahrgangs werden zum Frühjahr 1914 wieder einige Lehrstellen frei. Eltern und Erzieher, die ihre Söhne und Schutzbefohlenen dem landwirtschaftlichen Berns Zufuhr eu möchten, werden gebeten, sich an die Alexander und Fanny Simonsche- Stiftung, Hannover, Hansahaus, zu wenden. — Kassel, 6. Februar. Die hiesige Sinailoge feierte am 25. v. M. das Fest ihres 2 5jährigen Bestehens. Vormittags fand in den festlich geschmückten Logenräumen ein Festakt statt, an dem außer den hiesigen Mitgliedern der Loge der Vertreter der Großloge, die Behörden der israelitischen Verwaltung, die Vorstände der Wohltätigkeitsvereine und zirka 30 Vertreter auswärtiger Logen teituahmen. Anläßlich dieser Feier wurde der Loge seitens deren Damen eine Stiftung überbracht, die wohltätigen Zwecken dienen soll. 2XD Buchau, 6. Februar. Hier starb vor kurz-em unerwartet an einem Schtaganfall Rabbiner L a u p h e i m e r. Derselbe hat 27 Jahre lang au der Spitze der hiesigen israelitischen Gemeinde gestanden. Bei der Beerdigung hielt Rabbiner S r a ß b u r g e r - Ulm die Gedächtnisrede in der Synagoge. Am Grabe erfolgte -eine sehr große Zahl von Nachrufen. Für die Kircheugemeinde sprachen Kantor Marx und Kairfuuum E r l a n g e r. Stadtschultheiß L a u b rühmte den Entschlafenen als Mann des Friedens. Im Namen der königlichen Heilanstalt Schussenried, deren israelitische Patienten nach Buchau eingepsarrt sind, legte Medizinätrat Dr. G r o ß einen Kranz nieder. Ebenso sprachen Vertreter der Gemeinden Bnttenhausen und Laupheim und des hiesigen Militärvereins und Gesangvereins Harmonie. Der Verstorbene war allgemein beliebt gewesen. 22 Metz, 6. Februar. Ein längst gehegter Wunsch unserer jüdischen Bevölkerung soll endlich in Erfüllung gehen. Das Projekt eines S y n ag o g e n n e u b aues , von dem seit langen Jahr-en die Rede war, nimmt greifbare Gestalt -an, denn immer mehr hat man eingesehen, daß die Lage unseres Gotteshauses eine unerträgliche ist. Ein provisorisches Komitee hat sich nun gebildet, welches vor einigen Tagen seine erste Sitzung abhielt. Einstimmig haben die Herren beschlossen, für den Neubau cinzutreten, unter Freunden und Bekannten und allen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Propaganda zu machen und Gaben sür den Fonds zu sammeln. Es ist zu hoffen, daß unsere opfersreu-dige Bevölkerung auch einstimmig den Plan unterstützt, damit die Kommission mit gewissen Garantien Konsistorium, Gemeindeverwaltung, Bezirk und Staat für den Plan gewinnen kann. Auch die politische Gemeinde hat eingesehen, daß ein Neubau erforderlich ist, und hat bereits unser Bürgermeister v. Cramer Mittel ins Budget > eingestellt. Nunmehr hat die Gemeinde einen schönen Bauplatz in der Nähe des alten Bahnhofs, in der Mitte zwischen Altstadt und neuen Vierteln zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich werden Staat und Bezirk auch größere Summen beitragen. Wir wünschen dem Komitee vollen Erfolg. Gefterretch-Nngaru. K. Wien,6 Februar. Der ehemalige Kaufmann Ludwig Groß alls Großwardein in Ungarn hatte den Befehl erhalten, als Ersatzreservist bei seinem Regiment einzurücken. Groß leistete diesem Befehle Folge, obgleich er Bater von fünf unmündigen Kindern und alleiniger Erhalter seiner alten kranken Mutter ist. Er ließ seine Familie in größter Not zurück. Da sein Gesuch, in diesem Jahre von der militärischen Hebung befreit zu werden, abschlägig beschieden wurde, ließ er ein von seiner Frau und seinen fünf Kindern unterfertigtet Majestätsgesuch an die Kabinettskanzlei absenden. Gerührt über das traurige Schicksal des Ersatzreservisten, ließ der Kaiser der Familie aus seiner Privatschatulle 3000 Kronen