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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-02-13 · Heft 7 (13.2.1914) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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84 den Nationen zu werden - gleich jenen Insekten, die den Samenstaub von Blume zu Blmne tragen und so die Befruchtung herbeisühren", wie der leider zu früh verstorbene Leo Berg es einmal treffend ansgedrückt hat ----- werden alle noch so heißen Bemühungen nationalistischer Heißsporne nicht mehr abzulenken vermögen und die Nachwelt wird ihnen für dieses herostratische Unterfangen schwerlich Dank Nüssen." Die Schrift ist der weitesten Verbreitung wert.L. G. * -- D i e Söhne des B u n d es B n e - B r i t h. Erzählung für die reifere Jugend. Bon M. Pnlvermann. Leipzig, G. Engel. 1913. 2 Mark. Eine Jugendfchrift muß vermeiden, grau in grau zu malen, sie nmß vielmehr alles zum fröhlichen Ende führen, besonders den Triumph des Guten verkünden. Davon macht unsere Erzählung den ausgiebigsten Gebrauch. Zwei Knaben Wolf und Alex Klinsky, die Söhne einer armen Wäscherin, sind die Helden; der erstere arbeitet sich durch eigene Kraft von einem kleinen Händler zum Millionär herauf, der andere, ein geistig hochbegabter Junge, wird von einerreichen Frau an Kindesstatt angenommen, wird Advokat und Abgeordneter. Beide begründen eine große jüdische Fortbildungsanstalt und wirken segensreich für ihre Glaubensgenossen. Das wird alles ziemlich spannend erzählt, freilich in einer nicht immer einwandfreien Sprache und gelegentlich auf Kosten der Wahrscheinlichkeit. Denn so einfach entwickeln sich die Sachen iur Leben nicht. Die Begabung des Verfassers oder Bearbeiters — denn da die Geschichte in England spielt, hat man manchmal die Empfindung, daß es sich um einen fremden Stofs handelt — liegt in der scharfen Charakteristik einzelner Personen und in der humoristischen Darstellung. Namentlich das Ehepaar Liebmann und Sarah Goldner, der erstere ein schrecklicher Pantoffelheld, die letztere eine resolute Frau, die mit ihren vornehmen Bekanntschaften prahlt, sind ganz ergötzlich dargestellt. Das Ganze liest sich, abgesehen von den schon erwähnten sprachlichen Härteln ganz gut. L. G. * La religion moderne. Louis Germain Levy. Paris, Librairie Felix Alcan. Die neue oder, wie wir wohl richtiger sagen müssen, moderne Religion, über welche der Verfasser handelt, stützt sich nicht auf äußere Autoritäten und setzt sich' nicht aus offenbarten Wahrheiten zusammen. Das sind die Grundsätze, mit denen die kleine Schrift beginnt; die neue Religion soll befreit sein von dem, was Furcht, Aberglaube, Berechnung, Angst vor der Hölle oder Hoffnung auf das Paradies heißt. Sie soll durch Vernunft und Gewissen begründet sein. Sie bedarf rlur des Gkallbens an die Existenz Gottes (la realite divine), sie kann daneben auch den Glauben an das Jenseits ertragen, sie darf gewisse Gebräuche verlangen, nur dürfen diese nicht die Hauptsache lverden. Zum Schluß wendet sich die kleine, gut geschriebene Schrift au die Freidenker, um sie zu bewegen, aus dieser Grundlage sich mit den Liberalen aller anderen Religionen zu vereinen. Was der Verfasser sagt, läßt sich von unserem Standpunkte im ganzen wohl annehmen, aber inan muß betonen, daß das Judentum, selbst das liberalste, doch weit mehr verlangt. L. G. Sprkchsaal. C h a r l o t t en b u r g, d. 25. 1. 1914. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Gegen Ende des interessanten Aufsatzes von Dr. Landau: „Was haben die christlichen Theologen und Priester aus dem Judentum genommen?" hat der Verfasser einige Sätze niedergeschrieben, zu denen ich mir folgendes zu bemerken erlaube: 1. In der Pentateuchstelle Genesis 14, 20: „und er gab ihm den Zehnten von allem" ist der Gebende nicht Melchisedek, wie der Verfasser irrtümlicherweise annimmt, sondern Abraham. Der Priesterkönig, den die neutestamentliche Theologie zum Prototyp des hohenpriesterlichen Gottessohnes gemacht hat, empfing den Zehnten von Abraham. (Vgl. Raschi zur Stelle und N. T. Brief an die Hebräer 7,4.) Wenn die christlichen Priester ihren Zehntenanspruch aus die obige Pentateuchstelle gründeten, so lag jedenfalls weder ein „Mißverständnis" noch eine „absichtliche Fälschung des Textes" vor. 2. Wenn die Geistlichen ans einem Konzil erklärten, schlechte Erntejahre seien die Strafe wegen Vernachlässigung der Zehntpflicht, so ist auch hier jüdischer Einfluß möglich. Auch die Rabbiner lehrten, daß die Mißachtung dieser Pflicht die Strafe des Himmels nach sich ziehe. (Vgl. Sprüche der Väter 5,8: Wenn die Leute das Verzehnten unterlassen, so kommt Hungersnot und Dürre.) Man kann demnach nicht sagen, daß „sich int Talmud von göttlichen Strafen für Vernachlässigung der religionsgesetzlich gebotenen Abgaben nichts findet". 