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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-01-02 · Heft 1 (2.1.1914) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 z r \ Der Roman erzählt die Geschichte der Rebekka Moreno. Sie ist die Tochter eines von großem Stolze gegen die Aschkenasim erfüllten Lephardi, eines aus Spanien stammenden Inden, eines reichen Kaufmanns, der sich vor Jahrzehnten mit einer Christin Lori verheiratet hatte, sich von ihr wegen Untreue scheiden ließ — freilich hatte auch er es im Punkte der ehelichen Treue nicht sehr streng gehalten — sich von neuem mit ihr vereint und ihre Tochter Clementine, die sie aus einer Zweiten Ehe besitzt, mit dem Grafen Santino verheiratet. Diesen Grafen liebt nun Rebekka auch ihrerseits leidenschaftlich und wahrt diese Liebe im Herzen, nachdem sie sich auf Zureden ihres Vaters mit einem jüdischen Arzt König verehelicht hatte, mit dem sie aber nur eine Scheinehe, nicht eine wirkliche, führt. Sie trennt sich von ihm und kehrt erst dann wieder zu ihm zurück, nachdem sie Santino gerade in dem Moment ausgesucht hat, da dieser seine Ehe mit Clementine vollzieht. Rebekka, die dann kurze Zeit wirklich ehelich mit ihrem Gatten lebt, stirbt wenige Tage darauf im hitzigen Fieber, das sie sich durch Aufregung und Unvorsichtigkeit zugezogen hat. Sehr wahrscheinlich ist der Charakter des stolzen und doch sinnlichen, des voil Juden stammenden (freilich ist sie nur Halbblut, da ihre Mutter eine Christin ist) und doch aus dem Judentum herausgewachsenen Mädchens nicht. Auch die meisten anderen Personen des Romans sind Juden und bedienen sich zum Teil einer jubelnden Sprechweise. Ganz vortrefflich sind die Geschwister des alten Moreno geschildert. Der Bruder Markus, ein Freiheitsschwärmer, der die Revolution vorbereitet, die wirklich in den letzten Momenten von Rebekkas Leben ausbricht, und die unschöne aber herzensgute Dina, die noch vor ihrer Nichte zugrunde geht, nachdem sie sich übermenschlich angestrengt hatte, um ein Hündchen zu retten, das ihr geschenkt worden war. Das vormürzliche Wien in seiner halb lebenslustigen, halb indolenten Art, die Anfänge der Freiheitsbewegung, die namentlich in den Kreisen der kleinbürgerlichen Bevölkerung mächtig ist, werden kenntnisreich und lebendig dargelegt. Typen von Wiener kleinen Leuten, Musiknarren werden lustig vorgesührt (warum der eine, ein ganz ergötzlich gezeichneter Herr Hehgerling, der Rebekka Moreno einen Heiratsantrag macht, mit dem er freilich kein Glück hat, wird nicht gerade sehr klar). Uns interessiert an dieser Stelle im wesentlichen das jüdische Milieu. Es wäre ein Irrtum, 31t glauben, daß man es hier irgendwie mit einer antisemitischen Tendenz zu tun habe. Im Gegenteil, die Prachtgestalten der beiden jüdischer: Geschwister: Markus und Dina, bekunden deutlich die Sympathie des Verfassers, während die Zeichnung der Christen: der verlogenen koketten Lori, die ihren ersten Mann wiederergattert, nicht etwa aus Liebe, sondern nur seines Geldes wegen, ihrer hochmütigen Tochter Clementine und des gänzlich verlotterten Grasen Santino, eines gewissenlosen Schürzenjägers und erbärmlichen Mitgistfängers, deutlich seinen Zorn über die so hohle Genossenschaft von Nichtstuern und faden Genußmenschen bekunden. Nur schade, daß die Gestalt der Heldin nicht vollkommen sympathisch gemacht wird. Man könnte sich vorstellen, daß ein jüdisches Mädchen sich aus der Enge, in der ]ic lebt, heraussehnt, aber diese reiche verhätschelte junge Dame, die in der Lage ist, alle ihre Launen zu befriedigen, leidet kaum durch ihre jüdische Umgebung. Man könnte sich ferner vorstellen, daß ein jüdisches Mädchen, das zu einer Ehe mit einem unangenehmen Glaubensangehörigen gezwungen ist, das Ideal eines reinen stolzen Kavaliers im Herzen trägt. Aber in unserem Fall ist der Mann, dem sie nicht mit freiem Entschlüsse ihre Hand reicht, zwar ungeschlacht und unpoetisch, aber nicht bloß ein tüchtiger Arzt, sondern ein wahrhaft edler Mensch, der turmhoch über seinem erbärmlichen Nebenbuhler steht. Der letztere trägt seine Mrsührerkünste so ungeschickt zur Schau, daß er sich in seiner ganzen Niedrigkeit und moralischen Durstigkeit gleich von Anfang an enthüllt und für jeden anderen als die völlig verblendete Rebekka außer feinem Namen und feinem äußerlich kavaliermäßigen Benehmen, nichts Ritterliches und nichts Verlockendes zeigt. So ist die