Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- Seite 603 (sequence 3)
- Language
- German
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608 Und dieser großen erhebenden Familienfeier voll berückender Schönheit und strahlendem Glanz gehe voraus der weihevolle Gottesdienst. Von mächtigem Postament herab sende die Menora ihr Licht aus die Fülle der Andächtigen, Predigt und Hymne seien die würdige Vorbereitung für den Abend des 24. Kislew, der unvergessen bleibe der Kinderseele und ein Band schlinge um Eltern und Kinder, zart und treu, in gegenseitiger Liebe und Trautheit. * Machet oe,t Abend des 24. Kislew zum Lichtnrr- Freuvenfeft in Israel, in -er Familie, im Gotteshanse. Es Werve eine religiöse Ernenernng in Wahrheit und Gestnnnngsreinheit, wnrvig -es neuen freien Ju-eutnms, ein Fest -er Kraft nn- -es Jubels! Die Woche. Berlin, den 16. Dezember 1913. ir erhalten von unserem b'.-Korrespondenten folgende Zuschrift: „Ein sehr bedenklicher Kautschukparagraph im neuen R e i ch s g e s e tz über die Staatsangehörigkeit" ist ein knappes Aussätzchen ans der Feder des Professors Dr. Ludwig Fränkel (Ludwigshasen a. Rh.) überschrieben, das das erste Oktoberheft 1913 der Frankfurter Halbmonatsschrift „Das freie Wort" (S. 488) beschließt. Unter der Erregung und der Ermüdung, welche unmittelbar vorher die lebhaften Debatten über den Wehrbeitrag und das Reichsbesitzsteuergesetz hinterlassen, hat man am 22. Juliü913 jenes lange erwartete neue Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz fast lautlos verabschiedet. So wurden denn auch einige, gar nicht unwesentliche- Pnnkte, namentlich bei der besonders strittigen Rubrik, dem sogenannten A u s l ä n d e r Paragraphen, stillschweigend hingeuonnnen. Neu ist dabei aber die in. der Praxis sehr wichtige Vorschrift, wonach die Naturalisation in einem Bundesstaat künftig erst erfolgen darf, nachdem das Reichskanzleramt festgestellt hat, daß keiner der übrigen Bundesstaaten Bedenken erhebt. Geschieht letzteres, so entscheidet der Bundesrat. Solche Bedenken können auf Tatsachen gestützt werden, welche die Besorgnis rechtfertigen, daß die Einbürgerung das Wohl des Reiches oder eines seiner Bundesstaaten gefährden würde. Diese neue Bestimmung betont einerseits die Souveränität " der Bundesstaaten schärfer und weist andererseits dem Bundesrat eine ganz neue Tätigkeit zu. Bon ganz hervorragendem Interesse ist es da nun, daß bei der Beratung des bezüglichen Wortlautes in der Kommission die Negierungsvertreter beruhigend erklärten, a n s d e r Z u g e h ö r i g k e i t zu einer st a a t l i ch a nerkannten R e l i g i o n s g e s e l l s ch a f t d ü i>s e kein Bedenken i m Sinne des neuen Gesetzes h e r g e l e i t e t werden, aber die Zugehörigkeit zu einen: nicht anerkannten Bekenntnis könne als ft a a t s g e f ü h r d e n d erachtet werde n. Diese überaus dehnbare Erläuterung, die freilich weder im Gesetze selber noch in dessen Begründungs- oder Ausführuugsbestimmungen zu lesen ist, erscheint für . die von antisemitischer und verwandter Seite so nachdrücklich bekämpften Naturalisierungen ausländischer Jude n, soweit gegen diese, wie bei Rabbinern, Kantoren n. a. Kultusbeamten, keine persönlichen Einwände vorliegen, eine bedeutsame Deckung. Man wird sic sich für alle derartigen Fälle deutlich merken und zu diesem Behufe den genauen Wortlaut aus dem gedruckten amtlichen Sitzungsprotokoll . getreu sefthalteu und im Berwaltnngsarchiv der betreffenden jüdischen Organisationen ausbewahren müssen. Sämtliche sogenannten freien Konfessionen, Sekten u. ä., eigentlich überhaupt Wohl alle Glaubensangehörigenaußer den Evangelischen, Römisch-Kathvliken und Israeliten trifft, streng genommen, natürlich jener Vorbehalt einer Ablehnungsmöglichkeit. Daraus wies nicht nur jener Fränkelsche Artikel hin, von. dem unsere heutigen. Ausführungen ausgehen, sondern auch ein Aussatz des kundigen Münchener Rechtsanwalts Dr. Hans Taub (Israelit), „Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit nach dem Reichsgesetz vom 22. Juli 1913", in den „Münchener Neuesten Nachrichten" Nr. 452 (4-. September 1913),' Generalanzeiger, S. 1, wo dieser scharfsinnige Jurist zu dieser Solche urteilt: „Wir stehen hier vor einer Neuerung, die wohl die Oesfentlichkeit unter Umständen noch lebhaft beschäftigen wird." Auf der südwestdeutschen