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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-30 · Heft 5 (30.1.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 weil ein einziges anderes Mitglied die Konfirmation in der Rykestraße wünscht. Herr Tr. Bergmann sei zwar als Rabbiner für alle Synagogen angestellt, aber inzwischen sei durch die Verteilung der Synagogen doch eine Aendernng eingetreten. Herr Tr. Minden hält es für zweifellos, das; religiöse Gründe die Ablehnung Tr. Bergmanns bewirkten. Für Tr. Bergmann handele es sich nicht um ein Rechenerempel. Dem orgellosen Ritus sei die Mädchenkonfirmation an sich etwas ganz Unadäquates. Tie Blehrzahl der Mitglieder jener Synagogen stehe der Konfirmation ziemlich ablehnend gegenüber. Er Plädiert für volles Vertrauen auf die Weisheit des Vorstandes und bittet, alle Anträge abzulehnen. Bei der daun erfolgenden Abstimmung werden sämtliche Anträge abgelehnt und die Vorlage des Vorstandes einfach zur Kenntnis genommen. — Zu dem Bericht der Kommission, die zur Beratung über die Aufstellung der Büste Abraham Geigers eingesetzt war, beantragt der Ausschuß, das; von der Kommission erst ein Voraufban vorgenommen und dann geprüft werden solle, ob die Aufstellung der Büste hinter dem Vorstandstisch zwischen den beiden Läuten die richtige künstlerische Wirkung Hervorrufen würde. Ta inzwischen Herr K u z - n i tz k i ans der Kommission ansgrschieden ist, beantragt der Aussehus;, an dessen Stelle Herrn Willibald Loewenthal zu Wahlen. Herr Moriz Bl a u (] c i m e r erhebt gewichtige Bedenken gegen den Platz und die Art der Ausstellung der Büste Geigers, er wünscht Berücksichtigung des Umstandes, das; auch eine Büste Moses Mendelssohns Aufstellung finden solle. Tie Herren Geheimer Justizrat Tr. Veit L i in o n , Professor K a l i s ch e r und Tr. Mar Gins b e r g halten die von Herrn Manheimer geäußerten Bedenken für gewichtige, und es ivird daraufhin beschlossen, die Lache zu vertagen und den von Tr. Beit Limo n gestellten Antrag mit der Vorlage der Kommission wieder zu überweisen. Tiefe Kommission soll um ein Mitglied verstärkt werden, und es wird außer dem vorgeschlagenen Herrn W. Loewenthal noch Herr Gewerberat Platte gewählt. Ueber die Festsetzung der Liturgie für die n e n e L y n n g o g e L e v e tz o w st r a s; e, die im Laufe dieses Jahres der Benutzung übergeben lverden ivird, wünscht die Vorlage des Vorstandes folgende Regelung: „Für die Lynagoge Levetzowstraße wird das Gebetbuch der Synagogen Linden- und Lützowstraße mit der Blaßgabe eingeführt, das; ans dem Gebetbuch der Lynagoge Fäsanenstraße die Ueberleitnngen zum Kaddischgebet und die deutsche Fassung des Qtenngebets übernommen lverden. Ferner sollen ans dein Gebetbuch der Fasanenstraßen-Lynagoge in den Ritus sämtlicher Trgelsynagogen die gleichen Zusätze ausgenommen werden. Tie Beschlüsse des Vorstandes sind nach Einholung von Rabbinergutachten gefaßt worden. Ter Ausschuß steht zwar prinzipiell auf dem gleichen Boden ivie die Vortage, hält indessen die Frage noch nicht für hinreichend geklärt und beantragt die Vorberatung in einer besonderen zu wählenden Kommission von sechs Mitgliedern erfolgen zu lassen. Tie Versammlung tritt diesem Anträge des Ausschusses bei und wühlt in diese Kommission die Herren Geheimrat B l u m e n t h a l, Professor Blaschke, Justizrat Ignatz (5 o h n , L v w e n b e r g , Professor K a l i s ch e r und Willibald L o e iv e n t h a l. Ein Antrag Kalischer, diese Kommission möge auch eine Aendernng des Barmizwo-Gebets ins Auge fassen, ivird angenommen. Ter beantragten Aendernng dcs Gemeindebeschlnsses über die Einsetzung einer Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten stimmt die Versammlung in erster und zweiter Lesung zu und zugleich der Wiederwahl der ansscheidenden Mitglieder. Für die von der Gemeinde subventionierten Religionsvereine von Bedeutung ist der Beschluß d.r Versammlung, daß ihnen zur Bedingung gemacht wird, das; das Gehalt der an ihren Religionsschulen beschäftigten Lehrkräfte hinter dem für die Gemeinde geltenden Mindestsatz von 100 Mark für die Jahresstunde nicht Zurückbleiben darf. Bei der Bemessung der Lnbvention soll hierauf Rücksicht genommen iverden. Herr L e lv i n s k i verweist darauf, das; die für die Subventionierungen in Aussicht genommene Erhöhung von etwa 12100 Mark kaum ausreichen dürste, und daß, wie für die Lehrer, so auch für die anderen Beamten eine Erhöhung ihrer Bezüge aktuell werden würde. - In den Vorstand der Lynagoge Lützowstraße wird Herr Em'l Pinkus, in die Fürsorgekommissiou Herr Gewerberat P l o t k e. und in die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamken Herr Redakteur L e v y gewählt. - In die Waisenkommission werden die Herren B. B e h r e n s , L i e g f r. I a c o b und T h. L t e i n t h a l, in die Armenkonunission die