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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-09 · Heft 2 (9.1.1914) · p. Seite 19

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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den zahllosen Aufklärungen und Aufschlüssen, welche nebenher geboten werden, ganz zu schweigen. Es gibt kein Werk über die Geschichte und die religiöse Entwicklung des Jahrtausends vom babylonischen Exil bis zum Abschluß des Talmuds, das nicht ständig Bachers Schriften benutzte. Besonders für die rf) ristlichen Gelehrten ist durch Bachers Werk das talmubische Schrifttum erst erschlossen worden. Die wertvolle Bereicherung, welche die Darstellung der neutestamentlichen Zeitgeschichte durch die Benutzung des rabbinischen Schrifttums erfuhr, ist durch seine Leistungen in erster Reihe möglich geworden. Bachers Hagadawerk bildet geradezu eine Quelle füralle modernen Forschungen dieser Art. Der Hagada widmete er dauernd feine Aufmerksamkeit, noch im letzten Jahre erschien eine vortreffliche Schrift über die Proömien, und er trug sich mit dem Plan, das Werk durch die Darstellung der a n v n h - nr e n Hagada zu krönen, womit dann das gesamte hagadische Material verarbeitet wäre. Aus der Beschäftigung mit der Hagada entstand das zweiteilige Werk „Die exegetische Terminologie der jüdischen Traditionsliteratur", das in alphabetischer Reihenfolge die Kunstausdrücke der Schrifterklärnng behandelt gnd für jeden wissenschaftlichen Erforscher des Talmuds ein unentbehrliches Nachschlagebuch darstellt. Der Tod traf ihn beim Druck eines umfangreichen Werkes über „Tradition und Tradenten im talmudischen Schrifttum", das ebenfalls eine bedeutsame Lücke ausfüllen wird. Was Bacher zur Hagada hinführte, war sein Hang zur Poesie, den er schon von seinem Vater ererbt hatte. Im letzten Jahrzehnt beschäftigte er sich viel mit der Erforschung der Poesie der Juden des Orients, besonders mit den neuerdings aus Jemen gekommenen Divanen. Wie seine Jugendarbeiten der persischen Literatur gewidmet waren, so hat er sich auch in den letzten Jahren der erst seit kurzem bekannt gewordenen j ü d i s ch - pe r s i - s ch e n Dichtung zugewandt und sie als erster dargestellt. Ein Zweig der wissenschaftlichen Arbeit Bachers, und nicht der unwichtigste, entzieht sich vollständig unserer Beurteilung: seine Verdienste um die jüdische Literatur in ungarischer spräche. Seine Beteiligung an der Bibelübersetzung wurde bereits erwähnt, er war ferner Mitbegründer und langjähriger Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift „Magyar Zsidö Szemle", er war unter den Schöpfern der jüdischen Literaturgesellfchaft in Ungarn und den Herausgebern ihres Jahrbuches, ihrer Uebersetzungen aus der alten jüdischen Literatur, durch die außerordentlich viel zur Aufklärung und Belehrung der ungarischen Inden geleistet wird. Bachers Fleiß und Arbeitskraft waren staunenswert. Mit unglaublicher Schnelligkeit hat er alle Neuerscheinungen zu lesen, in den Stand der Wissenschaft einzuordnen und das Neue daran herauszuheben verstanden. Er gehörte zu den gesuchtesten Mitarbeitern an allen wissenschaftlichen Zeitschriften und Enzyklopädien, die in sein Fach einschlugen — die an seinem sechzigsten Geburtstag erschienene Zusammenstellung verzeichnet nicht weniger als 611 Bücher und Abhandlungen von ihm —, denn man wußte, daß man seiner Genauigkeit und Treffsicherheit vertrauen durste, daß dem Leser in seinen Aufsätzen und Bücherbesprechungen stets Neues und Lehrreiches geboten wurde. Während er so als ein Fürst der Wissenschaft allgemeine Verehrung genoß, lebte erschlicht und bescheiden, einfach und zurückhaltend, Ruhm und Auszeichnungen eher meidend als suchend. Stets war er zuvorkommend und hilfsbereit, niemals erbat man vergeblich seine Unterstützung, an ungezählten wissenschaftlichen Arbeiten hat er mitgehvlfen oder den Autor tatkräftig gefördert, und nur in seltenen Fällen erfuhr man seinen Namen. So wird sein Andenken nicht nur in unserer Wissenschaft, sondern auch in unseren Herzen fortleben als das eines Führers und M e i st e r s, eines F r e u n - d e s und Förderers. „Die Einsicht verbreiten, werden glänzen wie die Strahlen des Firmaments, die die Gesamtheit fördern, >vie die Sterne für und für!" I. Elbvgen. Stsdtrst Immanuel Landsberger. Bon M. 8 ex) in e i tz c r , (Hlogmi. A (Vergl. den Artikel Jahrgang 1913, Nr. 52, Seite 619—620.) m 10. Januar feiert die Synagogengemeinde Glogau das 50 jährige Jubiläum ihres Leiters. Es ist eine Vorschrift unserer Weisen die lautet: V3S3 irCtf IILpv, daß man in Gegenwart des Gefeierten nur einen Teil des ihm zukvmmenden Lobes verkünden darf. Doch hier dürfte : das Wort des Hohenpriesters anwendbar fein: nttD “IJYP | ]iO 3irc mehr als wir zu sagen wissen, ist j verzeichnet in den Annalen der Gemeinde, welcher Herr! Stadtrat Landsberger seit 50 Jahren beratend und führend i angehört. Der Jubilar hat es verstanden, seiner Gemeinde! ein eigenartiges Gepräge zu geben. Unter Wahrung der Tra-! ditionen, die in dem hohen Alter derselben bedingt sind, hat j Herr Stadtrat Landsberger auch den Strömungen der Neuzeit Rechnung zu tragen gewußt. Leicht mag die Aufgabe nicht immer gewesen sein. Auch hier hatte man mit jenen Elementen, die jede Aenderung des Althergebrachten mit Mißtrauen erfüllte, zu rechnen. Aber dem seetüchtigen und erfahrenen Kapitän gelang es, das Schiff über Klippen und Brandungen hinwegzuführen, und den altbewährten Ruf der Gemeinde auch in die Neuzeit hinüberzuretten.

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