Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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WWMWWWMHWWWGWKDWW^^WWWWK 60 bereits erfüllte, und die nun bei der wider ihren Willen durch den Zwang der Ehe Gebundenen zu mächtiger Flamme auflodert. Sehr schön ist bei David das Psychologische behandelt: wie der Liebeswahusinn den tüchtigen Regenten, den machtvollen Krieger so vollständig beherrscht, daß er die Pflichten gegen sein Weib und gegen sein Volk durchaus vergißt: nicht minder eigenartig ist die Gestalt der Königin Michal behandelt: sie ist nicht bloß die in ihren Rechten gekränkte Ehegenossin, nicht bloß die Regentin, die an Stelle des pflichtvergessenen Kronenträgers den Anforderungen des Königtums gerecht zu werden sucht, sie ist vielmehr die Tochter Sauls, die, ihren königlichen Ursprung nicht vergessend, voll Hoheit und voll Hochmut dem Könige entgegentritt, in dem sie den ehemaligen Hirtenknaben zu sehen niemals vergessen hat: vor allem ist sie die moderne Frau, die nichts von orientalischer Unterwürfigkeit des Weibes weiß, sondern gleiches Recht mit ihren! Manne verlangt. Im ganzen ein höchst interessanter Versuch, dein man auch ans einer deutschen Bühne begegnen möchte. L. G. # D i e B e s ch n e i d u n g. Eine populäre Darstellung ihrer Bedeutung und Vollziehung. Bon Rabbiner Dr. S. B a m berge r. Wandsbek 1913. Verlag von A. Goldschmidt, Hamburg. Preis 1.80 M. Ter Stofs, den der Verfasser in sehr eingehender und gemeinverständlicher Weise bearbeitet hat, ist offenbar zeitgemäß; denn von den verschiedensten Seiten tritt man jetzt an seine Behandlung heran. (Vgl. Nr. 29. „Tie Mohelfrage und der L‘Univers Israelite"). Der Verfasser legt die hohe religiöse und sittliche Bedeutung dar, welche der rituelle Akt der Beschneidung für den Juden hat, weist die hygienischen Vorteile desselben nach und widerlegt die Angriffe der Gegner. Besonders hervorznheben ist die Entschiedenheit, mit welcher der Verfasser betont, daß der Mohel nicht nur mit der operativen Technik, sondern auch mit den Grundgesetzen des heutigen antiseptischen und aseptischen Verfahrens vertraut sein muß und, wo es irgend notwendig erscheint, den Arzt zuzuziehen hat. Auch die genaue, mit Abbildung versehene Beschreibung der den modernen Anforderungen entsprechenden Desinfektionsmaßnahmen ist sehr bemerkenswert. Das Buch verdient die weiteste Verbreitung schon deshalb, weil es geeignet ist, so manche irrigen Anschauungen und Vorurteile zu widerlegen. Sanitätsrat Dr. Scherbel, Lissa. Sxrechsaal. Cincinnati, den 1. Januar 1914. Herr Redakteur! Das Gedächtnis unserer Zeit ist sehr kurz. Der, lvie Ihr Rezensent sagt, „geheimnisvolle" Satz in der Broschüre des ehemaligen jüdischen Theologen P. Bernstein, welcher in leicht verhüllten Worten den evangelischen Oberkirchenrat in Berlin der Heuchelei beschuldigt, weil er aus angeblicher Nächstenliebe die Judenmission fordert, um dann die für das Christentum gewonnenen Seelen, die er in das Reich Gottes geführt hat, der Pein eines schweren Eristenzkampfes zu überlassen, ist leicht erklärt. Paulus Bernstein hat protestantische Theologie studiert, war als Geistlicher ordiniert worden, konnte aber keine Stelle finden, weil ihn der Minister nicht naturalisieren wollte. Die Angelegenheit kam 1904 im preußischen Landtag zur Sprache. Ich vermute, daß Herr Bernstein inzwischen gefunden hat, daß es nicht leichter ist für Paulus Bernstein, als es für Jsaac Bernstein war, nicht „für den Morgen zu sorgen!" und darum dem Oberkirchenrat grollt. Wir suchen mit Mühe die Daten über die Pfefferkorns und Margaritas des w. Jahrhunderts zusammen, während wir ihren Rechtsnachfolgern in der Gegenwart keine Aufmerksamkeit schenken. Ergebenst Gotthard Deutsch. # Berlin, den 18. Januar 1914. R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g v o m 14. Dezember 191 3. Von Bureauvorsteher N. C o h n , Berlin. Herr Dr. Cohn sagte . . . .: Immer wieder, und besonders in den letzten Monaten, sei von bestimmter Seite der Gemeindeverwaltung vorgeworfen, daß sie nur eine Verwaltungsmaschine ohne soziale Interessen sei. Von dieser selben Seite aus fordere man auch immer wieder die Hebung und bessere Besoldung der unteren Beamten. Seitdem sich im Jahre 