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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-19 · Heft 51 (19.12.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 genügt iuirb. Auf Antrag des Vorstandes beschließt die Versammlung, dieser Abänderung der, Anstellungsordnung Zuzustimmen. — Vom 1. Dezember d. I. ab sollen für den Betrieb der neuen Blumcnhalle auf dem Friedhof in Weißensee die neuen Stellen einer Kassiererin und zweier Binderinnen geschaffen und die Ausgaben dafür aus den Mitteln der Friedhofskommission gedeckt werden. Die Versammlung stimmt dem Zu. — Die Tarife für die Vermietung der Plätze in der Alten Synagoge, der Synagoge Kaiserstraße und Synagoge Lindenstraße sollen herabgesetzt werden. Es ist der Versammlung ein neuer Tarif dementsprechend vorgelegt worden, der angenommen wird. — In einer Vorlage vom 28. v. M. beantragte der Vorstand, und die Versammlung beschloß demgemäß, außer den 71 Veteranen, die eine Beihilfe von je 100 Mark bereits erhalten haben, noch weiteren 4 Veteranen diese Unterstützung zu gewähren. Unterdessen haben sich noch 4 Kriegsteilnehmer mit der Bitte um Bewilligung der Ehrengabe an den Vorstand gewandt. Bei einem Petenten liegt, wie die Recherchen ergeben haben, Bedürftigkeit nicht vor. Der Vorstand hat daher dieses Gesuch abgelehnt. Die Versammlung genehmigt die Vorlage, wonach also noch sieben weiteren Veteranen (außer den 71) eine Ehrengabe von je 100 Mark gewährt werden soll. — Dein Rechnungsabschluß des Krankenhauses ist zu entnehmen: Die Einnahmen belaufen sich einschließlich des Gemeindezuschusses auf 314 693.91 Mark, die Ausgaben auf 321612 Mark, so daß sich ein Mehrverbrauch von 6918.38 Mark ergibt. Die Versammlung genehmigt den Rechnungsabschluß, bewilligt den Mehrverbrauch in Höhe von 6918.38 Mark und erteilt Entlastung. — Der Abschluß des II. Waisenhauses weist einen Mehrverbrauch von 1370.35 Mark auf. Die Versammlung genehmigt den Rechnungsabschluß, bewilligt den Mehrverbrauch und erteilt Decharge. — Dem Rechnungsabschluß der Schulverwaltung pro 1912/13 ist zu entnehmen, daß eine Minderausgabe von 36 143.53 Mark zu verzeichnen ist.' Dieser Betrag ist an die Gemeindehauptkasse znrückgezahlt worden. Ein ausführlicher Bericht über sämtliche Schulen, der Ostern 1914 erscheinen soll, befindet sich in Vorbereitung. Die Versammlung genehmigt den Rechnungsabschluß und erteilt Entlastung. — Zur Bestreitung der Kosten für die Hochführung des Schornsteins ans dem Synagogengrundstück Lindenstraße 48/50 werden 435.10 Mark aus dem Fonds für unvorhergesehene Ausgaben nachträglich bewilligt. — Zur Vermehrung der Unterrichtszeit an der Religionsschule in Steglitz auf insgesamt 11 Stunden wöchentlich vom 1. April d. I. ab wird ein Betrag von 700 Mark jährlich nachträglich be- N'illigt. — Zur Anschaffung von Gebetbüchern als Geschenkwerke für Konfirmanden wird ein Betrag von 800 Mark bewilligt. — Für die Regulierung und Pflasterung der Wege um die neue Blumenhalle in Weißensee sowie für die Ergänzung der Inneneinrichtung wird ein Betrag von insgesamt 4077.74 Mark nachträglich bewilligt. — Für die innere Einrichtung der Synagoge Levetzowstraße >vird nach Maßgabe des von der Synagogenbaukommission vorgelegten Kostenanschlages ein Gesamtbetrag bis zu 29 555 Mark bewilligt. Die Deckung soll, wie bei der Etatsberatung für die gesamten Baukosten der Synagogenneubauten in Aussicht genommen wurde, aus Anleihemitteln erfolgen. — Die Festsäle im Marinehans werden für die Jahre 1914, 1915, 1916 und 1917 zum Zweck der Veranstaltung von Hanpt- und Jugendgottesdienst wieder gemietet. — Zum Rendanten der .Altersversorgungsanstalt wird bis Ende 1914 Herr Max M e ck l e n - bürg, zum Mitglied der Fnrsorgckommission Herr Julius L e v i n an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Rechtsanwalts Arnold Cohn, und Herr Jsmar Hamburger an Stelle des Herrn Julius Plachta als Mitglied des Vorstandes der Synagoge Rykestraße zum Mitglied der Festgottesdienstkonnnissivn gewählt. — In die Fürsorgekommission werden die Herren Dr. Hermann Cohn, Eugen Caspary, Rabbiner Dr. Blnmenthal, Berthold Israel, Sanitütsrat Dr. Margoniner und Abraham Levy wiedergewählt. — Dem Zentralverein, deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird zur Herstellung des Werkes über den Anteil der Juden an den Befreiungskriegen ein weiterer Betrag von 500 Mark, dem Jüdischen Volksverein für das Jahr 1913/14 eine Subvention von 3000 Mark, dem Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland für die laufende Etatsperivde eine jährliche Subvention von 500 Mark und dem Israelitischen Volkskindergarten und Kinderhort Berlin, Gipsstraße 3, für die lausende Etatsperiode eine jährliche Subvention von 500 Mark bewilligt. — Um 12 Uhr erfolgte durch den Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung die Einführung und