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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-26 · Heft 52 (26.12.1913) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 620 (sequence 8)
Language
German
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im Auge des Trennungsverfahrens, Ehebruch nachgewiesen wird." ' ' . .' ' ' '; ' - Es sei noch erwähnt, daß als Student Adolph Bachrach seine Ferien in Kojetoin verbrachte. Dort befand er sich ständig in fast täglichem Verkehr mit D a v i d K a u f ma n n. Da gab es rege Unterhaltungen über alle'Tagesfragen und die Erscheinungen der Literatur. Spinoza wurde gemeinsam gelesen, «aber auch Büchners „Kraft und Stoff", Buckles „Geschichte der Zivilisation" usw. Der damals noch ungetanste I. I. David war der Dritte im Bunde. Dem Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Adolph Bachrach gebührt die Anerkennung, daß er sein schönes, verantwortrmgsvolles, zu manchen Entgleisungen führendes Amt als-echter Hohepriester der Themis auffaßt, immer bestrebt, der Wahrheit, zum Siege zu verhelfen und Recht und Gesetz zur Herrschaft gelangen zu lassen. Seine' Anhänglichkeit an seinen angestammten Glauben, seine humane und edle Denkart sowie seine freiheitliche Lebens-'und Weltanschauung, nicht minder aber auch sein liebenswürdiges vornehmes Wesen haben ihm zahlreiche Freunde und Verehrer geschaffen, die gewiß auch anläßlich seines 60. Geburtstages voll Sympathie und Liebe seiner gedenken werden. Ltums vom Gkbktuntrrricht. Von vr. xhü. Arthur R'o senth a l-Berlim ach allen auch nur ein wenig gewiegten Pädagogen alter und neuer Zeit ist das Erregen des Interesses der Brennpunkt, von dem alle Strahlen eines tieferen Verständnisses ausgehen/ In-welches Gebiet des jüdischen Schrifttums der Lehrer - den Schüler auch einzuführen bestrebt ist, stets muß er dem Stoff etwas Leben und Bewegung abzugewinnen suchen/ um die Spannung des Schülers nicht abzuschwächen. Man muß ja zugeben, daß oft eine Menge Kunst vom Lehrer da gefordert wird, doch diese Kunst braucht trotzdem nichts „Gekünsteltes" zu sein. Zum Beispiel im Pentateuchunterricht größeren Stils wird der Lehrer wohl nie seinen Zweck verfehlen, wenn er versucht, pragmatische Zusammenhänge zwischen den einzelnen Thoraabschnitten in der Klasse zu besprechen. Dasselbe gilt im Gebetunterricht, hauptsächlich in höheren Klassen. —Da man mit diesen fortgeschritteneren Schülern nicht immer nur kleine Gebetstücke, sondern öfter auch den Komplex größerer Gebete durchnehmen wird, ist hier die Zusammenhangsfrage so recht am Platz. Denkende Schüler werden sich auch nicht wie die Kleinen mit einem abgestandenen „locus communis“ mehr begnügen, sondern die Seelenkraft des Fühlens wird sich immer enger vereinigen mit der! Seelenkraft des Denkens, und das Bild, welches der Lehrer seinen Schülern entrollt, wird schon einer gesunden Kritik unterworfen. Denken wir einmal, der Lehrer nimmt gerade die Wochentags-N^LP in ihrer ganzen Ausdehnung in einer höheren Klasse durch. Wie sehr wird da das Interesse der Schüler gesteigert — sei es bei Knaben oder bei Mädchen —. wenn der Lehrer auf den inneren Zusammenhang der einzelnen Sprüche näher eingeht! Wenn schon jeder einzelne dieser Sprüche für sich ein Stück Ethik bildet, um wieviel anregender wird die Harmonie aller Farben auf den Schüler wirken! Ein seelenvolles Gemälde natürlichster Art, zu dem jeder Spruch einen Strich liefert, wird der Schüler nach Hause und vielleicht auch ins Leben mitnehmen. Im Talmudtraktat Megillah, Seite 17 b, wird auch schon die Frage über den Zusammenhang der TC1W NDL? ventiliert und versucht, an der Hand pvn Bibelversen die feine Art