Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-16 · Heft 3 (16.1.1914) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229123-3229127--70105-3282432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

78. Jahrgang. Nr. 3 Berlin, 16. Januar 1914 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Korrrlprmdrnsm und Kschrichtrn. Deutschland. L2 Berlin, 13. Januar. Am 29. v. Ü)l. fand hier eine Sitzung des Zentralausschusses des „ R a b b i n e r v e r b a n d e s in Deutschland " statt. Der Vorsitzende, Professor Dr. Gutt - m a n n, Breslau, erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Gesehästsführenden Ausschusses seit der letzten Sitzung. Er gab Kenntnis von dem Erfolge, den der Rabbinerverband bei den Behörden erzielt hat in der Frage der Befreiung jüdischer Schüler, die am Sabbat nicht schreiben, von Prüfungen am Sabbat. Er berichtete ferner über die Beteiligung des Rabbinerverbandes an der Bearbeitung der gegenwärtig von den anderen Verbänden in Angriff genommenen Fragen und über die Mitarbeit des Nabbinerverbandes und der einzelnen Rabbiner an den im verflossenen Jahre abgehaltenen Tagungen der großen jüdischen Organisationen. Ter Verband konnte, da seine Ausschußsitznng zeitlich mit der Tagung des „Verbandes der jüdischen Lehrervereine in: Deutschen Reich" zusammenfiel, zu seinem Bedauern nicht auf dem Verbandstage vertreten sein. Der Vorsitzende hat dem Verbände schriftlich die besten Wünsche des Rabbinerverbandes für seine Tagung ausgesprochen. Der Ausschuß gab seiner Sympathie mit den Bestrebungen der Lehrer durch ein Begrüßungstelegramm Ausdruck. Die nächste Generalversammlung des Nabbinerverbandes wurde auf die Weihnachtsserien 1914 in Berlin festgesetzt. Es wurde beschlossen, „in Würdigung der großen Bedeutung der Frage der jüdischen Volksschule diese zum Hauptgegenstande der Beratungen der Generalversammlung zu machen". Demzufolge wird die Generalversammlung als ersten Punkt der Tagesordnung einen wissenschaftlichen Vortrag über die jüdische Volksschule und ihre geschichtliche Entwicklung nufweisen. Auf die Tagesordnung sollen ferner ein wissenschaftlicher Vortrag über die Entwicklung des jüdischen Religionsunterrichtes an den höheren Schulen und die Besprechung von praktischen, zu diesem Gebiet gehörigen Fragen gesetzt werden. Der Beschlußfassung über die Ansetzung dieses Themas als Beratnngsgegenstand der Generalversnnnnlung ging ein Referat von Nvsenberg, Thorn, über „die Stellung des jüdischen Religionslehrers an den höheren Lehranstalten und die Feststellung eines gleichmäßigen Lehrplanes für solche Anstalten" voraus. Eine von Herrn Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M., dem Rabbiuerverband unterbreitete Denkschrift bildete den Ausgangspunkt des Referats. Auf Anregung des Verbandes der Deutschen Inden beriet der Ausschuß über die Zweckmäßigkeit der Einführung einer besonderen Amtsbezeichnung für die in den Gemeinden beamteten Rabbiner, zum Unterschiede von Rabbinern, die von Vereinen angestellt sind, und um dem Mißbrauch, der vielfach mit dem Rabbinertitel betrieben wird, zu steuern. Es wurde die Amtsbezeichnung „Gemeinderabbiner" in Aussicht genommen. Von der Deutschen Friedensgesellschaft in Stuttgart tag ein Antrag auf Anschluß an einen von ihm erlassenen Ausruf vor. Es wurde beschlossen, den Anschluß des Verbandes abzulehnen, auch von einer Empfehlung des Anschlusses an die einzelnen Mitglieder abzusehen, vielmehr der Gesellschaft die Namen der Verbandsmitglieder zu übermitteln und ihr anheimzustellen, an die einzelnen Mitglieder mit dem Ersuchen um Anschluß heranzutreten. Ein Mitglied wurde mit der Abfassung einer Schrift gegen den Austritt aus dem Judentum betraut. Wegen der rituellen Verpflegung der jüdischen Strafgefangenen soll der Verband der Deutschen Juden um gemeinsame Verhandlungen mit den Behörden ersucht werden. Erörtert wurde schließlich noch die Frage der Einsetzung eines Schiedsgerichts zur Schlichtung von Streitigkeiten unter den Rabbinern. N. C. Berlin, 13. Januar. Die Union - Theater - Gesellschaft, ßmmerstraße 16/18, hat in ihrem Lichtspielhaus Reinickendorfer Straße 14 am Donnerstag, den 8. d. M., zwischen 3 und 534 Uhr nachmittags in liebenswürdigster Weise bell Insassen der Altersverorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde, Exerzierstraße, kostenlos eine Sondervorstellung geben lassen. Es wurde viel des Interessanten gelten, als