Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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„Nur beiläufig/' sagt St., „will ich meine Ueberzeugung aussprechen, daß Propheten und Psalmen erst dann zu voller Geltung und Wirksamkeit gelangen werden, wenn man sie auch ä st h e t i s ch würdigen wird." Auffallend ist es, daß B., der großes Gewicht auf Befolgung der Gesetze der hebräischen Syntax bei der Uebersetzung legt, der einem früheren Uebersetzer die elementarsten Kenntnisse dieses Teils der hebräischen Grammatik abspricht; noch in dieser Auflage ’n DTH H7 l. 116, 14 mit , diesen T a g hat der Herr geschaffen" "isnan rrtPtt HT Ex. 32, „di e s e r Bl a n n M o s e" und mON '2 £ 118, 2 bis 4 „Denn währt seine Gnade" wiedergibt. Ten Gesetzen der hebräischen Syntax entspricht es besser, wenn man 2. S. 2, 27 mit: „Ja wohl habe ich mich deinem Baterhause . . ." übersetzt, und nicht wie B. „Habe ich mich deshalb deinem Stammhause offenbart, und es mir ans allen Stämmen Israels für den Opferdienst erwählt . . . vor mir das Pfand zu tragen, und ich gab deinem Baterhause alle Lpfergaben der Israeliten?" Die Frageform dient hier lediglich zum Allsdruck der Ueberzeugung, daß der Inhalt der betreffenden Aussage dem anderen wohlbekannt und unbedingt von ihm angenommen wird. Dasselbe gilt von 12^ *>2 Dni’Tn ntfpj Dlöl 1. K. 22, 3 „Ihr wißt ja doch . . und nicht wie B. übersetzt „Wißt ihr, daß Rimot Gilead eigentlich uns gehört?" B. gibt an vielen Stellen die einen Schwur einleitenden Wörter und mit „ob" und „ob nicht" gegen die hebräische Syntar. Gen. 14, 22 bis 23 „Ich habe meine Hand aufgehoben . . . lund geschworenl: „Ob ich auch nur einen Faden . . . annehme!" Ies. 5, 9: „Vor meinen Ohren lsprach! der Herr Zebaoth: Ob nicht viele Häuser zur Oede werden!" Vgl. auch Dt. 1, 34 bis 33, Ies. 22, *14, 1. S. 3, 14. Auch über den Gebrauch der Tempora ist manches zu sagen. Das hebräische Perfekt steht in direkter Rede zum Ausdruck von Handlungen, die, obgleich äußerlich erst im Vollzug begriffen, doch als im Willen bereits vollendet hingestellt werden sollen lim Deutschen dllrch das Präsens wiederzugeben). WlEnn 8)cn. 14, 22 heißt: Ich erhebe meine Hand. 2. S. 17, 11: Ich gebe Rat. *p3 V)Dj Gen. 23, 13: Ich gebe das Geld. Nicht aber: „Ich habe aufgehoben", „ich würde also raten", „ich möchte den Preis zahlen". Vgl. f. 103, 14, 119, 40. Das (Hebräisch) copulat. wird an vielen Stellen ganz unmotiviert mit „oder" übersetzt. Am. 4, 7 „Ich habe euch auch den Regen entzogen . . o d er ich ließ auf eine Stadt regnen ..." Pr. 3, 28 „Sprich nicht zu deinem Nächsten: Geh und kouun ein andermal wieder, oder: Morgen will ich es dir geben." Gänzlich unbegreiflich ist mir die Uebersetzung Gen. 3, 18, 19: „Dornen und Disteln lasse er dir aufgehen, daß du das Kraut des Feldes essen sollst: oder im Schweiße deines Angesichtes Brot essen." Ich komme zu den beiden ersten Grundsätzen (s. Eint. S. 20), auf denen die Uebersetzung beruhen soll. Der erste lautet: „Wir halten uns streng an den masoretischen Text, indem wir nicht nur an keiner Stelle vom Wortlaut abweichen, sondern auch den masoretischen Vokalen und Akzenten treu folgen . . ." Liest man nun 8z. 24,10 nnp^N Hpnm und dazu die Uebersetzung „eine Brühe daraus mengen", so liegt die Vermutlmg nahe, daß der Uebersetzerpnan für nnp~9SH flelefen hat, denn nur ersteres heißt Brühe. Wenn ebenda V. 12 nnxPn mit „übelriechend ist bereits sein Schmutz" übersetzt wird, so ist ailch hier der Gedanke nicht abzuweisen, daß tPfcO gelesen wurde. Die Bemerkung: „Tie übliche Uebersetzung: „Ins Feuer mit dem Schmutz" ist ebenso falsch, wie im Zusammenhang itnpassend", entschuldigt einen