3. Die Geschichte von der frommen Eselin des Rabbi Pinehas den Jair, die keine unverzehntete Gerste fressen wollte, liest man im Talmud Jeruschälmi 1. Abschnitt des Traktats Demai u. a. a. O. Hochachtungsvoll Dr. G r ü n t h a l. * Frühlingsreise nach Palästina nnd dem Orient. (Ostern in Jerusalem.) Reiselustige Leser und Leserinnen seien hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß bei genügender Teilnahme im Ostermonat April, der schönsten und geeignetsten Jahreszeit für den Besuch dieser Länder, eine gemeinsame Gesellschaftsreise nach Palästina, Aegypten und dein Orient stattfinden soll, deren Durchführung in den genannten Ländern in den Händen des geistes- und gesinnungsverwandten Jerusalemer Reisebureaus D. N. Domian u. Phil. Kieserndorf u. Co. liegen wird. Bei -einer Beteiligung von mindestens fünf Personen tritt für die folgenden Touren, ohne Klassenunterschied, der folgende äußerst ermäßigte Spezialtarif in Kraft. 1. Für einen achttägigen Aufenthalt in Jerusalem und Umgebung (Bethlehem, Jericho, Jordan, Totes Meer) nur 140 Mark. 2. Für eine etwa dreiwöchige Tour durch ganz Palästina nnd Syrien (von Jaffa nach Jerusalem und wie vorstehend, von Jerusalem über Land nach Nablus, Nazareth, Liberias, Damaskus, Baalbek, Beirut) nur 370 Mark. 3. Für einen fünftägigen Aufenthalt in Aegypten, Alexandrien, Kairo und Umgebung, Pyramiden, Memphis usiv., Port Said, Jaffa nur 150 Mark. In den angegebenen Preisen sind alle Ausgaben inbegriffen, sobald die Reisenden' in Aegypten oder Palästina den Fuß auf das Land gesetzt haben: Aus- und Einbootung auf dem Schisse, Zollabfertigung, erstklassige Hotelverpslegung (auf Wunsch auch vegetarisch), Eisenbahn-, Wagen- und Reitgelegenheiten, orts-, fach- und sprachkundige Führung, Eintritts- und Bestchtigungsgelder für Museen, Kirchen nnd Moscheen, Trinkgelder ufw. usw. Nicht inbegriffen in den vorstehenden Preisen sind natürlich die Kosten für die Hin- und Rückreise per Schiff und Bahn, welche die Reisenden in 1., 2. oder 3. Klasse am besten nach freier Wahl mittels eines kombinierten, ein ganzes Jahr lang gültigen Rundreisebilletts der Linien Venedig—Alexandrien und Port Said—Neapel—Genua oder Marseille des Norddeutschen Llohd bewerkstelligen. Schiffspreise mit voller Verpflegung für die 1. Klasse etwa 500 Mark, 2. Klasse etwa 300 Mark und 3. Klasse etwa 160 Mark hin und zurück. Weitere Anmeldungen für Beteiligung an dieser alten günstigen Reisegelegenheit nach den landschaftlich.schönen und für die Religions-, Welt-, Kultur- und Menschheitsgeschichte so hochbedeutsamen und wichtigen Ländern und Stätten beliebe man ehestens an die Adresse: C a r l Schneider, A g e n t u t* des Norddeutschen Lloyds in M a r b u r g i. H. zu richten, welche die Sorge für die Hinnnd Rückreise übernehmen wird, oder auch an Herrn Professor D r. M. Rade in Marburg, welcher liebenswürdigerweise dann bei der genannten Firma alles weitere veranlassen wird. Selbständig und ganz unabhängig Reisende, welche nur für Palästina und Aegypten aus die Dienste und Annehmlichkeiten des Reisebureaus reflektieren, wenden sich am besten schriftlich oder mündlich direkt an die Jerusalemer Adresse D. N. Domian u. Phil. Kieserndorf Palästinau n d O r i e n t r e i s e b u r e a u in Jerusalem (Palästina). * Sehr geehrte Redaktion! In dem Bericht über die letzte Repräsentantenversammlung in Nr. 5 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" ist eine Aeußernng von mir („Der Gemeindebote" S. 2, Sp. 2, gegen Ende) entstellt wiedergegeben. Ich beschränke mich darauf, festzustellen, daß ich weder von dem „Vorstand der Adaß-Jisroel-Gemeinde" noch von einein begüterten Mitglied der Adaß-Jisroel-Gemeinde" gesprochen habe. Berlin, 8. Februar 1914. Hochachtungsvoll Professor Dr. Kalis ch e r.

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