Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 I E/D Bevlin, 3. Februar. Die IV. Frauenabteilunq des jüdischen Turnvereins Bar Kochba, die ihre Turnstunden an jedem Montag nachmittag von 5 bis K>7 Uhr in der städtischen Turnhalle am Schleswiger User 14 (in der Nähe des Bahnhof Bellevue) abhält, bietet in erster Linie verheirateten Damen Gelegckiheit zu gesunder, turnerischer Uebung. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat sich die Abteilung in erfreulicher Weise entwickelt; der Besuch der Turnnachmittage ist regelmäßig und der Eifer der Turnenden erfreulich. Weitere Anmeldungen werden jeweils auf dem Turnboden entgegengenommen. Auskünfte erteilt das Burean des Bar Kochba, Berlin W 15, Bleibtreustraße 25. Fernruf: Steinplatz 8381. M. F. Danzig, 30. Januar. Während des 2Xjährigen Aufenthaltes des K r o n p r i n z e n p a a r e s in Danzig-Langfuhr war dem Redakteur von den „Danziger Neuesten Nachrichten", Herrn Lewinsohn, die Ausgabe zugefallen, die Verbindung zwischen der Danziger Presse und dem kronprinzlichen Hofmarschallamt aufrechtzuerhalten. Herr Lewinsohn war während dieser Zeit in nähere Beziehungen zu dem kronprinzlichen Hof getreten, und der Kronprinz hat sich jetzt bei seinem Scheiden aus Langfuhr veranlaßt gesehen, Herrn Lewinsohn als Erinnerungszeichen eine kostbare Brillantnadel'zu verleihen. Die Nadel besteht aus dem in Brillanten gefaßten Initial W mit der kronprinzlichen Krone in Gold darüber. W. Posen, 30. Januar. Die Vereinigung von Rabbinern der P r o v i n z Pose n z u r W a h r u n g des überlieferte n I u d e n t u m s hielt ihre diesmalige Quartalssitzuug im hiesigen israelitischen Gemeindehause ab. Der Vorsitzende Dr. Wreschner - Samter eröffnete die Sitzung und illachte mehrere geschäftliche Mitteilungen. Darauf folgte ein Vortrag von Theodor-Bojanowo über „Halachisches in Bereschith Rabba", der sich in sehr lichtvoller nnb fesselnder Weise verbreitete und in allen Teilen den gediegenen, in seine Materie sich mit Liebe versenkenden Spezialforscher erkennen ließ. Diesem schloß sich der gleichfalls anregende Bortrag von Nobel-Schneidemuhl über „Die Weltanschauung Iehnda Halevhs, ihre Quellen und Wahlverwandtschaften" an. Bei dem Punkte „Diverses" wurden auf Anregung Dr. Dünuer-Rogasen Mittel und Wege für eine religiöse Sicherheit verbürgende Kontrolle über Gemeindeinstitutionen vörgeschlagen und erörtert. Zum Schlüsse berichtete Herr Dr. Cohu-Rawitsch über den gegenwärtigen Stand der Bezirksrnbbinatsangelegenheiten. - - Die hiesige Rothe Apotheke, deren Inhaber die Herren Ezarnikau und Altmann jetzt sind, besteht seit 350 Jahren. Aus diesem Anlaß fand eine umfassende Jubiläumsfeier statt, an der sich die Behörden und viele Private beteiligten. In der Vollversammlung der Mitglieder der Handelskammer wurde an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten ausgeschiedenen Herrn Geheimen Kommerzienrats Herz Herr Geheimrat Kantorowicz zum Vorsitzenden und zu Stellvertretern die Herren Großkaufmann Israel Friedlaender und Stadtrat Elkeles gewählt. E. Z. Brouiberg, 30. Januar. Die hiesige Synagogeng e m e i n d e beging kürzlich ein Jubiläumsfest durch ein Festmahl zu Ehren der Borstandsmitglieder, der Justizrüte, Rechtsanwälte B a e r w a l d itnb Wolfsen und der Kaufleute I. Moses und W o ythale r, die jetzt 25 Jahre dem Borstand als Mitglieder angehören. Es hatten sich zahlreiche Mitglieder der Gemeinde zu dieser Jubiläumsfeier eingefunden. Ans Anlaß dieses Jubiläums hat einer der Jubilare, der Kaufmann G. W o y t h a l e r, die Summe von 5000 Mark als vorläufige Spende für ein hier zu errichtendes Waisenhaus gestiftet. §2 Breslau, 30. Januar. Das j ü d i s ch - t h e o l o g i s ch e Seminar (Fränckelsche Stiftung) versendet soeben seinen Jahresbericht für 1913, aus dem wir entnehmen, daß die im Jahre 1912 mit dem Rabbinatsdiplom entlassenen Kandidaten im Laufe des vergangenen Jahres Anstellungen gesunden haben, und zwar: Herr Dr. Gelles als Rabbiner in Lissa i. P., Herr Dr. Grünfeld als Rabbiner in Eger (Böhmen), Herr Dr. Lew in als zweiter Rabbiner in Leipzig und Herr Dr. Simon sohn als stellvertretender Rabbiner in Breslau. Außerdem ist von ehemaligen Hörern des Seminars Herr Dr. I. Z i m e l s, bisher zweiter Rabbiner in Karlsruhe in Baden, als Bezirksrabbiner nach Freiburg i. B. berufen worden. Schließlich seien noch einige Stiftungen aus dem verflossenen Jahre hervorgehoben, und zwar von Herrn Eugen M a r cf, der dem Seminar testamentarisch ein Legat in Höhe von 4500 Mark, und von Herrn Samuel K o h n, der ein solches im Betrage von 1000 Mark vermachte. Herr Martin Buchholz hat zur Erinnerung an seine verstorbene Ehefrau Ella geb. Pezold den: Seminar 150 Mark zugewendet. "Am 27. d. M. beging das Seminar zum sechzigsten Male die Gedächtnisfeier für.seinen Stifter, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fränckel, wonnt auch eine Kaisergeburtstagsfeier verbunden war. Die Festrede hielt Seminarrabbiner Prof. Dr. L e w h. ^2 Prenzlau, 2. Februar. