Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-12-12 · Heft 50 (12.12.1913) · p. Seite 595

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
Seite 595 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229120--69996-3282328
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

595 Gleichzeitig gelang Goldschmied die Konstruktion eines starren Lenkballons mit einer Tragfähigkeit von 48 800 Kilogramm. Da die Höhender Tragfähigkeit eines Luftschiffes von dem Rauminhalte des Gasbehälters oder der Ballonhülle abhängt, müßte nach dem System Zeppelin der Ballon Goldschmied bei einem Durchmesser von 16 Metern eine Lange von über 340 Metern haben. Eine solche Konstruktion wäre aber trotz Motoren und Steuerung dem Luftwiderstände nicht gewachsen. In dieser Erwägung teilt Goldschmied seinen Ballon in drei Teile, die er in Dreieckform anordnet. Den einen Teil von 100 Metern oben, die anderen beiden von je 120 Metern unten nebeneinander, und zwar so, daß zwischen den oberen und unteren Ballonteilen ein freier Raum von 4 Metern Höhe und 120 Metern Länge offen bleibt. Dieser Raum wird durch zwei Decken als Drachenkasten umgestaltet. Durch die Konstruktion wird der Ballon um zwei Drittel seiner Länge, d. h. um 215 Meter, verkürzt. Durch den freien Raum wird zweierlei bewirkt. Zunächst wird bei starkem Seitenwind ein Abdrängen des Ballons verhütet. Indem der starke Luftdruck von der Windseite mit Gewalt durch den offenen Raum dringt, erleidet das Luftschiff einen Rückstoß gegen die Windseite. Außerdem ist in der Mitte des freien Raumes ein Benzinmotor mit einer Uebertragung auf der gemeinsamen Achse zweier Propeller angewandt, und der vordere Propeller zur Arbeit eingeschaltet, so daß der Luftdruck dieses Propellers nach außen geht. Das Schiff wird nach rückwärts gegen den Wind gedrängt und ein Abdrängen des Ballons verhindert. Es ist derselbe Vorgang, lote bei den beiden Arbeitspropcllern an der Stirnseite des Luftschiffes. Der Luftdruck, den sie erzeugen, geht nach rückwärts, dadurch erleidet das Schiff einen Rückstoß nach vorn. Der zweite Vorteil dieser Konstruktion ist der, daß bei schnellem Vorwärtsdringen des Apparates in das Lustmeer ein starker Luststrom von vorn nach hinten in den freien offenen Raum dringt, sich an die obere Decke des Raumes legt und so die Tragfähigkeit und Stabilität des Schiffes erhöht. Die Arbeitspropeller sind verstellbar eingerichtet, so daß das bisherige Höhen- und Seitensteuer entfällt. Die Ballonfüllung wird durch ein Röhrensystem automatisch geregelt. Der unterste Raum von 100 Metern Länge, 3 Metern Höhe und 18 Metern Breite ist für die Aufnahme von 100 Pasfagieren bestimmt. Gondeln fallen weg. Zur Stabilisierung des Schiffes sind außer den erwähnten Vorkehrungen noch Stabilifierüngsflächen vorgesehen. Das Modell wurde im Juli 1909 beim k. k. Patentamt in 'Wien angemeldet, die Patenturkunde im Oktober 1911 ausgestellt (Oesterr. Patentschrift Nr. 50 415 vom 25. Okt. 1911). . Nun gilt es die kostspielige Ausführung des Projektes. Wer hilft dem nunmehr 71jährigen Erfinder, fein Lebens- Werk krönen? August Goldschmied. f. Msthsnün: tzmtkr Maurrn." Besprochen von Ludwig Geiger. ^^^er Inhalt dieses von einem Dänen herrührenden Dramas, das in Kopenhagen im Laufe des Sommers 1933 auf die Bühne gebracht, seit Mitte Oktober in Berlin und zwar im Komödienhause aufgeführt wird, ist rasch erzählt: Esther Levin,'die Tochter strenggläubiger Juden, verlobt sich heimlich mit dem christlichen Privatdozenten Dr. Jörgen Herming; die Eltern geben widerstrebend ihre Zustimmung, weigern sich aber aufs entschiedenste, in eine christliche Trauung zu willigen und die Verpflichtung zu übernehmen, daß die aus der Ehe stammenden Kinder dem Christentum zugesührt werden. Der Bruch, der scheinbar unvermeidlich ist, wird aber dadurch vermieden, daß der junge Herming erklärt, er werde seine Kinder weder zu Juden noch zu Christen erziehen, „nur Menschen sollen sie werden".. Man sieht also: es ist ein Problem, wie es heutzutage in Dänemark ebenso wie in Deutschland vielfach erhoben wird. Zwei Menschen verschiedenen Glaubens lieben sich; die strenggläubigen Eltern (ob Juden oder Christen) wünschen das Herüberziehen des anderen Teiles zu ihrer Kirche. Die gewöhnliche Lösung dieses Problems ist nun die Taufe des schwächeren, d. h. jüdischen Teils. Und wenn der alte Levin in unserem Stücke ' sagt (S. 97): „Läßt ein Jude seine Kinder taufen?", so. ist dies eine Frage, die in Dänemark vielleicht mit nein, in Deutschland in den meisten Fällen leider mit ja beantwortet wird. Die andere Lösung, die heute von Juden und Christen vielfach als die allein heilsame proklamiert wird, ist die Mischehe: Mann und Weib bleiben bei ihrem Glauben, die männlichen Kinder folgen dem Vater, die weiblichen der Mutter, wenn auch nicht hier wieder Vernunfts- oder Zweckmäßigkeitsgründe für/ einen Uebergang zu der numerisch stärkeren und durch die von ihr gewährten Rechte mächtigeren Religion entscheiden. Ich bin kein unbedingter Anhänger der Mischehe, da in sehr vielen solcher Ehen in späteren Generationen das Judentum erlischt; ich kann dem glaubensstarken Juden nachsühlen, daß das-Auswachsen einer künftigen Generation als religionslose Wesen ihnen tiefen Schmerz bereitet und ihnen fast ebenso schlimm Erscheint wie ein wirklicher Abfall vom Glauben. Bei der Besprechung des vorliegenden Stückes indessen ist das eben angeführte Problem nur anzudeuten, nicht eingehend zu besprechen. Die Hauptfrage, die uns interessiert, ist die: wie hat der Dichter seinen Stofs, den man alltäglich nennen könnte, behandelt? Ich antworte: vortrefflich. Nur eine Ausstellung habe ich zu machen. Der Verfasser wollte den Konflikt dadurch steigern, daß er die Alten, den h Schauspiel in vier Akten. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Dr. John Josephsohn. Berlin 1913. Oesterheld u. Co. Verlag. ' ' ......

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.