Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- Seite 45 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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eines Irrtums beim Zählen, jedenfalls nicht mehr als 40 erhalten soll. Sie findet sich in dem Carolina genannten deutschen Strafgesetzbuch von 1532, sowie in dem 1792 von der englischen Regierung herausgegebenen Sklavenkodex für die Kolonie Jamaika und vielleicht auch in anderen Gesetzbüchern. Ebenfalls biblisch ist die Bestimmung desselben Kodex, daß falsche Zeugen dieselbe Strafe erleiden sollen, wie der von ihnen fälschlich Beschuldigte leiden sollte. Jüdische Lehrkräfte im höheren Lehramt Kreutzens.?^^er soeben erschienene zweite Teil des „Kalenders für das höhere Schulwesen Preußens und einiger anderer deutscher Staaten", begründet von Karl Kunze, jetzt herausgegeben von den Professoren Toeplitz und Malberg, bringt das von den Philologenvereinen selbst gelieferte Material über die Männer, die im öffentlichen Schuldienste tätig sind. Da bei jedem einzelnen der Herren auch die Religion hinzugefügt ist, so ergibt sich die interessante Gelegenheit, einmal nachzuprüfen, in welchem Maße auch Juden im öffentlichen höheren Lehramte tätig sind. Unter den Direktoren der Vollanstalten Preußens, das heißt derjenigen Anstalten, die das Zeugnis der Reife mit Berechtigung zum Hochschulstudium erteilen dürfen, findet sich kein Jude. Dagegen werden zwei Nichtvvllanstalten, das heißt Anstalten, die nur die Berechtigung znm einjährig-freiwilligen Heeresdienst erteilen dürfen, von jüdischen Herren geleitet. Es sind dies die israelitische Realschule und das Philanthropin in Frankfurt a. M. Jüdische Professoreu an höheren Lehranstalten gibt es 62 in Preußen, das heißt also bei einer Gesamtzahl von 4506 1,35 Prozent. In interessanter Weise verteilen sich diese Herren auf die einzelnen Provinzen. Die Provinzen Pommern, Westfalen, Schleswig-Holstein und die Rheinprovinz haben gar keine jüdischen Professoren, Ostpreußen und Sachsen weisen je einen auf, Westpreußen 2, ebensoviel Posen, Schlesien 4, Hessen-Nassau 18 und Brandenburg 34. Sämtliche jüdischen Professoren Hessen-Nassaus sind in Frankfurt a. M. beschäftigt, sämtliche Professoren Brandenburgs mit Ausnahme eines einzigen in Groß-Berlin. Es ergibt sich also das bemerkenswerte Resultat, daß von den 62 jüdischen Professoren 52 in Frankfurt und Berlin angestellt sind und nur 10 sich über das gesamte übrige Preußen verteilen. Im ganzen Königreich gibt es 28 Oberlehrer, das heißt also bei einer Gesamtzahl von 4831 0,58 Prozent. Auch hier lohnt es sich, die Verteilung dieser kleinen Schar näher anzusehen. Wieder finden wir in Pommern, Westfalen, Schleswig-Holstein und in der Rheinprovinz keine jüdischen Oberlehrer, ebenso nicht in Ost- und Westpreußen sowie in Sachsen, Posen und Schlesien. Es gibt lediglich in Hessen- Nassau und Brandenburg jüdische Oberlehrer, das heißt also Herren, die in neuerer Zeit angestellt worden sind. Und zwar finden wir in Frankfurt a. M. 6, in Groß-Berlin 20 und in der übrigen Mark Brandenburg 2 von ihnen. Anstellungsfähige Kandidaten jüdischen Glaubens können in Preußen 13 nachgewiesen werden, das heißt also bei einer Gesamtzahl von 1337 0,98 Prozent. Sie verteilen sich geographisch folgendermaßen: 3 von ihnen amtieren in Hessen-Nassau, davon einer in Frankfurt a. M., 2 in Schlesien, einer ist beurlaubt, der Rest wirkt in Groß-Berlin. Probekandidaten, die im zweiten