Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-12 · Heft 50 (12.12.1913) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229120--70004-3282336
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 ebenso hoher Begeisterung als wahrster Ueberzeugung ersüllte Wort gewährt, den kann die Lektüre freilich nicht geben; aber die reiche Belehrung, die solche in dem Vortrage in so großer Fülle niedergelegten Gedanken und Anregungen bereiten, wird jedem Leser ebenso genußreich wie nutzbringend sein. Ist doch in unseren Tagen das Streben nach Einheit im Hinblick auf die Zerrissenheit in unserer Gemeinschaft besonders notwendig, und der' Vortrag birgt ein volles Arsenal scharf geschlissener Waffen für die Bekämpfung der die Einheit bedrohenden, destruktiven Tendenzen unserer Gegner, daß er wahrlich nicht eindringlich genug empfohlen werden kann. 22 Breslan, 7. Dezember. Infolge eines Propagandavortrages, den Frau Henriette Fürth-Frankfurt a. M. im Frühling hielt, wurde Ende Oktober in der hiesigen Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes ein Mädchen kl nb ins Leben gerufen, der den erwerbstätigen Mädchen Gelegenheit zur Fortbildung und Erholung geben soll. Frau Margarete Bial geb. Pfeffer, der die Jugendgruppe ihre Gründung dankt, hat durch ihre rastlosen Bemühungen das Verdienst, daß diese neue Institution geschaffen werden konnte. Unterrichtsstunden in Bürgerkunde, Putz, Gesundheitslehre, Religions- und Literaturgeschichte werden kostenlos erteilt. . Monatsbeitrag 40 Pfennige. Der Sonntag ist der Unterhaltung gewidmet. Diese zu beleben haben sich schon mehrere Damen zur Aufgabe gestellt. Fräulein Dora Blau erfreute jüngst durch Lieder zur Laute, Fräulein Sachs durch Rezitationen und Frau Regina N e i ß e r durch einen Vortrag über die Großherzogin Luise von Baden den dankbaren jugendlichen Kreis. 22 Lanvsiberg a. W«, 5. Dezember. Am Sonnabend, den 29. November feierte das hiesige „B ü r g e r -Rettungs- Institut fürs ü d i s ch c Glaubensgenossen" sein lOvjähriges Bestehen. Vor 100 Jahren, nach der traurigen Frcmzoscnzeit, als durch die Nachwirkungen der großen nationalen Kämpfe viele jüdische Familien wirtschaftlich dem Zusammenbruch nahe waren und schwer um die Erhaltung ihrer Existenz zu kämpfen hatten, ist dieses Institut, aus der Not der Zeit geboren, gegründet .worden. Es hatte sich das Ziel gesteckt, den bedrängten Familienvätern durch Hergabe zinsloser Darlehen die Möglichkeit zu gewähren, sich ferner zu ernähren und sich eine gesicherte Existenz zu schassen. In diesem Sinne hat das Institut in den verflossenen 100 Jahren seines Bestehens außerordentlich segensreich gewirkt und inanchen Ruin durch rechtzeitige Hilfe ausgehalten und verhindert. Durch einen in der festlich geschmückten Synagoge nachmittags 3 Uhr veranstalteten erhebenden Festgottesdienst wurde die Feier eingeleitet. Abends 9 Uhr fand im Saale des Aktieniheaters ein Festmahl mit nachfolgenden ernsten und heiteren Aufführungen und Tanz unter großer Beteiligung hiesiger Mitglieder mit ihren Familien und auswärtiger Gäste statt. Es war ein schönes, würdiges Fest, das seinen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Möge das Institut, wie bisher, auch ferner segensreich wirken und manchem bedrängten Glaubensbruder in der Not seine Hilfe angedeihen lassen. M. Altona, 5. Dezember. Zur Feier der Erinnerung an die im Jahre 1863 erfolgte Emanzipation der Juden Schleswig-Holsteins fand am 27. v. M. in der Synagoge der Hochdeutschen Zsraelitengemeinde in Altona ein Festgottesdienst statt. Als Ehrengäste waren erschienen; Oberbürgermeister Schadenburg, Senator Hampe, Bürgerworthalter Geheimrat Schmidt, die Stadtverordneten S chm arje und Dr. Henneberg. Unter den vielen, an der Feier teilnehmenden, hervorragenden Persönlichkeiten bemerkten wir weiter den Landtagsabgeordneten Justizrat W a l d st e i n , die Vorsteher und Geistlichen der Gemeinden Schleswig-Holsteins, aus Wandsbek Rabbiner Dr. Bamberger. Die Hamburger Gemeinde war vertreten durch Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer, Rabbiner Dr. Leimdörfer, Dr. Loewenthal, Dr. Sonderling, die Gemeindevorsteher M. Beith und Alfred Le vH .sowie Abordnungen des Repräsentantenkollegiums, des Vorstandes des' Synagogenverbandes, der neuen Dammtorsynagvge lind vieler anderer Institutionen. Nachdem der Oberbürgermeister und die übrigen Ehrengäste ihre Plätze vor der heiligen Lade eingenommen, begann die Feier mit Chorgesang und Gebet. Dann bestieg Herr Oberrabbiner Dr. Lern er die Kanzel, um die Festpredigt zu halten. Der Geistliche erörterte einleitend den Psalmvers: „Gehet ein in seine Tore mit Danklied, in seine Höhe mit Lobgesang, danket ihm, preiset seinen Namen." Wenn in alten Zeiten die Römer und die Griechen in den Krieg zogen, dann