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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-26 · Heft 52 (26.12.1913) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 615 (sequence 3)
Language
German
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Institutionen. Es' wurde' beschlossen, die hebräischen Fächer in hebräischer, Mathematik und Naturwissettschaskbit'"in deutscher Sprache unterrichten Zu lassen, für die übrigen "Fächer:^ Geschichte, Geographie, Zeichnen, Handfertigkeitslehre"ü: ä.' — "abgesehen von den Sprachen — w urd e d i e E n t s chet'd ü rtg': därü b e r, o b i n deutscher oder .hebt' a i 's ch'e r ' S'P'.r'a.ch e ü n t e r r i ch t e t werden so l l e, v' e r t ä g t.''' Me - zionistischen Kürntoriunlsniitglieder erhoben die ForderiingV'daß' 'Hebräisch 'als Unterrichtssprache der Schule prokläniieichs tveböttt' solle,' deingdmäß auch/die Unterweisung in. Mathematik ulid ^Naturrvissenschasten in Hebräisch zu erfolgen habe. Da sie in der" Minderheit bliebeu, schieden sie aus.-D i e Schulen d e s" Hi l ss-v e rlern s h at t en d a m i t n i ch t. d a s m i n d este z u t u n.- Eswurdenun aber das Märchen erfunden- und verbreitet, - der -HilDverein - habe aus seinen Anstalten-: das He- | brätsche zilgunstendes Deutschen' zttrückgedrängt. -Demgegenüber: er-! 'klären wi-v,-.dD^ in-'-chetn .Programm -des HUssveMns..:nLcht:b ä s - gering st e/g e ä n d e r t w o r d e n i st n o ch^gDL n d er t w er - doch chirchi> - Neben der deutschen nimmt die hebrässche Sprache nach" l 'wie wor i.d'en. breitesten Raum' in den Lehrplänen, eins nicht eine ein- : ziges -Unterrichtsstunde, die in Hebräisch ' erteilt Ivurde,. ist in eine. - ' deutsche umgewandelt worden. '„ * - Die Revolte der Lehrer verfolgt den. Zweck/durch Kontraktbruch ' Hi lssperein und Kuratorium des Technikums '-zu zwingen,'-künfti g 'nur' s in hebräischer Sprache unterrichten. zu-:-lässe'n,-üfld' sie -Habens.in Miß- 'üdjtmig der elementarsten. Grundsätze der Pädagogik urteilslose Km-, s der 'Und junge Leute, die ihnen zur Ausbildung.anvertraut waren, -zum Streik verführt. Wir werden uns durchühsechnverantwortliche - Handlungsweise von den Prinzipien, die sicheln '12-sährigrr erfolgreicher Kulturarbeit zum Wöhle der-palästinensischen Judenh'eit bewährt haben, nicht abdrängen lassen/' ' . /'.';' Hilssverein der Deutschen Juden-' ' /- Dr. James Simon. /'? Die Enthüllung des Heinedenkmals, die - -dieser Tageiit/ Frankfurt a. M. stattgesunden hat, begleitet' der Berliner -.„Vor- - wärts" mit folgenden interessanten Worten:,. \- Das Frankfurter Heinedenkmal ist - däs -erste gxoße. öffentliche Denkmal, das Heinrich Heine in Deutschland gesetzt'wird. Aber nein: das erste ist es nicht. Das setzte Heine sickp als Dichter und Kämpfer selbst: in seinen Werken, und unerreichbar für Erz und Stein.:. Aber wa^ Erz und Steingeben im Namen Heines, der sie nicht braucht, ist . mehr, als eine Legion von Denkmälern sonst geben kann. Ein Hein-.'