Jahre der praktischen Ausbildung stehen, haben wir 9, das heißt von 1195 0,75 Prozent, ein zehnter genügt seiner Militärpflicht. Die geographische Verteilung bietet hier nicht dasselbe Interesse, da die Beschäftigung dieser Herren meistens eine kommissarische ist und keinen Schluß auf die Provinz zuläßt, in der sie später angestellt werden können. Seminarmitglieder 45 jüdischen Glaubens, also Kandidaten, die im ersten Jahre der Ausbildung stehen, gibt es nur acht in der Monarchie, das heißt bei einer Gesamtzahl von 1230 0,65 Prozent. Also acht Herren jüdischen Glaubens, eigentlich nur sieben, denn einer der Seminarkandidaten ist ein Jahr dienstälter, da er seiner Militärpflicht im Abfassungsjahr des Kalenders genügte, sind Ostern in den öffentlichen Schuldienst Preußens eingetreteu. In Anbetracht der gewaltigen Ueberfüllung ist das im Interesse, der Kandidaten nur zu begrüßen. Einen Blick wollen wir noch auf die akademisch gebildeten Lehrkräfte jüdischen Glaubens an den höheren Mädchenschulen Preußens werfen. Hier finden wir einen Direktor eines Lyzeums, einen Professor und fünf Oberlehrer, von welchen letzteren je einer in Hessen-Nassau, Schlesien und Ostpreußen, zwei in Berlin amtieren. Es gibt außerdem eine israelitische Oberlehrerin mit dem Zeugnis pro kaeuttata ckoesncki, fünf anstellungsfähige Kandidatinnen, eine Probekandidatin und zwei Seminarmitglieder. Diese kurze Uebersicht muß genügen. Die Zahlen geben uns einen Einblick, der die Mühe lohnen läßt, uns in sie zu vertiefen. Wir haben nur einen geringen Nachwuchs an jüdischen Lehrkräften, da fast ein Prozent mehr Professoren als Seminarmitglieder vorhanden sind. Daraus jedoch die Aufforderung herauszulesen, das Studium der Schulwissenschasten als besonders aussichtsreich für jüdische Studenten zu bezeichnen, wäre vollständig falsch, denn die allgemeine Ueberfüllung des Berufes ist so groß, daß mit einer Wartezeit von vielen Jahren gerechnet werden muß. D r. Willy E v h u. isml Skr familiant Eine Geschichte aus der Gasse. Von Gustav Karpeles. IV. er beschreibt aber das Elend, das hinter diesen Zahlen L sich verbirgt? Wer wollte es versuchen, die Kämpfe der Herzen'zu schildern, die es gewagt hatten, ohne polizeiliche Erlaubnis, ohne Stempelbogen und ohne Familientare - si ch zu lieben? Und daß ein solches Wagestück in der Gasse vorkam, dafür gaben uns manche alte, abgeblühte Paare, die die Wahrheit des Dichterspruches: „Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder", bekräftigten, ein lebendes Zeugnis! dafür zeugt uns auch das Verhältnis Meier Herzselds und Vögele Rebellers. Denn auch Meier Herzfeld war ein unglücklicher „Zweitgeborener". Sein älterer Bruder Josef, der nach vielen Anstrengungen und Kosten eine „Familie" erlangt hatte, war selbst noch in der Blüte der Mannesjahre, gesund und tüchtig, und selbst wenn irgendeine Familienstelle erledigt gewesen wäre, auf die jedesmal schon mindestens zehn Erstgeborene warteten, und Meier Herzfeld hätte sich um dieselbe beworben — er wäre mit Hohn abgewiesen worden! Denn meine Leser wissen ja, derjenige, der das e r st e Wort bei der Verteilung der Familienstellen zu reden hatte, war — Jsak Veigelstock, der von Joel Rebeller beleidigte und schwergekränkte Gemeindepharao! * So waren denn Wochen und Monde und manches trübe Jahr in den längst bekannten Strom der Zeit hinabgeeilt und jeder neue Jahresabschnitt traf noch das alte Pärchen Meier und Vögele unvermählt und „ohne Familie".