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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-19 · Heft 51 (19.12.1913) · p. Seite 609

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
Seite 609 (sequence 9)
Language
German
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609 „Aber wenn ich Geld brauche, um den Holzhändler sein Holz zu bezahlen, muß ich. eben so einen Wechsel unterschreiben, sonsb gibt mir Goldenberg das Geld nicht." „Aber Sie sagten doch, daß Sie den Wechsel dem Mendel gegeben haben?" „Ach, Herr Kreisrichter, daß ist ja ein und dasselbe, Goldenberg'und Mendel arbeiten immer zusammen; der eine bekommt den Wechsel und der andere klagt ihn ein; so haben schon viele Handwerker ihren Prozeß verloren, und so wollen sie auch mich um meinen Arbeitslohn bringen." „Nehmen Sie das wörtlich aus, Herr Sekretär." „Wollen Sie damit sagen," suhr Felseck sodann fort, „daß der Inhaber der Firma GöldenLerg u. Co. gewußt hat, daß Sie eine Gegenforderung an Mendel besitzen?" „Jawohl, gerad-e das behaupte ich." „Und das er den Wechsel nur erworben hat, um Ihnen im Wechselprozeß die Einrede abzuschneiden?" „Jawohl, das behaupte ich." „Aber wie wollen Sie das beweisen?" „Der Mendel soll als Zeuge vernommen werden." „Im Wechselprozeß gibt es keine Zeugen, nur Urkunden und Eid." „So will ich's beschwören." „Geht auch nicht so ohne weiteres; Sie können nur den Eid dem Kläger zuschieben." . „Ja, das will ich auch; er soll beschwören, daß er von meiner Gegenforderung nichts gewußt hat." „Kläger, was haben Sie auf diesen Einwand zu erwidern? Oder wollen Sie sich mit dem Verklagten vielleicht vergleichen?" Jakob Goldenberg war glühend rot geworden. Mt heiserer und vor Wut bebender Stimme erklärte er: „Ich vergleiche mich grundsätzlich, nie und erkläre zu Protokoll, daß ich den Herrn Kreisrichter wegen Befangenheit ablehne, da ich Jude bin, und er sich am Dienstag öffentlich als Antisemit bekannt hat. Den mir zugeschobenen Eid nehme ich eventuell an, beantrage aber, ihn zum Erkenntnis zu stellen. Endlich protestiere ich hiermit zu Protokoll dagegen, daß der Herr Kreisrichter dem Verklagten die Einrede suppeditiert hat." „Herr," brauste Felseck auf; doch schnell sich mäßigend wandte er sich an den Sekretär: „Nehmen Sie auch diese Erklärung wörtlich auf." „Verklagter, haben Sie noch etwas zu bemerken?" „Nein." „So lesen Sie, Herr Sekretär, das ganze Protokollvor." Es geschah. „Nun lassen Sie die Parteien unterschreiben." Jäschke unterschrieb; Goldenberg erklärte dagegen, daß er die Unterschrift verweigere, und verließ das Terminzimmer. „Vermerken Sie, daß Kläger die Unterschrift ohne Angabe von Gründen verweigert hat." Der Kreisrichter erhob sich und verkündete, daß er den Einwand der Befangenheit ablehne, daß in der Sache selbst Verklagter zur Zahlung von 50 Mark bei Vermeidung der sofortigen Wechfelexekution verurteilt sei, wegen des Ueberrestes von 100 Mark aber die Entscheidung von der Leistung oder Nichtleistung des der klägerischen Firma zugeschobenen Eides abhängig gemacht werde. Nachdem er die Begründung des Urteils dem Protokollführer in die Feder diktiert hatte, dekretierte er, daß beglaubigte Abschrift des gesamten Protokolls der Kgl. Staatsanwaltschaft wegen Beleidigung im Amt zu übersenden sei. Ein trauriger Amtsanfang, dachte der Kreisrichter; Perhorreszierung und noch dazu der Vorwurf der Parteilichkeit, während ich doch nur ex nobili officio judicis gehandelt habe. Ein gefährlicher Mensch dieser Jakob, schlau und gerieben; nun, diesmal hat er nur sich selbst geschädigt. Doch meines Bleibens in Mondenstein wird, wie ich bemerke, nicht zu lange fein; ach, die fatale Tischrede! „Doch nun," und fein Gesicht erhellte sich, „zu etwas Angenehmeren. Gerade 11 Uhr; also die Testamentseröffnung." „Rufen Sie die folgende Sache auf," befahl er dem auf fein Klingeln eintretenden Gerichtsdiener. (Schluß folgt.) ' Uus einem Trams „Inda Mskksbi". Von Rudolf AdamU). II. Aufzug. Höhle in der Wüste Juda. Links hinten Ausgang zur Nebenhöhle. Rechts vorn Hananja mit jüngeren Judäern, denen sich später auch ältere zugesellen. Sie hocken um ihn herum. Er sitzt erhöht auf einem Stein, eine Buchrolle in der Hand,. andere neben sich. Erste Szene. Hananja: 's ist eine schwere Frage — offenbar — Der Wortlaut des Gesetzes aber klar. Kann man den Sabbat „heiligen" durchs Schwert? Wird er durch Mord und Totschlag nicht < entehrt? David: Der Sinn ist freilich klar i m a ll g e m e in en. Hi er will er mir ganz richtig nicht erscheinen. Perez: Auch ich zergrüble mir den Kopf vergebens. Jst's nicht was andres bei „Gefahr des Lebens"? Hananja: Wohl ist zumeist — ihr wisset es ja all — Gefahr des Lebens ein besondrer Fall. , Man darf sich der Gefahr durch Flucht entstehn. Darf fahren, reiten, um nur zu entfliehn. Doch nicht im Kampf sich tummeln, morden, töten. Dies ist g e s e tz l ich nicht und nicht vonnöten. (Die meisten blicken ungläubig. Einige nicken zu, andere schütteln zweifelnd das Haupt.) David: Noch will's mir recht nicht scheinen, Meister, wißt's. Hananja: Ich sage, David, dir: so ist's, so tff§. Wie stünde es zudem — hört weiter zu! — Wenn man's erlaubte, mit der Sabbatruh'? Wie ist es mit der Ruhe zu vereinen? Perez: . Die Ruhe ist gestört schon — will mir scheinen — , Ja aufgehoben, nahet sich der Feind. Hananja: Was du nur redest da: „dir scheint", „dir scheint"! Und wenn du kämpfest, kannst du besser cuhn? Ja, darf man überhaupt nur etwas tun? Schelomo: Noch eines, lieber Meister, möcht' ich fragen: Warum nun dürfen wir das Schwert nicht tragen? Am Kleid befestigt, im geschlossnen Raum, Ms doch, so mein' ich, ungesetzlich kaum. Hananja: Doch, doch, Schelomo! Wo bleibt dein Verstand? Wer weiß's? — Die Antwort liegt ja aus der Hand. h Nachdruck und Aufführung nur mit Erlaubnis des Autors gestattet.

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