Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- Seite 605 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Tollkühnheit ihm mtgegenzuhandeln sich unterstehen, so soll er Ehre und Amt verlieren oder die Strafe des Kirchenbannes erleiden, wenn er-'seine Uebeltat nicht durch eine würdige Büße wieder gutmacht." Das Original dieser Urkunde ist allem Anschein nach verloren gegangen. Der vorstehend wiedergegebene Inhalt entstammt einer Abschrift, die sich in der Stadtbibliothek von Toulouse befindet und für diese, wie der Herausgeber vermutet, im achtzehnten Jahrhundert von einem Exemplar genommen worden ist, das sich im erzbischöflichen Archiv von Narbonne befunden hat. Dorthin war das Sendschreibeü wohl gekommen, weil besonders in Frankreich" zu jener Zeit die Juden ungerechte Verfolgungen zu erleiden hatten. Die Erlasse der Päpste Kalixt II., Eugen III.. und Alexander III., die in der mitgeteilten Urkunde erwähnt sind, haben vermutlich den gleichen Wortlaut wie dieses Dokument gehabt, das dann wieder von Jnnocenz IV. in seine oben erwähnte Judenschutzbulle mitausgenommen worden ist. Die Bemühungen der obersten Träger der katholischen Kirche, gegenüber den ungerechten Verfolgungen Andersgläubiger der Menschlichkeit und Vernunft zum Rechte zu verhelfen, gehen also bis in den Anfang des zwölften. Jahrhunderts zurück. * Aus Amerika wird uns geschrieben: Bei den im November stattgefundenen Munizivalwahlen wurde Marcus M. Marks zum President of the Borough of Manhattan, dem wichtigsten Stadtteile New Jorks, gewählt^ wodurch er in der Stadlregierung den nächsten Platz nach dem Oberbürgermeister einnimmt. .In Cleveland wurde Alfred A. Benesch, ein junger Rechtsanwalt, zum virector of Public Service, d. i. zum Ober- Haupte des städtischen Verwaltungsdienstes, vom Mayor ernannt. In New Jork starb am 22. November Frau Bertha Rahner Frank, eine bekannte Wohltäterin, die vor nicht langer Zeit einen Anbau zum jüdischen Hospital von Baltrmore, ihrer Geburtsstadt, für 100 060 Pfd. Sterl. errichten ließ. Sie war die Schwester des vor einem Jahre verstorbenen Bundesfenators Isidor Rahner. Lsmurl Ksumdourg l. % Biographische Studie von Königl. Musikdirektor A. Friedmann - Berlin, ine Größe ersten Ranges aus dem synagogalgesanglichen Gebiete war Samuel Naumbourg. Er erblickte am 15. März 1817 in Donaulohe, einem Dorfe in Bayern, das Licht der Welt. Schon als Knabe zeigte er großes Interesse für Gesang und empfing den ersten Unterricht bei seinem Vater Baruch Naumbourg, der in Donaulohe das Amt des Vorbeters verwaltete. Es sei hier erwähnt, daß Samuel Naumbourg einer alten, nachweislich bis in.die vierte Generation hinaufreichenden Chasonimfamilie entstammt. „So erklangen," wie Singer trefflich sagt, „schon an der Wiege Naumbourgs jene heiligen Melodien,/welche unter dem Namen Chasonims Gemeingut des Gesamtjudentums geworden, so umrauschten schon sein jugendliches Ohr jene Klänge, deren Zauberkraft auch für seine einstige hohe fachmännische Bedeutung dieselbe Wirkung äußern sollten/ Noch im zarten Knabenalter betete Naumbourg das Abendgebet am Simchäs Toro und errang mit seiner sonoren Sopranstimme und seinem gefühlvollen Vortrag den Beifall der Zuhörer. Naumbourg oblag mit großem Fleiß hebräischen und musikalischen Studien, und zum Jüngling herangereift, faßte er den Entschluß, Kantor zu werden. Er lernte bei seinem Vater die Schechita und wurde in Besan^yn zum Kantor und Schächter gewählt. Naumbourg blieb nicht lange in dieser Stelle. Er ver.vollkommnete sich weiter .in der Musik und erhielt in Straßburg die Stelle eines Chordirigenten. In dieser Stellung hatte Nvumbourg reichlich . Gelegenheit, seine kantoräten und musikalischen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. Nach kurzer Dirigententätigkeit lenkte Naumbourg seine. Schritte nach München. Hier arbeitete er unablässig an seiner Weiterbildung. Der bayerische Hofkapellmeister M. Röder wurde sein Lehrer in Gesang und Musik, und auf kantoralem Gebiet war ihm der bei der Münchener Kultusgemeinde amtierende Kantor und Lehrer Maier Kohn Muster und Vorbild. Wie in vielen anderen Gemeinden regte sich am Anfang des vorigen Jahrhunderts auch in München das Verlangen nach Veredelung und Verschönerung des Gottesdienstes durch geregelten Gesang des Vorbeters und des Chores. So existierte damals in München ein Bevern „zur Erhaltung des Synagogenchores" unter Leitung des oben erwähnten Maier Kohn. Zwecks Anschaffung der erforderlichen Musikalien wandte sich die Administration an die Gemeinde- Mitglieder und erhielt reichliche monatliche Beiträge. Die Chormitglieder, die fast alle freiwillig und unentgeltlich ihren Dienst verrichteten, zum Teil angesehene Gemeindemitglieder, erwarben sich den Dank der Gemeinde. Naumbourg lebte in einem Kreise bedeutender Musiker. Von allen lernte Naumbourg und. verwertete seine Kenntnisse zur feierlichen Ausgestaltung des jüdischen Gottesdienstes. Er wählte M. Kohn zu seinem Mitarbeiter und gab ihm schätzenswerte Winke zur Herausgabe des Werkes „Münchener Synagogengesänge". Durch den im Jahre 1839 erschienenen ersten Teil der „Münchener Synagogengesänge", die Arbeit Naumbourgs und Kohns, wurde der alten, im Gottesdienste herrschenden Gesangsmanier ein Ende gemacht. Naumbourg erfreute sich bald - eines ausgezeichneten Rufes in Musikerkreisen. Deshalb sah er sich bald nach einem großen Arbeitsfeld um. Paris schien ihm das geeignetste zu sein, und er lenkte, versehen mit einem Empfehlungsschreiben seines Lehrers und Gönners Hofkapellmeister Röder, seine Schritte nach der französischen Hauptstadt. Hier setzte er mit großem Fleiß seine Studien fort und hatte das Glück, Halevy zu seinen Gönnern zu zählen. Im Jahre 1843 legte Naumbourg der französischen Regierung ein Elaborat vor, in welchem auf die Notwendigkeit eines jüdischliturgischen. Gesangwerkes zur Einführung in allen Synagogen Frankreichs hrngewiesen wird, und er wurde mit der Bear- Samucl Naumbourg geb. 15. Mürz 1817, gest. 1. Mai^l880.