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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-26 · Heft 52 (26.12.1913) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 621 (sequence 9)
Language
German
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alles Hochfahrenden in uns steigert sich dann zu wahrer Demut. Md dieses „W andelnin D e m u t.m i t uns e r e in Gotte" kann uns einzig und allein die volle Verzeihung' Gottes erwirken. - Das Gefühl, sich mit feinem Gott ausgesöhnt zu haben, läßt den Menschen aufatmen und mit freierem Gemüt vertrauensvoll in die Zukunft schauen. Mit größerem Recht wird man, frei von Schuld und Fehl, als mit schuldbewußter Seele Gottes Hilfe im dunklen Dräng des Elends anrufen. Die Erlösung aus dieser Rot wird sich sowohl auf die Güter, die der Mensch von Geburt aus erhält, auf Geist und Körper, beziehen, wie auch auf die äußeren Güter. 7-- „Qvjwn rD‘"0"'-' Erste Lebensbedingung ist Gesundheit des Körpers und der Seele. Denn nur dann, wenn sie beide uns dienen, die Physische und Psychische Kraft in schönstem Einklangkönnen wir ungestört daran denken, uns die äußeren Güter des Lebens zu sichern. Darum reiht sich hier in logischer Weise die , Bitte an, Gott möge uns ein Jahr guten Ertrages bescheren und uns sättigen von seinem Gut. - nsira tfpri" bis „-TH NQ2 f)K" (einschl.): Es ist eine uralte psychologische Wahrnehmung, daß „das Glück aus seiner Tonnen die Geschicke blind verstreut", und daß Nicht jeder „das Lebenslos gewonnen". — Diese ungleiche Verteilung der Güter erweckt oft Neid, und so wird verzehrender Unfriede herausbeschworen, der zum Verderben der Menschen'werden kann. Andrerseits wird ein errungener Erfolg den einen zur Ueberhebung über den anderen veranlassen. Daher entringt sich in. den Sprüchen „jjpfi". und nrm“l" unserem Herzen die sehnsüchtige Bitte, der Wolteritz er-r. möge uns von diesem verderblichen Wahn befreien, und ebenso wie die Kultur in den vier Himmelsgegenden einem einheitlichen Ziele zustrebt, möchte eine Aussöhnung der Gegensätze unter den Menschen mit. dem Ideal des Herzens erkämpft werden. Dann werde Kummer und. Sorge schwinden. und Auch den wenigen, welche immer noch dem Ringen nach Wahrhaftigkeit und Seelenfrieden verleumderisch in den Weg treten, wird ihre Schlinge zum eigenen Fallstrick werden. Diese Elemente werden dem.allgemeinen großen Zweck nicht schaden können, wenn nur alle übrigen ihre ganze Persönlichkeit aus. die Wagschale der Gerechtigkeit Wersen. Es hieße, sein Wort gegen die Offenbarungen der Propheten erheben, wollte man diese Sprüche anders deuten. Vollständig widersprechen würde es der Auffassung der jüdischen Geschichte, aus diesen Sprüchen die Aufforderung herauszulesen, die nationale Idee zu verwirklichen. Gegen diese Annahme tritt auch mit dem zündendsten Feuer der Talmud aus, in dem es ausdrücklich heißt, man dürfe nicht mit Gewalt an die Neuschöpfung einer jüdischen Nation gehen. Daher ist in den Sprüchen.und „^2 N8"nur d i e Messiasidee gemeint, nach der das Gottesreich, HV JTDbfc regiert werden wird, ein Reich der Zukunft, von dem Jesaja und Micha künden, daß es „umschmieden werde die Schwerter zu Pflugscharen und die Lanzen zu Rebmessern", und alle erfüllen werde mit dem Geist der wahren Gotteserkenntnis. Im Spruch „l^Tp bitten wir inständig darum, Gott möge unserem Gebet sein Ohr nicht verschließen, sondern gnädig den Bitten Erhörung gewähren, da sie in Wahrheit und Inbrunst aus