Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1913)
- Date
- 1913-12-26
- Page
- Seite 616 (sequence 4)
- Language
- German
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Auslegung nicht zulässig sei. DaK Oberste Landesgericht für das Königreich Bayern als höchste Appell- und Entscheidungsinstanz hatte deshalb erst kürzlich den Stadtmagistrat veranlaßt, die Sonntagsruhebestimmungen dahin abzuändern, daß je ne Ausna h me - bestimmuN'g für di e Israeliten in Zukunft weg fällt. Die bezüglichen Beschlüsse der städtischen Kollegien Münchens vom 1. und 16. Oktober haben nunmehr soeben durch Genehmigung seitens der Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern, Rechtskraft erlangt. — Spiegelt etwa der Verlauf vorstehender-Angelegenheit, den wir (die gesperrt gedruckten Stellen inbegriffen) getreu nach den „Münchener Neuesten Nachrichten", Nr.'624, Seite 7, berichten, den konfessionellen, überaus unduldsamen Geist des ultramontanen neuen Kurses im zweitgrößten deutschen Bundesstaate, wo doch sonst-stets eine geradezu musterhafte und gerechte Paritätische Behandlung -der Juden herrschte? ' * Mittel geschürt. Was da geleistet wird, grenzt nahe an. die Aufforderung zu Pogroms. Einer der Antisemitenhäuptlinge, dev; Universitätsprofessor Cuza, hat vorigen Monat in Jassy den Juden gedroht, daß heute wie im Pogromjahr 1866 „rumänische Schlächter bereit seien, ihre Messer zu wetzen, und daß es noch Synagogen zu zerstören gibt". Ein anderer Redner, Costin Sturdza, forderte zum „wilden Widerstande" gegen die Forderungen der Juden auf, und das Organ der nationalistischen Studenten „Cuvantul studentimei" drohte den Juden mit Zuständen, daß „Rußland mit seinen Pogroms und Ritualmorden ein gelobtes Land für sie sein werde." Angesichts dieser immer gewalttätiger austretenden Agitation beginnt sich in jüdischen Kreisen schon eine Panikstimmung einzustellen. (Es ist, wie gemeldet, in Jassy auch bereits zu bedenklichen Demonstrationen gekommen. Die Red.) Man fürchtet, wenn die Regierung nicht die moralische Kraft besitzt, diesen, gesetzwidrigen Treibereien entgegenzui treten, könne Rumänien bald wieder der Schauplatz wirklicher Po- Eßsaal des Rindererholungsheims in Norderney. Das „Berl. Tagebl." schreibt: Die P o g r o mg es ahr in Rumänien. Aus'Bukarest wird uns geschrieben: Die konservativ-demokratische Regierung des Herrn Majorescu wird ihr Versprechen, "wenigstens die Juden Rumäniens zu naturalisieren, die an der bulgarischen Kampagne teilgenommen haben, nicht erfüllen; nicht so sehr deshalb, weil ihr nur mehr ein kurzes Leben beschieden ist, denn sie wird, wie ich bestimmt erfahre, noch im Laufe des Januar einer liberalen Regierung Platz machen — sondern vor allem, weil es ihr an dem entsprechenden Mut fehlt, der lebhaften antisemitischen Agitation gegen die Naturalisation der Juden entgegenzutreten. Die Regierung Majorescus wird sich darauf beschränken, einige wenige Juden zu naturalisieren, um das Gesicht zu wahren, im übrigen aber die Losung der Judenfrage ihren liberalen Nachfolgern überlassen. Man sieht, die „Liga culturala" hat sich über Mangel an Erfolg ihrer ebenso geräuschvollen als gehässigen Agitation nicht zu beklagen. Diese ist neuerdings in umfassendster Weise organisiert worden. In allen Städten und Dörfern werden Versammlungen gegen die Verleihung politischer Gleichberechtigung an die Juden abgehalten, und der Fanatismus und die Instinkte des Glaubenshasses werden beim niederen Volke durch alle rednerischen groms werden — und das fünfundzwanzig Jahre, nachdem den Juden des Landes in einem internationalen Vertrag die Gewährung der Rechte zugesagt wurde,, die man ihnen mit so schmählichen Mitteln streitig macht. Graf Berchtold als Schützer der judenfeindlichen Politik R u m ä n i e n s. Die rumänische Judenfrage kam gestern, wie aus Wien telegraphiert wird, in der österreichischen Delegation zur Sprache. Gras KarolYi interpellierte wegen einer gemeinsamen Aktion der Signatarmüchte des Berliner Vertrages hinsichtlich der Gleichberechtigung der Juden in Rumänien. Graf Berchtold erklärte darauf, in dieser Angelegenheit könnten nur sämtliche Signatarmüchte im Einvernehmen mit Erfolg Vorgehen. Er glaube nicht, daß ein solcher gemeinsamer Schritt zustande gebracht werden könnte. Er sei der Ansicht, daß Oesterreich-Ungarn trotz seiner^SymPathien für die religiöse Gleichberechtigung kein Interesse habe, in dieser Angelegenheit die Initiative zu ergreifen. Er besitze von einer direkten Initiative der englischen Regierung keine Kenntnis. Die englische Regierung habe sich in dieser Frage nicht an Oesterreich-Ungarn gewandt. Er bezweifle auch sehr, daß es den Israeliten Rumäniens zum Vorteil gereichen könnte, wenn diese Frage international auf-