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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-16 · Heft 3 (16.1.1914) · p. Seite 32

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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Tätigkeit nicht genug zetern können, aufs nachdrücklichste 311 betonen, welche hohen Werte er für das kulturelle Leben Palästinas geschaffen hat. Erst mit dem Augenblick, wo Herr Direktor Cohn an die Spitze der Lämel-Schule in Jerusalem trat, konnte auch von einem modernen Unterricht bei den palästinensischen Juden die Rede sein. So hat er von Anfang an geradezu bahnbrechend gewirkt und in der Folge sich fürfeine Tätigkeit ein immer reicheres Arbeitsfeld zu erschließen verstanden. Indem dann das Schulwesen beständig an Geltung gewann und namentlich seit dem Eingreifen des Hilfsvereins für die Entwicklung der Bevölkerung von entscheidender Bedeutung wurde, hat seine Wirksamkeit in wachsendem Maße sich auf alle Gebiete des geistigen wie des wirtschaftlichen Lebens im heiligen Lande zu erstrecken begonnen. Bon einer allgemeinen Würdigung des Einflusses seiner Persönlichkeit auf den neuen „Jischuw" muß ich hier absehen; denn das würde eine Schilderung des pädagogischen Gesamtwertes des Hilssvereins in Palästina zur Voraussetzung haben, indes uns an dieser Stelle nur die Erörterung einer Spezialfrage obliegt. Ich will jedoch nicht verfehlen, besonders hervorzuheben, daß Herr Direktor Cohn von vornehmer Gesinnung, von liebenswürdigem Wesen und von untadeligem Charakter ist. Nahezu ein Menschenalter steht er im öffentlichen Leben, aber in der ganzen Zeit sind seine Hände rein geblieben, und nur Böswilligkeil vermöchte ihm Uebles nachzusagen. Er war vor vielen Jahren mein Lehrer, seitdem verbinden uns freundschaftliche Beziehungen miteinander. Und es gereicht mir zu hoher Genugtuung, in so schwerer Stunde auf diese Weise sür ihn eine Lanze einlegen zu können. (Ein Tchlußartikel folgt.) Der Lehrrroerbandstss in lörrslsu vom 28. bis 30. Dezember 1913. Stimmungsbericht von Lehrer Adolf Rothschild, Achim, inen recht würdigen Abschluß Hot das an Versammlungen reiche Jahr 1913 in dem in Breslau tagenden Verbandstage der jüdischen Lehreroereine im Deutschen Reiche gesunden. Zn der alten Oderkapitale, die im verflossenen Jahre viele Feste und Kongresse abgehalten, hatten sich aus allen deutschen Gauen der Jugend Bildner in großer Zahl trotz des schlechten Wetters und der ungünstigen Lage des Versammlungsortes arbeits- und kampsessreudig zu ernsten Be-' ratungen eingefunden. Wir betrachteten es für ein gutes Omen, daß wir gerade in Breslau, jener Stadt, aus der vor 100 Jahren die Befreiung unseres Vaterlandes von dem Joch des welschen Usurpators ausging, der Stadt, wo Schule und auch Lehrer Hand in Hand in tiefem Frieden wirten, tagten. Das inhaltsreiche Programm wurde glatt erledigt. Keiner ermüdete. Jeder, getragen vom Geiste der Arbeitsfreudigkeit und Einmütigkeit, hielt ans bis zur letzten Minute. Nicht nur der ernste, sondern auch der heitere Teil der Tagung brachte jedem Teilnehmer volle Befriedigung. Der Festausschuß, an der Spitze der unermüdliche Dr. Brau u und der rührige Hanptlehrer Moops, Breslau, hat mehr als seine Schuldigkeit getan. Rät ganz besonderer Befriedigung wurde von der Delegation der österreichischen jüdischen Lehrerschaft bzw. der Kultusgemeinde Wien, der Herren Schulrat F u ch s g e l b , Lehrer Breuer, Redakteur der „Freien jüdischen Lehrerstimme" und Pros. K u h n e r Kenntnis genounnen. Sie sollten aus eigener Anschauuug deutsche Schulangelegenheiten kennen lernen, mit sie in ihrem Wirkungskreis nutzbringend zu verwenden. Herr Professor W o h l a u e r begrüßte Sonntag nachmittag 4 Uhr die Lehrerschaft und wünschte ihrer Tagung erfolgreichen Verlauf. Mit der Tagung war auch eine Lehrmittelausstellung verbunden, über welche Herr B a ch a r a ch , Altona, einige orientierende Bemerkungen machte. Herr Direktor Alexander Peine sprach über Ziele und Leistungen des Simonschen Seminars, Herr Schweizer, Glogan, über: „Wie sollen wir die Bibel lesen" und Herr Hauptlehrer Rothschild, Eßlingen, über das Thema: „Nach welchen Gesichtspunkten sollen Jugendschristen jüdischen Inhalts beurteilt werden?" Alle Vorträge ernteten den ungeteilten Beifall der zahlreich erschienenen Zuhörer. Der Ausstellungsraum für Lehrmittel war ergänzt durch geradezu künstlerisch augefertigte Papp- und Holzarbeiter! des -simonschen Seminars in Peine