anweisen. Die Familie wird den Betrag in drei Raten erhalten. In der israelitischen Gemeinde in Großwardein herrscht über diesen Gnadenakt unseres erhabenen Monarchen enthusiastische Freude. Ludwig Groß ist Jude: Kaiser Franz Josef I. hat durch diesen Gnadenakt abermals bewiesen, daß er keinen Unterschied macht zwischen seinen Landeskindern. — Ein sehr liberales Blatt in Wien brachte vor kurzem einen Bericht aus Kitzhübel, einem stark besuchten Winterkurort in Tirol. Kitzhübel ist sehr antisemitisch; die Ortsverwaltung und die Gastwirte versprechen in ihren Prospekten, diesen beliebten Wintersportplatz judenrein 31t erhalten. Trotzdem sind die meisten Besucher dieses Winterkurortes - - Juden. Ortsverwaltnng und Gastwirte halten im Winter nicht, was sie im Sommer hoch und heilig versprechen. Ihr Standpunkt ist non ölet Die Inden aber, so schreibt das liberale Blatt, sollten doch mehr Ehrgefühl besitzen, einen derartigen Kurort zu meiden, um so mehr, als es in der Umgebung Wiens wahrlich keinen Mangel an schönen Wintersportplätzen gibt. Dieser Ansicht sind auch wir. — Bei der vor einigen Tagen in Pardubitz (Böhmen) stattgefundeuen Versammlung der jüdischen Wanderarmenfürsorge gelangte ein Bericht des Sekretärs Langstein ails Dresden zur Verlesung. Nach diesem Berichte der sächsischen Landesarmenkasse hat der Wanderbettel in Sachsen irn letzten Jahre stark abgenommen. Im Jahre 1907 unterstützte die Dresdener Kasse 1220 Dllrchreisende mit 2857,92 Mark. Im Jahre 1912 verzeichnete die genannte Kasse bloß 637 Durchreisende mit 1507 Mark an Unter-- stützungen. Man will es in Oesterreich versuchen, dasselbe Resultat zil erzielen. Der Erfolg steht jedoch abznwarten. — Der Statthalter von Galizien, Ritter v. Korhtowsky, empfing vorgestern eine von den jüdischen Abgeordneten Dr. Aschkenasy, Dr. Rittet und Reizes geführte Deputation der galizischen Judenschaft. Die Deputation verlvayrte sich gegen die von den Polnischen Antiblockparteien zum Zwecke der Majorisierung der jüdischen Wähler im letzten Augenblick eingcleitete Aktion zur Vereinigung der vier städtischen Wahlbezirke Kolomea, Drohobyez, Vrody lrnd Brezczany mit den benachbarten Dorfgemeinden. Die Delegierten der jüdischen Bevölkerung in Galizien forderten die Schaffung gesicherter jüdischer Wahlkreise ltnb die Sicherung einer Vertretung der Juden in Lemberg tlnd Krakau. Vom Statthalter begab sich die Deputation znm Landmarschall Grafen Golnchowsky und zum Obmann des Polenklubs Dr. Leo. In allen kompetenten Stellen wurde den Vertretern der jüdischen Landtags- Wähler die Bersicherllng gegeben, daß man die geäußerten Wünsche ill Erwägung ziehen und tunlichst berücksichtigen werde. — Eine tragikomische Gerichtsverhandlung fand Ende voriger Woche vor dem hiesigen Berilsungssenat statt. Als Ankläger erschien Hofrat Schick, als Angeklagter Direktor Robert Pick. Dieser soll dem Hofrat Schick in Ischl in Gegenwart von Zeugen Zugerufen haben: „Wenn Sie auch Hofrat sind, ist das doch von Ihnen ein Gemeinheit." Der Angeklagte Pick wurde in Ischl sreigesprochen, woraus Hofrat Schick die Berufungsklage in Wien einbrachte. Aber auch hier ging das Gericht mit einem Freispruch vor. Es wurde nämlich uachgewiesen, daß Hvfrat Schick dem Beklagten zugerufen habe: „Frechheit, grüner Junge, I n d e n j u n g e." Das Gericht nahm an, daß die inkriminierte Antwort des Direktors Pick eine berechtigte Kritik über die Aeußerung des Klägers enthielt. Schick und Pick sind Inden. Schick dazu noch Hofrat, und dieser kennt kein anderes Schimpfwort als — Indenjunge. Oesterreichisch — allzu österreichikcb. .

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