Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 X e it t s ch, Nürnberg, David, Frankenthal. Den Titel eines Sauitätsrats erhielten: die Aerzke Tr. W a s s e r m a n n in München, Orten au in Bad Reichenhall, Bahnarzt Tr. B ahe r s dö r f er , Neustadt a. H., Dr. Louis Mayer, Tr. Albert Reizenst e i n in Nürnberg. Den Titel eines Stndieurats erhielt: der Professor an der Oberrealschule Mosbacher in Nürnberg. Zu Leutnants der Reserve wurden befördert: die Vizefeldwebel Schloß und Strauß in Nürnberg, Bern h e i m e r in Augsburg. 2/D Hannover, 9. Januar. Der Verein jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover beging am 25. v. M. das 50jährige Jubiläum seines Bestehens. Ein Festakt am Vormittag wurde durch jeinen Liedervortrag des Shnagogenchors eingeleitet. Alls die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Lehrers Katz aus Nienburg ergriffen das Wort Landrabbiner Dr. G r o n c m a n n für die Rabbiner, Rektor F e i n e r , Hamburg, für den Verband der jüdischen Lehrervereine, Senator Fischer, Linden, für die Synagogengemeinde. Dann sprachen Vertreter einer Reihe auswärtiger jüdischer Lehrervereine. Nach dem Liedervortrage eines Doppelgnartetts: „Danket dem Herrn", gab der Vorsitzende, Lehrer Katz, Nienburg, in seiner Festrede einen geschichtlichen Ueberblick über den Werdegang des Vereins: auch wurde eine Festschrift unter den Teilnehmern verteilt. Mit einem Schlußgesange des Männerchors: „Alles was Odem hat", erreichte der ernste Teil der Feier sein Ende. Zn einem Festmahl vereinigten sich die Festterlnehmer am Nachmittage, wobei Landrabbiner Dr. Gronemanu das Kaiserhoch ausbrachte. Bei den sich anschließenden Festaufführungen führte die Meher-Michel-Davidsche Freischule Leiterphramideu vor uud sang einige Lieder. Ein sehr reichhaltiges Programm musikalischer, gesaucF.rher und deklamatorischer Vorträge hielt die Festteilnehmer noch bis zum späten Abend in heiterster Stimmung beisammen. kuhlsnd. Z. Petersburg, 9. Dezember. Zum Schluß des russischen Jahres hat der I u st i z m i u i st e r S t s ch e g l o w i t o w den Juden eine böse Ueberraschung gebracht. Er hat völlig u n e r lv artet für die Handelsgerichte die Beschränkung statuiert, daß in ihnen Juden nur mit a u s d r ü ck l i ch e r E r l a u b n i s d e s I u st i z m i n i st e r s a l s A n w ä l t e fungieren dürfen. Bis jetzt hatte diese Bestimmung für die Rechtsanwälte an den allgemeinen Gerichten gegolten, während die Anlvälte au den Handelsgerichten von ihr frei waren. Ta hat es nun Stscheglowikow herausgesunden, daß es eine „Ungerechtigkeit" wäre, wenn die vor einem Vierteljahrhuudert eingeführte Beschränkung der jüdischen Advokaten auf die Handelsgerichte keine Anwendung finden sollte. So veranlaßt er denn in rasender Eite den regierender! Senat, die einschneidende Bestimmung zu treffen, obwohl nicht das geringste Motiv dafür aus der bisherigen langi ä h rige n P r a r i s der Handelsgerichte angeführt werden konnte. Der Minister genierte sich nicht seinen Antrag sogar wie folgt zu begründen: Als der Gesetzgeber für die jüdischen Rechts- und Prioatanwälte die bekannte Beschränkung eiuführte, wonach ihre Ernennung der Erlaubnis des Justizministers bedarf, da habe er das Ziel im Auge gehabt, den Advokatenberuf vor Ueberfüllung mit Juden zu bewahren. Warum solle also eine Ausnahme für die Praris all den Kaufnianusgerichten bestehen? Wie inan sieht, wird die antisemitische Ideologie ohne weiteres in offizielle Dokumente übernommen. So weit ist bereits der ehemals liberale Justizminister gelangt. Wahrlich, kein einziger russischer Minister hat so zugunsten der Karriere seine Eigenheit zu verleugnen gelernt. - Wiederum kommen ans den verschiedenen Teilen des Reiches ungeh e u e r l i ch e N a ch r i ch t e n über M a s s e n a u s lv e i - s u n g e n von I u d e n. Insbesondere wird im G o u v e r - n e m e n t Bl i n s k in letzter Zeit nach dieser Richtung hin gewütet. Da ist ein Gouverneur namens Giers, der seine ganze Kunst auf dein Gebiet der Judenschikauiernug ins rechte Licht rücken möchte, um damit endlich die Aufmerksamkeit von oben auf sich zu lenken. So hat er in jüngster Zeit ein Meisterstück geleistet: er hat mit einem Federstrich f ü n s h u n d e r t j ü d i s ch e P ä ch t e r s a m i l i e n aus ihren Wohnsitzen v e r j a a t. Das Elend, das diesen Tausenden von Seelen bevorsteht, ist naturgemäß ein ganz außerordentliches. Es sind lauter Landbewohner, die sich durch landwirtschaftliche Betätigung ihr Brot verdienten und nun plötzlich in die ohnehin von Juden vollgepfropften Städte hiueiugepreßt werden. Der Minsker Gouverneur hat auch darauf keine Rücksicht genommen, daß damit f ü n f - hundert