der. Psychologie.'und.Logik zu beleuchten, wonach die Glieder der Kette jener uralten Sprüche sich züsammenfügten. - Doch in dieser' Weise vorzugehen, liegt der gewöhnlichen Lehrmethode von heute schon lange fern. Hätte ich die mW in der Schule zu behandeln, so würde ich natürlich zunächst über die hohe Wichtigkeit dieses Gebetes im Rahmen des Gebetbuchs referieren und dann über die Entstehungszeit etwas erzählen. Es lassen sich dabei auch schöne wichtige Momente aus der jüdischen Vergangenheit kurz repetieren,' der Schüler wird gespannt, er wird unbedingt erfahren wollen, weshalb gerade diese Worte der Großen in Israel so tief im Seelenleben Israels Wurzel gefaßt haben,. daß man sie ins tägliche Gebet ausgenommen hat, sie sozusagen mit den Grundstock unserer Gebete bilden. Da wird der Lehrer wohl am ungezwungensten Vorgehen, wenn er an der Hand des logischen Zusammenhangs der einzelnen Sprüche diese gleichzeitig ethisch vertieft. Die ethische Schönheit, welche da in Fülle enthalten ist, wird dem Schüler von selbst auffallen, und so manche Frage des Lehrers ^wird unnötig sein. Beginnen w.ir die Besprechung! Ebenso wie Gott schon ein Schild der Stammväter war, wird er auch uns, den Späteren, seinen Schutz nicht versagen; aber nur dann, wenn wir denselben Gott verehren wie die Väter und ihrem Lebenswandel folgen, wird uns des Schöpfers Liebe beschützen. Zusammenfassung: Wenn wir Gott dienen als gute Juden und sittliche Menschen, brauchen wir nicht zu zagen. "JTn'DJ": Um dies Ziel zu erreichen, müssen wir eine klare Vorstellung von Gott zu gewinnen suchen und dürfen seine Allmacht nicht in Frage stellen: er ist der Herr des Lebens und/des Todes. Nicht nur die Schäden der Leiden unter den Lebenden vermag er zu bessern, sondern sogar das längst Erstorbene zu neuem Leben zu wecken. (Dabei' eventuell der jüdischen Auffassung von rrrrn Erwähnung tun.) ,fD.ttV7?>LN"7V"' Gott mißbraucht seine Macht nicht wie gar so viele unter den Menschen. Je bedeutender ein Machthaber ist, um so weniger wird er seine Macht in drückender Weise fühlbar machen. — So benutzt Gott seine Macht zu guten, edlen Zwecken. Nicht Furcht, sondern Ehrfurcht, heilige Scheu will er seinen Kindern einflößen. Das merkt und weiß die Welt und verehrt daher ihnen Gott als ein hohes, heiliges Wesen. ..7D2N?O^2"-Von diesem Gott, der schon der Väter Schild gewesen, von diesem Gott, dessen Allmacht alles untertan ist, von diesem Gott, dessen Wesen die höchste Stufe der Heiligkeit erreicht hat, — — von diesem Gott erbitten wir zunächst Erkenntnis und Einsicht. Denn ohne diese Eigenschaften bleibt! dem Menschen die Lehre von der Weltordnung verschlossen, das richtige Eindringen in die Begriffe von Gut und Böse, das Verstehen von Gottes Tun und die sittliche Kraft, sich seinen weisen Plänen fügen zu können. Aber der schwache Mensch mit seinem engen Blick strauchelt gar so manches Mal.' Als flüchtiger Sohn der Stunde kann er nicht vollkommen sein: so unterliegt er nicht selten im Kampfe gegen seine Leidenschaften und kommt zur Sünde. — Aus diesem Sündenpfuhl kann uns aber nur wahre Buße befreien, und deshalb erflehen wir von unserem - Gott die Gnade, uns zurückzusühren zu vollkommener Buße und Besserung. .,nrp^2"-' Es genügt nicht, wenn sich diese Besserung auf eine kurze Spanne Zeit bezieht und nur ganz oberflächlich gut macht, ohne nachhaltige Wirkung-- Wir sollen daher nicht glauben, die Güte Gottes mißbrauchen zu können. Genau haben wir unser Inneres zu prüfen und auch nach vollkommener Läuterung unseres Seelenlebens stets unserer Ohnmacht als Menschen eingedenk zu bleiben. Diese Demütigung

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