und der Erziehungsanstalt in 2lhlern, die in hohem Maße das Interesse der Ausstellungsbesucher erregten. Um der Lehrerschaft einen Einblick in die Arbeitsleistungen der Allianceschulen zu gewähren, hatte auch diese eine Anzahl Schülerarbeiten ausgestellt, die Anerkennung verdienen. Der erste Tag schloß mit einem offiziellen Begrüßungsabend im großen Saale der Lessingloge, wo den Gästen ein frugales Abendbrot gereicht worden ist. Herr Dozent Dr. Braun hielt die Begrüßungsansprache. Man merkt, daß in der Brust des Herrn Dr. Brau n ein warmes Herz für die Lehrerschaft schlägt. Am Montag, den 28., vormittags 10 Uhr, begann die Hauptversammlung, welche mit einer vorzüglich vorgetragenen Motette: „Singe dem Herrn ein neues Lied", vom Kapellmeister E l s n e r komponiert und dirigiert, eingeleitet wurde. Herr Dozent Dr. Braun begrüßte im Namen des Ortsausschusses die Vertreter der jüdischen Lehrervereine, worauf der Vorsitzende des Verbandes, Herr Rektor F einer, Hamburg, die zahlreich erschienenen Vertreter der Lehrervereine und Verbände, insbesondere die Stadtschulinspektoren, die Herren H e m m erle und K i o n k a und den Stadtschulrat Dr. H a ck s begrüßte und mit einem mit Begeisterung aufgenommenen Hoch auf S. M. den Kaiser und König schloß. In begeisterten Worten sprach er dann weiter, von stürmischen Beifallskundgebungen oft unterbrochen, von den Ausgaben und Zielen des Verbandes, der als Kulturträger und Förderer der deutschen Judenheit anzusehen sei. Es sprachen dann Worte der Begrüßung für die verschiedenen Verbände und Korporationen Herr Stadtschulinspektor K i o n k a im Namen der städtischen Schulverwaltung, Herr E. Sachs als Vertreter der Synagogengemernde Breslau und des Verbandes der deutschen Juden, Herr Professor W o h l a u e r für die Nepräsentantenversammlung, Herr Dr. Braun für die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und des jüdisch-theologischen Seminars, Herr Sanitätsrat Tr. R e i ch für die Synagogengemeindeverbände Breslau, Liegnitz, Oppeln, Herr Direktor Fabian für die Lessingloge, Herr Redakteur Brauer als Vertreter der österreichisch-jüdischen Religionslehrervereinigung und der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Herr Dr. Al a r k u 8, Berlin, für die Alliance Israelite Universelle, Herr E hrli ch für die Waisen- und Verpflegungsanstalt, Frau Direktor Fabian für den jüdischen Frauenbund, Herr S t e i n h a r d t für die Achawa, Herr Rabbiner Dr. Levi für die beiden Breslauer Religionsnnterrichtsanstalten. Schriftliche respektive telegraphische Begrüßungen haben gesandt der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, die Großloge für Deutschland, der Rabbiner- und der Kantorenverband, der Landesverein für israelitische Kultusgemeinden in Bayern, der ostpreußische Synagogenverband, mehrere Direktoren der Seminare und zahlreiche Einzelmitglieder des Verbandes. Der Vorsitzende des Verbandes der Jugendvereine teilt mit, daß die Leitung die Berufung eines Mitgliedes des Lehrerverbandes in seinen Vorstand beschlossen habe, was mit großem Beifall angenommen worden ist. Hieraus folgt die Beratung des Berbandsthemas: „Die rechtliche Stellung des jüdischen Religionsunterrichts und des jüdischen Neligionslehrers." Um die Frage erschöpfend zu lösen, hatte man für die Behandlung dieses Themas 5 Referenten bestellt, die ihre Aufgabe mit besonderem Geschick erledigten. Die Herren B l ach, Halberstadt, und M a n n h e i m , Graudenz, sprachen für Preußen, Lehrer Dingselber, München, für Bayern, Herr M a r x, Gießen, für Hessen und Herr Hauptlehrer Spatz, Rexingen, für Württemberg. Mit besonderer Befriedigung wurden die Ausführungen des letzten Redners, der von Württemberg sprach, wo der israelitische Religionsunterricht obligatorisch ist, ausgenommen. Er führte unter anderem ans: Die württembergische Volksschule ist in allen Instanzen nach Konfessionen getrennt. Schulumlagen gibt es in Württemberg nicht; die Ausgaben für Unterrichtszwecke werden aus allgemeinen Mitteln bestritten. Die Volksschule ist Sache des Staates, mit der die Kultusgemeinden nichts zu schaffen haben. Die Konfession der Mehrheit der Schüler entscheidet über die Konfession der anzustellenden Lehrer; es besteht keine Verpflichtung für die Schule, für den Religionsunterricht der sie besuchenden religiösen Minderheiten zu sorgen. Daher gibt es keine christliche Minderheit, die nicht ihre konfessionelle Schule

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