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich der achtzigjährige Geburtstag des allseitig hochgeschätzten ersten Vorsitzenden der „Chewra Kaddischa", Herrn Samuel L e v h, Hierselbst. An diesem Ehrentage, mittags 12 Uhr, versammelten sich der Gemeindevorstand und Repräsentanten, an der Spitze Herr David Mayer, um dem um die hiesige Shnagogengemeinde verdienten Mann die Glückwünsche der Gemeinde darzubringeu Namens der „Chewra Kaddischa" überreichte Herr Siegismund Maaß eine kunstvoll ausgestattete Adresse, worauf der Gemeinde rabbiner Herr Dr. Bähr das Wort ergriff, um dem achtzigjährigen Geburtstagkinde namens der gesamten jüdischen Gemeinde für all die Liebe und für all das Gute zu danken, was Herr Levy in den vielen Jahren sowohl für die Gemeinde als auch für die „Chewra" geleistet hat. Der Redner hob besonders das Ansehen und die Achtung hervor, der sich auch Herr Levy in christlichen Kreisen weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus erfreut. Am Sonntag, den 1. Februar, veranstaltete die „Chewra" dem Jubilar zu Ehren ein Festessen, zu dem sehr viele Gäste von auswärts erschienen waren, und sind Herrn Levy hierbei ganz besondere Ehrungen erwiesen worden. y. Kolberg, 30. Januar. Dem soeben erschienenen 39. Jahresbericht über die Verwaltung des I ü d i s ch c n Kurhospitals in unserem Bade entnehmen wir, daß es auch im letzten Jahre dieser so überaus segensreichen Anstalt trotz der Ungunst der Verhältnisse möglich gewesen ist, die Wohltat eines längeren Bade- und Erholungsaufenthaltes in dein lieblichen Ostseebade einem größeren Kreise Erholungsbedürftiger zuzuwenden, als je in den früheren Jahren. „Noch in keinem Jahre," so heißt es in dem Bericht, „konnte unsere Anstalt eine so hohe Zahl von Pfleglingen aufweisen wie 1913. Ausgenommen wurden 541 Personen, von denen 228 geheilt und 302 gebessert entlassen werden konnten. Um die Aufnahme in die Anstalt hatten sich insgesamt 1304, fast 100 mehr als im Vorjahre, beworben, die Ausnahme zugebilligt wurde 612 Personen, doch traten tatsächlich in die Anstalt nur 541 ein. In Freistellen wurden 364 Personen verpflegt, die Wohnung, Beköstigung, ärztliche Behandlung, Bäder und sonstige Kurmitel völlig unentgeltlich erhielten. Unentgeltliche Solbäder und ärztliche Behandlung wurden ferner 43 unbemittelten Persollen außerhalb der Anstalt gewährt. Von den Pfleglingen waren 200 männlichen und 341 weiblichen Geschlechts, darunter 25l Erwachsene und 290 Kinder. Der Herkunft nach waren 342 aus Berlin; aus der Provinz Posen waren 64, aus Schlesien 47, aus Pommern 23, aus Westpreußen 14, aus dem Königreich Sachsen 10, aus der Provinz Brandenburg 8, aus Ostpreußen, Sachsen, Hessen- Nassau, dem Herzogtum Anhalt und aus Rußland je 5, aus Bayern 3, aus Westfalen 2 und aus Hannover, Lippe und Palästina je 1. Eröffnet wurde die Anstalt am 20. Mai und geschlossen am 14. Oktober. An Berpflegungstagen wurden insgesamt 18 074, das sind 483 mehr als im Vorjahre gezählt. Die längste Kurzeit betrug bei einzelnen Pfleglingen 57 Tage, die durchschnittliche 30, 17 Tage. Bemerkenswert erscheint noch, daß die erst vor drei Jahren neu eingerichtete Herbstkurperiode (September-Oktober) zum -erstenmal fast voll besetzt war und aus dem Deutschen Reich von verschiedenen Seiten sogar Gesuche für eine zweite spätere Herbstkurperiode (Oktober- November) vielfach an die Verwaltung gerichtet worden sind. Hieraus ist ersichtlich, daß eine Erweiterung der Wirksamkeit des Kurhospitals über kurz oder lang sich als ein unabweisliches Bedürfnis Herausstellen wird. Leider bietet indessen der Kassenbericht des letzten Jahres nicht ein solches Bild, das die Verwirklichungsmöglichkeit dieses Vorhabens erhoffen läßt. Im Gegenteil, es besteht die Befürchtung, daß, wenn sich die Einnahmen des Hauses nicht wieder vermehren, eher eine gewiß bedauerliche Einschränkung des Betriebes kaum zu umgehen sein dürfte. Die Reineinnahmen aus allen Quellen beliefen sich im vergangenen Jahre im ganzen auf nur 39 576,36 Mark (rund 650 Mark weniger als im Vorjahre), denen die vermehrten Ausgaben in Höhe voll 41 373,01 Mark (gegen nur 38138,12 Mark im Vorjahre) gegenüberstehen. Das Defizit mußte aus den Ersparnissen * ♦ s