Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Ich bin am Ende. B. sagt im Vorwort zur zweiten Auflage: „Die vorliegende neue Ausgabe habe ich mit Recht auf dem Titelblatt als eine durchgesehene bezeichnet. Wenn auch die Grundlage der ersten Auflage beibehalten wurde, so ist doch an sie in sprachlicher und exegetischer Hinsicht fast Vers für Vers die bessernde Hand gelegt worden." Nun, ich glaube, daß bei einer späteren Auslage der bessernden Hand noch viel zu tun übrig bleibt. Bis dahin frage ich mit dem Verfasser des eingangs erivähnten Artikels: „Wo bleibt die deutsche Bibel?" ' 8. Sir Mache. Berlin, den 27. Januar 1914. um (S c b u r t § t o g c des Kaisers sprechen auch wir ehrfurchtsvolle Glückwünsche aus. Wir verehren in dem Monarchen den Schirmherrn des Friedens, den Hort der Gerechtigkeit, den Förderer deutscher Kultur. Wir danken ihm für den Frieden, welchen er trotz. aller Fährlichkeiten über ein Vierteljahrhundert gewahrt hat, wir nehmen jubelnd Anteil an der Kultur, die wir als die unsrige betrachten, und nur preisen seine Gerechtigkeit. Aber wir wünschen, daß diese I in weit höherem Maße, als es bisher geschieht, uns zuteil werde; wir hegen das feste Vertrauen, daß uns, die wir den Frieden stützen und die Kultur wahren, in Zukunft auch die Gerechtigkeit in vollem Maße leuchten werde. Die „Hilfe" enthält einen Artikel von Eugen Katz: „Der $ ionis m u s und die deutschen Jude n". Der Verfasser polemisiert gegen eine hebräische Universität in Jerusalem, tritt für die deutsche Unterrichtssprache am Technikum in Haifa ein und schließt mit folgenden Worten, mit denen wir wie mit dem ganzen Artikel unsere volle Übereinstimmung anssprechen: Ans alledem geht hervor, daß der Zionismus das getreue Widerspiel der antisemitischen Bewegung bildet. Anstatt die Ostjuden ihrer in langer Unterdrückung erworbenen Besonderheiten zu entkleiden und sie zu europäischer Kultur und Arbeitsweise zu erheben, hat der Zionismus die Tendenz, die deutschen Juden auf östliches Niveau herabzuziehen. Die deutschen Juden verlangen ans Grund ihrer ganzen Geschichte, daß sie die verfassungsmäßig ihnen zustehende Gleichberechtigung voll erhalten ----- die Zionisten schreiben in ihren eigenen Blättern und auch in anderen („Kunstwart"), die Juden seien in der Tat ein Fremdkörper in Deutschland. Das Herzlsch'e Ideal, alle Inden in Palästina zu sammeln, wird heute selbst von den Zionisten nicht mehr für durchführbar gehalten - - trotzdem ihre nationalistischen Umtriebe, ihre Proteststellung gegen das Nusgehen der Juden im nationalen deutschen Leben. Jede im Wesen zionistische llnternehnmng ist daher im Grunde ein Baustein zur freiwilligen Ausrichtung eines neuen Ghettos. Alle - soweit sie nicht rein sozialen Zwecken dienen - führen sie letzthin dazu, jndenfeindliche Stimmungen in solchen Kreisen zu erwecken, die bisher davon frei waren; schwärmerische junge Menschen auf einen falschen Lebensweg mit bitterem Ende zu werfen. Ebenso wie extremer Konservatismus und radikale Sozialdemokratie sich zu Gefallen leben, ebenso auch Antisemitislnns und Zionismus. Ein in geschlossenem Sprachgebiet lefcenber Bolksteil nach Art der Tschechen oder Kroaten kann sich schließlich eine Zeitlang derartiger: nationalen Anarchismus gestatten. Für die deutschen Juden aber bedeutet die Unterstützung des Zionismus in ihrer Gesamtheit letzthin: gesellschaftlichen, politischen und schließlich auch wirtschaftlichen Selbstmord. # Uns wird geschrieben: A u ch ein Berte: di g e r des N i t n a l m o r d m ärche n s. In der neuesten Nummer 277 des „Hammer" findet sich eine mit Amtsgerichtsrat P. in H." Unterzeichnete Notiz, in der der Einsender erzählt, seine Mutter habe von einem getmlsten Juden, dem Königsberger Arzte, Professor Jakobsohn, erfahren, daß es in der Tat eine jüdische Sekte gebe, welche zu rituellen Zwecken Christenblut verwendet. Der angebliche Amtsgerichtsrat fährt dann wörtlich fort: „Ist das denn aber so ungeheuerlich? Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wir Christen, wenigstens soweit nur an die Transsubstantiativn glauben, genießen beim Abendmahl (die Katholiken durch den Mund des Priesters) Christi, also eines Menschen Blut.wenn auch nur sinnbildlich." Ahnt der Einsender, dessen Mnt nur bis zur Angabe seines Amtstitels reicht, nicht, wie sehr er mit dieser Bemerkung seine eigene Religion beschimpft? # Der „N. I. K." entnehmen wir die nachstehenden Notizen: Der im Kiewer Ritualmordprozeß sreigesprochene Mendel B e i l i s hat vorige Woche mit seiner Familie Rußland verlassen und ist über Galizien und Wien nach Triest abgereist, wo er sich nach Jaffa einschiffen wird. Er gedenkt sich dauernd in Palästina als Landarbeiter niederzulassen. In einem Gespräch mit einem jüdischen Journalisten erklärte Beilis, die Nachricht, daß Baron Rothschild für ihn in Palästina ein Stück Land gekauft habe, sei salsch. Um Beilis vor Belästigungen zu schützen, wurde sein Aufenthalt in Wien geheim gehalten, und die Wiener Zeitungen berichteten darüber erst nach seiner Abreise. Dagegen wurde der bedauernswerte Manu in Galizien auf allen Bahnhöfen von großen Menschenmassen umringt und konnte sich des Ansturmes der Gratulanten und „Interviewer" kaum erwehren. Auf den größeren Bahnhöfen wurden ihm feierliche Empfänge bereitet. Auch im Eisenbahnzng, in dem die Familie Beilis fuhr, drängten sich die Mitreisenden, um Beilis zu sprechen und beglückwünschen zu können. Die aut i se miti sch e Boykott b ew e gn n g , die in Russisch-Polen einen gewissen Stillstand erreicht hat, greift nach Galizien über und schreitet hier in ungeahnter Schnelligkeit fort. So berichtet man aus Rvpczyee über die Gründung eines christlichen Konsumvereins, dem es mit Unterstützung des Bezirks- und Landesausschnsses gelungen ist, sämtliche jüdische:: Geschäftsleute des Städtchens brotlos zu machen. Besonders hetzt die katholische Geistlichkeit des Städtchens gegen die jüdische Bevölkerung. Der Geistliche Stawasz in Rvpczyee fordert die Gläubigen von der Kanzel herab zum offenen Boykott gegen die Inden ans. Er verbietet allsonntäglich seiner Gemeinde jeden Verkehr mit den Juden und droht den Zuwiderhandelnden mit schweren Kirchenstrafen. Daß die Bauern die eindringlichen Worte ihres Seelenhirten beherzigen, ist nur selbstverständlich. So verlor die jüdische Kaufmannschaft ihre ganze christliche Kundschaft. Alle christlichen Dienstmädchen haben ihre Stellen bei den Juden gekündigt, und es ereignete sich sogar, daß eine christliche Hebeamme sich weigerte, eine jüdische Wöchnerin zu besuchen, indem sie sich aus das Verbot des Geistlichen berief. * Aus Amerika wird berichtet: Tie schon lange gehegten Pläne, in Amerika eine A u s st e 1 l u n g jüdi s ch e r K u n st zu veranstalten, haben jetzt endlich feste Form angenommen, nachdem der berühmte rumänische Bildhauer Prof. Boris Schatz, der Gründer und Leiter der Bezalel-Knustschule in Jerusalem, mit 25 Koffern voll Produktionen dieser Schule hier eingetrosfen ist. Die Schule hat den Zweck, die uralte jüdische Bildhauer-, Holzschneide- und Matkunst, Gold- und Silberarbeit usw. wieder zur Geltung zu bringen. Die Ausstellung wird noch in diesem Monat in der Madison Square Evneert Hall an MadisonAveuue und 2b. Street stnttfinden. ssriedensrichter L. JL Senas in Liverpool. Ban Tr. I. Ziegler, Karlsbad. o alman Israel. Das Prophetenwvrt gilt auch heute noch, trotz aller mehr oder weniger berechtigten Klagen. Verwaist ist Israel auch heute nicht, ist nicht einsam und verlassen. Wie groß ist doch die Zahl der Laien, die trotz hoher Stellungen und aufreibender beruflicher Tätigkeit der sozialen Fürsorge in Israel mit allen Kräften sich widmen! Und fehlt es uns an Männern, die den nationalen Bestrebungen eines Teils unserer Judenheit Gut und