ansscheidenden Mitglieder wicdergewählt. In die Kommission für die festgottesdienstlichen Angelegenheiten werden die Herren Arthur L e e g a l l, Liegfried N e u m a n n , Justizrat Dr. A. A l e x a n d e r und Rabbiner Tr. H o ch f e l d, in den Vorstand des Krankenhauses Herr Professor Blaschke, in die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten Herr Kommerzienrat Richard Friedländer und in die Rabbinerwahlkommisston Herr Dozent Dr. Jsmar E l b og e n gewählt. — Zur Gewährung von Extrahonoraren an besonders tüchtige Kräfte der Synagogenchöre lverden 675 Mark zur Verfügung gestellt, für den Ankauf von fünf Thorarollen 2465 Mark bewilligt. — Der Vorlage, zur Lchasfnng eines Zweiten Automobilleichenwagens 15 000 Mark zu bewilligen, stimmt die Versammlung zu. Für Fahrstuhlreparatnren im ersten Verwaltungsgebäude und im Hospital Oranienburgerstraße werden 436,75 Mark nachträglich bewilligt, für die Verlegung der Bureaus der Fürsorgekommission nach dem Erdgeschoß des zuzeiten Verwaltungsgebäudes und die damit verbundenen baulichen Veränderungen 5200 Mark bewilligt. Herr Pincus bittet, den zehn Vereinen, die mit der Geschäftsstelle verkehren, bezüglich der Vereinszimmer unter Disposition des Fahrstuhls auch fernerhin das gleiche Entgegenkommen zu betätigen, was Herr Kommerzienrat Retter nach Möglichkeit zusagt. Für Beihilfen an bedürftige Veteranen werden dem Gemeindevorstand weitere 1000 Mark zur Verfügung gestellt. Das Arbeitsamt für jüdische Akademiker hatte die Erhöhung der ihm gewährten Lubvention von 300 auf 500 Mark beantragt. Der Ausschuß hat indessen nur die Weiterbewilligung der 300 Mark beantragt. Herr Professor Kalischer beantragt die Annahme der Vorstandsvortage und zugleich den Vorstand zu ersuchen, weitere 200 Mark nachznbewilligen. Herr Dr. Cohn empfiehlt diesen Antrag. Herr Kommerzienrat Retter bittet, dem Vorstande zugleich eine Begründung der Forderung mitzngeben. Alan müsse doch die erforderlichem Unterlagen haben. Herr Professor B l a s ch k e möchte annehmen, das; der Ausschuß vielleicht veranlaßt worden ist, die Erhöhung der Lubvention nicht zu befürworten, weil man sagt, daß der Verein seine Tätigkeit in sehr einseitigem Maße ausübt. Ein Herr, der dem Verein früher angehörte, hätte Mitteilung darüber gemacht, daß die Mitgliederzahl im Rückgang begriffen ist und der Verein zu sehr im Fahrwasser des „Vereins jüdischer Studenten" segle. Hiergegen erhebt Herr Dr. Mar G i n s b e r g sehr energischen Widerspruch. Er erklärt es als eine Verleumdung, wenn behauptet würde, das Arbeitsamt arbeite in einseitiger Weise. Daß dies nicht geschieht, dafür übernehme er die Gewähr. Er würde sonst nicht dem Vorstande des Vereins angehören. Herr Justizrat Cohn verweist auf das Mißliche von Auskunftserteilungen ehemaliger Mitglieder, die aus irgendwelchen Gründen ausgeschieden sind. Er null die Ehrenhaftigkeit des Gewährsmannes natürlich nicht bezweifeln. Wenn indessen nachweisbar wäre, daß der Verein einseitig arbeite, dann könne man ihm auch nicht die 300 Mark bewilligen, sonst aber ebenso gut auch die 500 Mark. Es treten noch dafür ein die Herren Tr. Kalischer und Tr. Ginsberg, wobei festgestellt wird, daß jetzt dem Vorstände auch zwei Vertreter dcs K. C. angehören. - Zur Einrichtung einer vierten Unterrichtsabteilnng mit zwei Stunden wöchentlich und einer Londerstunde für Hebräisch an der v. Großschen höheren Mädchenschule werden zwei Drittel der Gesamtkosten in Höhe von 200 Mark bewilligt. Schließlich wurde dem Verein Kneseth-Jisroel zur Unterhaltung seiner Talmud- Thora-Lchnle ab 1. April 1913 eine Jahressubvention von 3000 Mark unter der Bedingung bewilligt, daß der Lehrplan nach den in der Konferenz mit den Vereinsvertretern getroffenen Vereinbarungen umgestaltet und die Schule der Aufsicht des Schul- und Talmud-Thora- Vorstandcs unterstellt wird. Wie Herr Professor Kalischer in einem eingehenden Referat darstellte, hat die Schule es sich, zur Aufgabe gemacht, Kindern ausländischer, meist galizischer, aber auch ungarischer Eltern, die den Tag über durch ihre Berufspflichten in Anspruch genommen sind, gründliche Kenntnisse in der Thora und der alten jüdischen Literatur beizubringen. Zugleich ist die Schule eine Art Kinderbewahranstalt. Erwähnenswert ist noch, daß, ivie im Referat hervorgehvben wurde, dieser Schule bisher durch den Vorstand der Adaß-Jisroel-Gemeinde eine Lubvention von 1200 Mark zufloß, die ein begütertes Mitglied der Adaß-Jisroel-Gemeinde zuwandte. Als man erfuhr, daß der Vorstand des Vereins sich an die Gemeinde gewandt hatte, wurde ihm diese Zuwendung entzogen. Ter Referent bezeichnete dies mit Recht als einen bemerkenswerten Akt der Intoleranz. Mit der Annahme dieser Vorlage schloß die öffentliche Versammlung, der eine nichtöffentliche von längerer Dauer folgte.

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