Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
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20 Obwohl der Jubilar neben seiner umfangreichen geschäft- - lichen Tätigkeit seine Kraft auch in den Dienst der Stadl- , Verwaltung gestellt hatte, erfüllt ihn wohl das Wirken im ' Dienste der Gemeinde am meisten mit Freude. Die Fäden j der vielseitigen Arbeitsgebiete innerhalb der Gemeinde schürzen sich zum Knoten in seiner Hand, und so dirigiert er mit Feldherrnblick nach allen Richtungen. Seinem Organisations- , latent verdankt die Gemeinde manche ihrer blühenden Eini richtungen. Der Synagoge und der Schule, den Wvhlsahrts-; einrichtungen und dem großen Netz von Legaten widmet er! ununterbrochen seine Aufmerksamkeit, und jeder einzelne in; der Gemeinde kann bei ihm Rat und tatkräftige Hilfe finden.! Mit den Verhältnissen seiner Gemeindemitglieder wohl verj traut, weiß er stets den besten Rat zu erteilen, und jeder j Dürftige konnte seines Wohlwollens sich erfreuen. Selbst ein Mann der Pflicht und steter Arbeit, gibt er seinen Mitarbeitern stets das beste Beispiel. Einst, so wird im Talmud') erzählt, rühmten -Schüler und Rabbi Elieser. Der eine sprach: du gleichst der Licht und Wärme spendenden Sonne-. Der zweite sagte: du bist der Regen, der die Erde befruchtet, und der dritte: du bist irns wie ein Vater und eine Mutter. So können auch wir das Wirken dieses Mannes an seinem Ehrentage bezeichnen. Ueberall, wo er helfend eintritt, stiftet er Segen. Diese Erkenntnis ist nicht nur innerhalb der engeren Gemeinde durchgedrungen, sondern weit über diese hinaus hat sich der Jubilar einen solchen unvergänglichen Ruf begründet. Drei Kronen, so lehren unsere Weisen, gibt es. Die Königs-, die Priester- und die Krone der Thora. Aber die Krone des guten Namens steht im Werte höher als alle anderen Kronen^). Möge es dem Jubilar beschießen fein, noch viele Jahre an der Spitze seiner Gemeinde in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische zu stehen. Diese kurze Darstellung einer so reich gesegneten Lebensarbeit können wir nicht würdiger schließen, als ihr des Jubilars eigene Worte anzufügen: „Das Leben ist ein Ackerfeld, Das richtig und mit Fleiß bestellt - - Den Ackersmann, der prüft und denkt. Mit gold'nen Früchten reich beschenkt." Mas haben die christlichen Theologen und Krielter aus dem Judentum genommen und womit bskür gezahlt? Don Tr. Marcus Landau. II. iefe römische Legion diente wohl in derselben Armee wie die ganz aus Christen bestehende sogenannte thebanische Legion, welche, wie die Legende *) Lanhedrin 101. 2) Pirke aboth. erzählt, im dritten Jahrhundert auf Befehl des Kaisers Maximilian in der jetzigen Schweiz niedergemetzelt wurde, weil sie den Göttern nicht opfern wollte und mit Sack und Pack zu desertieren versuchte. Würde es einem jüdischen Regiment in Rußland in ähnlichem Falle besser ergehen? Glücklicherweise ist die ganze Geschichte, die erst im fünften Jahrhundert auftauchte, nicht wahr, obwohl die Knochen dieser „Märtyrer" im Mittelalter als heilige Reliquien verehrt wurden und es wohl noch jetzt werden. Doch wir sind mit Herrn Dr. Grupp noch nicht fertig. „Nachdem dieser Groll," fährt er fort, „seit Zerstörung Jerusalems seinen eigentlichen Gegenstand verlor, warf er sich mit verdoppelter Macht (tue Macht der Juden unter römischer Herrschaft!*) auf das Christentum; immer und überall, wo cs ihm möglich war loszubrechen, befriedigte er sich in heimtückischen Taten der Rache. Wo immer sie in starker Zahl saßen, verspotteten und verfolgten sie die Christen und quälten Christenkinder (wann und wo?). Gereizt durch ihre Frechheit zerstörten nun umgekehrt die Christen wohl Synagogen, aber die Kaiser schützten sie" ' (die Inden), was Herr Grupp sehr zu bedauern scheint. „Umgekehrt," sagt er, als ob je Juden eine christliche Kirche zerstört hätten. Dagegen wurden Synagogen häufig in Kirchen nmgewandelt oder zerstört, noch im siebzehnten Jahrhundert. Und was den Schutz der Kaiser und den Christenhaß der Juden betrifft, so wollen wir nur e i n Beispiel aus dem Ende des vierten Jahrhunderts ansühren. Kaiser Theodosius l. war ein sehr eifriger, fast fanatischer Christ, der Andersgläubige unerbittlich verfolgte, aber er hielt auf Ordnung und Gehorsam der Untertanen und scheint die Verfolgung als kaiserliches Monopol betrachtet zu haben. Pogroms, wie sie ein moderner Kaiser duldet, ließ er nicht unbestraft. Als der vom Bischof aufgehetzte Pöbel von Kallinikum, einer kleinen Stadt an der persischen Grenze, eine Synagoge zerstörte, befahl der Statthalter, und der Kaiser bestätigte den Befehl, die Synagoge aus Kosten der Stadt oder des Bischofs wieder herzustellen. Die kleine Stadt und der kleine Bischof hätten wohl den kaiserlichen Befehl befolgt, aber in der großen Stadt Mailand residierte der große Bischof Ambrosius, der nach seinem Tode heilig gesprochen wurde. Als dieser von den Vorgängen fern an der Reichsgrenze erfuhr, schrieb er dem Kaiser: „Da der jüdische Kultus eine Gottlosigkeit ist, so muß jeder wünschen, daß alle Orte, an denen Christus verleugnet wird, verschwinden, und der Kaiser hat keinen Beruf, einem Gottesgericht (so nennt er den Pöbelexzeß) entgegenzutreten und sich zum Rächer der Gottlosen aufzuwerfen. Ueberdies gehöre die ganze Sache vor das geistliche Gericht, da Priester und Mönche den Volkshaufen angeführt haben." *) Freilich hat auch Cicero, vielleicht der älteste Judenfeind nach; Haina», in seiner Rede für L. Flaccus sich angestellt, als ob er die Juden fürchte. Es war abcr ein Advokatenkniss, wie ihn noch jetzt antisemitische Hetzer, freilich ohne Ciceros Talent, gebrauchen, wenn sie Angst vor der „jüdischen Macht und Weltherrschastssuch't" fingieren. Stadtrat Immanuel Landsberger, Glogau.