Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 £/•> Berlin-KarLshorst, 10. Februar. Die Israelitische Bereinigung Zu K ar ls h o r ft hat im Jahre 1913 einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die Mitgliederzahl ist von 23 auf 33 gestiegen. Es fanden zehn Versammlungen statt, außerdem eine mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gemeinsam veranstaltete. Im Januar sprach Herr Lehrer und Kantor Guttma n n aus Potsdam über das Kaddisch- Gebet, im Februar Herr Lehrer S i m s o n über „Die Emanzipation der Inden in Preußen 1812", im November Herr Kaufmann Löwenthal über „Die Repräsentantenwahlen" und im Dezember in einer öffentlichen, auch von christlichen Mitbürger:! gntbesuchten Versammlung Herr Lehrer Hirschseld über den Talmud. Zweimal fanden sich Mitglieder und Freunde der Vereinigung zu Vergnügungen zusammen. Das Chanuckafest war von 150 Personen besucht. Herr Kantor Löwenthal aus Breslau zündete die Lichte an, und Herr Lehrer Simson sprach recht herzliche Worte über die Bedeutung des Festes. — An den hohen Feiertagen konnte hier dank der Unterstützung des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ein Gottesdienst abgehalten werden, der für alle Teilnehmer erballend und würdig verlallfen ist. Auch ein Jugendgottesdienst ist eingerichtet worden, der im Winter allmonatlich stattfand; Ansprachen hielten die Lehrer Simson und Abraham. Bon anderen Nellerllngen sei erwähnt, das; sämtlichen Knaben und Mädchen, die eingesegnet lvorden sind, Bücher über das Judentum geschenkt erhielten. Die Vereinigung unterhält mit anerkenn,ensw«erter Unterstützung des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eine Religionsschllle, die von 31 Kindern besucht wird. Lehrer ist Herr Frank ans Köpenick. Für das Geschäftsjahr 1914 wurden in den Vorstand gewühlt: Herr Lehrer S i m s o n als erster Vorsitzender, Herr Kalifmann L ö w e n t h a l als zweiter Vorsitzender, Herr N a - thansohn als Kassierer, die Herren Hey mann und Kempn e r als Schriftführer. Zur offiziellen Kaiser-Geburtstagsfeier nt unser Verein eingeladen lvorden, und haben vier Mitglieder an der Feier teilgenouunen. S££ Königsberg i. Pr., 6. Februar. Der Sekretär der „Deutschen Vereinigung der Alliance", Herr Dr. Markus, sprach hier vor kurzem in einer zahlreich besuchten Versammlung über das K u l t u r lv e r k d e r A l l i a n c e I s r a e {i t e 11 uivers e l l e. Der Vortragende führte etwa folgendes ans: Die Alliance Jsraelite Universelle hat in erster Reihe an der ganzen Küste des Mittelmeeres, in Ländern, in denen ein öffentliches Schulwesen unbekannt war, Schillen sür die jüdische Jllgend errichtet und über 46 000 Schüler nicht nur unterrichtet, sondern auch teilweise gespeist und gekleidet. Sie hat ihre sittlichen lind geistigen Fähigkeiten geweckt, ihnen ein Fenster zur eliropäischen Kultur geöffnet. Der Vorwurf, das; die französische Sprache aus politischen R ü cks i ch t c n bevorz it g t werde, sei z n r ü ck z u w e i s e n. Die Notwendigkeit ihrer Erlernung ergab sich ans der Vorherrschaft des Französischen am Mittelmeer, ohne dessen Kenntnis keine Staatsstellung zll erlangen sei. Der segensreiche Einfluß dieser Schulen wird allerseits, a11cf) von den dortigen Behörden anerkannt. Ein lehrreiches Beispiel für den Wandel, den sie geschaffen, bietet nuiis, mtf das ihr Einfluß sich schon seit vier Jahrzehnten erstreckt, und in dem die einstigen Almosenempfänger der Alliance jetzt in gesichertem Wohlstände lebende Almosengeber geworden sind. Die Mehrzahl aller dort ansässigen Teppichweber, Optiker, Typographen und mannigfacher anderer Gewerbetreibenden sind aus den Schulen der Alliance hervorgegangen. Nicht minder günstige Resultate hat die Erziehullg der Mädchen gezeitigt, vor allem haben die Kinderheiraten dadurch allsgehört. An die Elementarschulen der Alliance knüpfen sich, in der richtigen Erkenntnis, daß sie nur halbe Arbeit leisten, die Handwerker- und Landwirtschaftsschulen an, welche die Schüler einem nützlichen, in hohem Maße Kultur fördernden Berufe zuführen. Die 1870 vor den Toren Jaffas geschaffene Landwirtschaftsschnle hat im Jahre 1881, als die russischen Pogrome Scharen von Auswanderern nach Palästina warfen, gar vielen den Berus als Ackerbauer zugänglich gemacht Hoch einzuschätzen ist auch das chnritative Wirken der Alliance, die stets zur Stelle war, um den unglücklichen ausgewiesenen russischen Juden die Auswanderung zli ermöglichen. Die Alliance kennt keine politischen Grenzen, sie reicht Hinalls über