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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-02 · Heft 1 (2.1.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 schreiben, Blumenspenden und Geschenke aller Art eingetrosfen, die den Jubilar um so mehr erfreuten, als er in seiner schlichten und bescheidenen Art sich allen Ehrungen zu entziehen gedachte. Auch der Kultusminister Dr. v. Knilling übersandte Rabbiner Dr. Werner ein äußerst herzlich gehaltenes Schreiben, worin er in ^warmen Worten dessen Verdienste um die Wahrung des konfessio- ^nellen Friedens hervorhob. Kommerzienrat Adolf Steinv a r t e r ließ einen kunstvollen Becher überreichen, der aus den Slußenseiten eine Totalansicht sowie das Innere der Synagoge relies- /artig wiedergibt. Die wertvollste Erinnerung an den festlichen Tag 7 wird aber die Stiftung darstellen, zu der eine Reihe namhafter Mitglieder der Kultusgem'einde die Mittel zur Verfügung stellte. Die Stiftung, die bereits eine ansehnliche Summe erreicht hat, wird von Rabbiner Dr. Werner wohltätigen Zwecken zugeführt werden. Für die Verehrung, der sich Rabbiner Dr. Werner allenthalben erfreut, legt der Umstand das beste Zeugnis ab, daß ihm fast 800 telegraphische Glückwünsche zugegangen sind. Insbesondere von Danzig, seinem früheren Wirkungskreise, empfing er eine große Zahl von Gratulationen, sogar aus Aegypten kamen Glückwünsche. Rabbiner Dr. Werner, der einer hochangesehenen Familie in der Provinz Posen entstammt, wurde schon mit 26 Jahren Rabbiner in Danzig, wo er zirka 16 Jahre mit großem Erfolge wirkte und von dort im Jahre 1895 als Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Dr. Perles nach München berufen wurde. Hier hat er bisher nicht nur tu hervorragendem Maße als Rabbiner, sondern auch in umfassender imb erfolgreicher Weise auf humanitärem Gebiete gewirkt. Auch literarisch hat er sich vielfach betätigt, besonders auf dem Gebiete der Religionsphilosophie. Mögen dem um das deutsche Judentum und dessen kultitrelle Bestrebungen hochverdienten Jubilar noch viele glückliche und arbeitsfrohe Jahre beschieden sein. §2 Stratzburg i. Elf., 26. Dezember. Die hiesige Unitasloge des H. O. B. B. feierte am 7. d. M. ihr fünsundzwanzigjähriges Stiftungsfest und trat aus diesem Anlaß aus ihrer sonst stillen Wirksamkeit an die Oeffentlichkeit. Die Veranstaltung, an der sich alle Kreise der Straßburger jüdischen Bevölkerung beteiligten, begann am Vormittag mit einer akademischen Feier, die durch einige Musikstücke eingeleitet wurde. Die Festreden wurden durch den Präsidenten, Oberlehrer Dr. Grombacher, eröffnet, der die Idee der Logen, Förderung des jüdischen Bewußtseins und Betätigung im Dienste der Wohltätigkeit hervorhob, und die Gäste, besonders die Delegierten der Schwesternlogen, begrüßte. Hierauf gab Justizrat Lange einen historischen Ueberblick über die fünfundzwanzigjährige Geschichte der Loge und berichtete über die soziale Tätigkeit. Wohl keine wohltätige Bestrebung der letzten Jahrzehnte unter der jüdischen Bevölkerung Straßburgs ist ohne Förderung und Anregung durch die Loge durch- Pführt nwrden, der jüdische Jugendbund, der Frauenbund, der Verein für Ferienkolonien, eine Wanderbibliothek sind auf ihre Veranlassung entstanden, und alle Wohltätigkeitsinstitute, so Krankenhaus, Genierbeschule und andere, sind von ihr wesentlich gefördert worden. Dann hielt der Großpräsident der deutschen Logen, Geheimrat D i m endo r fer - Berlin, eine Ansprache, ihm folgten andere Delegierte. Fabrikant Otto Adler überbrachte die Grüße des Konsistoriums und den Dank für die Unterstützung in sozialer Betätivnng, Professor Dreh fuß sprach im Namen der israelitischen Kultusgemeinde, die der Loge u. a. die Reorganisation des Religionsunterrichts zu verdanken habe. Frau Knopf sprach im Namen des Frauenbundes, und Referendar Dr. Weil als letzter für den Jugendl'llnd. Nach einigen weiteren Musikvorträgen hatte die würdige Feier ii)xm Abschluß erreicht. Am Nachmittag fand um 6 Uhr ein Festbankett im festlich geschmückten und beleuchteten großen Saal des Dängerhauses statt, an dem sich etwa 400 Personen beteiligten. In 'uhlreichen ernsten und heiteren Ansprachen wurde die Bedeutung des Fuges gewürdigt. Hierauf fanden Ausführungen durch Angehörige der Logenmitglioder statt, die durch ein Festspiel eröffnet wurden, in dein die Ideale der Loge verherrlicht wurden. Gesangsvorträge und Fheateraufführungen schlossen sich an, erst nach Mitternacht-begann der Festball, der ein prächtiges Bild bot. Selten mag man im Sängerbaus solche Eleganz gesehen haben. So verlief die ganze Feier würdig Hn& stimmungsvoll und hinterließ allen Teilnehmern einen nach- ' balligen Eindruck. SutzlmiÄ. 