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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-12 · Heft 50 (12.12.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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*«*«*... der Gemeindkliotk. Vetlatze zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums" Korrrlpsnden?en und Kachrichten. Srutschland. L. 8. Berlin, 9. Dezember. Am 25. v. M. hielt Professor Ernst-Sellin aus Kiel im V e r e i n ,f ii x* jüdische G e - schichte und Literatur einen durch "Lichtbilder veranschaulichten Vortrag über die Ausgrabungen in. Palästina, vornehMich seit 1902. Bereits vor sieben Jahren hatte der Redner an dersewen Stelle über den gleichen Gegenstand gesprochen. -Das Arbeitsgebiet Sellins bezieht sich in Weiser Beschränkung nur auf die Ausgrabungen, welche mit der Religion, des alten Israel im Zusammenhang stehen. Es liegt in der Natur der Sache,' daß die Ausgrabungen zuerst in Jerusalem ansetzten. Bereits 1867 nahm der Engländer Marrens eine mehrmonatliche Forschungsarbeit in Angriff, wodurch ein Teil der alten davidisch-salomonischen Stadt bzw. Tempelmauer wieder zum Vorschein kam. Diese Arbeit wurde durch Guthe, unterstützt durch den deutschen Palästinaverein, sortgesetzt. Seit 1890 beginnen die Arbeiten der englischen Forscher Flinders, Petrie Bliß und Macalister mit reichen Ergebnissen;' u. a. kam das alte Geser zum Vorschein, die Stadt, 'welche nach dem biblischen Bericht König Salomon von seinem Schwiegervater, dem ägyptischen Pharao, zur Mitgift erhalten hatte. In demselben Jahre beginnen mit österreichischer Unterstützung die Ausgrabungen Sellins in der Megiddoebene und 1903 die von Schumacher. Professor Sellin glückte u. a., in Taanach das ganze Archiv des dortigen kananitischen Königs Jschtarwaschur, bestehend aus zwölf noch ziemlich gut erhaltenen Tontafeln, Briefen und Namenslisten, auszudecken. So hat sich auch ein anschauliches Bild von der kananitischen Religion ergeben, ebenso aber auch von den nicht immer vereinzelten Einwirkungen fremdländischer Einflüsse aus die Juden. In allerletzter Zeit tauchen viele Asjürtebilder auf, meist aus Ton, seltener aus Bronze, kleine, für den häuslichen Gebrauch bestimmte Figuren. Man erfährt Näheres über die zahlreichen Kinderopfer, aber auch Leichen Erwachsener finden sich vor, eingemauert, sei es als Bauopser oder sonst zu abgöttischen Zwecken bestimmt. Die vielen Schlangenköpse, blauen Perlen, mondförmigen Ringe (für Beschwörungen und gegen den bösen Blick) und sonstigen Amulette sind ausländischer Herkunft. So ist das kananitische Volk für uns lebendig, so ist klar geworden, daß seine Religion mit nichten eine Vorstufe zu dem Gotte Israel gewesen ist. Im Jahre 1907 beginnt die amerikanische Ausgrabung in Samaria (Sebaste), unterstützt durch die reichlichen Geldmittel des amerikanischjüdischen Philanthropen Schiss.. Ahabs Palast, Altertümer aus der herodianischen Zeit, althebräische Toninschristen wurden gefunden. Eine Fortsetzung dieser Arbeiten darf nicht unterbleiben. Seit 1902 ist Professor Sellin unermüdlich an der Forschungsarbeit in"Pc^ lästina beteiligt und hat in Jericho und Sichem überraschende Funde gemacht. Neben S ch i s f ist auch der Berliner Dr. James Simon als großzügiger Förderer des Werkes zu bezeichnen. Es gelang, den großen unterirdischen Kanal aus den Tagen Davids auszugraben. Bei Jericho läßt sich noch das Mauerwerk kananitischer und israelitischer Herkunft unterscheiden. Auch Strüßenzügen kam man auf die Spur, ebenso mancherlei Gerät in den jüdischen Häusern. Nächst Jerusalem ist Sichem die Stadt, an welche sich so viele geschichtliche Erinnerungen knüpfen. Hier ist viel zutage gefördert worden, und vieles harrt noch der Entdeckung. Aber der seitherige rüstige Fortgang der Arbeiten läßt die sichere Hoffnung auskommen, daß das alte Sichem aufgefunden werden wird. Ausdrückliche Bestätigungen für die Wirksamkeit der israelitischen Religion hat man nicht gesunden und wird man kaum finden, denn den geistigen Gott, die Heiligkeit und Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit und Liebe kann man nicht greifen, nur unbestimmt kann man ihre Spuren seststellen. Aber doch sind die Ausgrabungen eine der glänzendsten, Ilpologien der Bibel, überraschende Bestätigung biblischer.. Tatsachen bietend. Den Ausführungen des Redners merkte man so recht, an, daß er eigenes brachte, aus dem vollen schöpfte, und so regte