die einzelnen Nationen, ihre Tätigkeit ist universell, sie erstrebt die moralische, geistige und sittliche Hebung des jüdischen Volkes. — In einem Schlußwort empfahl der Vorsitzende des Lokalkomitees, Rabbiner Dr. Vogel stein, die Alhance, der lloch sehr viele Aufgaben harrten, der weitgehendstell Unterstützung und Förderung. ' Lirblinitz, 6. Februar. In Czieschowa bei Lublinitz befindet sich eine aus dem achtzehnten Jahrhundert stammende Schrot- Holz-Synagoge, zu welcher auch eilt Begräbnisplatz gehört. Seit dem Jahre 1904 hat diese Synagoge aufgehört, als Gotteshaus zu dienen, da dort überhaupt keine Juden mehr wohnen. Nachdem man beschlossen hatte, dieses altertümliche Gebäude zum Abbruch zu verkaufen, hat am 12. Februar 1908 beim Versteigernngstermin Pfarrer Urban aus Sodow dieselbe sür 1250 Mark käuflich erworben, uitb zwar in hochherziger Weise, unl das Gebäude nicht dem Verfalle anheimzngeben oder profanen Zwecken zll widmen, sondern imt das immerhin interessante, alls dem Altertum stammende Gebäude der Nachwelt zll erhalten. Bestimmend war auch noch der Umstand, daß in demselben Dvrse sich eine katholische Kirche befindet, welche zu derselben Zeit und in demselben Stile erbaut lvorden war wie die Synagoge. Ezieschowa war einst Hauptgemeinde, zu welcher di? Synagogengemeiude Woischnik als Filialgemeinde gehörte. Jetzt hat mm der Regierungspräsident in Oppeln bereits über die Auflösung der Gemeinde verfügt und den Landrat mit den Arbeiten für die Auflösnng betraut. Tie Shnagogengemeinde Woischnik wird sich jedenfalls bann an diejenige von Georgenberg, O.-S., anschließen. W. Aus der Provinz Posen, im Februar. Posen. Am vergangenen Freitag abend hatte unsere Synagoge sich hoher Besllche zu erfreuen. Mit Beginn der Andacht erschienen die Gemahlin des hiesigen Stadtkommandanten, Exzellenz v. Koch, llnd die Mutter des Kommandanten, Generals v. Strantz. Da diese Besllche vorher angekündigt waren, wurden die Besucherinnen durch die Ehrendamen Viktor llnd Coblynn unter Ueberreichnng von Blumensträußen empfangen llnd in das Gotteshaus geleitet. Nach beendeter Andacht übernahm der stellvertretende Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde, Herr M a n a s s e Werner die Führung der hohen Gäste und zeigte ihnen die innere Einrichtung und sonstige Sehenswürdigkeiten des Tempels und gab die hierzu nötige Erklärung. — W r e s ch e n. Der israelitische Frauenverein Hierselbst entwickelt eine rühmenswerte Tätigkeit. Der Zweck des Vereins ist, bei Krankheitsfällen unter den Mitgliedern oder deren Töchtern vom zehnten Lebensjahre an sür e;ne ausreichende Pflege der erkrankten Person zu sorgen, bei Sterbefällen unter den Mitgliedern oder deren Töchtern alle Vorbereitungen zur Bestattung der verstorbenen Person in die Hand zil nehmen; ferner bedürftige kranke Frauen, die dem Verein nicht angehören, zu unterstützen, endlich bei etwaigen Ueberschüssen in der Vereinskasse Schulkinder armer Ettern mit Winterkleidung zll versorgen. In gleichem Sinne ist der israelitische Jungfranenverein tätig. Bei der Veranstaltung einer Wohltätigkeitsvorstellung beider Vereine, die in diesen Tagen stattfand, ergab sich nach Abzug aller baren Auslagen ein Ueberschuß von zweihundert Mark. Tie Vorsitzenden genannter Vereine sind Frau Justizrat Emma Peyser und Fräulein Betty Blum. - L i s s a. Zu Mitgliedern des Vorstandes der jüdischen Schule wurden gewählt die Herren: I. Baginsky, E. Adam, Sanitätsrat Dr. S ch e r b e l und Rechtsanwalt Dr. Wolfs. — Aus Anlaß der Kaifergeburtstagsseier haben die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse die Herren Sanitätsrat Dr. Herrnstadt (Lissa i. P.) und Fabrikbesitzer Fritz Katzenellenbogen in Krotoschin erhalten. Dresden, 6. Februar. Unter großer Beteiligung fand kürzlich aus dem hiesigen israelitischen Friedhof die Beerdigung der Frau Rentiere Polak-Daniels statt. Unter den Erschienenen bernerkte man als Vertreter Ihrer königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Johann Georg den Hofinarschall Freiherrn v. Berlepsch, der im Auftrag der Prinzessin einen Lorbeerkranz mit Schleife und Initialen am Grabe niederlegte, Exzellenz Geheimen Rat Professor Dr. Fiedler, Geheimen Kommerzienrat v. Klemperer, Justizrat Bo ndi, ferner Vertreter des. Direktoriums des Albert-Vereins. Nachdem der schlichte Sarg in der Halle ausgestellt war, hielt Rabbiner Professor Dr. Winter nach vorausgegangenem Choral eine warm empfundene Trauerrede, in der er die trefflichen Eigenschaften der Verstorbenen hervorhob.