der b e st v e r lv a l t e t e u l ä ndliche n W i r t s ch' a f - ten ruiniert lverden, lvodurch die Großgrundbesitzer selber großen Schaden erfahren. Die russischen Verwaltungsbehörden künunern sich überhaupt um die wirtschaftlichen Folgen ihrer Zerstörungswut nicht, lvenn nur die „echten" Russen mit ihrem System zufrieden sind, llnd also geht es nach diesem Programm aus Schritt und Tritt. So trifft das Schicksal der Anslveisung ganze Scharen von Juden in Nikolajew (dortige jüdische Musikanten), im Kreis K r e m e n t s ch u g (aus den Dörfern), in S a r a t o lv ( 1 3 Zögli u g e des K o u s e r v a t o r i u m s ), in K n ch m i st e r - staja Slobodka bei Kiew nsw. Am schlimmsten geht es. wie immer, in Kielv selbst zu, lvo neuerdings über Hunderte jüdischer Schlächter eine Katastrophe hereingebrochen ist. Bis vor kurzem zählten sie zu den Handwerkern und hatten darum das Wohnrecht in Kiew. Jetzt ist ihnen durch eine Senatserläuternng entgegen dem traditionellen Rechte dieses Privileg entzogen worden. Von Kotz und Fern. -- Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Adolph Frank feierte dieser Tage sein fünfzigjähriges Jubiläum als Stadtverordneter - 15 Jahre in Staßfurt, 35 Jahre in Charlotkenburg. Außer den Glückwünschen, die ihm Magistrat und Stadtverordnete darbrachten, sind dem verdienstvollen Fachmanne, der zurzeit mit Arbeiten zur Verbesserung des Gaslichtes beschäftigt ist, Glückwünsche von der Stadt Staßfurt und vielen auswärtigen Freunden und Kollegen zugegangeu. - - Der bekannte Spezialarzt für Chirurgie Dr. Mar Zondek ist durch den Professortitel ausgezeichnet worden. Dr. Zondek ist 1863 in Wrouke (Provinz Posen) geboren uud stammt alls gut jüdischem Hause. Er hat sich durch eine große Anzahl von Arbeiten auf alten Gebieten der Chirurgie einen lvisfenschaftlichen Namen erworben. Die Inhaber der Firma Albert Ros enh a i n sind zu Hoflieferanten der Frau Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen ernannt worden. - Handelsrichter Julius Markwald, der Inhaber der Firma Markwald it. Scheidemann, ist am 19. d. M. nach kurzer Krankheit int Alter von 01 Jahren gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den angesehensten Kaufleuten Berlins uud erfreute sich allgemein besonders auch in seiner Stellung als Handelsrichter allgemeiner Wertschätzung. Rentier S. Brieger in Breslau, der Vater des Geheimen Medizinalrats Professor Dr. Brieger in Berlin, feierte feinen 90. Geburtstag. Aus Guhrau wird geschrieben: In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde zum Beigeordneten Rechtsanwalt Dr. Richter wiedergewähtt. Sodann wurde über die Bewilligung eines Zuschusses an die Shuagogeugemeinde zum Bau eines Bethauses verhandelt. Es wurde beschlosseu, zunächst Erhebungen über die Steuerleistung der jüdischen Geineindeglieder aufzustetleu uud demnächst der Sache uäherzutreten. - Die I ü d i s ch e B i b l i v 1 h e k u n d L e s e h alle zu Hamburg, im Hause Bieberstraße 4, wurde int Jahre 1913 von 4369 Personen (gegen 4644 im Jahre 1912) besucht. Seit Begründung der Bibliothek im Jahre 1910 betrug die Zahl der Entleihuugeu durchschnittlich 4000 für das Jahr. Bibliothek uud Lesehalle sind geöffnet am Montag, Dienstag, Mittwoch und Dounersttag von 7 bis 10 Uhr abends, am Sonnabend von 12 bis 2M? Uhr nachmittags uud am Sonntag von 12 bis 2 Uhr. Ferner wird ans Hainburg berichtet, daß der Kandidat des höheren Lehramts, Herr Josef Koch, bisher au einer königlichen höheren Lehranstalt in Berlin als Hilfslehrer tätig, zum 1. April als Oberlehrer für Hamburg angestcllt worden ist. Die Repräsentanten der Synagogengemeinde B u b I i tz (Pommern) wählten zu ihrem Vorsitzenden Herrn Leonhard W o h l. Bei der Ergänzungswahl zum Vorstande wurde Herr Ater W o h l gewählt. In Anwesenheit von 82 Delegierten ans allen Gegenden Deutich- 'lands und der Schweiz fand in Frankfurt a. Main vom 25. bis 23. Dezember der erste Jugendtag der A g u d a s I i s r o e l statt. Die Tagung wurde durch eine öffentliche Versammlung eingeleitet, der zirka 700 Personen beiwohnten. Besondere Erwähnung verdient das Referat des Herrn H e i u r i ch E i s e u m a u u - Rom über die Agudas Jisroel in Palästina. Der Referent charakterisierte den Geist, der die nationaljüdische Arbeit in Palästina beseelt, mit den Worten: Dieser gehe tatsächlich auf eine Entthronung der Religion (?1 hinaus. Im Schueesturm umgekommeu ist der Lehrer A a r o n von Hottenbach. Er hatte einen Gang nach Schaureu unternommen uud war in zrvei Meter hohen Schnee gekommen, in dem -er erfroren ist. Herr Kanzleirat Käflem, Vorstand des Deutschen Tierschutzvereius alls Karlsruhe, hielt kürzlich in Hardheim einen sehr lehrreichen Vortrag