Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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aus den angesehensten Mitgliedern unserer jungen Gemeinde zusammengesetzt ist, ins Leben zu rufen. Obfchon das Ostseebad Zoppot einen SoMmerbesuch von zirka 19 000 Badegästen sowie 15 500 Dauerbewohner auszuweisen hat und sich zufolge -seiner lieblichen, wirklich schönen Lage eines ständigen Zuzugs aus säst allen Städten der Ost-. Provinzen erfreut, fällt es der jungen Gemeinde nicht leicht, all das aufzubringen, dessen eine. Gemeinde bedarf, es mithin sehr erwünscht wäre, da Zoppot durch seine herrlichen Wälder sowie gute Seeluft ja bekanntlich ein Eldorado für ältere, ruhebedürstige Leute ist, wenn recht viele jüdische Familien bei der Wahl eines neuen Dauerwohnsitzes sich für Zoppot entschließen würden. Die Steuerzuschläge werden Wohl in Zoppot die niedrigsten von allen Ostprovinzstädten. sein. Die schöne Großstadt. Danzig liegt ganz in der Nähe; es besteht halbstündliche Bahnverbindung von ZoPPot nach dort. Für den Gottesdienst sowie für nlle übrigen rituellen Einrichtungen ist bestens gesorgt. Einige tüchtige, jüdische Handwerker, speziell ein Fleischer, würden hier sicher ihr Brot finden. er. Glogau, 14 Dezember. Am 11. d. M. feierte Herr Stadtrat Immanuel Landsberger in seltener geistiger und körperlicher Frische, wie es seine Teilnahme am letzten Deutsch-Israelitischen Gemeindetage erst bewies, seinen 80. Geburtstag. Es kann nicht verwundern, daß Landsbergers Name bei dem regen Interesse, das er für alle jüdischen Fragen zeigt, weit über Glogaus Mauern hinausgedrungen ist. In wenigen Tagen werden 50 Jahre verflossen sein, seitdem er in der Verwaltung seiner Heimatgemeinde tätig ist, seit 36 Jahren ist er ihr 1. Vorsteher. Durch seine Mutter der großen jüdischen Gelehrtenfamilie der Munk-Teomim angehörig, von der ein Zweig seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts in Glogau saß, konnte er an die alten Traditionen-der berühmten Glogauer Gemeinde anknüpsen: war es doch sein heißestes Streben, ihr das hohe Ansehen zu bewahren. So war es das erste, daß er, als die erste Stadterweiterung geschah, hinauszog mit dem Gotteshaus und dort den Prunkbau der Synagoge erbauen ließ. Unermüdlich hat er für die jüdischen Interessen in seiner Heimatstadt gearbeitet und hat für den neuen Tempel einen würdigen/ dem modernen Zeitempfinden angepaßten - Gottesdienst erwirkt; ^icht unerwähnt bleibe seine Tätigkeit als Kurator vieler Wohltätigkeitsstistungen. Ebenso eifrig' betätigte sich Landsberger in der Stadtverwaltung, in der er fast ebenso lange tätig ist, erst als Stadtverordneter, später als Stadtverordnetenvorsteher und bis jetzt als Stadtrat. Lange Zeit gehörte er auch dem Kreistag und der Handelskammer als Mitglied an. Vor mehreren Jahren hatte er die Freude, das fünfzigjährige Jubiläum seiner Getreidesirma Levy und Landsberger als Seniorches feiern zu können, daneben steht er noch an der Spitze des Bankgeschäfts I. Landsberger & Co. und der Melassefutterfabrik Fraustadt, die zu den größten im Osten Deutschlands zählt. I. ^.. Nürnberg, 12. Dezember. Der erste Vor,sitzende der jüdischen Kültusgemeinde dahier/ Herr Justizrat Dr. Held, feierte am 7. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit'. Dieser Tag war ein Fest- und Ehrentag im Heldscheu Hause und gab einen glanzvollen Beweis, welch großer Beliebtheit und hohen Ansehens sich das He'ldschc Ehepaar erfreut, nicht nur in den Kreisen der Gemeinde, sondern innerhalb der ganzen Stadt. - Eine äußerst stimmungsvolle musikalische Huldigung wurde dem Jubelpaare am Vormittag dargebracht durch den Synagogenchvr, der zwei Psalmen vortrug, und auch durch einen Sologesang des Herrn Oberkantors Fränkel: „Dein Weg ist mein Weg." Herr Direktor G o m b r i ch übergab namens der Gesamt- Verwaltung der jüdischen Kultusgemeinde eine künstlerisch ausgeführte Bronzestatue „Nathan der Weise". Herr Rabbiner Dr. Freudent h a 'l überreichte im Austrage der Gemeindebeamten ein prachtvolles Bibelwerk. Herr Justizrat H eld dankte mit tiefempfundenen Worten für die Ehrungen und betonte das schöne, ideale Verhältnis, das zwischen Gemeindeverwaltung und ihrem ersten Vorsitzenden besteht. Die, Freimaurerloge ließ durch eine Deputation die Glückwünsche ihrem Ehrenmeister Dr. Heldaussprechen, der jahrelang das. höchste Amt eines „Meisters vom Stuhle" in der Loge bekleidete. Die 'Anwaltskammer von' Mittelfranken, de reu Schriftführer der Jubilar ist, . ließ durch den Vorsitzenden, Herrn Geheimen Justizrat Vollhard, die Glückwünsche ausfprechen. Erwähnt sei noch, daß Herr Justizrat Held nicht nur das.Ehrenamt eines Gemeindevorsitzenden in geradezu vorbildlicher Weise verwaltet, sondern daß er an allen großen Organisationen der deutschen Judenschaft mit in vorderster