Clou „Der Shylock von Krakau". Die Allgemeine Omnibus-! ttien-Gesellschaft stellte in 'freundlichstem Entgegenkommen sechs ihrer! Dagen zur Verfügung, mittels welcher die alten Leute zur Vor- * stellung und wieder nach Hause befördert worden sind. Die Besucher der Vorstellung waren förmlich begeistert, ein Kino, das sie bisher nur dem Namen nach kannten, aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Mehrere Mitglieder des Vorstandes der Altersversorgungsanstalt waren Zugegen, unter anderen Herr Hermann A r o n , der sieh um das Zustandekommen der Sache ein besonderes Verdienst erworben hatte. E. S. Berlin, 13. Januar. Am 8. d. M. hielt Herr Hauptkantor Magnus D a v i d s o h n im Verein für jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über die Melodien und Gesänge des jüdischen Gottesdienstes. Aus dem reichhaltigen Inhalt sei folgendes wiedergegeben: Die Spuren liturgischen Gesanges sind schon in den ältesten Zeiten nachweisbar. Lobgesang der Mirjam. Deboralied. Pflege der Musik in den Prophetenschulen. Aber erst durch David erhält die gottesdienstliche Musik durch mancherlei Instrumente und zahlreiche Sänger einen größeren Umfang, welcher seit Salomo im Tempelkultus noch erheblich zunahm. Im zweiten Tempel, uml) dem Exil, wurden die Psalmen in mehreren Absätzen gesungen und die Pausen durch die Trompetenstöße der Priester ausgefüllt, dann kamen noch Knabenstimmen hinzu, lieber die innere Beschaffenheit der Tempelmusik schweigen die Quellen. Lange war der shnagogale Gesang Sologesang, aber seit dem 11. Jahrhundert wird die Mitwirkung der Gemeinde bezeugt. Allmählich dringen fremde Melodien ein, oft der katholischen Liturgie entlehnt, aber die Perle dieser, der Gregorianische Choral, hat wieder jüdischer» Ursprung. Allein es sehlte den Vertretern des Synagogengesanges das künstlerische Bewußtsein und somit auch das künstlerische Gewissen, es fehlte die Teilnahme der Juden au der Ausbildung und Entwicklung der Musik als Kunst. Eine Ausnahme bildet Salomo de Rosst arls Mantua, gestorben um 1623, welcher auch heute noch als Komponist einen großen Ruf hat und vornehmlich für die Veredelung des Chorgesanges wirkte. In Deutschland war die Synagogalmusik vor dem 19. Jahrhundert vielfach entartet, so daß sich Richard Wagners drastischer Ausspruch erklärt. Aber es wurde anders! Bahnbrechend wirkten drei Kantoren. Solomon Snlser, der Freund des großen Franz v. Liszt, hat den synagogälen Musikstil geschaffen. Seine Tondichtungen erklangen in den Synagogen beider Hemisphären und gaben verwandten Geistern mächtige Anregungen. Durch' Leistung und Werke (18 71) war Moritz Deutsch in Breslau den Kantoren ein leuchtendes Vorbild. Für Frankreich und Deutschland wurde S. Nanmbourg in Paris, der große Kenner der traditionellen Nie lodien, von Bedeutung. Ihn übertraf noch Louis Lewandvwsl': 1823- 1894, der Schwiegervater von Professor Hermann Cohen. Er erhielt eine vorzügliche Ausbildung und wirkte bereits seit 1840 in Berlin. Durch seine Sammlung ein- und zweistimmiger Gesänge sür den Gottesdienst „Kol Rinuah u Tefillah" hat er zunächst durch genaue Auszeichnung der traditionellen Jntonativwm den Vorbetern eine wertvolle Stütze geboten, außerdem den Gemeindegesang zum Ausbail gebracht und ihm ein volkstümliches Gepräge gegeben. Lewaudowski will die Andächtigen mehr entzücken als erschüttern. Leider war es Herrn D. wegen plötzlicher Heiserkeit nicht möglich, die zahlreichen Zuhörer mit dem Zauber seiner Stimme zu erfreuen; für ihn trat in w i r k u n g s v o l l e r I Weise Herr Kantor K lein ein, dem ebenso wie dem Vortragenden reicher Beifall gespendet wurde. W. Posen, 12. Januar. In einer recht gut besuchten öffentlichen Versammlung des hiesigen Vereins liberaler Inden sprach Herr Rabbiner Dr. H o ch f e l d , Berlin, über „Innere Wandlungen im Judentum der letzten hundert Jahre". In diesen Tagen fand hier die dritte ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins „Jüdischer Jugendbund" statt. Die Mitgliederzahl ist ans 240 augewachsen. Die Vortragstätigkeit im letzten Jahre war eine sehr rege. Bei den Vorstandswählen wurde an Stelle des scheidenden 1. Vorsitzenden Dr. K ranb a ch Direktor H e i m a u n , ferner Herr L a z a r it s neu in den Vorstand gewählt. Herr Dr. K r a n b a ch wilrde einstiunnig zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. - Vor einiger Zeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.