Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- Seite 48 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229123-3229128--70121-3282449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
48 Die Bühne wird von den jüdischen Operetten beherrscht, die sich Zn den Werken unserer großen Deutschen verhalten wie Dreck zu Gold! Leichengifte für uns Deutsche sind: „Berliner Tageblatt", „Frankfurter Zeitung", Simplizissimus und alle Mosse-, Ullstein- und Scherlbücher. Weg damit!" Hoffentlich gelingt es der Eisenbahnverwaltung, die Täter zu ergreifen. Hochachtungsvoll Elias Nacht. * Wien, 15. Januar 1914. Sehr geehrter Herr G e h e i m r a t! Zu der Sprechsaalnotiz des Herrn Tr. N. M. Nathan in Nummer *2 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" ist zu bemerken: Das Buch rpT rnttUCJ? ist ein in Tatmudistenkreisen viel benützter und sehr beliebter uovellistisch-pilpnlistischer Kommentar zum Traktate Kidduschin. Wer in Galizien, Rußland und Ungarn „Kidduschin ohne rpY' " oder „Ehullin ohne,1^8 2^ " studiert, der gilt als ein „schwacher Lamden". Das Werk ist auch bei Asulai, Schein Ha-Gedolim ed. Ben Jakob II, S. 57 a, verzeichnet. Mit vorzüglicher Hochachtung B. A p t o w i tz e r. Nochmals von den Berwaltnngsbeamten der Indischen Gemeinde Bon Bureauvorsteher N. C o h n, Berlin. In mehreren Artikeln habe ich von den Verwaltungsbeamten der hiesigen jüdischen Gemeinde bzw. von jüdischen Berwaltungsbeamten gesprochen. Während ich mich im Mai 1910 hauptsächlich gegen die Legende wandte, daß bei der jüdischen Gemeinde in erster Reihe „verkrachte" Existenzen beschäftigt würden, die ihrer Hilfsbedürftigkeit, nicht ihrer Fähigkeit wegen angestellt werden, machte ich in einem weiteren Artikel (Mai 1912) darauf aufmerksam, daß es wohl angebracht wäre, wenn junge Leute sich auch an die Konununalverwaltlmgen wegen Beschäftigung bzw. wegen Allstellung lvenden lvürden, da dies die Erschließung eines neuen Betätigungsgebietes bedeuten loürde, nach welchem für unsere Glaubensgenossen immer gesucht werde. Es würde dem Judentum sicher zur Ehre gereichen, wenn sich unter den Juden ein richtiger Beamtenstand herausbilden würde. Es wurde mir von vielen Seiten Zugestimmt. Wenn ich heute zum dritten Male in dieser Sache die Feder zur Hand nehme, so liegt natürlich für lnich eine ganz besondere Veranlassung hierzu vor. In der Repräsentantensitzung vom 12. Oktober 1913 führte der Herr Referent bei der Vorlage wegen Anstellung von Anwärtern für den Bureaudienst nach dem Gemeindeblatt etwa aus: „Es habe sich als ein Uebelstnnd herausgestellt, daß es für den Verwaltungsdienst an einem angemessen v o r g e b i l d e t e n Material für die Besetzung der unteren und mittleren Beamtenstellen fehle. Es liege dies in den Verhältnissen begründet, und es könne auf eine Besserung nur gerechnet werden, wenn die Gemeinde sich dazu verstehe, sich i h r e n Beamtennachwuchs selbst heranzubilden." Wie mir von maßgebender Stelle mitgeteilt worden ist, ist dies dahin zu verstehen, daß viele vvn den zahlreichen Bewerbern um Anstellungen bei der jüdischen Gemeinde die angemessene Vorbildung vermissen lassen. Es wundert mich dies durchaus nicht, weil viele stellungslosen jungen Leute, die wegen mangelnder Befähigung nirgends ankommen können, der Meinung sind, daß sie für die Jüdische Gemeinde gerade noch gut genug seien. Ich begrüße die getroffenen Maßregeln freudig, weil durch diese den Unbefähigten verdienterweise endlich ein Riegel vorgeschoben wird. Wird es erst weiteren Kreisen zur Gewißheit, daß die Maßnahme streng durchgeführt wird, dann wird auch die Legende von den „verkrachten" Existenzen endgültig von der Bildfläche verschwinden, was im Interesse des Ansehens der Beamtenschaft nur zu wünschen wäre. Dies würde mich in meiner Eigenschaft als Vorsitzenden des Vereins der Beamten der jüdischen Gemeinde mit besonderer Genugtuung erfüllen; des Vereins, der nicht nur die materiellen und sozialen Verhältnisse