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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-23 · Heft 4 (23.1.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 abgegeben) Herr Louis Sachs gewählt, der die Wahl mit Dank annimmt. Zum ersten stellvertretenden Borsitzenden wurde mit 19 Stimmen Herr Dr. M i n de n gewählt (1 Stimme war ungültig, eine lautete auf Herrn Geheimrat Blumenthal), zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wurde mit allen 21 Stimmen Herr Geheimrat B l u m e n th a l gewählt. Zum ersten Schriftführer wählte die Versammlung Herrn Justizrat Jgn. Cohn, und zum stellvertretenden Schriftführer Herrn Willibald L o e w e n t h a l. Bezüglich der Führung des Protokolls beschließt die Versammlung, es bei dem bisherigen Modus zu belassen und die Führung des Protokolls durch einen Beamten nicht vornehmen zu lassen. Nach einem weiteren Beschluß der Versammlung sollen die Sitzungen der Repräsentanten in der Regel am 1. und 3. Sonntag des Monats stattsinden. Dabei soll auch auf die großen Organisationen Rücksicht genominen werden, wenn von ihnen Versammlungen an eitlem Sonntag abgehalten werden. Ter Beginn der Tagung soll im Sommer um 10 Uhr stattfiuden, im Winter um 11 Uhr. Herr M a n h e i m e r wünscht eine gleichmäßige Tagesstunde für Sommer und Winter. Herr Tietz ist für die Beibehaltung des alten Modus, für den sich auch die Versammlung entscheidet. Es folgten sodann die Wahlen der Mitglieder in die einzelnen Allsschüsse. In dell Allsschuß I wurden gewählt die Herren Moritz M a n - h e i ln e r , Kommerzienrat Gerson Simon, Tr. M. G ins - b e r g , S. Weile, Professor K a l i s ch e r, Oskar L o e lv e u - b e r g , E. P i n k u s , Tr. L e v y , Tr. W e i g e r t. In den Ausschuß II lvurden gewählt die Herren Willibald L o e w e u t h a l, A r o n Hi r s ch , A. Lewinsky, Siegfried Sachs, O s k a r L o e w e n b e r g , G e r s o n Simon, S. Weile, Gewerberat P l o t k e. In den Ausschuß 1III die Herren Geheimrat B l u m e n - thal, Tr. Minden, Professor Blaschke, Justizrat Jgn. E o h n, A r on H i r s ch , W illi b a l d Loewenthal, E. P i n c u s, Louis S a ch s, O s k a r Tie tz und Geheimer Justizrat Tr. Beit S i m o n. Schließlich erfolgte noch die Wahl der Revisionskommission, wobei Herr Willibald Loewenthal beantragt, die Zahl von fünf Mitgliedern auf sechs zu erhöhen. Ta hierzu ein Gemeindebeschluß nötig ist, wird der Antrag vertagt und in die Revisionskommission die Herren A. L e w i n s k y , Oskar Tietz, Siegfried Sachs, Kommerzienrat Gerson Simon, A r o n Hi r s ch gewählt. Gleich nach Schluß der Sitzung konstituierten sich die einzelnen Ausschüsse. E. S. Berlin, 20. Januar. Am 12. d. M. fand die erste der Montagsvorlesungen zum Besten des S t i p e n d i e n s o n d s der L e h r a n st a l t für die Wissenschaft des Indent u m s statt. Herr Professor H. G r e s; m a n n sprach über die „Geschichte der messianischen Hoffnung". Tiefe ist schon aus einem Papyrus aus der Zeit 5000 v. Ehr. nachweisbar. Tie öfter wiederkehrenden ägyptischen Prophezeiungen sind zeitlos, und schematisch kehrt der Messias immer als der ägyptische Jdealkönig wieder; sie beruhen nur aus politischer und entbehren der ethischen Grundlage. Palästina aber ist der klassische Boden der Messiashoffnung. Keine Abhängigkeit von Aegypten. Tie Messiashosfnung der Propheten hat Ewigkeitsideale. Erst ist sie irdisch und noch nicht mit der Gestalt Davids verknüpft. Später erscheint dieser als Messias. Im neuen Reich wird sich die Natur wandeln, die wilden Tiere weiden mit Lämmern, üppige Fruchtbarkeit überall, einiger Friede, dessen Erreichung in lveiteste Ferne gerückt ist. Bor dem Eintritt des Messias muß das Volk Buße tun; sein Reich bedeutet eine sittlich-religiöse Wiedergeburt. Nach dem besonders von Jsaias dargelegten Weltplan Gottes lverden auch die Heiden au den Segnungen des Messiasreiches teilnehmen. Rach dem Exil erscheint die Idee des leidenden Messias, der Knecht Gottes, in dem wiederkehrenden Elias für die ganze Welt. Neue Wandlung. Um 160 v. Ehr. erscheint der Messias als der neue Adam, als der von Ewigkeit her existierende Weltenrichter; kein Leiden und Sterben. Wie bedeutungslos gegen die Kraft und Pracht des prophetischen Messiasideals erscheinen die nüchternen Zukunstshoffnungen der Römer. Tie jüdische Messiasidee hat den Siegeszug durch die Welt angetreten, immer weitere Kreise erobernd. Wenn die endgültige Erfüllung auch noch in weiter Ferne liegt, so ist doch die Messiashoffnung für Unzählige zum Gegenstand froher Hoffnung und starken Trostes — auch in unserer Zeit — gelvordeu. - - Tie zahlreich erschienenen Zuhörer spendeten dem Vortragenden lebhaften Beifall. 