Reihe' tätig ist. v 22 Hannover, 12. Dezember. Am 7. d. M. fand die diesjährige Sitzung des Kuratoriums der is raelitischen Erziehungsanstalt Ahlem unter dem Vorsitz des Justizrats Dr. Bereild in den Räumen der Zionloge zu Hannover statt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Kuratoriumsmitglieder wurden sämtlich wiedergewählt^ Neugewählt wurden Herr Leo Kohn-Essen und Herr Franz Rosercherg-Hannover. An Stelle des vor kurzem -verstorbenen Herrn Senators a. D. Julius Friedberg wurde Herr Dr. med. Caro in den Vorstand-berufen. — Der vom Vorstand erstattete Bericht weist vor allem aus die vor kurzem veröffentlichte Statistik der Zöglinge hin, die ein außerordentlich günstiges Ergebnis zeigt. Es wurden bislang beruflich ausgebildet: 233 Knaben und 85 Mädchen. Von den beruflich äusgebildeten Knaben sind:. 218 . Gärtner, 5 Bäcker, 6 Schuhmacher, 3 Tischler, 1 Tapezierer. Von diesen sind bereits zirka 40 selbständig. Von den Mädchen betätigen sich etwa 70 in der praktischen Hauswirtschaft. Augenblicklich befinden sich in der Anstalt: 87 .Knaben und 50 Mädchen. — Den größten Teil der Sitzung nahm die Besprechung über.die sehr üble finanzielle Lage der Anstalt in Anspruch. Schon seit mehreren Jahren wird mit einem Defizit von 7000 bis 10 000 Mark jährlich gearbeitet, und die Aufrechterhaltung des Betriebes war nur dadurch möglich, daß der Anstalt zirka 30 000 Mark aus einigen größeren Legaten zur Verfügung standen. Diese Gelder sind aber nunmehr aufgezehrt. Außer einigen nicht erheblichen Kapitalstiftungen, die, nicht angegriffen werden dürfen, steht der Anstalt bei einem Jahresetat von 130 000 Mark keinerlei Kapitalvermögen, Reserve- oder Betriebsfonds zur Verfügung. Sie ist neben den für die einzelnen Zöglinge gezahlten Unterhaltungszuschüssen ganz und gar auf die Spenden ihrer. Freunde angewiesen. Es'muß nunmehr trotz der für solche Sammlungen ungünstigen Zeiten durch eine umfassende Propaganda versucht werden, die nötigen Betriebsmittel herbeizuschaffen. Ein weiterer großer Geldbedarf entsteht durch-die Notwendigkeit eines dringend erforderlichen Neubaues; diesen-Bedarf durch eine Anleihe zu decken, ist aber erst -dann möglich, wenn die Verzinsung und Amortisation einer solchen durch regelmäßige Beiträge sichergestellt werden'können. Der Vorstand hofft,, daß es angesichts der. vorzüglichen Leistungen der Anstalt gelingen wird, die großen erforderlichen Mittel heranzuziehen. L. Bruchsal, 14. Dezember. Ein unabsehbarer Leichenzug folgte am letzten Mittwoch der sterblichen Hülle des Herrn Stadtrats Louis Marx zu seiner letzten Ruhestätte. Die in der Friedhosskapelle veranstaltete Trauerfeier war trotz ihrer Schlichtheit und Einfachheit eine ergreifende und imposante. Vor der Kanzel war aus einer Bahre der Sarg mit einem schwarzen Tuch ausgestellt, "welcher von den Teilnehmern von beiden Seiten umstellt war. Die Halle selbst erwies sich als viel zu klein, da der Zudrang ein ganz enormer gewesen ist. Eingeleitet wurde die Feier mit einem ergreifend feierlichen Sologesang des Kantors der hiesigen israelitischen Gemeinde Herrn Leo Levin, woraus sodann die eigentliche Leichenrede des Herrn Bezirksrabbiners Dr. G r z-h m i s ch folgte. In herrlichen Worten' W i es der Redner auf das Leben und Wirken des Entschlafenen hin, wobei er' ihn-'treffend als Idealisten und Realisten schilderte. Seine Worte kamen von Herzen, da er dem Verblichenen in Freundschaft nahegestanden. Siegingen aber auch sichtlich jedem zu Herzen. Es folgten nunmehr nacheinander die weiteren Ansprachen. Für den Synagogenrat Bruchsal sprach Herr Rudolf Schloßberger, für den Stadtrat legte der derzeitige Stellvertreter Herr Biedermann unter einzig herrlichen Worten den Kranz des guten Namens, der nicht wie Blumen vergänglich, da er mit Rücksicht aus den jüdischen Ritus von Blumenangebinden Abstand nahm, aus der Bahre nieder. Für die Negierung war Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer erschienen, der dem Verstorbenen ebenfalls ehrenhafte Worte widmete. Für die Landessynode sprach Herr Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß in . Heidelberg unter Zugrundelegung auf die Person des Verstorbenen passende Bibelworte. Weitere Ansprachen hielten: Herr Jakob Oppenheimer für den Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden, für den Demokratischen Verein Bruchsal Herr- Rechtsanwalt Strauß, für das Alten- und Siechenhaus in Gailingen Herr Rechtsanwalt Dr. Gassewitz in Freiburg, Herr Dr. Ellenbogen für die Karl-Friedrich-Loge in Karlsruhe, für die Fortschrittliche Volkspartei Herr Parteisekretär Dr. Hatzendorf, für die Beamten der israelitischen Gemeinde in Bruchsal Herr Kantor Levin. Sämtliche Ansprachen waren getragen von der großen Wertschätzung, die dem Entschlafenen von allen Seiten aufrichtig gezollt wurde. Die Schatten