seiner Mitglieder zu verbessern, sondern auch deren Standesbewußtsein zu erwecken und erhöhen sucht. Mit dem gewaltigen und rapiden Anwachsen der Jüdischen Gemeinde, hat sich auch die Anzahl der Verwaltungsbeamten stark vermehrt, und es muß natürlich zunächst Aufgabe der Stelle, welche Anstellungsmeldnngen vormerkt, sein, darauf zu achten, daß den sich Meldenden und Vorgemerkten, neben der sittlichen Qualität auch die unbedingt erforderliche Vorbildung nicht abgeht. Wenn auch fast alle mittleren Beamten aus anderen Ständen hervorgegangen sind, so haben sie sich doch bemüht, den modernen Geist, der auf allen Gebieten der Verwaltungspraxis Platz gegriffen hat, in sich auszunehmen und sind so in den Stand gesetzt worden, den Aufgaben gerecht zu werden. Die man an sie stellt. Nicht mechanische Tätigkeit macht den Wert eines Beamten, sondern das Erfassen des Gegenstandes und das Eingehen auf ihn; nur so kann auch der mittlere Beamte selbständig und mit Erfolg tätig sein. Daß dies bei einer großen Anzahl von Beamten der Fall ist, ist oftmals von maßgebender Stelle anerkannt worden. Es wird nunmehr in dem Sinne, wie die Beamtenschaft es wiederholt erbeten hat, bei eintretenden. Vakanzen oder bei Schaffung neuer Stellen ein Aufrücken i n n e r h a l b der Beamtenschaft möglich sein. Es ist den zielbewußten Beamten gerade recht, daß die neuanzustellenden und aufrückenden Beamten zuvörderst einer Prüfung unterworfen werden. Nicht nur recht ist ihnen dies, sondern sie bitten im Interesse ihres Ansehens immer wieder darum. Besonders aber wäre es erwünscht, wenn einer Prüfungskommission auch B e r u s s b e a m t e a n s den verschiedenen Kategorien beigesellt werden. Zielbewußte Beamte erbitten nicht nur Rechte, sondern sind sich alle Zeit voll und ganz dessen bewußt, daß sie der Behörde gegenüber auch Pflichten haben, die sie gern und willig erfüllen. Ehe aber die Bureauanwärter herangereift sein werden, wird man noch lange Jahre Beamte aus anderen Ständen heranziehen müssen, um den Bedarf zu decken; hierbei eine vorsichtige Ans - wähl zu treffen, liegt, wie gesagt, ganz im Wunsche der besseren Elemente in der Beamtenschaft. Was aber die Bureauanwärter selbst anbetrifft, so werden auch diese gerade von dem mittleren Be amten stand e zur Brauchbareit erzogen werden müssen. Dadurch, daß die Gemeindeverwaltung Bureauanwärter anstellen will, gibt sie der Erwartung Ausdruck, daß der jetzige Beamtenstand für den Nachwuchs ein guter Lehrmeister sein wird. Nur die beste Beamtenschaft ist gerade gilt genug für die Berliner jüdische Gemeinde, deren Beamtenstand qualitativ mindestens gleichloertig sein muß den Beamten im Reich, im Staat und in der Kommune. Diese Erwartung kann gehegt und wird in Zukunft auch sicher e r f ü l l t werde n. * Erklärun g. In der Januarnummer von „Ost und West" findet sich ein Artikel „Zur Sprachensrage an den jüdischen Schulen Palästinas". In einem diesem Artikel angefchlossenen „Nachwort der Redaktion" werden Anschauungen vertreten und Angriffe gegen eine Organisation erhoben, die — in dem Organ der A l l i a n c e I s r a e 111 e Universelle erschienenen — den Verdacht auskommen lassen könnten, als ob die Alliance Jsraelite Universelle sich zu den in diesem Nachwort entwickelten Anschauungen bekenne. Die Freie Organisation erklärt hierzu, daß sowohl das Zentralkomitee der Alliance Jsraelite Universelle, als auch sie selbst zu dem Inhalt der vorbezeichneten Publikation in schärfstem Widerspruch stehen, daß deren sachliche "und persönliche Tendenz den Ansichten der Alliance und der Freien Organisation zuwiderläuft. Das Erscheinen des Artikels beruht lediglich auf einem Versehen der zensierenden Stelle. Freie Organisation der Alliance Jsraelite Universelle. Der Vorstand. Dr. I. G i n s d e r g , Vorsitzender. Professor Dr. K a l i s ch e r , 2. Vorsitzender, Berlin. Rechtsanwalt Dr. B a e r w a l d, Frankfurt a. M.. Dozent Dr. Brann, Breslau. Senator Leopold Fischer, Hannover.