Tagung der Ansschußmitglieder des „Vereins für das Deutschtum im Auslande" zu Frankfurt a. M. am 2. November 1913 wurde bei Erörterung des neuen Reichsangehörigkeitsgesetzes auch dieser unklar gebliebene Punkt berührt, und da wurde mehrfach von berufenster Seite die Ansicht 'geäußert, er beziehe sich gewiß ans die Verhinderung der Einbürgerung unliebsamer Elemente unter den hereinströmenden russischen, polnischen, rumänischen und ungarischen Juden. * Von dem Vorsitzenden des Pro-Falascha-Komitees, Oberrabbiner Dr. S. H. Margnlies in Florenz, geht uns mit der (Bitte um Veröffentlichung nachstehender Bericht zu: In einem Schreiben, das am 15. April 1913 in Gondar an der nubisch-abessinischen Grenze aufgegeben ist, berichtet Dr. F a i t l o w i t s.ch über seine bisherigen Erlebnisse, Wir geben aus dem sehr ausführlichen und inhaltsreichen Schreiben einige wichtige Stellen wieder, für die wir bei jüdischen Lesern besonderes Interesse voraussetzen dürfen: Dr. Faitlowitsch begab sich Donnerstag, den 20. Februar, von Asmara mit seiner Karawane auf -den Weg und traf nach einer Reise von etwa einer Woche, nachdem er unterwegs in Addi-Abu als Gast des Erzbischofs von Abuna Petros empfangen worden war, in Adua, dem Sitz des Generalgonverneurs des Nordens, ein. Da er von den italienischen Behörden mit Empfehlungen an den Negus und die Regierung in Abessinien ausgestattet war, fand er freundlichen Empfang. Dann ging es über Axnm zu den Falaschas, und 'er machte zuerst zu Maitewarn halt. Bei seiner Ankunst fand er alle Falaschas ans der Gemeinde und viele aus der Umgegend vereinigt. Sie feierten gerade das Mvnntssest, Arsi-Assert, das sie sehr streng begehen, bei dem sie sich wie bei den biblischen Festen, in den Synagogen -zum Gebet versannneln. Sie bereiteten ihrem alten Freunde einen begeisterten Empfang; er verlebte den Feiertag und den folgenden Snb- ' bat mit ihnen. Nach einigen Tagen traf er in Addi-Schoha ein, wo sich infolge ständigen Zuzugs mt§ der Umgegend jetzt die zahlreichste Gemeinde der Provinz Tigre befindet. Die Falaschas besitzen dort ein großes Mesgid (Synagoge), einen Kahan (Rabbiner) und mehrere Debteras (Lehrer). Auch dort 'waren viele Falaschas aus der Umgegend, versammelt; alle waren entzückt über die Ankunst des von ihnen so lang ersehnten Reisenden. Sie empfingen ihn mik glänzender Gastfreundschaft itrtb konnten gar nicht genug von ihm hören über Israel, über den Widerhall, den seine Sendung gesunden hatte, und über seine Erfolge zu ihren Gunsten. Sie baten darum, möglichst bald eine Schule zu errichten, sie baten um Lehrer für das Hebräische und Bücher über die Religion, sie übergaben Ihm auch einen Brief an Israel, der ihrem Dank und ihren Erfolgen Ausdruck verleiht. Dann ging es nach der Provinz Amhara. Montag, den 24. März, traf Faitlowitsch in Tekazah ein. Bon dort aus vorwärtszukommen, ist überaus schwierig, die Straßen sind säst unwegsam, und die Wüste bildet ein schweres Hindernis. Der Uebergang auf den Pfaden der steilen Berge, in dem dichten Gestrüpp, bei brennender Sonne und erstickender Glut machen die Reise unerträglich und bereiten den Karawanen schwere Gefahren. In dieser Gegend kann man. nur 3 bis 4 Stunden täglich marschieren; um aber schneller vorwärtszukommen . und das Pesachsest in der Provinz Dembea verleben zu können, nahmen unsere Reisenden die kühlen Stunden der Nacht zu Hilfe, lieber den Gebirgszug Lemwalmon drangen sie nach der Provinz Wogara vor. Um zurückzugelangen und über den gefährlichen Berg hinwegzukvminen, der den Schrecken der Karawane und das Verhängnis der Lasttiere bildet, mußte am Nachmittag abgereist werden, und bei Eintritt der Nacht traf man in Dobareq ein. Die meisten Tiere waren arg mitgenommen, die Falaschas von Masqeliqo brachten ans die Kunde von dem bevorstehenden Eintreffen der Karawane neue frische Tiere herbei. Eine große Eskorte von Falaschas kam unseren Reisenden entgegen, der Katzen Abba Enberem voran. Dieser ist ein Mann von außerordentlicher Gelehrsamkeit, ums unter den Falaschas eine große Seltenheit bildet. Die Gemeinde in Masqeliqo ist nicht nur durch ihre Seelenzahl ausgezeichnet, es kommt ihr auch eine besondere Bedeutung dadurch zu, daß in ihr ein Geist tiefer Frömmigkeit herrscht. Sie verfügt auch über eine Anzahl Debteras und es wird mehr als in anderen Gemeinden gelernt.