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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-16 · Heft 3 (16.1.1914) · p. Seite 29

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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29 unternehmen sind sein wertvoller Rat, seine reiche Erfahrung, -in ausgeprägtes Organisationstalent und seine wägende nd prüfende Klugheit zugute gekommen. Daneben aber und or allem: seine strenge Rechtlichkeit, die unantastbare und bis- >eilen beinahe ins Krankhafte gesteigerte Lauterkeit und Vor- ,ehmheit seines Charakters, die sich mit echter, warmer erzensgüte Paarte, Der große, stattliche Mann mit dem freundlichen Lächeln mb der nngesuchten Schlichtheit des Wesens spielte über die Zteraturkreise hinaus eine Rolle in der Berliner Gesellschaft, ar saß im Vorstand zahlreicher Wohltätigkeitsvereinigungen, er var der Mitbegründer des Verbandes deutscher Bühnenschriftiteller, als dessen Aufsichtsrat er noch in der Generalversammlung am 24. November Bericht erstattete, er zählte zu den teilenden Männern des Goethebundes und vieler anderer künstlerischen Bestrebungen gewidmeter Verbindungen, überall gelichtet und beliebt,"'überall gern gehört. Denn, was er sagte, erwuchs aus seinem praktischen Zinn, der ihn instinktiv das Hechte finden, gangbare Wege veschreiten hieß . . . Ein Soldat der Arbeit, ist er iiun dahingegangen. Ein Soldat der Arbeit und ein Manu von den edelsten Eigenschaften: -in vorbildlicher Gatte und llater, ein guter Kamerad, ein -nverbrüchlich treuer Freund. Zein Andenken wird fvrtleben." I.. G. 3rr Sprschenkonflikt in Sglsstina und der hilfsoerem drr deutschrn Juden. '-cm Tr. Alph ons I. Sußnitzki. ^^eit Wochen man könnte beinahe schon sa- "ii seit Monaten tobt im > bischen Blätterwalde der impf für und wider das _ brätsche als Unterrichtssprache im Heiligen Lande, -schreckende Nachrichten füllen die Spalten der Zeisigen aus, und in einem offenen Schreiben an Dr. nil Nathan erklärt Ben Jehuda, der bekannte Hebraist in rusalem, die Aufregung, die sich der Leute Palästinas besichtigt hat, für so gewaltig, daß ihre Beilegung nahezu unn'glich erscheint. „Man ist", so schreibt er, „zum Aeußersten, : allem und jedem entschlossen, und keine menschliche Kraft ürde das verhindern können. Die Eröffnung des Techtnms wird nicht ohne Vergießen jüdischen Blutes abgehen, t)t ohne, daß Dutzende junger Leute ins Gefängnis wan- -ern werden." Es rast der See und will sein Opfer haben. Wer einigermaßen selbst zur Presse gehört, wird ja derlei Erasse nicht gleich sonderlich tragisch nehmen, vielmehr ihnen zuichst mit einem skeptischen Lächeln begegnen. Mir sind indessen! letzter Zeit von privater Seite Mitteilungen zugegangen, Ache die Alarmnachrichten der Presse nicht nur bestätigen, -adern fast noch überbieten. Es scheint in der Tat, als wenn > Schulwesen Palästinas jetzt Zustände herrschten, die man lechthin nicht anders denn anarchisch bezeichnen könnte.!>rer demissionieren, Schüler streiken; alles ist drüber und, unter, alles ist köpf- und ratlos. Allein, unter solchen Umuiden halte ich es nicht nur für mein Recht, sondern geradezu Dr. Ion Lehmann. für meine Pflicht, Stellung zu nehmen zu einer Bewegung, die so viele in langer Zeit und rastloser Arbeit mühselig geschaffene Werte mit einem Schlage zu vernichten droht. Und es erscheint mir dies um so mehr geboten, als ich mich in der Hoffnung wiegen zu dürfen glaube, durch den Versuch einer leidenschaftslosen Darlegung des Sachverhalts zur Beruhigung der Gemüter und damit zur Versöhnung der, meiner Ueberzeugung nach in den Dingen selbst durchaus nicht gelegenen, aus alle Fälle höchst bedauerlichen Gegensätze einigermaßen beisteuern zu können. Die Vorgeschichte des Konflikts ist gar bald erzählt. Am 26. Oktober 1913 fand unter dem Vorsitz des Herrn Dr. James Simon eine Sitzung des Kuratoriums des „Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina" statt. In bezug aus die Lösung der überaus schwierigen Sprachenfrage wurde folgende, von Herrn Dr. Paul Nathan vorgeschlagene Resolution angenommen: 1. Eine offizielle Unterrichtssprache, die für alle Fächer der Institute bleibend obligatorisch ist, wird nicht eingeführt. 2. Dem Hebräischen wird die eingehende Pflege zuteil, entsprechend dem jüdischen Charakter des Technikums. 3. Arabisch und Türkisch werden so intensiv getrieben, daß die Schüler mit der eingesessenen Bevölkerung des Orients und den vtlomanischen Behörden in enge bürgerliche und geschäftliche Beziehungen zu treten vermögen. 4. Die naturwissenschaftlichtech n is chen Unterrichtsgegenstände werden in deutscher Sprache gelehrt, um den Schülern so den Anschluß durch eine der großen Kulrursprachen an die wissenschaftliche Entwicklung der modernen Zeit zu vermitteln. 5. Englisch und Französisch werden in den höheren Klassen in einem Umfange betrieben, der den Schülern es ermöglicht, ihr späteres Fortkommen auch in Gebieten leicht zu finden, in denen Englisch oder Französisch die herrschende europäische Sprache ist. Eine von Herrn Dr. S ch m a r j a Levin eingebrachie Gegenresolution, Hebräisch solle in der dem Technikum angegliederten Mittelschule für sämtliche allgemein wissenschaftlichen Fächer und im Technikum selbst für eine oder einige der allgemein wissenschaftlichen und obligatorischen Disziplinen als Unterrichtssprache sestgelegt werden, wurde abgelehnt. Auch ein vermittelnder Antrag des Herrn Prof. Dr. Martin Philippson, daß Hebräisch für gewisse Fächer, wie Geschichte und Geographie, als Unterrichtssprache bestimmt werden solle, fand keine Annahme. Noch am selben Tage erklärten die Herren Dr. Levin, Dr. Tschlenow und der als Achad Haam bekannte hebräische Schriftsteller U. Ginzberg ihren Austritt aus dem Kuratorium des Technikums. In dem an den Kuratoriumsvorstand gerichteten Schreiben heißt es u. a.: „Wir erblicken im Aufleben des jüdischen Volkes, seiner Kultur und seiner nationalen Sprache in Palästina unser höchstes Ideal und müssen daher fordern, daß alle jüdischen Lehranstalten in Palästina diesem

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