Uebersetzer nicht, der erklärt, den masoretischen Vokalen trat zu folgen. Hier sei nur nebenbei bemerkt, daß es nicht angeht, in V. 11 mit „Rost" und 12 mit „Schmutz" zü übersehen; beide Bedeutungen hat das nicht. Eine Vokaländerung ist es, wenn Ho. 7, 6 LN28 JtT1 mit „die Nacht hindurch ruht ihre Erregung", wiedergegeben wird; dieser Uebersetzung liegt QLX Zugrunde, so auch der Ehald (pn^inn). Eine Aenderung der Akzente liegt Dt. 32, 19 vor, wenn man diesen V. mit B. übersetzt „der Herr sah dies und verwarf gekränkt seine Söhne und Töchter". So verhält es sich mit dem Grundsatz „an keiner Stelle vom Wortlaut abzuweichen". Nicht anders ist es um die Befolgung des zweiten Grundsatzes bestellt, der da lautet: „Unsere Uebersetzung ist sinngemäß und wortgetreu, freilich nicht sklavisch dem Buchstaben folgend . . ." Von der „sinngemäßen" Uebersetzung hat B. einen Gebrauch gemacht, der meines Erachtens das Maß des Erlaubten überschreitet. Der kundige Leser, der den Text mit der Uebersetzung vergleicht, wird sich oft fragen, wie kommt diese Uebersetzung zu diesem Tert, ltnd wie kann man von dieser Uebersetzung noch behaupten, daß sie wortgetretr ist? Einige Beispiele sollen das beleuchten. B. übersetzt Hos. 13, l Dm DHßK „Einst war Ephraim ein mächtiger Führer". 11.2H.3 Dmsö J3 cnb lXPp „jetzt rufen sie jene lAeghpterl herbei, von denen sie fortgegangen sind" rwn? bv nnp cnsx \"6nn rMXl „ich wollte Ephraim leiten, aber er nahm die Götzen in seine Arme". 7. 6 D3“l«a Dzb mDro imp ..Denn sie leben, da ihr Herz wie ein Ofen ist. selbst wenn sie ruhig scheinen." Ha. 2, njna pn 'r=]X1 ..and wenn auch der Gewalttätige trotzt" (selbst wenn man mit I. E. D'rvor p\n hinzudenkt, kann das nicht die Uebersetzung sein). Ies. 57,' 1« rjtAjji rrn '2 „Denn von mir stammt der Geist, dessen der Körper ist", ebd. B. 19 L'NLkP Z". „Ich gewähre ihm Trost jdas verkündet werdej:,.... Ths. 2,6 i tP iD DlSJm Er ließ ansplündern, daß es wie ein Garten anssieht, dessen Laub abgefallen ist". Manche Uebertragungen muten einen an wie ein Drasch, so z. B. Pr. 22.px TrrP inj iP mmnP Pn ptrr „Wer den Armen drückt, wähnt sich zu bereichern, gibt cs aber dann dem Mächtigen, also ist es nur zu seinem Schaden." ich 7 b'-ipnpp-iü msipm inma ■wx nwtptsn ’nx bz nan XP „aber den Verarmten hassen die Brüder, ebenso entfernen sich seine Genossen von ihm. Verfolgt [et siej mit Bitten so sind sie niemals da." Originell ist die Auffassung von k. k ltz.iö vronP nmian ’n ’J'ID ‘np’1 „Selten läßt der Herr seine Frvmmcen sfrühzeitigl sterben: dgl. Pr. 2>. N '/IQ O2N'?P Z'jVZ „Straft man den Spötter, wird denn der Tor klug?" 19, 25 TS1 ri3D pP „wenn du den Spötter und den Toren schlägst, so wird ergewitzigt." Weder sinngemäß noch wortgetreu ist die Uebersetzung vonEsth.4,14 tydPöP nyjn nxislrirP dx ihv w „und wer weiß, ob du in einer solchen Zeit noch Königin sein wirst." mnx in der Bedeutung „elend", Gen. 3, 14 „weil du das getan hast, sollst du elender sein als das Vieh . . ." ist neu, auch „sich verschwören" f. 102, 9 und desgleichen in der Bedutung „beschuldigen" Ho. 4, 13. Daß B. auch viele gute Erklärungen bringt, daß er die alten und neuen Bibelerklärungen zu Rate gezogen urtb oft mit gutem Geschmack bemttzt hat, soll nicht unerwähnt bleiben. Die allgemeine „Einleitung in die Heilige Schrift", die kurz gefaßten Einleitungen in die einzelnen Bücher und in die als Anhang beigegebenen apokryphischen Bücher: 1. ttnd 2. Makkabäerbuch, Auszüge atts „Weisheit Salomos und Sirach" werden dem gebildeten Bibelleser sehr willkommen sein. Die in dieser Auflage neu hinzugekommene vergleichende Geschichtstabelle wird in Pädagogischen Kreisen gewiß mit Dank ausgenommen werden.