Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der Ju d e n statt. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, erstattete zunächst den Geschäftsbericht, dem wirfolgendes entnehmen: Die Tätigkeit des Vereins für Statistik der Juden hat sich während des letzten Jahres in derselben Richtung bewegt wie früher. Im wesentlichen beschränkt sich ja der Verein daraus, sür die Unterhaltung des Bureaus für Statistik der Juden Sorge zu tragen und die dafür erforderlichen Mittel aufzubringen. Es ist allerdings beabsichtigt, demnächst auch die Kenntnis der statistisch erforschten Verhältnisse der Juden in weiteren Kreisen zu verbreiten. Diese Ausgabe wird jedoch erst dann erfüllt werden können, wenn dem Verein durch Geivinnung neuer Mitglieder und durch Erlangung größerer Subventionen die nötigen Mittel zur Verfügung stehen werden. Die bisher aufgebrachten Mittel reichen leider nur zier Durchführung der wissenschaftlichen Arbeiten aus, und zwar können auch diese nur in beschränktem Umfange ausgeführt rverden. Das Bureau, ivelches übrigens im nächsten Jahr aus eine 10 jährige Tätigkeit zurückblicken kann, hat nach wie vor die „Zeitschrift sür Demographie und Statistik der Juden" herausgegeben. Der Wert der Zeitschrift ist in den beteiligten Kreisen hinlänglich bekannt. Ihre Bedeutung wird auch immer mehr, insbesondere von der Wissenschaft anerkannt. Die Zeitschrift wird in Zukunft allen Mitgliedern des Vereins unentgeltlich geliefert werdem Außer der Zeitschrift sind in der Berichtszeit selbständige Veröffentlichungen nicht erschienen. Es liegt dies daran, daß das Bureau mit den von ihn: in Angriff genommenen umfangreichen Arbeiten vollauf beschäftigt war. In erster Reihe ist an dem großen Tabellenwerk, von welchem in früheren Berichten mehrfach die Rede war, noch gearbeitet worden, da sich das Material andauernd häufte. Das Werk liegt jetzt im Manuskript fertig vor; mit der Drucklegung ist begonnen worden. Ferner ist eine zweite Arbeit ihrem Abschluß nahe und wird am Ende dieses Jahres vollständig vvrliegen. Es ist dies eine Statistik der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland während der letzten 25 Jahre. Diese Arbeit ist von Herrn Geheimen Justizrat Timendorser angeregt und von der Großloge für Deutschland materiell unterstützt worden. Unmittelbar nach Fertigstellung dieser Untersuchung wird an die Bearbeitung der Statistik der Berliner Juden gegangen werden. Diese Arbeit, welche auch' schon seit längerer Zeit in Aussicht genommen ist, hat sich leider dadurch verzögert, daß die Beschnffuug des amtlichen statistischen Materials noch nicht möglich war. Die Auszählungen sür die Vororte Berlins, welche im Kgl. Preußischen Landesamt erfolgt sind, sind fertiggestellt. Dagegen fehlen dieselben noch für die Stadt Berlin, da das Berliner Statistische Amt noch mit anderen dringenden Arbeiten beschäftigt war und erst vor ganz kurzer Zeit die gewünschten Auszählungen beginnen konnte. Die Verarbeitung des Materials wird das Bureau voraussichtlich während des ganzen nächsten Jahres in Anspruch nehme". Mit Ende desselben wird jedoch die Arbeit über die Juden in Berlin fertiggestellt werden können. Schließlich hat das Bureau auch wie früher in zahlreichen Fällen Auskünfte erteilt und Materialien für wissenschaftliche Arbeiten, Vorträge und dgl. geliefert. Nachdem alsdann der Kassenbericht erstattet war, wurden die Wahlen vorgenommen. Es wurden gewählt: in das Kuratorium die Herren Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki, Pros. Dr. Martin Philippsvn. Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Bankier Bruno Stern. Frau Prof. Dr. May erhoff er, in den Vorstand die Herren Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Richard Cassel, Dr. Hans G. Hey mann, Frauenarzt Dr. Joses Hirsch, Syndikus Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Generalsekretär Dr. Bernhard -Kahn, Prof. Dr. Kali sch er, Dr. Alfred Nossig, Prof. Dr. N o s i n, Bankier Benno Ster n, zu Kassenprüfern die Herren L. D o m n a u e r und S. K i r s ch st e i n. Hierauf folgten Vorträge des wissenschaftlichen Mitglieds des Bureaus für Statistik der Juden Dr. oee. publ. I. Segall über „die Juden und das deutsche Wirtschaftsleben" und des Rechtsanwalts Dr. jur. phil. et oec. publ. Rudolf Wassermann aus München über „die Kriminalität der deutschen Juden." An die mit großem Beifall aufgenommenen Vorträge schloß sich eine interessante Aussprache, an der sich verschiedene Herren beteiligten. 