- denkmal ist ein Zeichen, in dem die Nachwelt, die es ausstellt, vor allein sich selber ehrt. Die Tücke hemmender Finsternis und spießeriger. Niedrigkeit, die dem Dichter das Leben in der deutschen Heimat unmöglich werden ließ, hat ihren Todfeind ganz ihrer Art gemäß -bis' heute heraus verfolgt. Am Vorabend der Frankfurter Denkmalsenthüllung noch spritzte sie ihren Geiser. Der Ruf nach einem Heinedenkmal wurde durch diese Gegnerschaft zu einer Sache, an der der Trotz gesunden, freiheitlichen Wollens seine Macht -maß. Jetzt ver- - zeichnet er den ersten Sieg. In der Mainstadt Frankfurt steht nun seit gestern mittag in den städtischen Friedberger Anlagen das erste Denkmal des großen Dichters. Georg Kolbe, dev Berliner Bildhauer, hat es geschaffen, und aus Privaten Mitteln wurde es errichtet. Sehnsüchtige Bewegung, gelockt und beglückt von einem fernen Ziel voll Höhe und Schönheit, ist in dem Werk gestaltet. Aus einem Sockel, aus Mnschelkalkstein erhebt sich die Bronzegruppe eines schreitenden Jünglings und eines lauschenden Mädchens. Am Sockel ist das Reliefbildnis des jungen Heine mit der "Inschrift: „Dem Dichter Heine" angebracht. * Natürlich protestieren die Antisemiten gegen das Heinedenkmal, wie folgender Bericht der „Franks. Ztg." lehrt: lieber die sogenannte Protestversammlung des Deutschen ^Vereins im Kompostellhof können wir uns kurz fassen. Der .Saal war schon frühzeitig überfüllt, obgleich ein Eintrittsgeld von 20 Pfennig erhoben wurde. Die meisten waren wohl gekommen, weil sie einen stürmischen Verlauf der.Veranstaltung erwarteten. Dazu kam es aber nicht. Der Vorsitzende Hermann Laaß machte zunächst der nationalen Presse, den nationalen Parteien und den kirchlichen Vereinigungen den Vorwurf, daß sie sich nicht gegen ein Heinedenkmal gewehrt hätten, namentlich auch den. Militärvereinen, obgleich Heine „das Hohenzollernhaus in infamer Weise beschimpft" habe. Nun komme das Denkmal, und man müsse sich damit absinden. 615 -- . Keiner möge die Hand gegen das. Denkmal erheben! Vielleicht,'so schloß der Redner mit einem hosfnungsfrohen Blick in die Zukunft, werde unter'einer anderen städtischen Verwaltung die.Schmach, die man dem deutschen Volk' angetan habe, wieder entfernt:. - .Dann sprach . Reichstägsabgeordneter. Werner . (Gießen) . zur .Erheiterung, -seiner Freunde und der Opposition zwei Stunden. „ununterbrochen" über Heine. Er hat hier schon ein halbes Dutzend Mal sich öffentlich, mit diesem seinem Lieblingsdichter beschäftigt und. konnte, von.einigen , neuen Zitaten abgesehen, nichts Neues mehr bringen. Herr Laaß wies daraus hin, die Denkmalserrichtung in Frankfurt werde für die. Stadt schlimme wirtschaftliche. Folgen.-haben. Im Verhalten des Magistrats müsse man eine Spitze gegen das „Hohenzoll-ernhans" erblicken, nachdem der Kaiser das „Heinedenkmal.aus Korfu, hinausgeschmissen habe". .Voraussichtlich, werde der. Kaiser den. Frankfurter Boden nicht mehr betreten! Nach einer Pause von zehn Minuten gab /es. eine kurze Diskussion, die auch ruhig verlief. Herr Werner stellte in seinem Schlußwort-sest, daß..die Heine-Freunde „innerlich degenerierte Leute" seien,'und dann -gingen die' Zuhörer auseinältidery/Ms^der''Straße hatten' sich viele Neugierige: angesammelt, aber auch: die Schützmannschaft: war. stärk vertreten; sie hätte jedoch nicht' den geringsten' Anlaß zum- Einschreiten.'