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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-30 · Heft 5 (30.1.1914) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MW 78. Jahrgang. Nr. S ♦ i Allgemeine Sin unparteiisches Organ für alles jüdische Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luch. Handel oter die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 Ml. — Postscheckkonto 32*. Begründet »on Rabbiner Vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Berlin, 30. Januar 1914 Interesse Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums^, Berlin SW., Jerusalemer Strasse zu rich e:i. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Bernselds Bibelwerk. Bon S. — Die Woche. — Friedensy IllJUIl* Achter B. L. Benas in Liverpool. Von Dr. I. Ziegler, Karlsbad. — Ter Sprachenkonflikt in Palästina und der Hilfsverein der Deutschen Juden. Von Dr. Al Phons I. Susznitzki. — Brief aus Rus;- and. Von 1^. — Goldmark, Die Königin von Saba. Von Lud wig Geiger. — Ein katholischer Priester über den Antisemitismus. Von Pater Alois Sv ojsik. — Feuilleton: Der Fanüliant. Roman von Gustav Karpeles. — Literaische Mitteilungen. — Cprechsaal. — Der Gernerrrdebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Nakel-Netze, Hamburg, Elberfeld, Holzminden, Wien. — Von Nah und Fern. SernkelÄs Mbklwerk. ic Nr. 43 des vorigen Jahrgangs dieser Zeitung brachte einen Aufsatz mit der Ueberschrift: „Wo bleibt die deutsche Bibel?" Der Verfasser führt die Schwächen der vorhandenen Uebersetzungen mit Recht darauf zurück, das; der Leistungsfähigkeit des einzelnen eine Grenze gefetzt ist. „Es müssen Männer gewählt werden," heißt es ferner, „deren textliche und Stoffkenntnisse durch die souveräne Beherrschung der deutschen Muttersprache, durch edelstes Stilgefühl und schlichte, volkstümliche Fähigkeit des Ausdrucks ergänzt werden. Und gerade an den letzten wichtigen Eigenschaften, das darf nicht verschleiert werden, hat es bisher merklich gefehlt." Dieses so harte Urteil veranlaßte mich, die in zweiter Auflage erschienene Bibelübersetzung von S. Bernfeld: „Die Heilige Schrift", Ausgabe für Schule und Hans, Verlag von I. Kausfmann, Frankfurt a. M. 1913, näher zu Prüfen und daraus zu achten, ob in dieser zweiten „neu durchgefehenen" Auflage auf den „deutschen Sprachgeist" mehr Rücksicht genommen wurde, ob der Ucbcrsetzer den in der Einleitung S. 26 aufgestellten Grundsätzen, „dem niasoretischen Texte treu zu folgen, sinngemäß und wortgetreu zu übersetzen und auf Lesbarkeit und Verständlichkeit Gewicht zu legen," mehr gerecht wurde, als es in der ersten Auflage der Fall war. Daß die Durchsicht nicht überall mit der erforderlichen Sorgfalt geschehen ist, daß nicht immer auf den „deutschen Sprachgeist" Rücksicht genominen worden ist, soll an einigen Beispielen gezeigt werden. So heißt es Gen. 2, 24 „Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und hängt an seinem Weibe, daß sie ein Wesen sind." 4, 14 „und vor deinem Angesicht muß ich mich bergen." 18, 12 bis 25 „Sara lachte deshalb in ihrem Innern und dachte darüber . . . Da sprach der Engel zu Abraham: Warum lachte d o ch Sara und dachte . . . Zu der ffestgesetztenf Frist kehre ich zu dir zurück, und Sara hat ganz b e st i m m t einen Sohn." 23, 2 „Abraham kam herbei, um Sara zu klagen und zu weinen." 