Verpflichtung des zum Gemeindeältesten wiedergewählten Herrn Kommerzienrats Heinrich Ei sner. An die öffentliche Sitzung schloß sich noch eine geheime, in der vorzugsweise Personalangelegenheiten zur Beschlußfassung gelangten. , ■ <£•> Berlin, 16. Dezember. Gehe im rat Dr. Emil Rathenau, der am 11. d. M. seinen 75. Geburtstag feierte, hat vom Kaiser folgendes Telegramm erhalten: „Durch Gottes Güte ist es Ihnen vergönnt, auf 75 Jahre Ihres reichgesegneten, arbeits- und erfolgreichen Lebens zurückzublicken. In dankbarer Anerkennung Ihrer hervorragenden Verdienste um die Entwickelung der deutschen elektrotechnischen Industrie gereicht es mir zur Freude, Ihnen meine wärmsten Glückwünsche zum heutigen Tage auszusprechen. Wilhelm I. R." Der Reichskanzler telegraphierte wie folgt: „Empfangen Sie, sehr geehrter Herr Geheiiner Baurat, an dem Tage, an dem Sie das 75. Lebensjahr vollenden, meine wärmsten Glückwünsche. Mit gerechtem Stolz dürfen Sie auf ein langes Leben Zurückblicken, das schöpferische Begabung, mit unermüdlicher Arbeitsfreudigkeit und eisernem Willen vereint, zu einer ebenso langen Kette von. Erfolgen gestaltet hat. Ihr nnertrüglicher Blick für technische und wirtschaftliche Möglichkeiten hat Sie stets die höchsten Ziele kühn ins Auge fassen, kluge Wertungen des sicheren Grundes die Sorge um das Kleinste darüber nicht verschmähen lassen. So haben Sie eine der gewaltigsten industriellen Unternehmungen im Deutschen Reiche geschaffen und zu höchster Vollendung. geführt: ein bahnbrechender Führer in den großen wirtschaftlichen Fragen der Zeit und ein Vorbild strengster Erfüllung alltäglicher Pflicht. Ihnen, dies . an Ihrem Ehrentage auszufprechen, mit dem Wunsche, daß Ihnen, nach Genesung von schwerer Krankheit noch lange Jahre des Wirkens beschieden sein mögen, ist mir herzliches Bedürfnis und aufrichtige Freude." Im Namen der Stadt Berlin gratulierte der Oberbürgermeister dem Manne, „der führend an der Spitze der deutschen Industrie steht, und immer ein treuer Bürger Berlins geblieben ist." E. S. Berlin, 16. Dezember. Im V e r e i n f ü r j ü d i f ch e G e s ch i ch t e und Literatur sprach am 11. d. M. Rabbiner Dr. I. L e'w k o w i tz über „Monismus und Judentum". Daß heute überhaupt bei dem heftigen Kampf um die materiellen. Interessen den Fragen der Weltanschauung so viel Aufinerksamkeit geschenkt werde, sei ein erfreuliches Zeichen der.Zeit. Nach Häckel und Ostwald gibt es nur Materie und Bewegung. Die Funktionen des Seelenlebens gelten nur noch als Nervenvorgänge. Nie ist die Religion des Judentums mit den wirklichen Ergebnissen der Wissenschaft in Widerspruch gekommen. Die Monisten haben ebensowenig die Welträtsel gelöst wie ihre Vorgänger, sie wissen nicht zu beantworten, wie aus den Stoffen das Leben entsteht.. Dem Monismus ist der Dualismus entgegengesetzt, nach welchem der Geist nicht die vorübergehende'Wirkung körperlicher Kraft ist. Das Judentum behauptet die ursprüngliche Existenz der Seele. Leugnen wir die Realität des Geistes, dann ist der Gottheitsglaübe ein Kindheitstraum. Häckel und Ostwald kennen gar nicht die Lehre des Judentums, sonst müßten sic wissen, daß Gott von aller Körperlichkeit frei ist. Hieran haben alle großen jüdischer Lehrer, zum Beispiel Maimonides, festgehalten. Im Monismus gibt es keine sittliche Weltordnung, sondern nur das blinde Recht der Notwendigkeit. Häckel verlangt vom Menschen das Streben nach denr Guten, Wahren und Schönen. Ostwald sagt: Vergeude keine Energie, verwerte sie. Wofür dies alles? Walten doch nur blinde Naturgesetze! Wie will der Monismus aus dem Müssen ein Sollen machen? Sittliches Handeln hat nur Sinn, wenn die Welt sittlich geordnet ist. Das Judentum hat im Glauben an den einen Gott, an die sittliche Weltordnung, Jahrhunderte der Verfolgung überdauert, hat hieraus unerschöpflichen Trost, freudige Hoffnung und edle Begeisterung geschöpft. Die Fragen nach dem Ursprung der Welt und dem Zweck des Lebens können nicht von der Wissenschaft gelöst werden, da tritt der Glaube in sein Recht. Monismus und Judentum sind unvereinbare Gegensätze. Juden, welche diese Weltanschauung verneinen wollen, beweisen nur ihre Unbekanntschaft mit den einfachsten Kenntnissen der jüdischen Lehre itrtö Geschichte. Eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft spendete den geistreichen, rnit großer Klarheit und rednerischem Schwünge vorgetragenen Ansführungen des Redners reichen Beifall. — Aus den auswärtigen Vereinen: In Metz sprach Rabbiner Dr. M. Eschelbacher-Düsseldorf über „Die Predigt im Judentum"; in München Dr. Hugo Salus-Prag: „Eigene Dichtungen"; in Karlshorst bei Berlin Lehrer Hirschfeld über: „der Talmud". g/3 Berlin, 16. Dezember. Am 27. v. M. fand die diesjährige ordentliche Hauptversammlung des V e r e i n s f ü r S t a t i st i k

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