. y \; .. Als Ergänzung zu dem Bericht über, den K ach t s-ch nt p a r a grast, h e n wird uns geschrieben: - Insbesondere hat. sich.'der. „Verein für das/Dentschtum im ' Auslände",'- .-diese.^großer'iH Berlin zentralisiert^. Organisatiön, dieser.-Angelegenheit angenommen-amd ein'deMn |>ai4)tait§= fd)iangejöqriHer yQfitrift Sei; Praxis, Rechtsänwält Hermann Weck (CharkoLtenburg)-der' das neue Gesetz mit Erläuterungen kürzlich-chMusgW in 'Her Bereins- .zeitschbist„Das-D^ltschtum 'im. Anslande"West 18/ 1913 IV, .Seite 885^-94) ' sachkundige..-AüseinanderseHüngen über die > Frage, '-„Was. bringt/dHyElle^MrgeMsch -dem Auslands- , deutschen?"-DariAsto^n^i^ 88Z88 auf folgende -Auslassungen,, welche" in unserem Zusammenhänge/gewiß Beachtung perdienen:. -„Bei'^.-ddnW.erhän-d^ung'en: im Reichstage -hat bie fRegterunci jroiefer^-öIt^^rauf-yljin-QeStiicfcp^.ba^ Deutschland einem Z n st r ö m p ö n O st e mher muAesetzt sei, dem gegenüber die Anerkennung.4« - schwereVDMhr für das Deutschtum bedeute. Wird man ^anH/M.-Hirecht H ablehnen müssen, an -die-Geburt aufdeutschemAoden 'unumschränkt den Erwerb' des Bürgerrechts-zu knüpfen,-^ -wird inan doch-gegenüber Anträgen von Ausländern auf Erwerb deutscher Bürgerrechte im- Einzelfalle fortan sich, geneigter zeigen können, so- .wohl aus wirtschaftlichenwie aus sittlichen Gründen. Sofern der Ausländer nach W e s e n und Gesinnung deutsch geworden ist, wird man ihm wohl eine neue Heimat geben dürfen und selbst davon Vorteil ziehen." Aus die Gedanken dieser Sätze (das Gesperrtgedruckte so im Original) müssen -gewiß alle die ihr ernstes Augenmerk richten, die eine N atur a l i s a t i o 'n 5 ft I i eh e r oder s ü d ö-st l i ch e.r Juden irgendwie berührt. . * ' Aus München meldet nian uns: E i n e a n t i s e m i t i s che Verfüg u n g im Ge s ch äs tsleben der b a h e r i s ch e n H n ci p t st a d t bedeutet eine soeben im Jnstanzenzuge abgeschlossene Angelegenheit aus dem Gebiete der Sonntagsruhe int Handelsgewerbe. Das bezügliche Gemeinde-statut Münchens vom 20. Mai 1910 enthielt nämlich eine Bestimmung, wonach es denjenigen Geschäftsinhabern i s r a e l i t-i-s ch e r 'Konfession, die ihren Geschästsbetrieb -ain Sabbat (Samstag) und an israelitischen Feiertagen vollständig ruhen lassen, gestattet - war, ihre G e h ikfen, L e h r l i n g e- und A r beiter israelitischen Glaubens a n S o n n tag e n von -10 bis -12 Uhr vormittags zu beschäftigen, mit der- Mlaßgabe, daß die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschlossen bleibett -und-in diesen keine Lärm oder Aergernis erregenden Arbeiten vorg-enotnm-en werden. Durch die Anzeige eines 'Konkurrenten; eines orthodox jüdischen Kaufmanns, kam es. zw einer Verhandlung, in -' der ''Has/RichteÄkollegiüm der Anschauung Ausdruck gab,' daß -diese Bestimnning, die einer toleranten Aüffässüng entsprang, unklar äbgefäßt W'd'nach'der gesetzlichen

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