Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 tocjte hier der zionistische Gruppenverbandstag, zu dem eine größere Anzahl von Vereinen in den Provinzen Posen und Westprenßen (Posen, Samter, Schönlauke, Boret, Gollub, Briefen, Grandeuz, Ralvitsch, Hohensalza, Jnrotschiu, SchNumjenz usiv.) ihre Delegierten entsandt hatten. — Der praktische Arzt, -verr Dr. H e r r n st adt, ivelcher über H) Jahre hiersetbst tätig lvar, hat seinen Wohnsitz ansgegeben und ist nach Elbing übergefiedelt. Gleiwitz, 12. Januar. Am Sonntag, den 30. November 1913, hielt der Verband der Rabbiner O b e r s ch l e s i e n s seine diesjährige Versammlung ab. Anwesend waren die Herren Dr. B r a u n s ch w e i g e r , Rybnik, E o h u , Kattowitz, D i e n e m a n n . 3>atibor, Galliner, Beuthen, Gold mann, Oppeln. Köpfst ein, Beuthen, L ö w e n st a m m , Pleß, M ü n z , Gleiwitz, Rischt o w s t l), Kattowitz, Ellguther, Neisse. Aus den Verhandlungen seien folgende Punkte hervorgehoben: Der Vorsitzende, Herr Dr. Eohu, erösfnete um 11 Uhr die Sitzung und machte einige geschäftliche Mitteilungen. - Den Kassenbericht erstattete Herr Dr. Münz. In der nächsten Zeutralausschußsitzung des Rabbinerverbandes in Deutschland wurde, einem früheren Beschlüsse gemäß, Herr Dr. Dienemann delegiert. Herr Tr. B r a u n s ch w e i g e r , derben Verband bei der letzten Ausschußsitzung vertreten hatte, berichtete sodann über die Verhandlungen. Tie dort behandelten Fragen betrafen sowohl Angelegenheiten des Nabbiuerstaudes als auch solche, in denen der Deutsche Rabbiuerverbaud für die Gesamtheit tätig ist. Unter anderem hob der Referent die Bemühungen des D. R. V. hervor, von der Regierung Zuschüsse zu Kultuszwecken für die jüdischeir Gemeinden zu erlangen. Es sei ferner beschlossen worden, dahin zu wirken, daß die gesamten Kosten für den jüdischen Religionsunterricht au den staatlichen höheren Schulen vom Staate übernouunen würden. Nach einer kurzen Diskussion, die sich an dieses Referat schloß, folgte die Besprechung von Anträgen, die, von Herrn Dr. Kopfstein gestellt, dem Zentralausschuß zur weiteren Behandlung unterbreitet werden sollten. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat des Herrn Dr. B r a u n s ch w e i g e r über die Frage der jüdischen Volksschule. Der Redner kommt nach Erörterung aller in Betracht zu ziehenden Momente zu dem Schluß, daß zwar die paritätische Schule, wenn sie wirklich völlig paritätisch isr, zu erstreben sei, daß aber bei den gegenwärtigen Verhältnissen die jüdische Schule gefordert werden müsse. Es sei dies eine Existenzfrage für das Judentum und die jüdische Lehrerschaft. Der Redner schlägt folgende Thesen zur Annahme vor: Ter Verband der Rabbiner Oberschlesiens hält die allgemeine paritätische Volksschule, au der die Kinder aller religiösen Bekenntnisse von Lehrern ohne Unterschied der Religion in allen Fächern unterrichtet werden, auch für die jndische Gesamtheit für die zu erstrebende Schulform. Angesichts des Umstandes jedoch, daß in den meisten deutschen Bundesstaaten die j Volksschulen einen rein konfessionellen, zum mindesten christlichen Eharakter tragen, halten wir im Interesse der sittlich-religiösen Er-! ziehuug der jüdischen Jugend, im Interesse unserer bürgerlichen Gleichstellung und Glicht zuletzt im Interesse des jüdischen Lehrerstandes die Erhaltung der bestehenden und den möglichst weitgehenden Ausbau der jüdischen Volksschulen besonders in den mittleren und Großgemeinden für wünschenswert. In der Diskussion weist Herr Dr. M ü n z auf die Verhältnisse in Gleiwitz hin, die derartig günstig seien, daß dort die Schaffung einer jüdischen Volksschule nicht als wünschenswert erscheine, auch er ist aber gleich den anderen Diskussionsrednern der Meinung, daß unter anderen Verhältnissen die jüdische Volksschule erstrebt werden muß, soweit die Schülerzahl es angängig und wünschenswert erscheinen läßt. In der Abstimmung!vird die vorgeschlagene Resolution angenommen, ebenso der Antrag des Herrn Dr. Kopfstein: „Ter Deutsche Rabbinerverband soll ersucht werden, auf der nächsten Ausschnßsitzung zur Bolksschnlfrage Stellung zu nehmen." Im weiteren Verlauf der Verhandlungen hielt Herr Dr. Münz ein Referat über „Die Behandlung der Ritualmordlüge in der Schule". Nach einer eingehenden Darstellung der Anklagen, die gegen Juden erhoben worden sind, gebe er den Schülern das apologetische Rüstzeug, das sie befähigen soll, solche Anschuldigungen zu lviderlegeu. Zum Schluß folgte eine freie Aussprache, die noch manche Anregung brachte. Schw. Glogau, 12. Januar. Das 50 jährige Jubiläum des Herrn Stadtrat Landsberger lvurde in der denkbar würdigsten Weise gefeiert. Der Festgottesdienst