Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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zu veranstalten. Die Anregung hierzu ist vom Jüdischen Frauenbund ausgegangen, und der Deutsch-Israelitische Gemeindcbund ist, entsprechend der Bedeutung, 'die das Erziehungswesen innerhalb seines Aufgabenkreises einnimmt, bereitwilligst darauf eingegangen, gemeinschaftlich eine dem Wohle der jüdischen Jugend gewidmete Veranstaltung zu treffen. Es handelt sich darum, das Interesse der weitesten jüdischen Kreise für die durch die veränderten Zeitverhältnisse notwendig gewordenen Maßnahmen aus dem Gebiete unserer Jugenderziehung zu wecken. Daher wird beabsichtigt, die Konferenz auf breiter Basis auszubauen und alle die Kreise, die sich auf irgendeinem Gebiete der Jugendfürsorge betätigen, heranzuziehen. Hauptsächlich aber soll das Interesse der jüdischen Öffentlichkeit, vor allem der Eltern und Erzieher, für die großen Fragen der Erziehung geweckt werden. Wenn die Konferenz die erhofften günstigen Ergebnisse zeitigt, wird beabsichtigt, in künftigen Jahren weitere Konferenzen folgen zu lassen, die sich mit dem Thema der Berufswahl für das männliche und weibliche Geschlecht und mit der Fürsorge für die gefährdete Jugend beschäftigen sollen. Es handelt sich um eine Lebensfrage für die Zukunft des Judentums, und die Einberufer sind überzeugt, daß das Verständnis hierfür sich in allen Kreisen ausbreiten und segensreiche Frucht tragen wird. Alle Anstalten, Waisenhäuser, Kinderhorte, Mädchen- und Lehrlingsheime, Haushaltungsschulen nsw., die nicht durch direkte Einladungen aufgefordert sind, werden gebeten, sich freündlichst bei der Unterzeichneten Geschäftsstelle zu melden. Das Bureau der l. Erziehungskonferenz: Frau Henriette Ai a h , Berlin SW. 11, Königgrätzer Straße 97. TR. A. Freienwalde a. O., 5. Dezember. Die diamantene Hochzeit begingen am 22. v. M. der frühere Kultusbeamte der Freienwalder israelitischen Synagogengemeinde, Herr Leopold Cohn und seine Ehefrau. Zahlreiche frühere Schüler des nach fast 50jähriger Amtstätigkeit im vorigen Jahre in den Ruhestand getretenen Jubilars, darunter manche mit klangvollem Namen, Mitglieder der Freienwalder Synagogengemeinde und Freunde des Jubelpaares hatten sich znsammengetan, um den in 60jähriger Gemeinschaft Verbundenen — zugleich mit einer kunstvollen Adresse — ein namhaftes Geldgeschenk zn überreichen. Im Aufträge des Kaisers überbrachte Bürgermeister Dr. K u r t s die Ehejubilünmsmedaille mit der Zahl 60, indem er gleichzeitig die Glückwünsche des Magistrats übermittelte, und für die Stadtverordnetenversammlung erschien Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Becker, der eine mit dem Freienwalder Stadtwappen geschmückte, prächtig geschliffene Glaskanne mit Silberbeschlag und Silberdeckel dedizierte. Die große Schar der persönlich Gratulierenden und die Unzahl der von nah und fern eingelausenen Telegramme, Glückwunschschreiben und geschmackvollen Festgeschenke legten beredtes Zeugnis davon ab, in wie hohem Maße das Jubelpaar sich allgemeinster Achtung und Verehrung erfreut. Marreriburg, 5. Dezember. Der Verein jüdischer R e l i g i o n s l e h r e r W e st p r e u ß e n s hielt hier seine 17. Jahresversammlung ab. In Abwesenheit des erkrankten ersten Vorsitzenden, Lehrer 6kisenk,erg-Marienwerder, leitete und begrüßte der zweite Vorsitzende, Lehrer Mannheim-Graudenz, die Versammlung; auch brachte er das Hoch auf Seine Majestät, unseren Kaiser aus. Namens des Verbandes westpreußischer S.yuagogengemeinden und der Synagogengemeinde Danzig sprach als Vorsitzender beider Körperschaften Justizrat Steinhardt-Danzig, namens der Synagogengemeinde Marienburg deren Vorsitzender Stadtrat Flater und im Namen des Westpreußischen Nabbinerverbandes Rabbiner Dr. Loevy-Graudenz. Lehrer Mannheim erstattete darauf den Jahresbericht. Die Auskunftei, die Stellenvermittlung und die Stelle für Raterteilung bewährten sich sehr gut. Die Mitgliederzahl ist auf 38 gestiegen. Die Danziger Hilfskasse für jüdische Gemeindebeamte ist infolge der erhöhten Anzahl von Pensionären pekuniär zurückgegangen, so daß die Unterstützungsquote auf 80 Mark herabgesetzt werden mußte. Darauf erstattete der Rendant Lehrer Rynarzewski-Pr.-Stargard den Kassenbericht, der mit einem Kassenbestand von 172 Mark 41 Pfennig abschloß. Das Hauptreferat hielt Lehrer Mannheim-Graudenz Über: „Die rechtliche Stellung des jüdischen Religionsunterrichts und des jüdischen Religionslehrers." Der Vortrag dauerte eineinhalb Stunden und gipfelte in zehn Leitsätzen, die von der Versammlung einstimmig angenommen wurden. — Ein Antrag des Rabbinerverbandes auf Vereinheitlichung der Lehrbücher in den Religionsfächern, der von Rabbiner Dr. Loevh begründet wurde, führte zur Bildung einer Kommission, bestehend aus den Lehrern Geifenberg, Rynarzewski und Friedlaender-Danzig, die auch den vorhandenen Lehrplan für Westpreußen -einer Revision unterziehen sollen. Bei der Vorstandswahl wurde der Gesamtvorstand einstimmig durch Stimmzettel wiedergewählt.; Lehrer' Mannheim lehnte seine Wiederwahl ivegen Ueberbürdung ab; das Amt wurde vorläufig nicht besetzt. W. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Posen. Die Israelitische Brüdergemeinde (Gemeindefhnagoge 6) veranstaltet, wie im Vorjahre, auch in diesem Jahre an den ersten Freitagabenden der Wintermonate neben dem regelmäßigen einen zweiten Gottesdienst, welcher abends 8X Uhr beginnt. Zutritt haben auch Nichtmitglieder. — Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der hier über hundert Mitglieder zählt, veranstaltete eine Ausstellung von Spitzen, die in seinen palästinensischen Ateliers angefertigt sind. Da der Verband durch seine Tätigkeit einen lohnenden Erwerb eröffnet, hat. er sich um die palästinensischen Juden hervorragende Dienste erworben. Der Ausstellung ging ein Lichtbildervortrag voran, der die Tätigkeit des Verbandes aus den verschiedensten Gebieten der Wohlfahrtspflege (Krankenpflege, Erziehung, Mädchenfarm usw.) in anschaulicher Weise illustrierte. Für die Veranstaltungen hatte die Amicitia-Loge ihre Räumlichkeiten (Friedrichshof) in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. — Der Maurer- und Zirnmermeister Jacob Jarecki feierte mit seiner Gattin das silberne Ehejubiläum. Unter den zahlreichen Gratulanten befanden sich auch die „Posener Bauhütte", die eine eingerahmte Ausnahme der Hauptsassade ihres schönen Jnnungsgebäudes und eine Blumenspende überreichen ließ, und der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe in der Provinz Posen, dessen Vertreter einen Blumenkorb überbrachteu. — L i s s a. Sein Mandat als Stadtverordneter hat der langjährige erste Vorsteher dieses Kollegiums, Herr Justizrat Wolfs, niedergelegt. — H o h e n s a l z a. Bei den Repräsentautenwahlen der jüdischen Gemeinde^ wurden gewählt: in der dritten Abteilung die Kauflente Chaskel Kleinert, Arthur Joll und Isaak Dombrowes, als Stellvertreter Prokurist Albert Frankel; in der zweiten Abteilung Rentier Heymann Freudenthal, Zahnarzt I. Schwersenz, Bahnspediteur Eduard.Rosenberg; als Stellvertreter I. Üewinsohn; in der ersten Abteilung Rechtsanwalt Grünberg, Kaufmann Nathan Markus/ Arzt Dr. Frost, Kaufmann Bacharach und Kaufmann P. Back. — B e nt s ch e n. In der ersten Abteilung wurde Herr Leopold Cohn einstimmig zum Stadtverordneten gel5ahlt. — M ogilno. Zu Schulvorstandsmitgliedern wurden die Kauflente L. Lewin, zu Schnlgemeinderepräsentanten Drucker und Max Lewin auf sechs Jahre gewählt. — R a k w i tz. Infolge Auslösung der hiesigen jüdischen Volksschule ist der bisherige Lehrer Joseph Josephsohn in den Ruhestand versetzt worden. Herr Josepysohn erhielt den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern. — Aus London kommt die Nachricht, daß ein Posener Kind, das mit den hiesigen musikalischen Kreisen aufs engste verwachsen ist, Frau Hedwig Kuttner geb. Sternberg, nach schwerer Krankheit verschieden ist. Nvch im vorigen Jahre hörten wir sie im Bachverein in Posen, wo sie mit ihrer herrlichen, ausgezeichneten Sopranstimme einige ihrer schönsten Lieded vortrug. Stets war sie bereit, ihre Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen, so oft sie ihre Heimat berührte. 8. L-r. Breslau, 5. Dezember. In der Rückerinnerung an die aus der Beteiligung.am Judentage in Hamburg Anfang vorigen Monats verlebten Tage sind es zwei Veranstaltungen, die dauernd im Gedächtnis der Teilnehmer zu hasten würdig sind. Von 'dem imposanten Verlaus der Hauptversammlung abgesehen — war es die eine, welche die Huldigung der Alanen Gabriel Rießers an seinem Grabe betraf. Eine erhebende Feier, die des mächtigen Eindrucks nicht entbehrte. In markigen Worten kündete Dr. Cohn- Dessau die Verdienste Rießers; andere Redner schlossen sich danksagend beredt an, und ergreifend beendete Dr. L e i m d ö r f e r - Hamburg mit dem eindringlich gesprochenen Kaddischgebet diese wohl heilig zu nennende Stunde. Die andere Veranstaltung war die am Vorabend stattsindenbe Versammlung des Gab riel-Rießer-Vereins. Ein den großen Curiosaal vollständig ausfüllendes Publikum lauschte den herrlichen Worten des Vortragenden, Dr. Leimdörser-Hamburg, der das Thema, die. Erziehung zur Einheit, behandelte. Ein begnadeter Redner mit allen Vorzügen in Diktion, einfacher und doch gewählter Sprache, tiefste Wissenschaftlichkeit verständlich darbietend, wußte er die Zuhörer von Anfang bis Ende wohl 1% Stunde lang im Banne und in Spannung zu halten, und wohl bei allen wuchs lebhaft das Verlangen, diesen Vortrag weiteren Kreisen durch Druck zugänglich zu machen. Gewiß — den persönlichen Reiz, den das gesprochene, von