2. Petersburg, 24. Dezember. Anfang dieses Monats wurde hier die altrussische landwirtschaftliche Ausstellung geschlossen, auf welcher auch eine stattliche Anzahl jüdischer Aussteller vertreten war. Sowohl die russische Zentralstelle der „Jca" als auch die russische Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden haben eigene Kollektivausstellungen gehabt, unter denen auch die Ausstellung der jüdischen Kolonien von Bessarabien Platz gefunden haben. Diese jüdische Ausstellung im Rahmen der altrussischen hat auf alle Besucher einen sehr starken Eindruck gemacht-, man war erstaunt zu sehen, welche Fortschritte diese jüdischen Bauern trotz der mißlichen politischen und sozialen Verhältnisse, unter denen sie leben, auf agrikulturellem Gebiete aufwiesen. Besonders hervorragend sind die Leistungen der jüdischen Gärtner und die statistisch wissenschaftlichen Arbeiten der oben genannten Vereine. Bon den jüdischen Ausstellern wurden 26 mit verschiedenen Prämien ansgezeichnet, darunter einer mit der goldenen Medaille, acht mit silbernen Medaillen usw. Das Zentralkomitee der „Jca" erhielt die große goldene Medaille für seine nützliche Tätigkeit auf dem Gebiete der Landwirtschaft und die Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und der Landwirtschaft unter den Juden die silberne Medaille für ihre wertvollen statistischen Arbeiten. — Da die Direktionen der verschiedenen Konservatorien in Rußland dem Versuche der russischen Regierung, auch in diesen Kunstinstituten die berüchtigte Prozentnorm für jüdische Schüler einzuführen, mit Erfolg Widerstand geleistet haben, wendet die Regierung jetzt ein anderes Mittel zur Verfolgung der jüdischen Konservatoristen an. Wie hiesige Blätter berichten, hat der Minister des Innern Maklakow einen Erlaß heransgegeben, in dem erklärt wird, daß die jüdischen Hörer der Konservatorien kein Wohnrecht außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes besitzen. Die russische Gesellschaft zur Förderung der Musik hat beschlossen, gegen diese Verfügung, welche gegen die von der Regieruttg sanktionierten Statuten der Konservatorien verstößt, alle möglichen Mittel anzuwenden. Die Musikakademien in Rußland besitzen nämlich auf Grund ihrer Satzungen das Recht, ohne jede Einschränkung jüdische SchüleixnrsZunehmen, die durch diese Aufnahme das Wohnrecht in der betreffenden Stadt erlangen. Inzwischen hat der Saratower Gouverneur in aller Eile auf Grund des neuen Erlasses 70 Schüler des Saratower Konservatoriums aus der Stadt ausgewiesen. * Von MH und ffern. Anläßlich' seines Ilebertritts in den Ruhestand ist detn Ehnrlottenburger Stadtrat und Stadtältesten Herrn Hans Samt er der Kronenorden dritter Klasse verliehen worden. — Die Inhaber der Firma S. A d a ni, Leipziger, Ecke Friedrichstraße, sind von dem Herzog Karl Eduard von S ach s e n - K o b u r g und Gotha zu Hoflieferanten ernannt worden. - Rentier Bernhard I a n d o r f, der Vater des Begründers und Inhabers der Firma A. Jandorf u. Eo., ist am 24. Dezember kurz vor Vollendung seines 73. Lebensjahres in seiner Wohnung, Augsburger Straße 22, gestorben. Die Beerdigung fand am vergangenen Freitag unter großer Beteiligung ans dem Friedhof in Weißensee statt. —- Zu Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Könitz wurden folgende Herren gewählt: Isidor Fleischer, Leß, H. Lewicki, A. Rehfeldt, L. Sommerfeld, Justizrat Maschke und Heymann Meyer. — Das Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen hat der Minister des Innern dem Fabrikbesitzer Arie Goldfarb in Prenßisck>Stargard verliehen. — Der Kaufmann Hermann B r u m m aus Neustadt a. W., welcher in Breslau Heilung von seinen Leiden suchte, ist, 69 Jahre alt, gestorben. Der Verblichene hat den Feldzug im Jahre 1870/71 mit Auszeichnung mitgemacht und ist bei der Belagerung der Festung Metz schwer verwundet worden. Der Landwehrverein Neunzehner von Courbiore stellte die Leichenparade, und das Regiment spendete einen Lorbeerkranz. Von den Schützen wurden die Ehrensalven über das Grab abgegeben. - - Für die Handelskammer des Regierungsbezirkes Bromberg wurden gewählt: Kommerzienrat Ragowski und Kaufmann S e e g a l l - Gnesen. — Bei den in Posen vollzogenen Wahlen zur Handelskammer für die Kreise Posen-Ost, Posen-West und Posen-Stadt wurden auf sechs Jahre gewählt: der bisherige Präsident Geheimer Kommerzienrat Michael Herz, Kommerzienrat Naphtali H a m - b u r g e r, Dr. Franz K a n t v r o w i c z , Fabrikbesitzer Siegfried L e s s e r, auf eine Amtsdauer von zwei Jahren Kaufmann P r i w i u. - - Rach dem Verwaltungsberichte sür die Stadt Posen besuchten die

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