er durch seine anschauliche, fesselnde Darstellung den Hörer wunderbar, an, und wohl niemand ist ohne reichliche .Belehrung nach Hause gegangen. — Aus den auswärtigen Vereinen/ In Offenbach a. M. sprach Rabbiner Dr. Tänzer-Göppingen über „das Wesen der Arbeit", in Bayreuth Landrabbiner Dr. Do ctvr-Kassel: Aus Kanaans Urzeit (mit Lichtbildern); in Köln Dr. Poritzky-Berlin über Maxim Gorki und seine Beziehungen zum Judentum; in Harburg Albert Katz über Lord Byrons hebräische Melodien; in Lissa und Rawitsch Rechtsanwalt Dr. Wolfs über „Was bedeuten uns jüdische Geschichte und Literatur?" Ferner sprach in Lissa Rabbiner Dr. E o h n - Rawitsch über Rabbi Meir, der Mischnalehrer und seine Zeit; in Bremen Rabbiner Dr. J amp e l - Schwedt über die soziale Ethik der Bibel. Im Berliner Verein für Statistik der Juden sprach am 27. v. M. Dr. Rudolf Wassermann - München über „Die Kriminalität der Juden." Berlin, 9. Dezember. Nach kurzem Leiden ist am 6. d. M. der durch seine kommunalen und Wohltätigkeitsbestrebungen in weiten Kreisen bekannte Rentier Julius Cohn verschieden. Der Entschlafene, als Mensch wie als Jude allgemein geschätzt und geachtet, stand seit zwanzig Jahren im Ehrendienst der jüdischen Gemeinde, die nun in ihm eines ihrer eifrigsten und edelsten Mitglieder verliert. Auch viele Vereine, insbesondere der Vorschußverein für hilfsbedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde, in vem er eine lange Reihe dou Jahren mit hingebungsvoller Liebe segensreich gewirkt hat, sowie der Verein für Arbeitsnachweis und die Gesellschaft Haclmassath Kallah trauern um den Plötzlichen Heimgang dieses Mannes, dem im Interesse der Allgemeinheit keine Arbeit zu schwer, keine Mühe zu groß, sondern die Lösung der mit seinen Ehrenämtern übernommenen Aufgaben ein Herzensbedürfnis, eine heilige Pflicht war. Das bekundete er auch durch seine umfangreiche Tätigkeit im Ehrendienste der Kommune Berlin, zu deren angesehensten Bürgern er zählte. Er war Waisenrat, Bürgerdeputierter und, nach dem Worte deS Propheten, stets bemüht, düs Wohl seiner Mitbürger nach Kräften zu fördern. : Der Name Inlius Cohn wird von allen, die ihm im Leben nahe standen, stets in Ehren gmannt werden. 8. T. Berlin, 9. Dezember. In dem müden grauen Licht eines Dezembertages wurde am letzten Sonntag Dr. Jon K e h m a n n, der im besten Mannesalter hat scheiden müssen, auf dem 'jüdischen Friedhof der Gemeinde Adaß Jisroel zur letzten Rühe begleitet. Von der Wertschätzung, deren sich der Verstorbene erfreute, zeugte das große Trauergefolge, lieber 150 Personen chatten sich zur Trauerfeier eingefunden; Vertreter vom Verlag und der Redaktion der „Breslauer Zeitung", der Vorstand des Vereins Berliner Presse, Hermann S u d e rm a n n, Dr. Dinier, Max Dreher, Professor K l a a r, Georg E n g e l, Dr. Wenzel G o l d b a u m , Hans B r e n n e r t und viele andere mehr. Auch eine Ofsiziersdeputation folgte dem Sarge, da Lehmann Oberleutnant der Landwehr gewesen ist. Nachdem der Nabbiner" Dr. Munk die Trauerrede gehalten hatte, trat der fünfzehn Jahre alte Sohn des Heimgegangenen, der demnächst das Abiturientenexamen macht, an den Sarg des toten Vaters und schilderte die unendliche Liebe des Vaters zu seinen Kindern, die tiefe Verehrung und die hohe Achtung der Kinder für den Vater. In der Trauergemeinde war. gewiß niemand, dem die ergreifenden Worte des jungen Mannes nicht ins Herz gedrungen wären. .Georg Engel sprach schöne, warme Worte von dem toten Freund, Professor Dr. Alfred Klaar nahm das Wort im Namen des Göethebundes', dessen Bestrebungen und Ziele in- Dr. Lehmann stets einen getreuen und mutigen Vorkämpfer gesunden, und Max Dreher brachte letzte Grüße im Aufträge des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller. Nach der ergreifenden Feier ging es zur offenen Gruft. Der Verstorbene war ein Sohn des bekannten Rabbiners und Begründers des „Isr aelit" in Mainz. c/s> Berlin, 9. Dezember. Nach eingehenden Vorbereitungen fanden am 18. v. M. im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde zu Berlin Vorbesprechungen von Vertretern des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Jüdischen Frauenbundes unter Mitwirkung eines Vertreters des Rabbinerverbandes und des Verbandes der jüdischen Lehrervereine statt, in welchen beschlossen wurde, am Sonntag, 4. Januar 1914, in Berlin die 1. Er zieh u ngskon f e r en z

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