des Herzens Gründen gekommen seien, damit unsere Augen noch die Erfüllung der messianischen Hoffnungen sehen („nirr unv „rinnm")- üWir sollen..aber mit unseren Blicken nicht immer nur in die Zukunft, schauen und stets wünschen und fordern, sondern auch dankbar genießen, was uns die Gegenwart beschieden. Dankbarkeit gegen Gott muß täglich und stündlich unser Herz erfüllen, da er uns mit jedem Sonnenaufgang eine neue Welt schenkt, und uns die Wunder der Schöpfung in seiner großen Barmherzigkeit von Tag. zu Tag neu durchleben läßt^ . "Ü)bw nmn": Zum wahren Genuß dieser großen göttlichen Wohltaten bedürfen wir des Seelenfriedens, um in Ruhe verstehen und würdigen zu lernen, zu welchen hohen Zielen wir von der Gottheit erwählt sind, wie wir den ehrenvollen Beruf erfüllen können: ein Reich von Priestern zu sein! Deshalb sind es Worte des Friedens, herrliche Akkorde, in welche das Ganze ausklingt. Der Antisemit. Roman von Ernst Theodor Justi. (Schluß.) 3 m eleganten Pelzmantel trat Miß Smith ein; ihr folgte Jakob Goldenberg aus dem Fuße; Sekretär Fiedler meldete sich als bestellter Vertreter der unbekannten Interessenten, Aktuar Heinze protokollierte. Der Kreisrichter bat die Erschienenen, Platz zu nehmen; aus Miß Margareths Augen traf ihn ein voller Liebesblick; nicht ohne Sorge nahm sie dabei wahr, daß er sehr blaß aussah. ... Der Kreisrichter legte den Erschienenen das aus dem Gerichtsdepositorium herausgenommene Testament vor, ließ die Siegel als unverletzt feststellen und verlas mit ruhiger Stimme das ganze Testament; die Unterschrift des Testators.wurde von keiner Seite bemängelt, die Publikation auf dem Testamente selbst gut voller Datierung vom . Richter registriert. Margarethe und Jakob beantragten je eine Ausfertigung der Urkunde für sich, Jakob mit dem Bemerken, daß er sich seine Erklärung über Anerkennung oder Anfechtung des Testaments wegen Unzurechnungsfähigkeit des Testators noch Vorbehalte. Der Sekretär beantragte Testamentsauszüge den bedachten Armenkassen Zugehen zu lassen und eine dritte Ausfertigung des Testaments zu neu anzulegenden Kuratelakten bezüglich der Nachkommenschaft des verstorbenen ältesten Sohnes Elkan hinüberzugeben;' es sei nötig, der unbekannten Deszendenz des Elkan Goldenberg, einen Kurator zu bestellen und Nachforschungen nach ihrem Aufenthalt anzustellen. „Ihr verstorbener Verwandter Elkan Goldenberg soll seinen Namen gewechselt haben; ist Ihnen vielleicht der gewählte Name bekanntgeworden?" „Mir leider nicht", bemerkte Miß Smith. „Oder Ihnen, dem Bruder, vielleicht?" „Allerdings; er hat sich Berg genannt." „Wie," fragte Felseck, „der nicht recht gehört zu haben glaubte." „Jawohl, Eduard Berg," er ist als Stadtrichter in Breslau gestorben; der Söhn ist. von der Mutter Onkel adoptiert worden; Sie selbst, Herr Kreisrichter, Sie selbst sind Elkan Goldenbergs Sohn." „Bube, du lügst," schrie Felseck mit gellendem Ton, indem er aufsprang und mit geballter Faust gegen Jakob anstürmte, aber nur, um mit einem furchtbaren Aufschrei im nächsten Augenblick zu Boden zu stürzen; der Kopf prallte an den Fuß des Gerichtstisches, und aus tiefer Wunde strömte das Blut aus den Boden des Amtszimmers. Miß Smith warf sich fassungslos neben dem Hingesunkenen aus die Knie. Der Gerichtsdiener eilte auf den Aufschrei, herein, auch einige Zeugen und Parteien, die noch zum Termin., auf 11)4 Uhr bestellt worden waren, drängten nach.

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