Heldin dieses Romans kein edles Opfer niedriger Verhältnisse und kleinlicher Umgebung, keine Märtyrerin, die den Durst nach Freiheit in sich spürt und ihn auf jede Weise zu löschen sucht, sondern eine hysterische Frau, von starker Sinnlichkeit gepeinigt, eine Frau, die sich einredet, einem höheren Drange zu folgen, während sie in Wirklichkeit nur schlechten Gelüsterl nachgeht, und sich erst in dem Moment aus ihre Pflicht besinnt, da eS zu spät ist. L- 0. -- Verband der S abb atfr e und e. Geschästsführender Ausschuß: C. 2, Heidereutergasse 9. Kalender der Sabbatfreunde. Schriften des Verbandes der Sabbatfreunde 11. Die kleirre Veröffentlichung enthält außer einem Kalender, Vereinsstatuten, einigen Verordnungen und statistischen Zusammenstellungen einen größeren belletristischen Beitrag von M. Wassermann: „Achtet die Kinder der Armen! . Erzählung aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts." Die Geschichte, von der ich nicht weiß, ob sie jetzt zrrm erstenmal erschienen oder ob sie nicht, wie ich glaube, der Abdruck einer älteren Erzählung ist, gehört zu den gerade jetzt namentlich in der Jugendliteratur üblichen Verherrlichungen des Aruren und ist — der Tendenz der Herausgeber entsprechend — eine Lobpreisung des Frommen. Freilich wird dem Leser viel Schwerglaubliches zugemutet. Er muß dem Verfasser glauben, ohne daß es ihm sonderlich wahrscheinlich gemacht wird, daß ein armer Talmudjüngling sich zu einem reichen Wiener Kaufmann emporschwingt und daß er noch nach Jahrzehnten in einem Zufällig vorübergeführten Fremden einen Menschen wiedererkennt, den Sohn eines angesehenen Mannes in Fürth, der ihn in seiner Kindheit gepeinigt hatte. Er löst ihn aus der Gefangenschaft und erweist ihm auch sonst Wohltaten. Diese Tendenz ist gewiß löblich, die Geschichte ist im ganzen lesbar geschrieben, nur am Anfang finden sich manche Proben eines ziemlich verwahrlosten Stils. Nur eine recht komisch klingende Probe mag hervorgehoben werden: „Die Eltern saßen in einer Ecke und sahen das Licht ihres Sohnes leuchten " L. G. Mchereinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. The American Jewish Year Book 5674, October 2, 1913, to September 20, 1914. Editedby Herbert Friedenwald and H. G. Friedman for the American Jewish Committee. Philadelphia, The Jewish Publication Society of Almerica. 1913. Alles Leben ist Raub. Der Weg Friedrich Hebbels. Von Klara Hofer. 1913. I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger. Stuttgart und Berlin. Heinrich Heine, „Der Rabbi von Bacharach", Erzählung, illustriert von Kurt Tuch, verlegt bei Morawe & Scheffelt, Berlin 1913. Ecoute, Israel. I. — Les Peres du Monde. La Mason d’Esclavage. La Terre de Promesse. Premier Cahier de la quinzieme Serie. Edmond Fleg. Cahiers de la Quinzaine periodique paraissant tous les deux dimanches. Paris, 8, rue de la Sorbonne, au rez-de-chanssee. Hinter Mauern, Schauspiel in 4 Akten von Henri Nathansen. Berlin 1913. Oesterheld u. Co. Verlag. Autorisierte Übersetzung aus dem Dänischen von Dr. John Josephsohn. Biographenwege. Reden und Aufsätze von Anton Bettelheim. Berlin. Verlag von Gebrüder Paetel (Dr. Georg Paetel) 1913. II Messaggero Israelitico. Rivista Mensile. Direzione: Rabb. Magg. Prof. Dr. H. P. Chajes. N. 2. Settembre—Ottobre 1913. Das rituelle Tauchbad (Mikwe) der jüdischen Frauen. Von Dr. W. Hanauer, Frankfurt a. M. Sonderabdruck aus „Sexual- Probleme", Zeitschrift für Sexualwissenschaft und Sexualpolitik (Frankfurt a. M.). 9. Jahrgang. 7. Heft. Juli 1913. Anmial Report of the Librarian of the Hebrew Union College. Cincinnati 0. May 31, 1913. Gekrönte und ungekrönte Judenfreunde. Von Dr. Adolph Kohut. Verlag Dr. Basch u. Co., G. m. b. H., Berlin. Preis: brosch'. 3 M.. Ganzleinenband 4 M. Vorgeschichte Israels und seiner Religion. Nach der altjüdifchen Ueberlieserung und den zeitgenössischen Inschriften gemeinverständlich .dargestellt. Nebst einer Anleitung zur Popularisierung derselben vermittels des Religionsunterrichtes. Von Rabbiner Dr. Sigmund Jawpel, Schwedt a. O. Frankfurt a. M. 1913. Verlag I. Kaufsmann. Das religiöse Recht und dessen Charakterisierung als Rechtstheologie. Von Dr. Mordch6, W. Rapaport. Mt einem Geleitwort von Josef Köhler, Geh. Justizrat, 0. Pros. d. R. an der Universität Berlin. Berlin und Leipzig, Dr. Walther Rothschild 1913. Im Handel 2.80 M.

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