wurden die Tore der Tempel geöffnet und Lobgesänge ertönten, wenn jedoch heute in dieser so feierlichen Stunde die Tore dieses Gotteshauses geöffnet sind und Dank- und Loblieder ertönen, dann gilt es einem friedlichen Zwecke. Dank und Lob sollen gegeben sein dem Schöpfer für seine Huld und Gnade, daß die Juden Altonas und Schleswig-Holsteins vor 50 Jahren die so heiß ersehnte Emanzipation errungen haben. Dank und Preis den christlichen und jüdischen Männern, die den Kampf ausgenommen, um auch für die jüdischen Bewohner Holsteins die Freiheit und Gleichberechtigung zu erlangen. Anknüpfend an das Textwort aus Genesis Kap. 23: „Oerwetauchow onauchili irnochem“, erörterte der Festredner die Wohltat der Emanzipation und wies in geistreicher Weise die noch heute gegen die Gleichberechtigung der Juden gerichteten Angriffe zurück. Schon unserem ersten Stammvater Abraham wurde der Borwurf gemacht, daß er sich selbst als 6or, daß heißt als Elender bezeichnet. Aber Abraham antwortet, wenn ich auch euren religiösen Anschauungen fremd gegenüberstehe, als Nauehorv, als Einheimischer will ich jedoch mit euch kämpfen und wirken für das Wohk des Landes, in dem wir gemeinsam wohnen. Auch die Juden Deutschlands dürfen mit unserem Stammvater Abraham sagen: „6-er wetauchow onauchili imochem.“ Wenn wir auch aus fernen Ländern herstammen, so fühlen wir uns doch voll als Deutsche. Dem Glauben nach bin ich euch zwar fremd, aber der Gesinnung nach bin ich ein Eingesessener, der für Deutschlands Macht und Kraft stets eintreten wird. Die Juden in Holstein waren die letzten in Deutschland, welche die Gleichberechtigung erhielten. Hoffentlich führe die Emanzipation zur vollen Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die Emanzipation gleicht eben der deutschen Eiche, die langsam, aber dauerhaft wächst. In dieser ernsten und feierlichen Stunde soll erneut das Gelübde abgelegt werden, alle Zeit Treue zu Kaiser und Reich zu halten. Mit einem Segen für Kaiser und Reich, die Provinz, die Behörden und die Gemeinde schloß die wirkungsvolle Rede. Vor geöffneter Lade sprach daun noch der Oberrabbiner das Gebet für das Wohlergehen des Kaisers, der Kaiserin und des ganzen kaiserlichen Hauses. Mit dem Gesang des Halleluja hatte die Feier ihr Ende erreicht. Abends fand dann noch eine Feier im Kaiserhos statt. Dr. Franck begrüßte die Ehrengäste der Nachbargemeinden, Sanitätsrat Dr. Jakob-Kiel sprach den Dank der Provinzialgemeindcu aus. Rechtsanwalt Dr. Victor- Wandsbek sprach dann noch über die Geschichte und die Entwickelung der Emanzipation in Holstein. Das Auditorium spendete den Rednern lebhaften Beifall. 22 Köln, 5. Dezember. Vor kurzem ist hier eine neue Errungenschaft aus dem Gebiete jüdisch-sozialer Fürsorge ihrer Bestimmung übergeben worden. Nachdem die jüdischen Gemeinden der Rheinprovinz sich zu einer Organisation für jüdische Wanderarmenfürsorge zusannnengeschlossen hatten, ist es gelungen, auch eine Stätte zu gründen, wo dem müden Wanderer aus seinem Wege durch unsere Vaterstadt ein bescheidenes Obdach gewährt werden kann. Es ist hier zu diesem Zwecke bas Haus Rübenstraße 33 gemietet und mit allen die Hygiene-berücksichtigenden Einrichtungen ausgestattet worden, so ist u. a. Desinsektions- und Badegelegenheit vorgesehen, ebenso für Speisegelegenheit gesorgt. Ein wesentlicher Bestandteil der Einrichtung ist die dort untergebrachte Holzarbeitsstätte, ferner hat sich in den: Hause das Bureau der „Zentralarmenkasse der Rheinprovinz und Birkenfeld für jüdische Wanderarmensürsorge", welches die Abfertigung bisher in den Verwaltungsräumen der Synagoge Glockengasse vorgenommen hatte, etabliert. Der bom Israelitischen Frauenverein unterhaltene „Unentgeltliche Stellennachweis für Frauen und Mädchen" hat ebenfalls sein Heim dort eingerichtet, desgleichen die „Jüdische Lesehalle". Die „Jüdische Arbeitsstätte und Brockensammlung Peah" war bereits vor einem Jahre dort tätig. So sind in den: Hause verschiedene Wohlsahrtsbestrebungen nichtnur räumlich, sondern auch zu teilweise praktischer Arbeit aufs glücklichste vereinigt. 22 Gelsenkirchen, 5. Dezember. Unter Beteiligung von etwa 1200 Personen fand hier im „Berliner Hof" die zweite große Tagung des r h e i u i s ch - w e st s ü l i s ch e n Bezirks« er b a » d c 8 jüdischer Jngendvereine statt. Der zweite Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. David (Hagen) teilte in seiner Begrüßungsansprache mit, daß der Regierungspräsident und die Gelsenkirchener Stadtvertretung schriftlich der Versammlung ihre besten Wünsche finifcgegeberi hätten. Im Namen des Gelsenkirchener Ortsvereins begrüßte der Vertreter der Gelsenkirchener Synagogengemeinde Kaufmann Klestadt die Erschienenen. Den Geschäftsbericht über das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.