22 Berlin, 16. Dezember. Der Verein sür Arbeitsnachweis E. V. (begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., Monbijouplatz 10) schreibt uns: Der Rechenschaftsbericht über den Arbeitsnachweis in beit Monaten Oktober und November kann eine wesentliche Belebung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage auf dem hauptstädtischen Markte n i ch t feststellen, wenngleich die vorschreitende Saison eine Belebung für einige Branchen im Gefolge gehabt hat. Trotzdem wurde durch unsere für alle Teile u n e n t g e l t l i ch e V e r m i t t l u n g von 620 Bewerbern, die unsere Dienste in Anspruch nahmen, 588 Personen .(49 in Stellungen mit Sabbatheiligung) — 267 Kauslente, 149 Handlunasgehilfinnen und 172 gewerblichen Arbeitern — die jeweilig geeignete Arbeitsgelegenheit nachgewiesen. Wiederum konnte einem Teil der arbeitslosen Petenten vorübergehende Beschäftigung in unserer Abteilung „Schreibstube" gewährt werden. Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese Abteilung, in welcher Schreib-'und Maschinenarbeiten, Vervielfältigungen, Versand von Reklamen usw. schnell und korrekt ausgesührt werden, von einem immer größeren Teile von Arbeitgebern in Anspruch genommen würde. Durch diese Einrichtung ist der Verein in die Lage versetzt, Bewerbern, die sich in dringender Not befinden, zu sofortigem Verdienst zu verhelfen. Berlin, 16. Dezember. Am vergangenen Sonntag wurde auf dem Friedhof der Adaß-Jisroel-Gemeinde der Oberkantor der Synagogengemeinde in Posen, Jacob L e i b o w i tz, der am 10. d. M. im hiesigen jüdischen Krankenhause im jugendlichen Alter von 34 Jahren emem tückischen Leiden erlag, zur letzten Ruhe gebettet. Groß war die Zahl derjenigen, die dem Verschiedenen das letzte Geleit gaben. Seine sämtlichen Berliner Kollegen, sowie eine Abordnung des Vereins der jüdischen Studenten mit ihrer Fahne umstanden die Bahre. Von Erschütterung durchbebt trug Oberkantor D u b o w s k i, der Schwiegervater des Verstorbenen, das.Hazur-tomin-Gebet vor. Anschließend an diesen ergreifenden Klagegesang hielt Rabbiner Dr. M u n k die Trauerrede. Aus Posen waren Rabbiner B l n m und Manasse Werner, der Vorsteher der Gemeinde, gekominen, um Worte des Abschiedes ihrem so früh verstorbenen Vorbeter zu weihen. Hauptkantor Neustadt gab den wehmütigen Empfindungen Ausdruck, die die Mitglieder des deutschen Kantorenverbandes durch das Hinscheiden ihres Vorstandsmitgliedes beherrschen. Hauptkantor D a v i d s o h n sprach in herzbewegenden Worten für die Hilfskasse der israelitischen Kultusbeamten und Kantoren. Aus all diesen Reden vernahm man, daß eine Zierde des Kantorenstandes mit Jacob Leibowitz dahingegangen ist, daß nicht nur seine Gemeinde, in der er seiner rühmlichen und verdienstvollen Tätigkeit oblag, sondern auch die weiteren Kreise seiner Kollegen, für deren soziale Interessen er arbeitete, den Verlust auf das tiefste beklagen. Unter Sturm und Wetter trug man ihn hinaus, und in das Rauschen des Regeu mischten sich die klagenden Töne des El mole rnchamim-Gebetes, mit dem diese eindrucksvolle Feier schloß. 22 Ostseebad Zoppot, 12. Dezember. Wenn auch im allgemeinen die Gemeinden der kleinen Städte, besonders aber in Westpreußen, sich nur schwer halten können, ja in einzelnen Füllen sogar der Auslösung entgegengehen, so blüht in dem Ostseebade Z o p p o t jüdisches Leben. Den in Zoppot wohnenden Juden wurde die Grün- I düng der Gemeinde besonders erleichtert durch die überaus großherzige Stiftung des in Zoppot und Danzig rühmlichst bekannten Herrn C a s P e r - S i l b e r ste t n. Derselbe erbot sich, in Zoppot eine Synagoge auf eigene Kosten im Betrage von 50 000 Mark zu bauen, die nun recht bald ihrer Fertigstellung entgegensieht und im Frühjahr des kommenden Jahres eingeweiht werden dürfte. Obgleich es der jungen Gemeinde durch die zielbewußte Führung ihres Vorstandes, speziell die des ersten Vorsitzenden, des Herrn Sanitätsrat Stadtrat Dr. Lindemann gelungen ist, den Friedhofsplatz Preiswert von der städtischen Behörde käuflich zu erwerben, hat die Zoppoter Synagogeugemeinde trotzdem noch derart hohe Geldsummen zusammenzubringen„ daß ihr dieses bei ihrer geringen Mitgliederzahl leider unmöglich ist 'und sich zu diesem Zwecke an alle mildtätigen Glaubensgenossen, die ja bekanntlich für solch gute Zwecke immer eine offene Hand haben, wenden mufj. Der Bauplatz für die Synagoge, dessen lastenfreie Hergabe vom Steter der oben erwähnten 50 000 Mark als Bedingung seiner Schenkung gemacht war, erforderte allein die Summe von 22 000 Mark. Anschaffung des Friedhofes zirka 10 000 Mark; ferner darf nicht unerwähnt bleiben, daß auch die innere ' Ausschmückung der Synagoge durch Stiftungen aufgebracht werden soll und mithin auch dle zur Ausschmückung nötigen Gegenstände mit vielem Dank angenommen werden, ebenso erwünscht wären Schenkungen bou Thorarollen und anderen Gebetgegenständen. — Am 22. des Monats Tischri, den 23. Oktober 1913, ist es den Bemühungen des Kaufmann Herrn S. S i m o n gelungen, eine Chewra Kadischa, deren Vorstand