in der festlich geschmückten' Synagoge lvar erhebend. Nach einem Sologesang folgte die gehaltvolle Rede des Herrn Rabbiners Dr. L n e a s. Anknüpfend au den Wochenabschnitt ließ er das Lebensbild des Patriarchen Jakob, dessen Grundzüge Arbeit, Judentum und Erkenntnis waren, erstehen und wandte dies auf den Jubilar an. Die eigentliche Huldigung fand darauf in der Werkstäte des Jubilars, im Sitzungszimmer, statt. Herr Justizrat Friedmann sprach im Namen des Vorstandes. Er entwarf mit markigen Worten ein Bild seines rastlosen Schaffens, hob aus der Reihe seiner zahllosen Schöpfungen die Erbauung der Synagoge und der Friedhofshalle hervor, Bauwerke, die ohne Belastung der Steuerkraft ausgeführt werden konnten. Des Jubilars vornehmste Sorge war darauf gerichtet, den altbewährten Ruhm feiner Gemeinde, die den Ehrentitel DK1 Ttf führte, in allem Wechsel der Zeiten und Menschen zu erhalten. Als Beweis uneingeschränkter Anerkennung und Dankbarkeit stifteten die beiden Körperschaften das von Künstlerhand hergestellte Bild des Jubilars. Im Namen der Beamten sprach alsdann Herr Dr. Lucas, indem er ihren Empfindungen am Ehrentage ihres Vorgesetzten beredten Ausdruck gab. Herr Dr. Mendelso h n überbrachte gleichfalls in formvollendeter und inhaltlich gediegener Rede die Grüße der Repräsentanten. Einen tiefen, rührenden Eindruck löste es bei allen Anwesenden aus, als der Jubilar in gewohnter meisterhafter Weise ans die Ansprachen erwiderte. Er wies die Fülle der Anerkennungen seines Schaffens bescheiden zurück. Nur dadurch, daß ein einmütiger Geist in der Verwaltung herrsche, wenn es gilt, der Ehre des Judentums nach innen und außen zum Fortschritt zu verhelfen, war ihm sein Werk geglückt. Mit einem Harmoniumuachspiel endete die erhebende ernste Feier. Im Laufe des Tages erschien in der Wohnung des Jubilars eine Deputation der städtischen Körperschaften, ihrem langjährigen Mitarbeiter Gruß und Wunsch entbietend. Gegen 8 Uhr abends setzte im Marmorsaal des „Deutschen Hauses" unter sehr großer Beteiligung der Gemeiudemitglieder die Fidelitas ein. Auf einen Nwhlgelungenen und von . Fräulein Erna Friedmann sehr wirkungsvoll vorgetragenen Prolog folgte ein hübsch erdachtes Festspiel. In drei Bildern stellte es Szenen aus dem Leben des Jubilars dar. Die Tafel wurde mit dem Kaisertoast eröffnet. Herr Tr. Lucas feierte darin unseren Landesherrn als den gerechten Schirmherrn all seiner Untertanen mrd als Förderer alles Schönen, Wahren und Guten. Die ganze Versammlung sang stehend die Kaiserhymne. Heitere Reden und munter gehaltene Tafellieder wechselten miteinander ab. Bis zum letzten Augenblick herrschte eine animierte Stimmung, und das Wort eines Redners: „eine Gemeinde, die ihre hervorragenden Männer zu ehren weiß, ehrt sich selber", kam hier zur vollsten Geltung. Hörde, 9. Januar. Die hiesige Syuagogengemeiude veranstaltete N!N 3. d. M. einen Festgottesdienst zu Ehren des infolge andauernder Krankheit aus dem Amte scheidenden Herrn Prediger und Kantor Stern, der seit 36 Jahren in der Gemeinde gewirkt hat. Herr- Stern hielt seine Abschiedsrede, und daran anschließend sprach der neu in sein Amt tretende Herr Rosenthal, der zuletzt in Detmold amtierte. Am Abend versammelte sich die Gemeinde zu einein Festessen mit nachfolgenden Aufführungen, an dem sich die ganze Gemeinde beteiligte. Unser Vorsteher, Herr Kaufmann Strauß, begeht heute das Fest seines 75. Geburtstages in seltener Geistessrische. Der Jubilar ist seit 45 Jahren Vertreter der Gemeinde sowie Leiter der beiden hiesigen Wohltätigkeitsvereine, des Männer- und Frauensvereins. J. A. Nürnberg, 9. Januar. Ans Anlaß seines Geburtstages hat König Ludwig Hl. von Bayern auch an eine Anzahl Staatsbürgerjüdischen Glaubens mannigfache Auszeichnungen verliehen. Den Michaelsorden 3. Klasse erhielten: Kommerzienrat und Großhändler M a x Philipp Tuchm mm, Nürnberg, Staatsanwalt beim obersten Landgerichte Silbermann, München. Den Michaelsvrden 4. Klasse erhielten: Fabrikant Emil Oppenheimer, Frankfurt a. M., Oberlandesgerichtsrat S i l b e r s ch m i d t, Zweibrücken, Oberlaudesgerichtsrat Dr. E n g e l m a n n , München. Den Titel eines Kommerzienrats erhielten: Fabrikbesitzer H ö n i g s b e r g e r , Mitglied der Handelskammer München, Fabrikant Ivo S t r a u ß , München, 1. Vorsitzender des Kaustnünnischen Vereins München von 1373, Bankier A u f h ä u s e r , München, der Herzoglich Sächsische Kommerzienrat M n x E m annel Gut m min, Bamberg, Bankier R vseubusch, Augsburg. Den Titel eines Justizrats erhielten: die Rechtsanwälte A s y l in Fürth, E ß l i n g e r , Rauh, Dr. F r ä n k e l, At o s b a ch e r, Dr. E ck a r t - B l o ch in München, Dr.