22 Guben, 16. Januar. Es war ein schönes Fest, das in unserer Gemeinde am Sonnabend, den 10. d. M. zu Ehren des Herrn W i l h. I u st anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Vorsitzender des Vorstandes stattgefunden hat. Der Gottesdienst in der Synagoge trug ein festliches Gepräge. In einer gehaltvollen Ansprache würdigte der Prediger, Herr Sachs, die Verdienste des Jubilars und schloß mit dem Segen des Patriarchen an Juda: Dich preisen deine Brüder. Frau Ezw iklitzcz sang mit schöner Stimme und Begeisterung ein Halleluja. Nach dem Gottesdienst begaben sich die Repräsentanten in die Wohnung des Jubilars unter Führung des Herrn H e r m. Meier und brachten ihm ihre Glückwünsche dar, wobei sie ein Ehrengeschenk, in Form eines Klubsessels dem Jubilar überreichen ließen. Eine große Zahl von Geschenken und Depeschen von nah und fern ging im Lause des Tages ein. Abends 9 Uhr fand unter starker Teilnahme in den Räumen der Loge ein Bankett statt, das überaus glänzend verlief. Tie Reihe der Tischreden eröfsnete der als Gast geladene Rabbiner Tr. S a l o m o n s k y , Frankfurt a. O. Er rühmte mit schonen Worten die Verdienste des Herrn Just und feiner Gattin als Vorsteherin des jüdischen Fraueuvereins. Herr Stadtverordneter Eohn, Vorsitzender der Repräsentanten, brachte mit markigen, treffenden Worten eine geschichtliche Darstellung der nützlichen Werke, die der Jubilar im Laufe seiner Amtstätigkeit geschaffen hat. Für die Gemeinde sprach Herr Sachs und hob besonders das gute Einvernehmen zwischen Führer und Gemeinde hervor. Herr Zahnarzt Lichtwitz brachte das Hoch ans die Tamen aus. Mit bewegten Worten dankte Herr Just für die ihm dargebrachteu Ehren und versprach, seine Kräfte auch ferner unter Gottes Beistand in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Mögen dem um unsere Gemeinde hochverdienten Jubilar noch viele arbeitsfrohe Jahre im Dienste der jüdischen Gemeinde in Guben beschieden sein. R. 8. Rybnik, 16. Januar. Am 14. d. M. ist unser Stadtältester Herr Abraham Prager im 79. Jahre seines Lebens plötzlich verschieden. Plötzlich, ohne voraufgcgaugene Krankheit, so wie er es sich oft gewünscht hatte, ist u* zu seinen Vätern ein gegangen. Trauernd an seiner Bahre steht seine zahlreiche Blutsverwandtschaft, steht die jüdische Gemeinde, deren Vorsteher er viele Jahre gewesen, steht das Magistratskollegium, mit dem er lange und erfolgreich gewirkt, trauernd die Bürgerschaft unserer Stadt, mit der er die friedvollsten Beziehungen unterhalten. Aus kleinen Anfängen hat er in der Zeit von 25 Jahren die Blaudruckfabrik zu hoher Blüte gebracht, so daß sie weit über Schlesiens Gaue bis ins Ausland hinein bekannt ist. Von dem Geiste, der Abraham Prager bei der Behandlung seiner Arbeiter geleitet hat, gibt der Umstand Zeugnis, daß ein nicht unerheblicher Teil noch heute im Dienste der Firma steht. Die Bildung der Feuerwehr, die Gründung des Verschönerungsvereins, des Vater? läudischeu Frauenvereins, die Anlage des Stadtparks sind seiner Initiative entsprungen und verdanken ihr Werden und Wachsen feinem unermüdlichen Eingreifen. 24 Jahre war er Stadtverordneter und als solcher jahrelang Schriftführer. 14 Jahre gehörte er dem Magistratskollegium an. _ Dem Staate diente er eine lauge Zeit als Schiedsmann und war Mitglied der königlichen Steuerveranlagungskommifsion. Seine Verdienste sind durch allerhöchste Verleihung des 3. Krvnenordens im Jahre 1905 gewürdigt worden. Wo es eine Tat des reinen Menschentums galt, da war Abraham Prager einer der ersten, der in die Bresche sprang. Seine Sammlung für die im Jahre 1870 im Kriege Verwund-eten hatte einen derartigen Erfolg, daß der Magistrat sich veranlaßt sah, seine Tätigkeit in einem Doknlnent anzuerkennen. Und daß in unserer Stadt der Friede unter den Konfessionen ein so sichtbarer geworden ist, das ist seinem hehren Beispiel zu verdanken. Ein durchaus wackerer und sriedgesinnter Mensch: so wird er fortleben im Gedächtnisse seiner Mitmenschen. §2 Breslau, 16. Januar. Auf Einladung eines aus den angesehensten Mitgliedern unserer Gemeinde zusammengesetzten Komitees fand hier im großen Saal der Loge des U. O. B. B. eine Versammlung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisation Organisation" statt, die von Herrn Justizrat Tr. H e i l b e r g, dem der Vorsitz übertragen worden war, infolge anderweitiger Inanspruchnahme nur eröffnet und von Herrn Justizrat H i r s ch b e r g geleitet wurde. Dieser begrüßte die A. I. K. O. als Organisation, die geeignet wäre, den zahlreichen Momenten, die das Judentum trennen, eine Idee entgegenzustellen, die alle Parteien einigen kann. Als erster Referent berichtete der stellvertretende Vorsitzende der A. I. K. O., Bankier- Alois A. F. M a r c u s - Berlin, über dje Gestaltung der Verhältnisse

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