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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-30 · Heft 5 (30.1.1914) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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Blut opfern? Auch das G e m e i n d e l e b e n findet in unseren Besten reiche Förderung und Pflege, nicht minder das religiöse Leben. Nur ein Sorgenkind haben wir: unsere Wissenschaft. Um die kümmert man sich noch immer viel zu wenig, für unsere großen Laien existiert sie kaum, und wenn schon, meint man, mit ein, zwei Vorträgen sie abgetan zu haben. Da muß das Judentum besonders «dankbar sein einem Mann, dem die Wissenschaft des Judentums ebenso am Herzen liegt wie alle anderen Betätigungen zum Wähle unserer Gesamtheit. Ein solcher Mann ist B. L. B e n a s in Liverpool, einer der besten und vornehmsten Inden Englands, der am l4. dieses Monats seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. „Nichtswasj ü d i s ch i ft, i st m i rfre m d ", das darf B. L. B e n a s mit gutem Recht von sich sagen. Einer der angesehensten Bürger seiner Stadt, hat er seine große Begabung, sein reiches allgemeines Wissen, sein ganzes Können in den Dienst des Judentums gestellt. In der sozialen Fürsorge für seine Glaubensbrüder war er stets einer der ersten, das Gemeindeleben fand ihn sowohl in den religiösen wie administrativen und ethischen Aufgaben stets an der Spitze, er ist Gründer und Präsident der großen literarischen Gesellschaft in Liverpool, und trotz seiner guten englischen Gesinnung ist er heute einer der Führer der zionistischen Bewegung in England. — B. L. Benas ist ein geborener Londoner, aber seit seiner frühesten Jugend in Liverpool. Seine Ahnen waren sephardische Juden, seine Großmutter, Isabel Hoff, war ein direkter Nachkomme des Don Jsac Abarbanel. Sein Vater hatte in Liverpool ein bedeutendes Bankhaus und stand in hohem Ansehen bei der gesamten Bevölkerung. Auch B. L. Benas trat gleich seinem Bruder in das väterliche Geschäft ein, zeigte jedoch für das Geschäftliche wenig Interesse. Von Vater und Mutter fromm erzogen, bekundete er mehr Sinn für das literarische und religiöse Leben. Zwar hielt er sich von der Politik auch nicht ganz fern, er war einer der Begründer des Konservativen Klubs in Liverpool, wo er mit hervorragenden Politikern intime Freundschaft «schloß, aber bald wendete er sich ganz den literarischen und ethischen Bestrebungen zu. Wie jeder wohlhabende Engländer unternahm auch B. L. Benas weite Reisen, deren Früchte er in schönen Essais über die chinesische und japanische Literatur niedergelegt hat. Daß er früh in Palästina war, ist bei seinem frommen Sinn selbstverständlich. Auch «die europäischen Länder bereiste er öfters. Und als er mehrere Male K a r l s - b a d aufsuchte, war ich einer der ersten, den er kennen lernen wollte; und daß B. L. B e n a s ein treuer, bewährter Freund mir dann geworden ist, das ist eine der großen Freuden meines Lebens. Je später, je inehr widmete er sich «dem Judentum seiner Vaterstadt, bis er schließlich sein ganzes Streben ihm geweiht hat. Möge er noch lange im Ehrendienst der englischen Judenheit stehen! Gott hat ihn mit großem Heil begnadet. Sein einziges Kind, seinen Sohn Bertram, sieht er als tüchtigen Juristen und Politiker voll und ganz seinem Beispiel nacheifern. Ein begeisterter Jude wie der Vater geht er ganz auf in der Liebe für das Judentum. So wünschen wir denn dem Jubilar von ganzem Herzen einen gesegneten, glücklichen Lebensabend. In unverminderter geistiger Kraft für das Judentum tätig sein, möge ihm von Gott gegeben sein an der Seite seines ihm ebenbürtigen, seiner würdigen Sohnes. Friedensrichter B. L. Benas in Liverpool. Der Lprschkiikonflikt in Oslsstins unÄ der tzilfsoerem drr Deutschen Inden. Von Dr. Alphons I. Sußnitzki. H. £\>ctd) der kurzen Abschweifung, die mir Gefühle der Pietät und der Freundschaft geboten, wollen wir den Faden unserer früheren Betrachtung wieder anfnehmen und in der begonnenen Richtung den Gedanken weiterspinnen. Bei der Ausstellung seines Lehrplanes war für den Hilfsverein im Grunde bloß ein Prinzip maßgebend: die Prinzip l o s i g k e i t. Nur ja nicht nach Schema F Verfahren und vom grünen Tisch hinweg dekretieren. Alles sollte vielmehr sich nach den gegebenen Verhältnissen richten, alles von den besonderen Umständen abhängig bleiben, und in allen Dingen sollte einzig und allein der Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit entscheidend sein. Was man der Alliance so häufig zum Vorwurf macht, wollte man hier gern vermieden wissen. Dadurch konnte der Kindergarten Palästinas entstehen, einsprachig und hebräisch, ganz den Lokalbedürfnissen angepaßt. Die Kinder s o l l e n im Lande der Väter in hebräischer Sprache miteinander verkehren. Allein in den anderen Schulen mit erhöhten Anforderungen mußten, je nach den besonderen Bedingungen, immer weitere und neue Unterrichtsgegenstände eingeführt werden, und zwar solche nicht bloß fachlicher, sondern auch sprachlicher Natur. Wenn der Schüler für das Leben reif und dem Kämpf ums Dasein gewachsen sein soll, dann muß er über eine gewisse Freiheit der Bewegung, über eine erweiterte Möglichkeit des Verkehrs verfügen können, wozu vor allem — bei den eigentümlichen Verhältnissen des Orients — eine, ich möchte beinahe sagen, Polyglottenausstattung gehört: Hebräisch als Volkssprache, Arabisch als Landessprache, Türkisch als Beamtensprache und Deutsch, Französisch, Englisch sobald es einen in seinem beruflichen Streben über den engen Rahmen des geistigen und die nahen Grenzen des physischen Milieus hinaustreibt. Es soll damit nicht gesagt sein, daß man in jedem Falle gerade das Richtige traf.

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