1910 an die bereits vorher erfolgte Regelung der Anstellungs- und Gehaltsverhältnisse der Lehrer auch die Regelung dieser Fragen für die anderen Beamten der Gemeinde angeschlossen hatte, fei diese Forderung gegenstandslos geworden." Bon dem Standpunkte des Standesbewußtseins aus, den ich in meinem Artikel „Nochmals von den Verwaltungsbeamten der Jüdischen Gemeinde" vertreten habe, fühle ich mich veranlaßt, an obige, an sich berechtigte Bemerkung des Herrn Justizrats Dr. Ignaz Cohn anzuknüpfen und zu sagen: Ich kenne die Stimmung der Beamten der jüdischen Gemeinde ziemlich genau und weiß daher, daß deren weitaus größter und besserer Teit sich voll und ganz dessen bewußt ist, welche soziale und materielle Verbesserung ihrer Lage die Normalbesoldungsordnung und das Ruhegehalts- und Hinterbliebenenversorgungsgesetz, welche mit dem 1. April 1910 eingesührt worden sind, bedeuten. Ich möchte nicht, daß auch nur der Schein erweckt werden könnte, als ob es jetzt bei der hiesigen jüdischen Gemeinde eine unzufriedene Beamtenschaft gäbe. Ta aber nichts vollkommen in der Welt ist, so wird gewiß niemand behaupten wollen, daß die Nornialbesoldungsordnung, die am 1. April 1910 in Kraft getreten ist, so vollkommen sei, daß sie für alle Zukunft als Norm dienen solle. Schon in den letzten vier Jahren hat aus den verschiedensten Gründen eine wesentlich stärkere wirtschaftliche Belastung jedes einzelnen stattgesunden, die der Gemeindeverwaltung sicher nicht entgangen ist. Wenn daher — und die Absicht besteht allerdings — der Verein der Beamten der jüdischen Gemeinde aus diesem Grunde an die Gemeindeverwaltung mit der Bitte herantreten wird, in absehbarer Zeit — etwa zu Beginn der zukünftigen Etatsperiode 1. April 1916 — eine den Zeitverhältnissen entsprechende revidierte Normalbesoldungsordnung in Kraft treten zu lassen, dann bin ich überzeugt, daß die Petition bei den Gemeindebehörden, insbesondere auch bei dem obengenannten, der Beamtenschaft wohlgesinnten Sprecher der Repräsentanten auf eine wohlwollende Prüfung und Erledigung zu rechnen haben wird. * Herrn Alexander deCleau, der sich in einem großen Brief an mich gewandt hat, bitte ich, da ein an ihn per Adresse des „Neuen Wiener Tageblatts" gerichtetes Schreiben wieder an mich zurückgekommen ist, um Angabe seiner wirklichen Adresse. L. Gei ge r. * Wir erhalten mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Zuschrift: Der Vorsitzende des Hilfsvereins der Deutschen Juden erhielt am 13. November 1913 ein Telegramm des Chacham Baschi, des religiösen Oberhauptes der palästinensischen Judenheit, in dem u. a. „das Großrabbinat von Palästina ihren Führern in Israel den Ausdruck des Dankes und der Hochschätzung für ihr so hervorragendes Wirken zum Wähle der jüdischen Bevölkerung im Heiligen Lande übermittelt". Die „Welt" behauptete zuerst, daß es ein „Großrabbinat von Palästina gar nicht gibt", und daß Rabbi Mosche Franco provisorischer Verweser des Chacham-Baschi-Amts sei. Ein anderes zionistisches Organ ging dann sogar so weit, diese ehrwürdige, hochbetagte Persönlichkeit einen „senilen Chacham Baschi" zu titulieren. In der üblichen Weise versuchte man, den greisen Chacham Baschi zu veranlassen, seine eigene Kundgebung zu desavouieren oder zu modifizieren. Er soll das nach Nr. 50 der „Welt" auch getan haben. Die neueste Nummer der „Welt" (vom 23. Januar) versucht das gegen den Hilfsverein auszuspielen und behauptet, der Chacham Baschi wäre „ganz ahnungslos", und dieselbe Zeitung, von deren tendenziösen Telegrammen der deutsche Generalkonsul in Jerusalem in einem amtlichen Dokument gesprochen hat, sagt, daß sie in bezug auf das Chacham-Baschi-Telegramm dem Hilssverein bewußte Entstellungen Nachweisen könne, und redet ganz ungescheut von einer Telegrammfälschung des Hilfsvereins. Nunmehr wird authentisch folgendes festgestellt: „Seine Eminenz der Chacham Baschi hat den deutschen Konsul in Jerusalem aufgesucht und hat erklärt: daß alle Meldungen, wonach er sein B e r t r a u e n s t e l e g r a m m irgendwie modifiziert habe, falsch seien. Er hält seine Kundgebung in v o l l st e m U m f a n g e a u s r e ch t." So zerrinnt eine Unwahrheit nach der anderen, durch die man das Werk des Hilfsvereins zu schädigen sucht.