24, 63 „Jsak war gegen Abend auf das Feld a u s gegangen." 26, 29 „. . . wie wir dich nicht angetastet haben und wie wir dir nur Gutes erwiesen und dich in Frieden haben ziehen lassen. Nun also, du vom Herr« Gesegneter!" In dem hochpoetischen Liede Moses' Dt. 32, 6 heißt es: „Eigentlich nahm ich mir vor: Ein Ende mit ihnen!" Jes. 44 „Alle Anhänger sdes Götzen! werden zuschanden . . . mögen sie da alle Zusammenkommen, siewerden einen S chreck b ekommen . . ." 55, 2 „Warum wägt ihr Geld h er, ohne Brot zu erhalten . . ." Jer. 9, 2 „Sie spannen ihre Zunge wie einen Bogen mit der Lüge." Ho. 11, 8 „Wie soll ich dich hingeben, o Ephraim, . . . wie dich machen gleich Adma, dich z u r i ch t e n wie Zoboim?" Am. 4, 12 „Wahrlich, also werde ich dir tun, Israel! Gewiß, daß ich also dir tu." 5, 7 „Jene, die das Recht in Wermut verwandeln, und die Gerechtigkeit st o ß e n s i e z u B o d e n." 7,1 „Gott, der Herr, ließ mich sehen, daß er die Heuschrecken zu schassen gedenke." 2. K. 4, 22 „Schicke mir doch einen Burschen und eine Eselin, daß ich rasch zum Gottesmann gehe, i ch k o m m e b a l d w i e - der." Pr. 31, 29 „Alle Mauen haben sich brav erwiesen, du aber gehst über alle." Esr. 6,46 TH3K WGX *WiCl denn i ch bin so oder so verlöre n." Ein Beispiel soll zeigen, wie wenig B. der Erzählkunst gerecht wird. Die Brüder Josephs bringen ihrem Vater den blutgetränkten Rock seines Lieblingssohnes. Dann heißt es „Er erkannte ihn und sprach, der Rock meines Sohnes! Ein wildes Tier hat ihn gefressen! Zerrissen, zerrissen ist Joseph!" Steinthal in seinem Vortrag über die Erzählkunst der Bibel („Zu Bibel und Religionsphilosophie", S. 9) bemerkt zu dieser Stelle: „Psychologie und Grammatik machen sich anheischig zu dem Beweise, daß dies die einzig möglichen Worte waren. Gerade diese und keine anderen und nicht mehr, in solchen drei Absätzen und in dieser Reihenfolge und in diesen grammatischen Formen. Zuerst das Erkennen des schrecklichen Gegenstandes, dann das Ereignis, welches daraus erschlossen wird, und endlich die traurige Sachlage. Demgemäß zuerst i ein Ausruf „der Rock meines Sohnes! . . ." B. übersetzt „D a s i st der Rock meines Sohnes" — wenn Rasi hinzufügthkm, so ist zu bemerken, daß Rasi Kommentator und nicht Uebersetzer ist. In seiner Abhandlung „Höret, Himmel, und merk auf Erde" führt Steinthal (ebenda, S. 78) aus: „Wenn ein Redner vor uns aufträte und also begönne: „Höret, Himmel, und merk auf Erde," würde uns da nicht bange sein, das bekannte Sprichwort: „Der Berg kreiste; da gebar er eine Maus", werde in diesem Falle das Mißverhältnis zwischen Eingang und Inhalt der Rede sogar noch viel zu schwach ausdrücken? Hier ist ja ein Eingang, von dessen Größe der antike Kunstrichter keine Ahnung hatte. Jesaia hat eine seiner Reden so begonnen, lind wie befriedigend lautet es weiter: Denn Gott spricht! Ja, fast wendet sich das Gefühl völlig um; solcher Fortgang ist zu groß, selbst für solchen Anfang. Es ist ja zu wenig, daß Himmel und Erde aufhorche, wenn Gott redet." Und nun lese man diese Stelle bei B. „Höre, o Himmel, und vernimm, Erde, was der Herr geredet .hat...

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